archibald strohalm - Mulisch, Harry

archibald strohalm

Roman

Harry Mulisch 

Aus d. Niederländ. v. Gregor Seferens
Broschiertes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
9 ebmiles sammeln
EUR 8,90
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für

archibald strohalm

Eine große Entdeckung: Harry Mulischs erster Roman. "Einfach ein Muss!" (Frankfurter Neue Presse)

Archibald Strohalm sieht rot: Die christlich missionierenden Vorstellungen des Puppenspielers, die er jeden Samstag besucht, sind nicht dazu geeignet, Ungläubige zu bekehren. Er könnte es selbst viel besser! Archibald tauscht sein wohl organisiertes, gutbürgerliches Leben gegen eine Künstlerexistenz ein und schreibt sein erstes Stück. Als er dieses aufführt, kommt es zur Katastrophe.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 298 S.
  • Seitenzahl: 304
  • rororo Taschenbücher Nr.24104
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 118mm x 24mm
  • Gewicht: 270g
  • ISBN-13: 9783499241048
  • ISBN-10: 3499241048
  • Best.Nr.: 14191094
"Einfach ein Muss." Britta Schmeis, Frankfurter Neue Presse, 03.06.04 "Ein Erstling, der voll seltsam verführerischem Jugendglanz, aber kein eigentliches Jugendwerk ist. Sondern schon ganz Mulisch - geprägt von Allegorik, starken Bildern und verblüffenden, Erkenntnis fördernden Anspielungen." Heiko Strech, Rheinische Post, 28.07.2004

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.05.2004

Implosion einer Persönlichkeit
Kleingeschrieben aufs Große: Harry Mulischs Debütroman nach fünfzig Jahren erstmals in deutscher Übersetzung

Seine Namensschreibweise bezeichnet eine der entscheidenden Zäsuren in Archibald Strohalms Leben, eine, die sein Autor Harry Mulisch "eine Explosion seiner Persönlichkeit" nennt: "Es stimmt, er ging aus ihr vollkommen verändert hervor - auf eine Weise verändert, die man vielleicht am besten zum Ausdruck bringen kann, indem man sagt, daß seinem Namen die Großbuchstaben genommen wurden." So geschieht es fortan, und so heißt denn auch das ganze Buch "archibald strohalm".

Die Explosion seiner Persönlichkeit erlebt archibald strohalm nicht als Raumgewinn, in den er sich ausdehnen könnte. Ja, die Sprengwirkung dieser Explosion, verpufft sogar, und was bleibt, ist eine zerfallende Existenz. Deshalb ist die Explosion denn doch mehr aus der Wahrnehmung archibald strohalms als Metapher zu verstehen, denn was er eigentlich durchlebt, ist eine Implosion. Das wird deutlich, wenn Mulisch seinen Protagonisten ins Spiegelkabinett auf dem Jahrmarkt schickt: "Wo war er? Dort oder hier? Sofort war es wieder …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Beatrice von Matt weiß nicht, was sie zuerst loben soll. In dem von Gregor Seferns "glänzend" übersetzten Erstlingsroman, werde die Krise Europas um 1949 in groteske Bilder eingefangen, resümiert die Rezensentin. Der brave Angestellte Archibald Strohalm sieht jeden Samstag den Puppenspieler Uowe Opa, der ihn langweilt und auf die Idee bringt, selber ein Stück zu schreiben. Mulisch beginne nun, so von Matt, den Erzähler mit "selbstironischen Sarkasmus" auf die Schippe zu nehmen- "So witzig übrigens, dass man sich immer wieder lachen hört". Doch für die Rezensentin ist dieser Künstlerroman die Basis für das gesamte Schaffens des Autors. Die "bildertrunkenen Beschreibungen von Absurditäten" repräsentieren die Auffassung seiner neuen in der Tradition der Surrealisten stehende Erzählkunst. So wirke Stohalm selber wie eine "steile ecriture automatique aufgereckt inmitten der Kleinstadtbanalität". Die Gegenwart selber, verzeiht die Autorin sofort, werde nur in "Irrlichter", in Wörter wie "Juden, Dachau, Faschisten", angeleuchtet. Abschließend resümiert sie jubelnd: "Das Buch ist mehr als genialisch. Es ist genial."

© Perlentaucher Medien GmbH

"einfach ein Muss."
Britta Schmeis, Frankfurter Neue Presse, 03.06.04
Harry Mulisch, geboren am 29.Juli 1927 in Haarlem, Sohn eines ehemaligen Offiziers aus Österreich-Ungarn, welcher im Zweiten Weltkieg mit den deutschen Besatzern kollaborierte, und einer Jüdin aus Frankfurt; seine später geschiedenen Eltern sprachen Deutsch miteinander. Mulisch verfasste zwischen 1947 und 1959 einige Romane und literarische Artikel und Rezensionen in niederländischen Zeitungen (Berichterstatter u.a. für "Elseviers Weekblad"). Die Teilnahme am Eichmann-Prozeß verarbeitete er in der Reportage "Strafsache 40/61", das 1963 mit dem Vijverberg - Prijs ausgezeichnet wurde. Seither schrieb er Romane, Erzählungen, Gedichte, Dramen, Opernlibretti, Essays, Manifeste und philosophische Werke. Spätestens mit seinem in sechzehn Sprachen übersetzten politischen Roman "Das Attentat" wurde er weltberühmt, die Verfilmung von Fons Rademaker erhielt einen Oskar. Für sein literarisches Schaffen erhielt er 1995 den Niederländischen Literaturpreis.

Harry Mulisch lebt heute in Amsterdam.

Leseprobe zu "archibald strohalm" von Harry Mulisch

Aus dem Niederländischen von Gregor Seferens

Ein sternenübersäter, elfenbeinfarbener Bühnenhintergrund ging in die Höhe, und ausgestattet mit transparenten silbernen Flügeln schwebte der Beerdigungsunternehmer durch den Himmel. Süße Melodien erfüllten das Firmament, und um ihn herum tanzte ein märchenhafter Engel, der ihm mit einer wunderschönen Pfauenfeder Kühlung und Seligkeit zufächerte...

Und in diesem Augenblick, jetzt, hier, plötzlich, in einem Augenblick, sprang Archibald Strohalm hoch, riß die Augen auf und brüllte, während er die Arme spreizte und sich auf die Zehen stellte:

»Jetzt ist es soweit!«

Anschließend raste er, weder Stuhl noch Tisch schonend, zum Zimmer hinaus, gefolgt vom laut bellenden Moses, der wie eine Kugel aus seinem Körbchen sprang und hinter sich die kleinen Teppiche schwungvoll durch die Luft wirbelte. Mit einem unglaublichen Lärm stürmten sie durch die Diele nach draußen, und es war, als verlasse die ausgestopfte Schleiereule ihren Ast über der Garderobe, um in einer Wolke aus Staub und Gekreisch hinter ihnen her über den Platz zu fliegen.

»He!« brach es aus Archibald Strohalms Kehle, als er, mit plötzlich in all seinen Gliedern erwachender Angst, an der hintersten Reihe des Publikums zum Stillstand kam. Seine Stimme fegte über die Menschen hinweg, schallte gegen die Kirchenmauern und erfüllte die kalte Luft auf dem Platz. Moses’ fiebriges Kläffen hüpfte hin und her, alles und jeden für seinen Feind haltend, verebbte jedoch unsicher angesichts des Fehlens jeglicher Aggression.

Mit entsetztem Schweigen wandten sich alle Gesichter zu Archibald Strohalm um. Der Engel hielt an und sank langsam nach unten. Der Beerdigungsunternehmer erstarrte in seiner himmlischen Seligkeit; mit einem Ruck kippte sein Kopf nach vorn, und seine Arme krümmten sich, als wollten sie etwas Großes und Dickes umfassen. Verwildert stand Archibald Strohalm in dem Hochspannungsfeld. Die Stille gerann zu einer steinharten Substanz.

»He!«

Wenn er jetzt keine Antwort bekam, dann würde er die Welt in Stücke schreien.

»Was soll das bedeuten?« hörte man aus Theodoors geöffnetem Mund. »Still, Köter!« befahl er dem Hund. Ouwe Opas Sohn stand mitten unter den Zuschauern und hatte gerade anfangen wollen, mit einer gelbkupfernen Dose Geld einzusammeln.

»Daß jetzt Schluß ist! Mit euch ist es aus und vorbei! Glaubt nicht, ihr könntet ewig damit weitermachen, diese Kinder ungestraft und gegen Bezahlung zu verstümmeln!«

Jetzt verschwand der Beerdigungsunternehmer rasch aus dem Blickfeld, und aus dem Kasperltheater war Gepolter zu hören; der Kasten wackelte sogar ein wenig, und dann trat Ouwe Opa ans Tageslicht.

»Mein Herr«, sagte er, die Pudelmütze auf dem Kopf und um den Zuschauerhalbmond herumgehend, »wer sind Sie?«

»Strohalm!« Archibald nickte drohend. »Und Sie sind ein Verbrecher! Ich fordere Sie auf, diesen Platz augenblicklich zu verlassen und nie wiederzukommen! Was denken Sie sich dabei? Was wollen Sie mit diesem widerlichen Brimborium erreichen? Etwas Gutes? Nein, Sie sind nicht nur ein greiser Idiot mit einem langen Bart! Ich habe sie beobachtet; seit einem Jahr ärgere ich mich schwarz über Sie, dort, hinter dem Fenster! Jetzt ist Schluß, jetzt greife ich ein!«

»Ich kenne Sie nicht«, sagte Ouwe Opa, mit hüpfendem Bommel den Kopf schüttelnd, und blieb einige Meter vor Archibald Strohalm stehen. »Sie haben nicht das Recht, über mich zu urteilen. Und außerdem mangelt es Ihnen an Respekt vor meinem Bart.«

»Was interessiert mich Ihr Bart? Ihr Bart ist mir scheißegal! Ihr Bart kann mir gestohlen bleiben! Da schauen Sie, was! Ihr Bart interessiert mich nicht die Bohne, nicht die Bohne! Ihr Bart... das will ich Ihnen noch kurz sagen... Ihr Bart... ach was, hören Sie mir doch bloß auf mit Ihrem Bart. Sie sind wahnsinnig! Es geht überhaupt nicht um Ihren Bart; Sie wollen doch nur vom eigentlichen Thema ablenken. Aber darauf fall ich nicht rein! Sie sind ein Verbrecher, schreiben Sie sich das mal bloß hinter die Ohren. Darum geht es. Und für einen Moment bin ich noch bereit anzunehmen, daß Sie in bester Absicht handeln, für einen Moment will ich das annehmen. Lassen Sie sich also gesagt sein: Was Sie da tun, ist ein faschistisches Prozedere! Entsetzen und Rührung waren vielleicht im Mittelalter ein guter Weg zum Glauben, doch heute –«

»Sie sind der einzige Weg«, unterbrach Ouwe Opa ihn kühl. »Früher, heute und für alle Zeit. Sie sind der heilige Weg. Aber ich möchte Sie bitten, den Mantel des Schweigens darüber zu breiten.«

»Den Mantel des Schweigens darüber breiten? Ich werde Ihnen gleich etwas breiten!« schrie Archibald Strohalm und schüttelte die Faust.

»Es ist nicht gut«, fuhr Ouwe Opa unbeirrt fort, »diese lieben Kinder hinter die Kulissen schauen zu lassen. Das ist eher etwas fürs stille Kämmerlein.«

»Ha! Genau! Das stille Kämmerlein! Das ist typisch für Sie! Unbewußtheit und Unwissenheit sind Ihr Element – Dunkelheit und finsterer Ernst! Ihre Auffassungen können das Tageslicht nicht ertragen! Meine aber sehr wohl, und darum erkläre ich hier – coram populo, wenn Sie wissen, was das bedeutet –, daß der heutige Weg das Lachen ist.« – Wie komm ich darauf, woher hab ich diesen Gedanken, was bedeutet das? – »Und Sie, Sie können nicht lachen, höchstens so ein ekelhaftes Augurenlachen, wenn Sie wissen, was das bedeutet!«

Er begann sich unsicher zu fühlen, und durch das Schimpfen verschwand dieses Gefühl nicht. Außerdem fror er auf einmal, so ohne Mantel in der kristallenen Eiseskälte. Der Eindruck, er handele nicht selbst, sondern werde gehandelt, stellte sich mit aller Schärfe bei ihm ein: Er war kein Subjekt, sondern Objekt, er stand im Akkusativ, war leidendes Objekt. Was meinte er mit dem Weg des Lachens, von dem er sich hatte reden hören? Doch da war noch etwas anderes, etwas, das kurz in ihm auftauchte, ein Gedanke, der für einen Moment seine stinkende Spitze in ihn bohrte, um gleich wieder zu verschwinden: daß er auf einem falschen Fundament baute, daß schon der Anfang falsch gewesen war, daß er eine von vornherein verlorene Sache in Angriff nahm...

»Wahrscheinlich kann ich besser Latein als sie«, sagte Ouwe Opa, »und ich bin auch längst noch nicht an dessen Ende angekommen. Und was Ihre Ideen über das Lachen angeht, so kann ich Ihnen versichern, daß sie lächerlich und hochgradig gotteslästerlich sind. Ich werde Ihnen übrigens jetzt den Beweis für die Richtigkeit meines Prozedere liefern – um Ihren dümmlichen Ausdruck zu benutzen.«

11 Marktplatz-Angebote für "archibald strohalm" ab EUR 0,99

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
0,99 2,00 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), offene Rechnung Davids Antiquariat + catch-a-book 99,7% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 2,00 1,60 Banküberweisung TEtt 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 2,50 1,20 Banküberweisung erkunden 100,0% ansehen
gebraucht; gut 3,08 1,50 Banküberweisung, PayPal Buch-Sonderpost en.de 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 3,10 1,25 Banküberweisung Seitenwelt 100,0% ansehen
gebraucht; sehr gut 3,50 1,50 Banküberweisung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Buchmann77 100,0% ansehen
3,50 2,00 PayPal, offene Rechnung, Banküberweisung "Alte Schmiede" 100,0% ansehen
gebraucht; gut 3,90 1,99 PayPal, offene Rechnung, Banküberweisung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) werbinich 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 4,50 0,00 PayPal, Banküberweisung Rhein-Team Lörrach 99,9% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 4,50 2,50 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), Banküberweisung ARVELLE Buch- und Medienversand e.K. 99,6% ansehen
7,00 3,00 PayPal, Kreditkarte, Banküberweisung, Selbstabholung und Barzahlung Buchhandlung-Antiquariat Sawhney 98,0% ansehen
Mehr von