Übersehene Räume - Hasse, Jürgen

Übersehene Räume

Zur Kulturgeschichte und Heterotopologie des Parkhauses

Jürgen Hasse 

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Übersehene Räume

Parkhäuser gehören zum selbstverständlichsten »Inventar« moderner Städte. Dennoch sind sie übersehene Räume - nicht nur lebensweltlich, sondern auch (kultur-)wissenschaftlich. Das Buch schließt diese Lücke. Es dokumentiert die rund 100-jährige Kulturgeschichte von Parkhäusern, deren Funktion nicht in Profanität aufgeht. Sie erweisen sich vielmehr als mythische Orte, die Geschichten zum Verhältnis von Individuum, Stadt und Automobilität erzählen. Sie sind »andere Räume« (Michel Foucault), die Bedeutungen kommunizieren: über Baustoffe, Konstruktionen, Technologien und ästhetische Formen.


Produktinformation

  • Verlag: Transcript
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 216 S. m. zahlr. z. Tl. farb. Abb.
  • Seitenzahl: 216
  • Kultur- und Medientheorie
  • Deutsch
  • Abmessung: 226mm x 138mm x 20mm
  • Gewicht: 318g
  • ISBN-13: 9783899427752
  • ISBN-10: 3899427750
  • Best.Nr.: 22811098
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.10.2007

In der Schule des Denkens
Wie bringen wir mit dem Kopf unser Leben in Form?

Soeben ist ein Buch über die Geschichte des Parkhauses erschienen. Es heißt "Übersehene Räume", Jürgen Hasse hat es verfasst (transcript Verlag). Das Parkhaus wird darin als typischer Ort der Moderne beschrieben, alles hat hier seinen Platz und seine Richtung - um dann scharf als Chiffre der Ortlosigkeit hervorzutreten. Eine Büchersaison, in der ein Buch über Parkhäuser erscheint, zumal ein so gelungenes, ist eine gute Saison.

Warum? Weil so ein Buch an den Nerv des Lebensgefühls von 2007 rührt, an das Gefühl, nicht mehr selbstverständlich heimisch werden zu können. Heute kann keiner mehr erwarten, in gemachte Nester zu kommen (ökonomisch, metaphysisch). Heute ist man mehr denn je auf sich selbst angewiesen, auf die Fähigkeit zum selbständigen Denken, um sich seinen eigenen Lebensort zu erschließen und ihn gegen den Sog der Gesichtslosigkeit zu behaupten. Welche Haltung dafür nötig ist, legt der Philosoph Harry Frankfurt in einem kleinen Bändchen dar: "Sich selbst ernst nehmen" (Suhrkamp). Sich selbst ernst zu nehmen, ist nicht selbstverständlich. …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.11.2007

Vom Verkehr, der nicht verkehrt
Sakraler Bombast für stehende Autos: Jürgen Hasse hat eine Kulturgeschichte des Parkhauses geschrieben
Breit, funktional – oder was so heißt – und hässlich verstellen sie die Städte, und sie werden gerade darum kaum als Teil des Stadtbildes wahrgenommen: Parkhäuser. Kaum einer will auf sie verzichten, und keiner mag sie ansehen.
Architektur? Ein Fall, wie es scheint, für die zweite Garnitur des Gewerbes. Schließlich sind die Parkhäuser bloß die Abstellkammern der Stadt. Kein Leben spielt in ihnen, wie das in Wohnungen, Geschäften und Theatern, ja noch in Bahnhöfen oder Flughäfen der Fall ist – und kaum selbst das automobile Leben, denn der Wagen wird ja im Parkhaus gelassen, wenn man ihn gerade nicht braucht.
Den Verkehr, der nicht verkehrt, das Überschüssige, nehmen die Parkhäuser auf. Was das für Orte sind, diese unerwünscht unverzichtbaren, darüber nachzudenken war längst fällig. Jürgen Hasses Versuch, dies zu bieten, ist zwiespältig ausgefallen. Als versierter Historiker breitet Hasse die an überraschenden Details reiche hundertjährige Geschichte der Behausung unbenutzter Fahrzeuge aus. Als Adept …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Gemischte Gefühle hat Jürgen Hasses Kulturgeschichte des Parkhauses bei Rezensent Andreas Dorschel ausgelöst. Zwar schien ihm eine eingehende Reflexion über diesen merkwürdigen ungeliebten, gleichwohl unverzichtbaren Ort seit langem "überfällig". Auch findet er in Hasses hundertjähriger Geschichte des Parkhauses eine Fülle von "überraschenden Details" über diese Art von Gebäuden. Aber zu seinem großen Bedauern krankt das Buch am Jargon der cultural studies. So hält er dem Autor vor, den Gegenstand seiner Untersuchung durch gespreizten Stil und allerlei kulturwissenschaftliche Phrasen eigentlich zu überdecken.

© Perlentaucher Medien GmbH
Jürgen Hasse, geboren 1949, unterrichtet Didaktik der Geographie und Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg.

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