Luise Rinser - Sanchez de Murillo, Jose

Jose Sanchez de Murillo 

Luise Rinser

Ein Leben in Widersprüchen. Biographie

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Luise Rinser

Zum 100. Geburtstag von Luise Rinser am 30. April: Die große Biographie Mit Romanen wie 'Mitte des Lebens', 'Mirjam', 'Abaelards Liebe' gehörte Luise Rinser zu den meistgelesenen Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Romanhaft sind, wie sich zeigt, auch ihre Autobiographien 'Den Wolf umarmen' und 'Saturn auf der Sonne'. Die streitbare Autorin, die die deutsche Kultur der Nachkriegszeit entscheidend mitprägte, sah sich gern als Gegnerin und Opfer des Nazi-Regimes. Aber sie schrieb Huldigungsgedichte an Hitler, leitete BDM-Schulungslager, entwarf Propagandafilme. Manches nie Ausgesprochene konnte Luise Rinser erst in ihren späten Jahren dem Freund José Sánchez de Murillo anvertrauen. Anderes hat sie literarisch verarbeitet: die Spannung zwischen Lebensentwurf und Wirklichkeit als schriftstellerische Inspiration.


Produktinformation

  • Verlag: S. Fischer
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 464 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 480
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 151mm x 40mm
  • Gewicht: 724g
  • ISBN-13: 9783100713117
  • ISBN-10: 3100713117
  • Best.Nr.: 32201056

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Allemal eine Biografie wert sei das Leben der Luise Rinser gewiss. Ob nun allerdings ein Freund ihrer späten Jahre und Gründer des "Edith Stein Instituts" für Tiefenphänomenologie wie Jose Sanchez de Murillo sie schreiben musste, da hat Rezensent Helmut Böttiger denn doch seine Zweifel. Lesenswert findet er den Band dennoch, vor allem des darin ausgebreiteten Materials wegen. Und immerhin suche der Biograf zwar nach allerlei Entschuldigungen für das frühe Nazi- und Hitler-Geglühe der Rinser, verschweigen oder bestreiten (wie vorzugsweise sie selbst) will er es immerhin nicht. Und ein Phänomen sei der Lebenslauf der Autorin, die starke und charismatische Männer auf aktive, wenn nicht bedrängende Weise zu bewundern ihr Leben lang nichts unterließ, ganz ohne Frage. Sie brachte den Jesuiten Karl Rahner auf dem Gebiet der Erotik ins Schwitzen, sie schwärmte unbeirrbar für den nordkoreanischen Diktator Kim Il-Sung und wurde von den Grünen in den Achtzigern zielsicher als Präsidentschaftskandidatin nominiert. Die literarischen Werke seien gewiss - Böttiger bleibt höflich - "sehr augenblicksbezogen". Als "pars pro toto" eines deutschen Jahrhunderts werde Rinser aber auch in dieser sehr beschönigenden Biografie sichtbar.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.04.2011

Nie sollst du mich befragen

Denn wir sind treu: Luise Rinser hat ihr Leben und Wirken zwischen 1932 und 1945 systematisch umgeschrieben. Das verschweigt auch eine neue, von ihrem Freund und Kollegen José Sánchez de Murillo verfasste Biographie nicht.

Ihre außerordentliche Popularität als Kämpferin für Frieden und Gerechtigkeit hat Luise Rinser mit der Erfindung einer Frauengestalt begründet, die das Ideal der sich befreienden Frau wirksamer geprägt hat als Simone de Beauvoirs Konstruktion des anderen Geschlechts. In Nina Buschmann aus dem Roman "Mitte des Lebens" (1950), millionenfach aufgelegt und in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt, konnte sich auch Luise Rinser selbst wiedererkennen: "die Haltung natürlich, der Widerstand gegen das Dritte Reich. Es gibt Leute, die mich Nina nennen; diese Unbedingtheit zu denken, zu leben, das bin vermutlich ich selber." In einem Punkt aber nimmt die Autorin Abstand von ihrer Figur: "Leben ohne Lüge ist vielleicht ein bisschen zu großartig."

Tatsächlich hat Luise Rinser im "Gespräch von Mensch zu Mensch" jedwede Moral gepredigt, das achte Gebot aber galt ihr nicht kategorisch. "Jeder Mensch hat …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.04.2011

Am Herdfeuer der Leidenschaft
Vor 100 Jahren wurde Luise Rinser geboren. Die neue Biografie über die Schriftstellerin ist überaus freundlich
In jeder Epoche gibt es mindestens eine Luise Rinser. Deshalb ist uns diese Schriftstellerin, die in der alten Bundesrepublik zu den am meisten gelesenen gehörte, gar nicht so ferngerückt. Ihre Mischung aus weiblicher Weltsicht, Gefühl und Mystizismus wirkt todsicher noch heute. Der Lebenslauf der vor 100 Jahren, am 30. April 1911, in Pitzling bei Landsberg am Lech geborenen Bayerin ist so spektakulär, dass die jetzt zu diesem runden Gedenktag erschienene Biografie schon allein durch die äußeren Daten Eindruck macht. Dem spanischen Philosophen José Sánchez de Murillo, der in München das „Edith Stein Institut“ für Tiefenphänomenologie gegründet hat, geht es jedoch auch stark um innere Daten. Damit entspricht er seiner Heldin durchaus. Das aber ist zugleich das Problem dieses Buches.
Rinser lebte offensiv. Sie bekam ein uneheliches Kind, nachdem sie ein paar Tage lang in den frühen vierziger Jahren als Drehbuchschreiberin bei der Ufa in Berlin war und in der nazistischen Film- und Künstlerszene verkehrte. …

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José Sánchez de Murillo, geboren 1943, Begründer der Tiefenphänomenologie, lehrte Philosophie in Würzburg, Augsburg und Granada. Gegenwärtig leitet er das Edith-Stein-Forschungsinstitut, ist Mitherausgeber von 'Aufgang. Jahrbuch für Denken, Dichtung, Musik' und lehrt an der Universität München. Er publizierte Monographien zur französischen Existenzphilosophie, zu Jakob Böhme, zur deutschen Romantik. Seine Freundschaft mit Luise Rinser begann 1995.

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