»Nie zuvor ist der symbiotische Zusammenhang zwischen'Volksstaat'und Verbrechen, zwischen den attraktiven und kriminellen Elementen des Nationalsozialismus so scharfsinnig und einleuchtend dargestellt worden. Dieses Buch gehört zu jenen seltenen Werken, die unseren Blick auf die düstere und folgenreichste Periode der deutschen Geschichte neu schärfen.« (Volker Ullrich, DIE ZEIT, 10.3.2005)
»'Hitlers Volksstaat', das jüngste Buch Götz Alys, der zu den originellsten Erforschern des Dritten Reiches gehört, bilanziert bisherige Einsichten und eröffnet zugleich ein neues Forschungsfeld. (...) Für die Interpretation der Geschichte des Dritten Reiches setzt die Untersuchung von Götz Aly deutlich neue Akzente.« (Hans Mommsen, Süddeutsche Zeitung, 10. 3. 2005)
»So rational wie Aly ihn beschreibt, verliert der Massenmord nicht unbedingt an Schrecken; wenn einem der rassistische Wahnsinn plötzlich als kühl kalkuliertes Mittel der Steuerpolitik und als Inflationsdämpfer auseinandergesetzt wird, dann ist eher das Gegenteil der Fall. [...] Streckenweise liest sich das wie ein Krimi.« (Peter Richter, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13. 3. …
 | Besprechung von 03.08.2005 |
Wohin floß das Geld?Ein Fall offensiver Unkenntnis: Wolfgang Seibels Kritik an "Hitlers Volksstaat" / Von Götz AlyMein Buch "Hitlers Volksstaat" beschreibt auf 350 Textseiten, wie der NS-Staat die Völker Europas, Millionen von Zwangsarbeitern und Juden zugunsten der deutschen Mehrheitsbevölkerung ausplünderte. Territorial reicht die Studie von Oslo über Amsterdam bis Tunis, von Rhodos über Bukarest bis Riga, von Bordeaux bis Kirowgrad. Das kann nicht mit gleichmäßig-spezialistischer Intensität geschehen und erfordert kursorische Abschnitte. In der fünften Auflage des Buches wurden acht kleinere Versehen korrigiert. Ich freue mich über weitere Hinweise. Das gilt auch für die Kritik von Wolfgang Seibel. Weit überzogen aber ist es, wenn er sich unter der Überschrift "Rechnungen ohne Belege. Götz Alys scheingenauer Bestseller" (F.A.Z. vom 25. Juli) über einige tatsächliche und vermeintliche Ungenauigkeiten erhebt.
Betrachten wir den ersten Einwand. Walther von Brauchitsch war in der Tat Oberbefehlshaber des Heeres. Er wird an drei Stellen des "Volksstaats" mit seinem richtigen Titel bezeichnet, an einer - unrichtig - als …
Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension
Höchst aufschlussreich findet Rezensent Niels Werber Götz Alys Buch "Hitlers Volksstaat", das die Wirkmächtigkeit der Finanz- und Wirtschaftspolitik im Dritten Reich erschließt. Der Autor weise nach, dass Europa verhungern musste, damit sich die Wehrmachtsoldaten in den okkupierten Gebieten billig mit Waren eindecken konnten. Als prominente Kronzeugen, die Aly für diese Praxis anführt, nennt Werber Ernst Jünger, der in Paris kostbare antiquarische Seltenheiten erwarb, und den jungen Soldaten Heinrich Böll, der in Briefen an die Familie von Kakao, Butte, Modeartikeln und Delikatessen schwärmte, die er billig kaufte und portofrei nach Köln expedierte. Aly erkunde nicht nur den systemstabilisierenden Effekt dieses Kaufrausches - die materielle Zufriedenheit von Soldaten und Heimatfront und eine zumindest "passive Loyalität" der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung -, er zeige auch, dass das von deutschen Finanz- und Wirtschaftsexperten erdachte und mit Hilfe der Wehrmacht installierte System, das alle Waren heim ins Reich lenkt, "die Enteignung und Ermordung der europäischen Juden und das Verhungern großer Bevölkerungsteile in den okkupierten Gebieten kühl …
 | Besprechung von 10.03.2005 |
Die sozialpolitisch bestochenen Volksgenossen
Wie konnte es geschehen? Heute erscheint Götz Alys Buch über
„Hitlers Volksstaat” - eine neue Deutung des Dritten Reiches
„Hitlers Volksstaat”, das jüngste Buch Götz Alys, der zu den
originellsten Erforschern des Dritten Reiches gehört, bilanziert
bisherige Einsichten und eröffnet zugleich ein neues
Forschungsfeld. Sein Fazit mutet auf den ersten Blick äußerst
provokativ an: Das Programm des „nationalen Sozialismus” stellte
weit mehr dar als eine leere Propagandaformel. Dahinter verbarg
sich eine vom NS-Regime konsequent durchgehaltene Strategie der
Machtsicherung und Machtausweitung. Sie beruhte darauf, sich der
Botmäßigkeit der „kleinen Leute” durch soziale Konzessionen zu
versichern. Mit der Verheißung eines „sozialen Volksstaats” und der
Beseitigung der Klassenschranken schuf der Nationalsozialismus
einen namentlich für die jüngere Generation äußerst attraktiven
Mythos, der ihm deren Gefolgschaft eintrug. Es handelte sich, so
Aly, um das „im zerstörerischen Sinn erfolgreichste
Generationsprojekt des 20. Jahrhunderts”.
Den Ursprung des NS-Zukunftsentwurfs führt Aly auf das …
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