Antwort aus der Stille - Frisch, Max

Max Frisch 

Antwort aus der Stille

Eine Erzählung aus den Bergen. Mit e. Nachw. v. Peter von Matt

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Antwort aus der Stille

"Warum leben wir nicht, wo wir doch wissen, daß wir nur ein einziges Mal da sind, nur ein einziges und unwiederholbares Mal, auf dieser unsagbar herrlichen Welt!" Balz Leuthold wollte nie "gewöhnlich" sein, doch Außergewöhnliches hat er kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag nicht vorzuweisen. Nun will er am Berg erzwingen, was ihm in Kunst und Literatur nicht gelang: die heroische Tat, die endlich sein "Dasein" in ein echtes "Leben" verwandelt.

Mehr als siebzig Jahre nach Erscheinen ist diese frühe Erzählung von Max Frisch jetzt wieder zugänglich. Drängend und ungeschliffen noch begegnet bereits hier die Frage nach der biographischen Identität, die sein gesamtes Schaffen prägen sollte: Was macht ein erfülltes Leben aus?

"Finden wir heraus, warum Frisch diese höchst ungewöhnliche und äußerst dichte, meisterhafte Erzählung verbannt hat, welche Züge seiner Figur ihm peinlich waren? Die Antwort kommt in diesem Buch tatsächlich aus der Stille; jeder Leser wird durch seine eigenen Lektüre eine für sich zutreffende finden. Diese Lektüre schafft man in wenigen, besonders lohnenden Stunden." -- Andreas Müller, Darmstädter Echo


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 171 S.
  • Seitenzahl: 172
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.4219
  • Best.Nr. des Verlages: 46219
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 108mm x 15mm
  • Gewicht: 109g
  • ISBN-13: 9783518462195
  • ISBN-10: 3518462199
  • Best.Nr.: 29739200
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.12.2009

Küsse in der Gipfelhütte
Fingerübung, missglückt: Max Frischs frühe Erzählung "Antwort aus der Stille"

Natürlich geht der Neuauflage eines Werkes, das der Autor selbst nicht mehr gedruckt sehen wollte, eine Güterabwägung voraus. Max Frisch hatte "Antwort aus der Stille", seine Erzählung aus den Bergen (erstmals publiziert 1937), gegenüber Hans Mayer, dem Herausgeber der "Gesammelten Werke", als missglückt bezeichnet und eigenhändig von der Ausgabe ausgeschlossen. Soll der Wille des Schriftstellers akzeptiert werden, der einen Hang zur zwanghaften Kontrolle seines OEuvres hatte und Missratenes jeweils lustvoll verbrannte? Oder ist die literarische Substanz so augenfällig, dass sich die Übertretung des Autorengebotes geradezu aufdrängt?

Der Germanist und Stiftungsratspräsident der Zürcher Max-Frisch-Stiftung, Peter von Matt, hat sich für die zweite Variante entschieden und die Erzählung in einer eigenständigen Publikation neu herausgebracht. Das ist, angesichts der Schwäche dieses frühen Textes - Frisch schrieb das "Jugendwerk" mit fünfundzwanzig Jahren -, mit Sicherheit eine unglückliche Entscheidung. Frisch selbst hatte …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.11.2009

Der Gipfelstürmer als Massenmensch
Zur Wiederveröffentlichung von Max Frischs Bergerzählung „Antwort aus der Stille” aus dem Jahr 1937
Im Herbst 1937, er war 26 Jahre alt, veranstaltete Max Frisch ein großes Autodafé. Rückblickend hat er beschrieben, wie er seine Manuskripte und Tagebücher zusammenschnürte und verbrannte: „Ich mußte zweimal in den Wald hinaufgehen, so viele Bündel gab es, und es war, ich erinnere mich, ein regnerischer Tag, wo das Feuer immer wieder in der Nässe erstickte, ich brauchte eine ganze Schachtel Streichhölzer, bis ich mit dem Gefühl der Erleichterung, auch der Leere weitergehen konnte.”
Durch die Manuskriptverbrennung ließ sich nicht aus der Welt schaffen, was Frisch bis dahin bereits publiziert hatte: den Romanerstling „Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt” (1934), die Aufsätze und Rezensionen in Zeitungen und Zeitschriften. Und nahezu parallel zur Manuskriptverbrennung war der zweite größere Prosatext des jungen Autors erschienen, wie sein Vorgänger bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart, mithin in einem Verlag im Deutschen Reich, der regimekritischer Neigungen unverdächtig war: …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Max Frisch hielt seine Erzählung "Antwort aus der Stille", erstmals 1937 veröffentlicht, für misslungen, und Pia  Reinacher muss ihm da uneingeschränkt Recht geben. Denn die Geschichte um einen Dreißigjährigen in tiefer Identitätskrise, der in den Bergen in Lebensgefahr gerät und als ein Geläuterter zurückkehrt, strotzt nur so vor Kitsch, Sentimentalität und Pathos, urteilt die Rezensentin. Zwar müsse man einem Autor vom Rang Frischs ein misslungenes Jugendwerk nicht weiter übelnehmen, aber dem Herausgeber Peter von Matt will Reinacher Vorwürfe nicht ersparen. Denn sie findet, dass gerade möglichen Frisch-Erstlesern damit ein falsches Bild vom Schweizer Schriftsteller vermittelt wird. Als Teil einer Gesamtausgabe oder im Kontext anderer Arbeiten aus der Zeit hätte dieses frühe Werk die notwendige Relativierung erfahren, als eigenständige Publikation aber präsentiert sich die Erzählung als unglückliche Etüde eines "Nachwuchsdichters", so die Rezensentin unfroh.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Was die Erzählung ... zum Erscheinen bringt, ist der existenzielle Bodensatz des Schriftstellers Frisch: eine erbitterte Suche nach Lebensmöglichkeiten, ohne sich anzubiedern an ein vorgefasstes System, eine Sehnsucht nach Anfang, aber auch Angst, in die Tiefe zu stürzen. Vielleicht hat man am meisten von diesem Text, wenn man das, was zur eigenen Frisch-Sozialisation gehört, vergisst und sich dem Strudel eines eben beginnenden Schriftstellerlebens überlässt."
Ingeborg Gleichauf Badische Zeitung
Max Frisch, 15. Mai 1911- 4. April 1991, studierte Germanistik an der Universität Zürich (1930-34) und Architektur an der ETH Zürich (1936-40). Ab 1931 arbeitete er als Journalist, später als freier Schriftsteller. Seine zahlreichen Auslandsreisen führten ihn u.a. 1951/52 für einen längeren Aufenthalt in die USA. Max Frisch hat ein großes literarisches Werk geschaffen, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem 1958 mit dem Georg-Büchner-Preis und 1976 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

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