Die Schmerzmacherin. - Streeruwitz, Marlene

Marlene Streeruwitz 

Die Schmerzmacherin.

Roman. Ausgezeichnet mit dem Bremer Literaturpreis 2011

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Die Schmerzmacherin.

Leute werden verschleppt, verschwinden, werden eingesperrt oder gefoltert. Amy arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice, sie kann die Korruption und Gewalt nur ahnen, die sich als Abgrund hinter den geheimen Operationen abzeichnet. Als sie beschließt auszusteigen, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen, aber brutalen Organisation.
Amys Verlorenheit korrespondiert mit dem Ringen um die Wahrnehmung der Realität. Was kann sie glauben? Wer ist sie selbst? Und vor allem: Was passierte an dem Tag, an den sie sich nicht erinnern kann?
Marlene Streeruwitz entwirft in ihrem meisterhaften Roman ein unheimliches und unvergessliches Szenario und fragt nach dem Ort des Individuums in einer zunehmend privatisierten Öffentlichkeit.


Produktinformation

  • Verlag: S. Fischer
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 398 S.
  • Seitenzahl: 400
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 35mm
  • Gewicht: 522g
  • ISBN-13: 9783100744371
  • ISBN-10: 3100744373
  • Best.Nr.: 33371549

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Mit Entsetzen und Begeisterung hat Ina Hartwig diesen Roman von Marlene Streeruwitz gelesen, die sie ganz grundsätzlich für ihre Musikalität, ihr Tempo und ihre Erzählokönomie bewundert. Und wie gewohnt hat sich Streeruwitz auch in der "Schmerzmacherin" ein aktuelles Thema herausgesucht, das sie nicht zu einem Leitartikel, sondern zu grandioser Prosa verarbeitet. Es geht um eine junge Frau aus schlechten Verhältnissen, die immerhin gelernt hat, ihre Schönheit von anderen einsetzen lassen. Sie geht zu einer Sicherheitsfirma und mit ihr nach Afghanistan, bis sie, nach einem Übergriff auf sich selbst, aus diesem Kältesystem aussteigt. Unübertroffen findet Hartwig die Streeruwitz, wenn es darum geht, die schleichenden Übergange von Lust in Gewalt und wieder in Lust darzustellen. Dass sie darüberhinaus auch der "Bedeutung des Autofahrens" in ihrer Literatur Rechnung trägt wie auch dem "Genuss des Abdriftens", freut die Rezensentin umso mehr.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.09.2011

Raubvogelfutter
In Stroboskop-Gewittern: Marlene Streeruwitz schreibt in ihrem neuen Roman die Daily Soap eines Trainingscamps
Man muss sich an dieses Schnellfeuergewehr gewöhnen. Die Sätze rattern in kurzem Abstand, manchmal gibt es ein abruptes Stocken, einen Bruch im Rhythmus, ein Nachladen, aber sofort geht es weiter, knapp und atemlos. Marlene Streeruwitz hat ihren unbedingten Gegenwartsstil noch zugespitzt. Jeder Satz vibriert vor lauter Datenspeicherung, nimmt die Globalisierung, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, Sexualität als Waffe in sich auf. Es ist immer alles nah am Anschlag.
Amy Schreiber durchläuft gerade eine paramilitärische Ausbildung bei einem privaten Sicherheitsdienst und wird für den Einsatz in Krisengebieten wie Irak oder Afghanistan vorbereitet. Spätestens, wenn „allsecura“, wie die Firma anfangs heißt, aufgekauft wird, den Namen ändert und an die Börse geht, zeigt sich, wie sehr es hier um harte, kommerzielle Jobs geht. Amy heißt eigentlich Amalie, ist 24 Jahre alt, Österreicherin und sehr hübsch. Sie hat ihr BWL-Studium abgebrochen und soll nun endlich etwas Ordentliches machen, es hätte genausogut auch Model sein …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.09.2011

Marlene Streeruwitz foltert

Auf den ersten Seiten bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich hier tatsächlich in einen Roman der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz hineingeraten bin oder in eine Karikatur eines Romans von Marlene Streeruwitz. Schuld daran sind Sätze wie diese: "Eis und Schnee und die Sonne und kalt." Oder: "Ein kleines blaues Auto und winzig und irgendwo." Ist das nun lyrisches Erzählen oder doch bloß eine Erzählmasche? Das Gleiche gilt für die assoziative Wiederholungsstruktur, die schnell hintereinandergeschalteten Punkte: "Diese Bewegung. Dieses Abwenden. Diese Abwendung. War der erschöpft. Erschöpfung. Mühevoll hatte das ausgesehen. Mühe. Eine Anstrengung. Eine unendliche Anstrengung in dieser kleinen Bewegung und Verachtung."

Aber: "Die Schmerzmacherin" findet nach diesen mühevollen Seiten, die wie das nervöse Stottern und Räuspern zu Beginn einer Rede sind, ihren Rhythmus und legt, was so aufgesetzt wirkt, ab. Der assoziative Stil bleibt, aber er korrespondiert ja auch mit der Unübersichtlichkeit des Sujets: "Die Schmerzmacherin" erzählt von der Welt der Sicherheitsfirmen, privaten Unternehmen, die in …

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Marlene Streeruwitz, geboren in Baden bei Wien, Studium der Slawistik und Kunstgeschichte in Wien. Autorin und Regisseurin von Theaterstücken und Hörspielen. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Wien und Berlin. 2009 erhielt sie den Peter-Rosegger-Literaturpreis der Steiermark und 2012 den Bremer Literaturpreis.

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