Kurz vor Jahresende legt Universal Music dankenswerterweise noch
ein hervorragendes Album auf den Gabentisch. In Belgien und
Australien führte es schon im Spätsommer und Herbst 2011 die Charts
an; die Single "Somebody That I Used To Know" hat
inzwischen auch in Deutschland die Top Ten erreicht. Das Album
dürfte folgen. Der 31-jährige Wally De Backer, der sich Gotye (die
lautschriftliche englische Version des französischen Namens
Gaulthier) nennt, wurde als Wouter De Backer in Belgien geboren,
wanderte aber schon als Kind mit seinen Eltern nach Australien aus.
Seit fast zehn Jahren macht er Musik, unter anderem mit der Band
The Basics. Als Gotye formte er als eklektischer Sammlers von
Samples und Musikstilen ein bemerkenswert schlüssiges
künstlerisches Statement, das beste Popmusik ist und zugleich in
seiner Ausstattung mit Sounds und Zitaten tiefer schürft. Gotye
suchte und fand auf den Flohmärkten der Popmusik wahre Preziosen,
die er zu neuen Kunstwerken arrangierte. So klingt vieles vertraut,
manches liebenswert altmodisch, und doch wirkt das ganze Album
herrlich erfrischend, ist unterhaltsam und dennoch eigen-artig. Im
Hit "Somebody That I Used To Know" spielt Gotye zum
Beispiel ganz entspannt mit einem Laidback-Reggae-Feeling, das in
Stücken wie "State Of The Art" und "Don't Worry,
We'll Be Watching You" dann noch stärker zum Tragen kommt.
Im Track "Smoke And Mirrors" zeigt der
Multiinstrumentalist, Sänger und Komponist, der als Schlagzeuger
anfing, wie man mit Perkussion und Drums eine fetzige Glanznummer
abzieht. Mit Bläsersamples, Bass und Falsettstimme geraten "I
Feel Better" und "In Your Light" zu herrlichen
Motown-Emulationen, die verwandt sind mit ähnlichen Versuchen von
The Who in ihren frühen Jahren. Bei all dem bedient sich Gotye
nicht nur diverser Synthesizer, sondern beweist auch ein
unheimliches Gespür für das richtige Zitat an passender Stelle: So
enthalten "In Your Light" und "Smoke And
Mirrors" Samples der Funktruppe Atlas, deren gleichnamiges,
exzellentes Album 1977 erschienen ist. Zu allem Überfluss ist Gotye
auch noch ein Sammler seltener Instrumente. So ist "State Of
The Art" der legendären elektronischen Heimorgel Lowrey
Cotillion gewidmet, die vor 30 Jahren auf den Markt kam und deren
erstaunliche Features in diesem Track bestens reanimiert werden. Um
es abzukürzen: Auf der Zielgeraden läuft mit "Making
Mirrors" noch ein heißer Anwärter auf das Album des Jahres
ein. Manfred Gillig-Degrave
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
In seinem Heimatland macht der Name Gotye schon seit längerem die
Runde, in Europa aber galt der multimedial denkende und arbeitende
Kreativling bislang eher als Insider-Tipp. Dies könnte sich mit
seinem Album "Making Mirrors" nun aber rasch ändern. Beim
Hören von "Making Mirrors", das am 2. Februar 2012
veröffentlicht wird, faszinieren vor allem die vielen liebevollen
Details. Man wird förmlich in eine andere Welt gezogen, in der
jeder kleine Augenblick, jeder Klang, wichtig ist. Das Album ist
voll mit Songs, die mit großer Geste die unterschiedlichsten Stile
wie Dub, Motown Soul, PolitiPop, Synth-Folk und Weltmusik
vereint.
Die erste Single "Somebody That I Used To Know" erinnert
ein wenig an Peter Gabriel in seinem legendären Duett mit Kate
Bush. Das Lied ist eine Zusammenarbeit mit der neuseeländischen
Sängerin Kimbra. Wenn Gotye über "Making Mirrors"
spricht, so gerät er ins Schwärmen über die Klänge, die er dafür
auf teils ungewöhnliche Weise gesampelt hat. Gotye ist ein
Soundtüftler, vergleichbar beispielsweise mit Brian Eno. Er
entwickelt Sounds, aus denen er perfekte Popmusik kreiert. Eine
Musik, die präziser nicht sein könnte. Die 12 Stücke sind auf ihre
eigene Art eine Form von elektronischer Musik, die voller Emotionen
ist.