Aufforderung zum Burn-outDeutschpop II: Deichkind und der NeoliberalismusVon Alexander Müller
Vor vier Jahren nervte noch die Arbeit im Allgemeinen, jetzt heißt es: "Bück dich hoch." Wer Profit und Bruttosozialprodukt nicht steigert, sich nicht verbiegt, sich nicht beim Chef anbiedert und im Meeting nicht noch eine Schippe draufpackt, so schlussfolgert dieser zielstrebige Song, wird ausgesiebt. Schöne neue Arbeitswelt oder: Tanz den Neoliberalismus! Die sarkastische Anleitung zu karrieristischer Charakterlosigkeit und Aufforderung zum Burn-out, die wie eine bierselige Mitgröl-Hymne daherkommt, stammt von der Hamburger Elektro- und Hip-Hop-Formation Deichkind, die erstmals nach dem plötzlichen Tod ihres Produzenten Sebastian "Sebi" Hackert im Jahr 2009 ein neues Album aufgenommen hat. Es trägt den Titel "Befehl von ganz unten" und kehrt, wie zu erwarten war, das Unterste zuoberst. Ob es um digitale Musikpiraterie geht ("Illegale Fans") oder um die so selbstironische wie entlarvende Bedienung niederster Instinkte ("Leider geil") - hier wird der Welt stets von hinten ins Gesicht geschaut, werden Phrasen aus Werbung, Talkshows und …