Marcel Proust - Tadié, Jean-Yves

Jean-Yves Tadié 

Marcel Proust

Biographie

Übersetzer: Looser, Max
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Produktbeschreibung zu Marcel Proust

Die "Biographie des Werkes" ist die einzig sinnvolle Aufgabe für einen Proust-Biographen. Mit diesem Leitfaden folgt Jean-Yves Tadié - Kenner und wohl wichtigster Herausgeber des Proustschen Gesamtwerkes - der Intention Prousts, der 1921 in seinem Aufsatz über Baudelaire betont, bei einer Biographie gehe es um das Warum und das Wie, nicht um das Was. Bei Tadié sind folglich die äußeren Lebensumstände und -zeugnisse, einschließlich der Korrespondenz, nur Belege und Mittel, um das "innere Leben", das, was Proust wußte, dachte, empfand, interpretierend zu erschließen. Die Darstellung fließt dabei nicht immer exakt linear. Sie reflektiert auch die Bruchstellen und registriert bewertend die Details von Belang und die oft retardierenden Bedeutungen der Ereignisse. Es ergibt sich ein Puzzle von Personen, Orten und Motiven. Jedes einzelne der Teile gleicht einer Miniatur, bildet ein eigenständiges Porträt, um sich schließlich in ein Gesamtbild zu fügen. Dieses mikrologische Verfahren bietet alles, was man über Proust wissen kann, alles Wissenswerte, was zum Verständnis der Gestalt des Schriftstellers und seines Werkes beiträgt.

Produktinformation


  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 1265 S.
  • Seitenzahl: 1265
  • Best.Nr. des Verlages: 41952
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 152mm x 62mm
  • Gewicht: 1420g
  • ISBN-13: 9783518419526
  • ISBN-10: 3518419528
  • Best.Nr.: 22805146
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.12.2008

Von kleinem Gebäck und großen Gedanken
Jean-Yves Tadié lässt auf den 1200 Seiten seiner Marcel-Proust-Biographie das Leben des Schriftstellers zur Materialsammlung seines Werkes zusammenschrumpfen

Anfang 1922 bietet der Autographensammler Jacques Doucet Proust 7000 Francs für die Fahnen und das ursprüngliche Manuskript des zweiten Teils von "Sodom und Gomorrha". Proust ist unschlüssig, ob er sich auf dieses Angebot einlassen soll, nicht wegen des geringen Betrages, sondern weil ihn die Vorstellung schreckt, seine Manuskripte eines Tages in einer öffentlichen Bibliothek zu sehen. "Was mich zögern lässt, ist, dass die Bibliotheken dieses Herrn nach seinem Tod Staatseigentum werden sollen. Der Gedanke, dass es . . . irgendwem gestattet sein wird, meine Manuskripte durchzusehen, sie mit dem endgültigen Text zu vergleichen, daraus Folgerungen über meine Arbeitsweise, die Entwicklung meines Denkens usw. zu ziehen, die immer falsch sein werden, ist mir jedoch nicht sehr angenehm."

Dennoch vernichtet Proust seine Notizbücher, die berühmten Cahiers, ebenso wenig wie die Maschinenabschriften und die verschiedenen Sätze der Fahnen, allesamt …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als eine Art Recherche zu Prousts "Recherche" beschreibt Rezensent Rolf Vollmann diese über tausendseitige Biografie von Jean-Yves Tadie, den er als einen der besten Kenner Prousts und seines Werkes vorstellt. Im Original sei das Buch bereits 1996 erschienen, merkt Vollmann ein wenig missmutig über das späte deutsche Nachziehen an und macht auch ein paar editorische Einwände geltend. Anders als im Original befänden sich in der deutschen Ausgabe nämlich die Anmerkungen, die den Text so klug ergänzen würden, im Anhang statt auf der Seite, auf die sie sich jeweils bezögen. Aber wer könne schon 4320 mal zurückblättern? Am überzeugendsten findet der Rezensent den Proust-Biografen, wenn er die realen Umstände und Figuren aus der "Recherche" erhellt, und dabei die Metamorphosen sichtbar macht, in denen sie schließlich zu Romanfiguren werden. Mit diesen "Ergänzungen und Retouchen" übermale Tadie noch einmal das von Proust bereits Gemalte und gebe damit dessen Farben einen immer geheimnisvolleren Glanz und seiner eigenen Biografie eine "immer flimmenderer Weite" und "schöne Genauigkeit". Es gibt auch Punkte, an denen sich Vollmanns Leserseele leicht "erkältet", zum Beispiel die dürren Worte, die Tadie für Prousts Begriff von der Liebe findet. Aber das ficht das Gesamtbild kaum an.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.01.2009

Und warum hat er seinen Bruder verleugnet?
Der Philologe als Biograph: Jean-Yves Tadiés große Proust-Biographie liegt endlich auf Deutsch vor
Die dicken Proust-Biographien versperren einander den Weg. Die letzte, von Ronald Hayman, kam auf Deutsch erst vor acht Jahren heraus. Das vorliegende Buch des großen französischen Proust-Kenners und Herausgebers dürfte, was die Materialfülle angeht, nun aber vorerst das Thema erschöpft haben. Im Original ist sie schon zwölf Jahre alt. Kein Faktum ohne Bedeutung fürs Werk, nur Ereignisse, die auch in der Literatur Marcel Prousts aufgegangen seien – so verkündet Jean-Yves Tadié und stellt sich der Problematik aller Proust-Biographien: jener vom Autor wiederholt ausgesprochenen Überzeugung, dass biographische Umstände und Details nichts sind gegenüber dem literarischen Text. Ein Prinzip, das Tadié mitunter vergisst. Zu groß scheint die Versuchung, sein enormes Faktenwissen auszubreiten.
In ihren besten Passagen sind diese zwölfhundert Seiten ein detektivisches Puzzle von Dramen und Bagatellen, deren Echo aus dem großen Romanzyklus und aus den anderen Schriften des Autors tausendfach  zurück klingt. …

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"Über den Rang dieser Biographie muss man kein Wort verlieren; sie ist in der Flut der internationalen Proust-Studien das allgemein anerkannte Opus magnum, und das nicht nur dem Umfang nach. Eine deutsche Übersetzung war längst überfällig. Jetzt ist sie da - endlich. ... Denn wenn vom zwanzigsten Jahrhundert ein Roman bleiben wird, so ist es Prousts "Recherche". Und wenn man dazu ein Buch lesen sollte, dann das von Tadié." Andreas Platthaus Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Freuen wir uns, dass die deutschsprachigen Leser und Fans sich endlich auf diesen Meilenstein der Proust-Biographik stürzen können.«
Jean-Yves Tadié ist Professor für französische Literatur an der Pariser Sorbonne. Als Herausgeber war er verantwortlich für die Werke von Marcel Proust, zu dem er mehrere Werke und eine vielbeachtete Biografie verfasst hat.

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