Duft der Zeit - Han, Byung-Chul

Byung-Chul Han 

Duft der Zeit

Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens. Nominiert für die Shortlist des Tractatus Essaypreises 2009

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Duft der Zeit

Vielfach sind die Pathologien des modernen Lebens als Pathologien der Zeiterfahrung beschrieben worden, zuletzt als Beschleunigung. Der Philosoph Byung-Chul Han zeigt in seinem Essay, dass diese Analysen das eigentliche Problem verfehlen. Das Gefühl, alles beschleunige sich, ist nur eines der Symptome einer tiefer liegenden Störung der Zeitwahrnehmung, die er »Dyschronie« nennt. Die viel diskutierte Beschleunigungstheorie sieht - so seine provokante These - die eigentliche Zeitkrise nicht. Sie verdeckt sie sogar.
Han beschreibt die pathologischen Erscheinungen der Dyschronie und schlägt eine Zeitpraxis vor, die zu einer möglichen Heilung führt. In einer spannenden historischen Zeitreise zeigt der Essay, dass die Verabsolutierung der vita activa zu einem Verlust von Zeit und Welt, von Sinn und Dauer führt, begonnen in der Neuzeit bis hin zur heutigen Aktivgesellschaft, dass sie den Menschen zu einem Arbeiter, zum animal laborans degradiert. Nicht Strategien der Entschleunigung, sondern nur eine zeitgemäße Revitalisierung einer vita contemplativa, einer Kunst des Verweilens, vermag die vita activa auszubalancieren und nach dem Ende der großen Erzählungen Welt und Zeit wiederzugewinnen. Eine Zeit, die im Sinne Prousts einen Duft der erfüllten Zeit verströmt.


Produktinformation

  • Verlag: Transcript
  • 2009
  • 6., unveränd. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 111 S.
  • Seitenzahl: 114
  • X-texte zu Kultur und Gesellschaft
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 155mm x 12mm
  • Gewicht: 192g
  • ISBN-13: 9783837611571
  • ISBN-10: 3837611574
  • Best.Nr.: 25645617
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.10.2010

So seht doch nur, wie müd' wir sind!

Am meisten sieht man vom Westen, wenn man ihn mit den Augen des Fernen Ostens anschaut: Byung-Chul Han peilt eine Kulturkritik mit Zukunft an und bricht mit lieb gewordenen Sehgewohnheiten.

Von Mark Siemons

Der erste Anschein von Byung-Chul Hans Buch "Müdigkeitsgesellschaft" führt in die Irre. Dass sich der Mensch in Zeiten der Globalisierung nicht länger durch äußere Feinde bedroht fühle, sondern durch einen "Terror der Immanenz", dass er mit seinem hochgezüchteten, hyperaktiven Ego langsam, aber sicher an einem "Übermaß an Positivität" ersticke: Solche Behauptungen hören sich doch sehr nach einer Trotzreaktion der üblichen Art an, nach einer Theorie, für die alles Denken und Menschsein in Wahrheit durch Negativität bestimmt ist, nach Adorno also und herkömmlicher Kulturkritik. Hinzu kommt, dass die These noch nicht einmal plausibel klingt. Ist es wirklich so, dass sich die Trennungen zwischen Innen und Außen, Freund und Feind zunehmend auflösen? Weshalb gegenwärtige Phänomene wie das islamistische Ressentiment gegen den Westen, das Ressentiment im Westen gegen Muslime oder die verstärkte …

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"Hier formuliert Han auf brilliante Weise eine Kritik der Ruhelosigkeit des Menschen als 'animal laborans'." Ronald Düker, Literaturen, 7/8 (2011) "Hier formuliert Han auf brilliante Weise eine Kritik der Ruhelosigkeit des Menschen als 'animal laborans'." Ronald Düker, Literaturen, 7/8 (2011) "Der Text regt an innezuhalten - damit erfüllt er sehr wohl eine praktische Aufgabe: im Nachdenken über das Gelesene, im Verweilen bei den Gedanken des Autors und bei den eigenen." Werner Lenz, umwelt & bildung, 1 (2010) "Wie große Hamster rennen wir im Rad. Stattdessen [muss] man die 'Kunst des Verweilens' wieder erlernen." Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2009 "Dieses kleine Büchlein ist eine Anregung zum Nachdenken und zum Umdenken im Umgang mit Zeit in Zeiten aktueller ökonomischer und politischer Krisen." Elke Großer, Zeitpolitisches Magazin, 14/7 (2009) "Der Essay ist auch für Nichtphilosophen gut verständlich, die Sprache eingängig, und hat man sich erstmal auf sie eingelassen, fällt es schwer, das Buch wieder wegzulegen." Ulrike Hoffmann-Richter, Psychiatrische Praxis, 36/1-2 (2009) Besprochen in : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010, Mark Siemons Information Philosophie, 5/12 (2010) Börsenblatt, 179/13 (2012), Michael Roesler-Graichen
Byung-Chul Han studierte in Freiburg i. Br. und München Philosophie, Deutsche Literatur und Katholische Theologie. Er wurde 1994 promoviert und habilitierte sich 2000. Seither ist er Privatdozent am Philosophischen Seminar der Universität Basel.

Leseprobe zu "Duft der Zeit"

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