"Den Vater vernichten. In ein Häufchen Asche am Grunde einer
Urne auflösen. Wie Sand. Staub, namenlos und ohne Stimme." Am
Tag der Kremation seines Vaters durchströmt Jean Calmet,
Lateinlehrer in Lausanne, ein Gefühl der Erleichterung, mehr noch:
der Befreiung. Endlich ist der vor Leben strotzende Koloss, der
seine Jugend zerstört hatte, gebannt. Einst hatte der Patriarch die
ganze Familie beherrscht, seinen Sohn verhöhnt und gedemütigt, um
die eigene Macht und Potenz zu demonstrieren. Ja, er war selbst
nicht davor zurückgeschreckt, Jeans erste zarte Jugendliebe zu
verführen. Doch das Gefühl ist trügerisch: Der Vater ist nicht tot.
Das Bild seiner übermächtigen Gestalt verfolgt den Sohn
unerbittlich überallhin, nimmt immer monströsere Züge an und raubt
ihm schließlich jede Lebenskraft. Chessex' berühmtes
sprachgewaltiges Werk, "eines der bedeutendsten
psychologischen Erzählwerke gegenwärtiger Sprachkunst" (Die
Tat), wurde virtuos von Marcel Schwander ins Deutsche übertragen.
"Der Kinderfresser", der Roman, mit dem Jacques Chessex als erster (und bis heute einziger) Schweizer 1973 den Prix Goncourt errang, schildert expressiv den Kampf des Lehrers Jean Calmet gegen seinen Vater. Als er sich in der Liebe endlich befreien zu können meint, bleibt er vor dem "Kinderfresser" als kläglicher, impotenter Versager zurück. (St. Galler Tagblatt)
"Der Kinderfresser", der Roman, mit dem Jacques Chessex als erster (und bis heute einziger) Schweizer 1973 den Prix Goncourt errang, schildert expressiv den Kampf des Lehrers Jean Calmet gegen seinen Vater. Als er sich in der Liebe endlich befreien zu können meint, bleibt er vor dem "Kinderfresser" als kläglicher, impotenter Versager zurück. (St. Galler Tagblatt)
Jacques Chessex (1934-2009), geboren in Payerne, gehört zu den bedeutendsten französischsprachigen Autoren der Schweiz. Sein Werk umfasst Lyrik, Romane, Erzählungen und Essays.
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