Wenn du wiederkommst - Mitgutsch, Anna

Anna Mitgutsch 

Wenn du wiederkommst

Roman

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Wenn du wiederkommst

Das berührende Porträt einer wechselvollen, intensiven Liebe

Sie wollten vernünftig lieben, mit Maß und Respekt. Leidenschaftlich und doch voller Achtung für die Freiheit des anderen. Ein ganzes Leben haben Jerome und die namenlose Erzählerin gebraucht, um ein Liebespaar zu werden, das den eigenen hohen Ansprüchen genügt. Doch dann stirbt Jerome plötzlich, und die Erzählerin versucht mit einer eindringlichen, bewegenden Totenklage, das Versprechen eines Neuanfangs einzulösen, über den Tod hinaus. Gegen die oft unfreiwillig komischen gesellschaftlichen Rituale des Trauerns, gegen die Verwandtschaft, die sie nie als die »Lebensfrau« Jeromes akzeptieren wollte, gelingt ihr das wahrhaftige Porträt einer von Enttäuschungen und Verletzungen nicht verschont gebliebenen, lebenslangen, großen Liebe.

Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, eher das Versprechen von Verlässlichkeit: zwei Menschen, einander nah und vertraut wie Geschwister. Diese Nähe ist so stark, dass sie die dunklen Seiten ihrer Liebe und Ehe, Untreue, ihre einander oft ausschließenden Obsessionen und sogar die scheinbar endgültige Trennung übersteht. Jetzt, lange Jahre später, sieht es so aus, als gäbe es die Möglichkeit, noch einmal ganz neu anzufangen. Da geschieht das Unfassbare. Jerome stirbt. Verzweifelt versucht die verlassene Erzählerin, gegen die Realität des Todes aufzubegehren. Sie kämpft, als könnte sie den Toten zurückholen oder ihm wenigstens ein letztes Wort, ein Zeichen seiner Liebe abringen. Sie klammert sich an die verheißungsvolle letzte Begegnung, den letzten gemeinsamen Augenblick, die letzten Worte beim Abschied am Flughafen von Boston. Sie beschwört die Glücksmomente wie auch die gegenseitigen Verletzungen in ihrer langen Liebesgeschichte. Den gesellschaftlichen Ritualen der Trauer, den Bemühungen der Verwandten, ihr die Bedeutung als Ehefrau abspenstig zu machen, steht sie wehrlos gegenüber. Und doch gelingt es ihr in der gemeinsamen Trauer mit der erwachsenen Tochter, die Beziehung zum Ehemann und zum Vater in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit lebendig werden zu lassen.


Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 272 S. 187 mm
  • Seitenzahl: 271
  • btb Bd.74202
  • Deutsch
  • Abmessung: 186mm x 118mm x 23mm
  • Gewicht: 260g
  • ISBN-13: 9783442742028
  • ISBN-10: 3442742021
  • Best.Nr.: 33333579
Anna Mitgutsch beweist ihre Meisterschaft, wenn es gilt, sprachgewaltig nach dem Unsagbaren zu greifen: Eine Orpheus-Geschichte, allerdings ohne Wiederkehr, in welcher der Tote nur durch Worte wieder wachgerufen wird. Wiener Zeitung

"'Wenn du wiederkommst' ist ein beeindruckendes Tagebuch der Trauer, eine Anatomie des Todes, ein souverän verfasster Cantus, bei dem selbst die Dinge des Alltags zu rätselhaften Chiffren des Abschieds werden."

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sabine Doering liest diesen neuen Roman von Anna Mitgutsch als Chronik einer komplizierten transkontinentalen Verbindung zweier Menschen. Was als Totenklage über den verlorenen Menschen beginnt, entwickelt sich laut Doering in langen Monologen und nicht immer proportional ausgewogen (so erhält jüdisches Brauchtum hier für Doering einen unverhältnismäßigen Stellenwert) zur obsessiven Rekonstruktion zweier unterschiedlicher Familiengeschichten und der Bedingungen einer hindernisreichen Liebe. Dass die Autorin dabei auf wohlfeilen Trost verzichtet und offen lässt, ob der Erzählerin der Neuanfang gelingt, empfindet Doering als bereichernd für die Geschichte.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.06.2010

Wo wir nicht gewesen sind
Anna Mitgutsch erzählt in ihrem neuen Roman „Wenn du wiederkommst“ von der Liebe zu einem Toten
Das Leben ist einfach zu kurz, und der Tod kommt immer zur Unzeit. 35 Jahre waren sie ein Paar, zwanzig davon verheiratet; aber erst seitdem sie getrennt lebten, auf verschiedenen Kontinenten, wuchs in beiden wieder die Zuneigung, in Jerome, dem amerikanischen Anwalt mit jüdischen Wurzeln, und in der namenlosen Ich-Erzählerin, einer Schriftstellerin aus Europa. Beim letzten Zusammentreffen in Boston geschah das Unerwartete: Jetzt, da „die Jugend vorbei ist und das Alter noch nicht bedrohlich erscheint“, glauben sie endlich reif füreinander zu sein. Eine gemeinsame Zukunft schwebt den Geschiedenen vor, in der sie einholen möchten, was sie sich einst versprochen und so lange versäumt haben. Doch kaum ist die Erzählerin nach Europa zurückgekehrt, um bald schon für immer zu Jerome zu ziehen, kommt der Anruf: der geliebte, verlassene und wiedergefundene Mann ist tot, gefällt von einem Herzinfarkt.
Seit der „Züchtigung“, ihrem Erstling aus dem Jahr 1985, streitet die Kritik über die Romane der 1948 in Linz geborenen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.09.2010

Was lange währt, ist deshalb noch längst nicht gut

Mit dem Eifer der Konvertitin: Anna Mitgutschs neuer Roman "Wenn du wiederkommst" lässt erst eine Liebe und dann ein Leben sterben.

Liebe und Tod gehören zu den ewigen Themen der Literatur. Ihre Verbindung - inszeniert als Trauerspiel, Groteske, Romanze, Melodram oder Schicksalstragödie - hat über die Zeiten hinweg bewegende Kunstwerke hervorgebracht. Die lange Ahnenreihe literarischer Totenklagen veranschaulicht, wie groß der Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen zu allen Zeiten sein kann. Sie setzt zugleich aber auch einen hohen künstlerischen Maßstab, denn nicht jedes Zeugnis der persönlichen Trauer, so tief es auch empfunden sein mag, ist deshalb auch schon ein gelungenes Kunstwerk, dessen Lektüre über individuelle Anteilnahme und Einsicht in die Stadien der Trauer hinaus intellektuellen und ästhetischen Gewinn vermitteln kann.

So hat sich Anna Mitgutsch mit ihrem neuen Roman eine große Aufgabe gestellt, denn auch dieses Buch ist eine umfassende Totenklage. Auf den ersten Seiten lesen wir von der letzten Begegnung der in Österreich lebenden Ich-Erzählerin mit dem …

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Rezensentin Julia Kospach kommt nach der Lektüre dieses Romans der Autorin Anna Mitgutsch zu einem ambivalenten Fazit. Zum einen entdeckt sie in diesem Rückblick auf eine schwierige Liebe, einer "Ehe in Intellektuellenkreisen" eine "feine, subtile Qualität" und vergleicht die Erzählung mit den Romanen John Updikes. Zum anderen vermutet sie aufgrund einiger Schwächen des Buches einen stark autobiografischen Bezug. Es wird zu viel getrauert, die "Erzählerin kann nichts auslassen" und diese vermutete "Distanzlosigkeit der Betroffenheit" kann beim Leser nach Kospachs Einschätzung doch einigen Überdruss auslösen. Außerdem bleibt die Ich-Erzählerin erstaunlich blass, während man ihren Ex-Mann sehr gut kennen lernt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Anna Mitgutsch wurde in Linz geboren. Sie unterrichtete Germanistik und amerikanische Literatur an österreichischen und amerikanischen Universitäten, lebte und arbeitete viele Jahre in den USA. Sie erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Solothurner Literaturpreis. Seit 1974 verfasste sie zahlreiche Essays zur Gegenwartsliteratur. Sie übersetzte Lyrik, u. a. Philip Larkin, verfasste einen Essayband "Erinnern und Erfinden" und neun Romane, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Zuletzt erschienen bei Luchterhand die Romane "Familienfest", "Zwei Leben und ein Tag" und „Wenn du wiederkommst“.

Leseprobe zu "Wenn du wiederkommst" von Anna Mitgutsch

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Leseprobe zu "Wenn du wiederkommst" von Anna Mitgutsch

Ein Tag im April

Wir hatten ein Haus am Charles River und einen Anteil an einem Sommerhaus auf Cape Cod. Wir waren in einem Abschnitt unseres Lebens, in dem die Jugend vorbei ist und das Alter noch nicht bedrohlich erscheint. Jetzt haben wir nichts mehr, was uns gemeinsam gehört, nur noch eine Bank im Public Garden. Bevor ich Boston endgültig verließ, beschloß ich, daß sie der Ort unserer künftigen Verabredungen sei. Wenn man von der Arlington Street den Park betritt, ist es die erste Bank auf dem Weg rund um den Swan Pond, die einzige ohne Lehne, und wenn ich auf ihr sitze, macht meine Vernunft dem magischen Glauben Platz, daß er zurückkommt, wenn die Kraft meines Wünschens nur stark genug ist. Dann schrumpft die ganze Stadt auf diese eine Bank zwischen den Weiden am Ende des Teichs, und ich sitze wie in einem Raum, der von einer anderen, dünneren Luft erfüllt ist, und bin in meiner Verlassenheit geborgen, als wäre ich der einzige Mensch auf diesem Planeten, und er säße so dicht neben mir, daß ich seine Nähe spüre. Hier gibt es keine Erinnerungen an Zwist und Verrat, hier sind nur die letzten kostbaren Stunden bewahrt, die wir zusammen hatten.

An unserem letzten Sonntag, dem letzten Tag im April, waren wir zum Brunch in Downtown Boston eingeladen. Wir saßen mit unserem Freund Philip und seiner um vierzig Jahre jüngeren Geliebten im ersten Stock des Four Seasons in einer Fensternische, und gegenüber, im Public Garden, waren die Bäume voller Knospen kurz vor dem Aufspringen. Wir saßen lange dort und redeten über alles mögliche, das ich vergessen habe, auch den Witz über den Tod, den Jerome machte, habe ich vergessen. Er machte ständig makabre, bittere Scherze über den Tod. Aber ich habe nicht vergessen, daß nur das junge Mädchen darüber lachte. Hast du es auch bemerkt, fragte er mich beim Fortgehen, sie ist die einzige von uns, die sich noch sicher genug fühlt, daß sie über den Tod lachen kann.

Auf dem Weg zum Auto war ihm nicht wohl. Er stand eine Weile an eine Hauswand gelehnt, damit die Übelkeit vergehe, und rang nach Luft. Und ich neckte ihn wegen der vielen Hummerscheren, die er geknackt hatte, und was er wohl einer jungen Geliebten, wie Philip sie hatte, sagen würde, wenn er so hinfällig an einer Mauer lehnte, um das üppige Frühstück zu verdauen. Dann wechselten wir zum Park hinüber, langsam, Schritt für Schritt, auf seine Atemnot bedacht, ich ging neben ihm wie neben einem Rekonvaleszenten im Spitalsgarten und dachte an das Älterwerden, das vor uns lag, aber es erschreckte mich nicht an diesem Frühlingstag, an dem das Grün hell und jung war, die Magnolien entlang der Commonwealth Avenue und die Hartriegelsträucher an den Backsteinfassaden blühten und die Sonne auf dem Teich glitzerte.

Wir setzten uns auf die Bank und schauten zu, wie ein Schwanenboot voller Kinder ablegte und auf seinem großen Bogen über den Teich auf unser Ufer zuhielt. An unser Gespräch erinnere ich mich noch genau. Wir redeten über den Anfang unserer Ehe und was uns im Lauf der Zeit verloren gegangen war, wir erinnerten uns an Reisen und die Wochenendausflüge an den Walden Pond, als ich mit Ilana schwanger war, und an die Celebrity Series in der Symphony Hall, die wir damals abonniert hatten. Wir erinnerten uns an einen Klavierabend von Vladimir Horowitz in den siebziger Jahren und an eines der letzten Konzerte von Jacqueline du Pré und dachten zum zweitenmal an diesem Vormittag an den Tod. Wie schon seit langem nicht mehr machten wir Pläne. Wir nahmen uns vor, wieder regelmäßig Konzerte zu besuchen und im Sommer diesmal nicht nach Cape Cod zu fahren, sondern die drei Wochen im August im Acadia National Park in Maine zu verbringen. Er und Ilana waren einmal dort gewesen, als sie am Bard College studierte. Er hatte sie auf halbem Weg abgeholt, und sie waren nach Maine gefahren, nur er und sie. Es sei die schönste Reise seiner letzten zwanzig Jahre gewesen, sagte er oft.

Vorsichtig, zwischen den Sätzen, zeichnete sich ein neues Leben ab, wie das hauchzarte Gewebe eines leuchtenden Altweibersommers, ohne die Forderungen und Ausweichmanöver, die Ungewißheiten und das Warten auf später wie bisher. Du wirst sehen, sagte Jerome, es kann alles wieder so werden wie früher. Er redete, als hätten wir unendlich viel Zeit für einen Neubeginn. Ich wollte noch nichts mit allzu deutlichen Worten berühren, damit das Gespinst nicht, wie schon oft zuvor, unter dem Gewicht vergangener Kränkungen zerrisse, aber ich spürte zum erstenmal seit Jahrzehnten die Gewißheit, daß es uns dieses Mal gelingen -würde. Wir -würden das gemeinsame Leben wieder aufnehmen. Jetzt kannst du loslassen, dachte ich, jetzt kannst du aufhören zu fürchten, daß ihr euch ohne Vorwarnung wieder entzweit. Jetzt wird alles so werden, wie es von Anfang an vorgesehen war, und es eilt nicht mehr. Denn was sind Wochen oder Monate, wo du Jahre auf diesen Augenblick, in dem eure Wege wieder zusammenfinden, gewartet hast?

Kannst du dir vorstellen zu bleiben? fragte er. Ein wenig länger als sonst, wenn du im Sommer zurückkommst?

Ich nickte.

Vielleicht sollten wir doch wieder heiraten? Er warf mir einen fragenden Blick zu. Ich muß ihn erschrocken angesehen haben, denn er sagte schnell und leichthin: Wegen der Steuern und so. Nach einer Pause fügte er hinzu: Es muß ja nicht schon in diesem Sommer sein.

Im November, sagte ich, komme ich für länger, vielleicht ein halbes Jahr, dann sehen wir weiter.

Im November, wiederholte er, als versuchte er sich an etwas zu erinnern, und legte seine warme breite Hand auf meine. Wir waren nach fünfzehn Jahren zueinander zurückgekehrt und waren nicht mehr auf der Flucht und auf der Suche, aneinander vorbei und voneinander weg. Ich ahnte nicht, daß seine Gelassenheit vielleicht Erschöpfung war und sein Bedürfnis nach Nähe die Angst vor dem Tod.

Später fuhren wir zum Flughafen, und er hielt kurz im Parkverbot.

Leseprobe zu "Wenn du wiederkommst" von Anna Mitgutsch

Ein Tag im April

Wir hatten ein Haus am Charles River und einen Anteil an einem Sommerhaus auf Cape Cod. Wir waren in einem Abschnitt unseres Lebens, in dem die Jugend vorbei ist und das Alter noch nicht bedrohlich erscheint. Jetzt haben wir nichts mehr, was uns gemeinsam gehört, nur noch eine Bank im Public Garden. Bevor ich Boston endgültig verließ, beschloß ich, daß sie der Ort unserer künftigen Verabredungen sei. Wenn man von der Arlington Street den Park betritt, ist es die erste Bank auf dem Weg rund um den Swan Pond, die einzige ohne Lehne, und wenn ich auf ihr sitze, macht meine Vernunft dem magischen Glauben Platz, daß er zurückkommt, wenn die Kraft meines Wünschens nur stark genug ist. Dann schrumpft die ganze Stadt auf diese eine Bank zwischen den Weiden am Ende des Teichs, und ich sitze wie in einem Raum, der von einer anderen, dünneren Luft erfüllt ist, und bin in meiner Verlassenheit geborgen, als wäre ich der einzige Mensch auf diesem Planeten, und er säße so dicht neben mir, daß ich seine Nähe spüre. Hier gibt es keine Erinnerungen an Zwist und Verrat, hier sind nur die letzten kostbaren Stunden bewahrt, die wir zusammen hatten.

An unserem letzten Sonntag, dem letzten Tag im April, waren wir zum Brunch in Downtown Boston eingeladen. Wir saßen mit unserem Freund Philip und seiner um vierzig Jahre jüngeren Geliebten im ersten Stock des Four Seasons in einer Fensternische, und gegenüber, im Public Garden, waren die Bäume voller Knospen kurz vor dem Aufspringen. Wir saßen lange dort und redeten über alles mögliche, das ich vergessen habe, auch den Witz über den Tod, den Jerome machte, habe ich vergessen. Er machte ständig makabre, bittere Scherze über den Tod. Aber ich habe nicht vergessen, daß nur das junge Mädchen darüber lachte. Hast du es auch bemerkt, fragte er mich beim Fortgehen, sie ist die einzige von uns, die sich noch sicher genug fühlt, daß sie über den Tod lachen kann.

Auf dem Weg zum Auto war ihm nicht wohl. Er stand eine Weile an eine Hauswand gelehnt, damit die Übelkeit vergehe, und rang nach Luft. Und ich neckte ihn wegen der vielen Hummerscheren, die er geknackt hatte, und was er wohl einer jungen Geliebten, wie Philip sie hatte, sagen würde, wenn er so hinfällig an einer Mauer lehnte, um das üppige Frühstück zu verdauen. Dann wechselten wir zum Park hinüber, langsam, Schritt für Schritt, auf seine Atemnot bedacht, ich ging neben ihm wie neben einem Rekonvaleszenten im Spitalsgarten und dachte an das Älterwerden, das vor uns lag, aber es erschreckte mich nicht an diesem Frühlingstag, an dem das Grün hell und jung war, die Magnolien entlang der Commonwealth Avenue und die Hartriegelsträucher an den Backsteinfassaden blühten und die Sonne auf dem Teich glitzerte.

Wir setzten uns auf die Bank und schauten zu, wie ein Schwanenboot voller Kinder ablegte und auf seinem großen Bogen über den Teich auf unser Ufer zuhielt. An unser Gespräch erinnere ich mich noch genau. Wir redeten über den Anfang unserer Ehe und was uns im Lauf der Zeit verloren gegangen war, wir erinnerten uns an Reisen und die Wochenendausflüge an den Walden Pond, als ich mit Ilana schwanger war, und an die Celebrity Series in der Symphony Hall, die wir damals abonniert hatten. Wir erinnerten uns an einen Klavierabend von Vladimir Horowitz in den siebziger Jahren und an eines der letzten Konzerte von Jacqueline du Pré und dachten zum zweitenmal an diesem Vormittag an den Tod. Wie schon seit langem nicht mehr machten wir Pläne. Wir nahmen uns vor, wieder regelmäßig Konzerte zu besuchen und im Sommer diesmal nicht nach Cape Cod zu fahren, sondern die drei Wochen im August im Acadia National Park in Maine zu verbringen. Er und Ilana waren einmal dort gewesen, als sie am Bard College studierte. Er hatte sie auf halbem Weg abgeholt, und sie waren nach Maine gefahren, nur er und sie. Es sei die schönste Reise seiner letzten zwanzig Jahre gewesen, sagte er oft.

Vorsichtig, zwischen den Sätzen, zeichnete sich ein neues Leben ab, wie das hauchzarte Gewebe eines leuchtenden Altweibersommers, ohne die Forderungen und Ausweichmanöver, die Ungewißheiten und das Warten auf später wie bisher. Du wirst sehen, sagte Jerome, es kann alles wieder so werden wie früher. Er redete, als hätten wir unendlich viel Zeit für einen Neubeginn. Ich wollte noch nichts mit allzu deutlichen Worten berühren, damit das Gespinst nicht, wie schon oft zuvor, unter dem Gewicht vergangener Kränkungen zerrisse, aber ich spürte zum erstenmal seit Jahrzehnten die Gewißheit, daß es uns dieses Mal gelingen -würde. Wir -würden das gemeinsame Leben wieder aufnehmen. Jetzt kannst du loslassen, dachte ich, jetzt kannst du aufhören zu fürchten, daß ihr euch ohne Vorwarnung wieder entzweit. Jetzt wird alles so werden, wie es von Anfang an vorgesehen war, und es eilt nicht mehr. Denn was sind Wochen oder Monate, wo du Jahre auf diesen Augenblick, in dem eure Wege wieder zusammenfinden, gewartet hast?

Kannst du dir vorstellen zu bleiben? fragte er. Ein wenig länger als sonst, wenn du im Sommer zurückkommst?

Ich nickte.

Vielleicht sollten wir doch wieder heiraten? Er warf mir einen fragenden Blick zu. Ich muß ihn erschrocken angesehen haben, denn er sagte schnell und leichthin: Wegen der Steuern und so. Nach einer Pause fügte er hinzu: Es muß ja nicht schon in diesem Sommer sein.

Im November, sagte ich, komme ich für länger, vielleicht ein halbes Jahr, dann sehen wir weiter.

Im November, wiederholte er, als versuchte er sich an etwas zu erinnern, und legte seine warme breite Hand auf meine. Wir waren nach fünfzehn Jahren zueinander zurückgekehrt und waren nicht mehr auf der Flucht und auf der Suche, aneinander vorbei und voneinander weg. Ich ahnte nicht, daß seine Gelassenheit vielleicht Erschöpfung war und sein Bedürfnis nach Nähe die Angst vor dem Tod.

Später fuhren wir zum Flughafen, und er hielt kurz im Parkverbot.

12 Marktplatz-Angebote für "Wenn du wiederkommst" ab EUR 1,50

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 1,50 1,70 PayPal, Banküberweisung, sofortueberweisung.de mape09 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 1,90 1,20 Banküberweisung 2004lubos 100,0% ansehen
wie neu 2,50 2,50 Banküberweisung buch00 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 3,00 1,20 Banküberweisung anjos 100,0% ansehen
wie neu 3,50 1,20 Banküberweisung Suwai 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 3,75 1,65 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung theguneck 100,0% ansehen
gebraucht; gut 3,88 1,90 PayPal, Banküberweisung Antiquariat Watinoma 100,0% ansehen
wie neu 4,00 1,00 Banküberweisung, Skrill/Moneybookers, Selbstabholung und Barzahlung Lunasofia 100,0% ansehen
gebraucht; sehr gut 4,54 0,00 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, Banküberweisung Happy-Book GmbH 99,4% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 5,19 1,50 Kreditkarte, offene Rechnung AHA-BUCH GmbH 99,2% ansehen
wie neu 7,99 1,20 Banküberweisung buchmaus 100,0% ansehen
Wie neu 9,60 1,60 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung Buchversand Zorneding 98,6% ansehen
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