Die Flüsterer - Figes, Orlando

Orlando Figes 

Die Flüsterer

Leben in Stalins Russland

Übersetzer: Rullkötter, Bernd
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Die Flüsterer

In seinem meisterhaft komponierten neuen Buch erzählt der Historiker Orlando Figes ergreifende Lebensschicksale während der schlimmsten Jahre der sowjetischen Unterdrückung. Ein beispielloser Blick in die Innenwelt eines geschundenen Volkes.

Viele Darstellungen behandeln die sichtbaren Aspekte der stalinistischen Diktatur: die Verhaftungen und Prozesse, die Versklavung und das Morden in den Gulags. Kein Buch hat jedoch bislang die Auswirkungen des Regimes auf das Privat- und Familienleben der Menschen untersucht, den "Stalinismus, der uns alle ergriff", wie es ein russischer Historiker einmal formuliert hat. Auf der Basis von Hunderten Interviews mit Zeitzeugen und zahllosen bislang unbekannten Dokumenten liefert nun Orlando Figes in Die Flüsterer erstmals einen unmittelbaren Einblick in die Innenwelt gewöhnlicher Sowjetbürger und zeigt an zahlreichen eindringlichen Beispielen, wie Einzelne oder Familien in einem von Misstrauen, Angst, Kompromissen und Verrat beherrschten Alltag um ihr Überleben kämpften. Für die Zeit der Revolution von 1917 bis zu Stalins Tod und darüber hinaus rekonstruiert Figes das moralische Gespinst, in dem sich die allermeisten Russen gefangen sahen: Eine einzige falsche Bewegung konnte eine Familie zerstören oder am Ende womöglich deren Rettung bedeuten. Keiner konnte sich sicher fühlen, nicht einmal die überzeugtesten Anhänger des Regimes. Wahrheit und Wahn, Schuld und Unschuld waren in diesem Unterdrückungssystem immer wieder auf fatal miteinander verquickt. Orlando Figes' neues Meisterwerk - in seiner erzählerischen Wucht und Aufrichtigkeit vergleichbar mit Grossmans Jahrhundertroman Leben und Schicksal - ist das breit angelegte Porträt einer Gesellschaft, in der jeder nur noch flüstert - entweder um sich und andere zu schützen oder um zu verraten. Ein ebenso schonungsloser wie ergreifender Bericht davon, wie schwach - und wie unvorstellbar stark - Menschen in einer von Paranoia geprägten totalitären Gesellschaft werden können.


Produktinformation

  • Verlag: Berlin Verlag
  • 2008
  • 4. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 1036 S. m. Abb. u. Übers.-Ktn.
  • Seitenzahl: 1040
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 149mm x 63mm
  • Gewicht: 1130g
  • ISBN-13: 9783827007452
  • ISBN-10: 3827007453
  • Best.Nr.: 23602582

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für sehr verdienstvoll hält Rezensent Gottfried Schramm dieses Kompendium, in dem der britische Historiker Orlando Figes die Geschichten von russischen Familien zusammenträgt, die Opfer der Stalin'schen Terrorherrschaft wurden. Mit Erschütterung hat Schramm gelesen, wie der "Blitz des Terrors" in meist regimetreue Kreise hineinfuhr, Kinder ihre Eltern verrieten, Mutige halfen und Opportunisten kuschten. Wichtig findet er dies auch angesichts der zunehmenden "Unverfrorenheit", mit der in Putin und Medwedjews Russland die dunkle Vergangenheit ausgeblendet wird. Aber ganz neu ist dies alles dem Rezensenten nicht, dessen Begeisterung über diese Arbeit Grenzen hat: Auf 1000 Seiten habe Figes sein Thema unnötig "aufgeschwemmt", endlos reiht er einzelne Schicksale, Orte Situationen und Personen aneinander, ohne sie jemals richtig zu durchdringen. Auch den Anspruch, die Schicksale von Durchschnittsbürgern festzuhalten, sieht Schramm dadurch konterkariert, dass sich Figes besonders auf den Literaturfunktionär Konstantin Simonow kapriziert. Schließlich hätte sich der Rezensent, selbst emeritierter Osteuropa-Historiker, bei diesem Umfang auch die eine oder andere Erkenntnis erhofft.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2008

Denn es gibt kein andres Land auf Erden
Wo das Herz so frei dem Menschen schlägt – zwei große Bücher berichten vom Stalinismus für alle: Orlando Figes erzählt Familiengeschichte aus Jahrzehnten der Angst in der Sowjetunion, Karl Schlögel beschreibt die Urszene des Totalitarismus im Moskau des Jahres 1937 Von Jens Bisky
Vieles erkannte Maria Budkewitsch wieder, als sie 1954 die Leningrader Wohnung besuchte, in der sie vor dem Krieg mit Eltern und Bruder zwei Zimmer bewohnt hatte. Da war die Keramiksammlung der Mutter, das Ledersofa des Vaters, Kissen, Lampen, Stühle. Auch die hagere Frau, der das alles nun gehörte, war ihr vertraut. Bis 1937 hatten die Familien eine Wohnung geteilt und sich angefreundet. Dann beschloss die Mitbewohnerin, wohl auch mit Blick auf die Möglichkeit, zusätzlichen Wohnraum für ihre drei Kinder zu ergattern, die Budkewitschs anzuzeigen: „Konterrevolutionäre” seien sie und „ausländische Spione” – Stanislaw und Warwara Budkewitsch waren polnische Sozialisten gewesen, bevor sie nach St. Petersburg zogen. Ja, die Historikerin Warwara betätige sich, wie die Denunziantin angab, als Prostituierte, bringe auch Kunden mit …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.11.2008

Wie die Menschen zu Flüsterern werden

Seelenkrüppel legten es darauf an, den anderen das Leben zur Hölle zu machen: Orlando Figes hat mit Zeugen des Stalinismus gesprochen und trägt ihre erschütternden Berichte zusammen.

Einem jungen Engländer, zu Gast in Russland und im Begriff, sich auf russische Geschichte zu spezialisieren, eröffnete die dramatische Endphase des Sowjetregimes in den Jahren 1985 bis 1991 die Möglichkeit faszinierender Rückblicke. Denn jetzt meldeten sich bei Orlando Figes immer mehr Menschen, die ihm von Vergangenem erzählen wollten.

In der Ära Putins und Medwedjews werden die Schatten dieser Vergangenheit zwar immer unverfrorener ausgeblendet: Russland soll, so der politische Wille, wieder stolz auf seine Geschichte sein. Figes dagegen hält es mit der Minderheit von gewissenhaften Russen, die es für ihre Ehrenpflicht halten, das Andenken der Opfer schlimmer Zeit zu pflegen. Sie wollen Schicksale von Mitbürgern ans Licht ziehen, die man lange verunglimpft und vergessen hat. In enger Zusammenarbeit mit der bewundernswerten Institution "Memorial", einer gesellschaftlichen Initiative am Staat vorbei, führte Figes …

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"Die Bedeutung dieses Buches kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden."(Antony Beevor in The Times)

"Der britische Historiker hat das Standardwerk über das Leben im Stalinismus verfasst." Die Welt, 11.8.2008<br/><br/>"Diese ehrfurchtgebietende Arbeit über und die Tragödie und das unfassbare Elend, in das das Sowjetregime sein Volk stürzte, ist Erzählung und Zeugnis zugleich und eines der herrzerreißendsten, gewaltigsten Bücher, und unvergesslichsten Bücher, die ich je über die Tragödien des 20. Jahrhunderts gelesen habe. Viele Male hat es mich zu Tränen gerührt." Die Welt, 11.8.2008<br/><br/>Aufmacher des Literaturteils der ZEIT vom 14. August ist Jörg Baberowskis zweiseitige Rezension der Flüsterer. Baberowski ist Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt Universität zu Berlin: "Orlando Figes erzählt meisterhaft über den Alltag im Stalinistischen Russland....Figes bringt Menschen zum Sprechen, seine Erzählkunst erzeugt Bilder, die man nicht wieder vergisst."<br/><br/>Rudolf Walther zeigt sich in der Frankfurter Rundschau vom 16. August tief beeindruckt von Orlando Figes, der einen "riesigen Materialberg" zu einer "umfangreichen Studie" verdichtet hat: "Die Schicksale, die Figes dokumentiert, ergänzen das Wissen über das stalinistische Lagersystem um Gesichter, in denen die Ganze Abgründigkeit des Stalinismus sichtbar wird und die jeden erschüttern. Ein wichtiges Buch."<br />1.9.2008: Platz eins der SZ-Bestenliste für Figes und die unabhängige Darmstädter Jury erklärt 'Die Flüsterer' ebenfalls zum Buch des Monats September.

&#8222;Ich bezweifle, dass es einen gleichwertigen Kenner der russischen Revolution auf der Welt gibt."
Orlando Figes lehrt Geschichte am Birkbeck College in London. Über sein preisge - kröntes Standardwerk Die Tragödie eines Volkes (1998) schrieb der große Historiker Eric Hobsbawm, es werde 'mehr zum Verständnis der russischen Revolution bei - tragen als irgendein anderes Buch, das ich kenne'. Auch sein Buch Nataschas Tanz. Eine Kulturgeschichte Russlands (2003) erhielt zahlreiche hervorragende Besprechungen. Beide Bücher sind im Berlin Verlag erschienen. www.orlandofiges.com.

Blick ins Buch "Die Flüsterer"


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