Über den Willen zum Wissen - Foucault, Michel

Über den Willen zum Wissen

Vorlesungen am Collège de France 1970/71

Michel Foucault 

Aus d. Franz. v. Michael Bischoff
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Über den Willen zum Wissen

Der Wille zum Wissen, die Sorge des Subjekts um sich selbst und die Selbsttechnologien schienen bisher erst im Spätwerk Michel Foucaults zentrale Themen zu sein. Umso überraschender ist daher die Entdeckung, dass bereits die ersten Vorlesungen Foucaults am Collège de France aus den Jahren 1970 und 1971 um diese Fragen kreisen. Die gängige Dreiteilung der Werkphasen Foucaults in eine frühe "Archäologie des Wissens", eine mittlere "Genealogie der Disziplinargesellschaft" und schließlich eine späte Geschichte der "Selbsttechnologien" und der "Gouvernementalität" erweist sich somit als zumindest fragwürdig.
Die Vorlesungen zeigen bereits erhebliche Spuren der späteren Gedanken zu den Selbsttechnologien, während zugleich Motive der Archäologie des Wissens noch deutlich erkennbar sind, ebenso wie die gerade im Entstehen begriffene Genealogie der Disziplinargesellschaft. Foucault beschäftigt vor allem die Frage, wie eine Geschichte der Wahrheit beziehungsweise eine Geschichte der Diskurse über die Wahrheit zu schreiben ist. Er setzt schon zu dieser Zeit in der griechischen Antike an und verfolgt das Thema bis zu Nietzsche einem für Foucaults Werk eminent wichtigen Autor. In der Frage nach der Wahrheit und ihrer Geschichte scheinen daher wie unter einem Brennglas alle Motive des Foucaultschen uvre schon Anfang der 1970er Jahre zusammenzulaufen. Ein erstaunliches Dokument, nicht nur für Foucault-Kenner, sondern auch für alle, die es werden wollen.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 394 S. 206 mm
  • Seitenzahl: 394
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 128mm x 30mm
  • Gewicht: 474g
  • ISBN-13: 9783518585870
  • ISBN-10: 3518585878
  • Best.Nr.: 35727902

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Schmerzlich vermisst Rezensent Martin Stingelin Michel Foucaults Duktus in diesen aus Karteikarten rekonstruierten Vorlesungen, die Foucault 1971 am College de France gehalten und in denen er, wie Stingelin erläutert, sich mit Nietzsche der Antike annähert, Aristoteles und den Sophisten vor dem Background eines Umbruchs zwischen archaischer und neuer Rechtssprechung und weiterer politischer Veränderungen im 7. und 6. vorchristlichen Jahrhundert. Die Warnung an den Leser mildert der vom Rezensenten erwähnte Umstand, dass auch die Vorträge über die Tragödie bei Sophokles und zur Erkenntniskritik Nietzsches im Band enthalten sind - beides gut ausformulierte Arbeiten Foucaults.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.04.2013

Antike
Klassenkämpfe
Michel Foucaults erste
Vorlesungen am Collège de France
Michel Foucault hört nicht auf, seine Leser zu überraschen. Als er 1966 den baldigen „Tod des Menschen“ verkündet hatte, wirkte die Provokation vor allem im Lager der Linken nachhaltig; als er fast zwanzig Jahre später, kurz vor seinem Tod im Juni 1984, die beiden letzten Bände seiner „Histoire de la Sexualité“ publizierte, überraschter er mit einer Geschichte der antiken „Selbsttechniken“, die ihn als versierten Kenner griechischer und römischer Quellen auswies. Eine späte und überraschende „Wende“ hin zum Subjekt und zur Antike, befanden die Rezensenten damals, angeblich im Widerspruch zu seinem früheren Werk.
  Die Überraschung der hier anzuzeigenden Publikation der Vorlesungen in Foucaults erstem akademischem Jahr am Collège de France liegt nun darin, wie wenig überraschend diese letzten beiden publizierten Bücher zur Antike in Wirklichkeit waren. Denn was tat Foucault, nachdem er am 2. Dezember 1970 seine berühmte Antrittsvorlesung „Die Ordnung des Diskurses“ gehalten hatte? Sprach er nun ein Semester lang über Gefängnisse? …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.08.2013

Nietzsche und die Antike sind immer modern
Michel Foucaults erstes Jahr am Collège de France

Wie mögen die 17 000 - von etwa 40 000 - athenischen Bürger, die 430 v. Chr. der Uraufführung von Sophokles' "König Ödipus" im Rahmen der Großen Dionysien beigewohnt haben, dieses Schauspiel gesehen haben? Es stand in ihm Politisches, das heißt für die Frage ihres Zusammenlebens Entscheidendes auf dem Spiel. Doch was genau? Michel Foucaults 1971 im Rahmen seiner ersten Vorlesung am Collège de France in Paris gegebene Antwort: Wo erst Hören und Sehen, Orakelweissagung und Augenzeugenschaft, Prophezeiung und Verhör, Herrscherweisheit und Sklavenverstand, Arkanum und Verschweigen gemeinsam die Wahrheit symbolisch hervorbringen, entstehe eine moderne, bis heute wirkungsmächtige Vereinigung von Wissen und Macht, über die sich Ödipus in seinen Allmachtsphantasien nicht ungestraft hinwegsetzen durfte.

Foucault hatte gerade erst in seiner Antrittsvorlesung über "Die Ordnung des Diskurses" ein Programm formuliert: Zu untersuchen galt es die Prozeduren, durch die eine Gesellschaft ihre Diskurse, das heißt dasjenige, was überhaupt gesagt werden …

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Paul-Michel Foucault, geb. 15. Okt. 1926 in Poitiers, gest. am 25. Juni 1984 an den Folgen einer HIV-Infektion; studierte Philosophie und Psychologie in Paris. 1952 Assistent für Psychologie an der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Lille; 1955 Lektor an der Universität Uppsala (Schweden). Nach Direktorenstellen an Instituten in Warschau und Hamburg kehrte er 1960 nach Frankreich zurück, wo er bis 1966 als Professor für Psychologie und Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand arbeitete. 1965 und 1966 war er Mitglied der Fouchet-Kommission, die von der Regierung für die Reform des (Hoch-)Schulwesens eingesetzt wurde. Nach einer Gastprofessur in Tunis (1965-68) war er an der Reform-Universität von Vincennes tätig (1968-70). 1970 wurde er als Professor für Geschichte der Denksysteme an das renommierte Collège de France berufen. Gleichzeitig machte er durch sein politisches Engagement auf sich aufmerksam. 1975-82 unternahm er Reisen nach Berkeley, Japan, Iran und Polen.
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