Elephant - The White Stripes
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PuristischeEnergieschübe Jack und Meg White alias The White Stripes weichen auch auf ihrem vierten Album, "Elephant", keinen Schritt von ihrem Weg ab. In stoischer Ruhe und Ausgelassenheit arbeitet das Duo weiter an der Erneuerung des Rock. Der Produktionsaufwand hielt sich auch diesmal in seh engen Grenzen. Das Duo spielte die 14 Tracks innerhalb von nur zehn Tagen in den Toe Rag Studios in London ein. Die White Stripes verzichten auch diesmal konsequent auf jedes schmückende Beiwerk. Die Arrangements sind, wie die Strukturen der Songs, klar und übersichtlich. Als einzigen Luxus gönne…mehr

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Produktbeschreibung

PuristischeEnergieschübe

Jack und Meg White alias The White Stripes weichen auch auf ihrem vierten Album, "Elephant", keinen Schritt von ihrem Weg ab. In stoischer Ruhe und Ausgelassenheit arbeitet das Duo weiter an der Erneuerung des Rock.

Der Produktionsaufwand hielt sich auch diesmal in sehr engen Grenzen. Das Duo spielte die 14 Tracks innerhalb von nur zehn Tagen in den Toe Rag Studios in London ein. Die White Stripes verzichten auch diesmal konsequent auf jedes schmückende Beiwerk. Die Arrangements sind, wie die Strukturen der Songs, klar und übersichtlich. Als einzigen Luxus gönnen sich die beiden in Tracks wie dem zusammen mit Sängerin Holly Golightly (Thee Headcoatees) eingespielten "It's True Love That We Love One Another" und dem von Meg White eindringlich gesungenen "In The Cold, Cold Night" dezente Piano- und Keyboard-Klänge. Mit "Elephant" ist dem Duo sein bisher vielseitigstes Album gelungen, das einen weiten Bogen spannt von bluesigen Tönen über rauhen Garagenrock bis zu dezenten Northern-Soul-Anklän- gen. Ein rundum glücklich machender Mix, die im Song "Seven Nation Army" einen ihrer Höhepunkte findet, einer sehr verhalten dahingleitende Nummer, die sich sofort im Ohr festsetzt.

Es ist ein Monster, das die White Stripes da geschaffen haben... Vorwärts und nicht vergessen
  • Produktdetails
  • EAN: 0634904016227
  • Best.Nr.: 20043152
  • Artikeltyp: Musik
  • Anzahl: 1
  • Datenträger: CD
  • Erscheinungstermin: 7. April 2003
  • Hersteller: Indigo

Trackliste

CD
1Seven Nation Army00:03:51
2Black Math00:03:03
3There's No Home For You Here00:03:43
4I Just Don't Know What To Do With Myself00:02:46
5In The Cold, Cold Night00:02:58
6I Want To Be The Boy To Warm Your Mother's Heart00:03:20
7You've Got Her In Your Pocket00:03:39
8Ball And Biscuit00:07:19
9The Hardest Button To Button00:03:32
10Little Acorns00:04:09
11Hypnotize00:01:48
12The Air Near My Fingers00:03:40
13Girl, You Have No Faith In Medicine00:03:17
14Well It's True That We Love One Another00:02:42

Rezensionen

Besprechung von 05.04.2003
Schopenhauer mag Musik nicht, wenn sie laut ist
Der Rock 'n' Roll ist nun mal mit viel Geräusch verbunden, da kann man leicht den Blues bekommen: Die große Platte der "White Stripes"

Unser Leben, könnte man mit Schopenhauer sagen, wird hin und her geworfen zwischen Schmerz und Langeweile. Trost fand der geräuschempfindliche Philosoph beim stillen Flötenspiel. Heute gibt es anderes. Lärm gilt als lebensrettende Maßnahme, seit es den Rock 'n' Roll gibt. Wer ihn als Belästigung empfindet, mag geschmacklich richtig liegen, weiß aber trotzdem nicht, wovon er redet. Die großen Rockmusiker haben sich seiner immer wieder rücksichtslos bedient und damit manchen, der Kunstfertigkeit erwartete, verschreckt, den etwas härter gesottenen Anhänger aber beglückt. Lou Reed besang ihn in dem "Velvet Underground"-Song "Rock 'n' Roll" als Ausweg aus einer öden Existenz und schlüpfte dafür in die Haut eines fünfjährigen Mädchens, das vorm Radio erweckt wird: "She couldn't believe what she heard at all / She started dancin' to that fine fine music / You know her life was saved by Rock 'n' Roll."

Der Rock 'n' Roll tröstet uns auch, wenn wir traurig sind. Ungefähr zur selben Zeit wie Lou Reed brüllte sich Paul McCartney die Seele aus dem Leib: "Helter Skelter" vom Weißen Album der "Beatles" dokumentierte wie kein anderes Lied dieser Band, daß der Ausbruch aus einer heillos kompliziert gewordenen Welt keineswegs die Schrulle eines verwöhnten Stars war, sonder seelisch notwendig. Noch 1999, im Jahr nach Lindas Tod, machte er halt an der Londoner Abbey Road und spielte sein fulminantes Spätwerk "Run Devil Run" ein - Trauerarbeit mit dem Rock 'n' Roll.

"This album is dedicated to, and is for, and about the death of the sweetheart." Wie ein Hammerschlag und doch todtraurig klingt diese Grußadresse, die Jack und Meg White auf das Rückcover ihres neuen Albums geschrieben haben, das von der Kritik als Wiedergeburt des Rock 'n' Roll aus dem Geiste des Blues gefeiert wird.

Tatsächlich haben wir es mit einem Werk zu tun, das bereits aufgrund seiner Kompromißlosigkeit, seiner Roheit, fast möchte man sagen: seiner Primitivität ein Ereignis darstellt. "Elephant" ist ein wichtiges Album; nicht, weil es eine Spielart zurückholt in die Umlaufbahn unserer Hörgewohnheiten - das tun andere Bands, die "Vines", die "Libertines", die "Strokes" und wie sie alle heißen, auch -, sondern, weil dies in einer sehr reduzierten Form geschieht. Wieder fehlt, für diese Art von Musik ungewöhnlich, der Baß; Meg sitzt hinterm Schlagzeug, Jack besorgt den kargen Rest.

Man müßte das manieriert nennen, verdankte es sich nicht der ernstzunehmenden altmodischen Haltung des Jack White, der mit einer Ausnahme auch diesmal wieder alle Lieder geschrieben hat. Noch keine dreißig Jahre alt, reitet er im Klappentext dieser rasch absolvierten und mit sechstausend Pfund auch enorm preisgünstigen Produktion eine Attacke auf das falsche Leben seiner Generation, die nicht als Ressentiment eines Verkannten gedeutet werden sollte, sondern als Abrechnung mit dem zeitgenössischen Lifestyle scharfe Kontur gewinnt - und in der Tatsache, daß die Vertriebsfirma den Rezensenten nur Doppelvinylausgaben zuschickt, eine angenehm originelle Note. Dem zynischen Posertum gepiercter Handybesitzer schleudert Jack White seine Empfindsamkeit entgegen, die in den blueslastigen vierzehn Titeln der Platte zur reinen Klage gerinnt. Die drei Akkorde, die Jack White uns direkt ins Ohr jagt, reichen dafür aus.

Die "White Stripes", wie sich Jack und Meg White aus Detroit, der Stadt des Lärms, nennen, sind mit ihrer undurchsichtigen Öffentlichkeitsarbeit ins Gerede gekommen, als sich herausstellte, daß es sich bei ihnen, anders, als sie behauptet hatten, nicht um Geschwister handelte, sondern um geschiedene Leute. Wie das Liebespaar in Joseph Loseys Film "Der Diener" von 1963 kamen sie einem vor, das sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bei einem dekadenten, lebensmüden Junggesellen einnistet und das ganze Haus auf den Kopf stellt.

Der "death of the sweetheart" also - daß die Scheidungssache noch etwas damit zu tun hätte, ist kaum anzunehmen. Die Trauer der Whites ist allgemeiner Natur, das sieht man schon am Cover: Das einstige Paar sitzt halb von einander abgewandt auf einer Kiste, er im Buffalo-Bill-Anzug, sie im Büßerkleid, einen Strick ums rechte Fußgelenk, der den Tod durch den Strang hätte bedeuten können oder sollen, wie man dem Innencover entnehmen kann. Im Schlußlied, in das man die Gastsängerin Holly Golightly einbezogen hat, scheint aber alles gerettet, sogar die Liebe: "It's True, That We Love One Another", ein beschwingter Reigen, der klingt wie vor fünfunddreißig Jahren "Creeque Alley" von den "Mamas And Papas".

Vor solche versöhnliche Harmlosigkeit aber haben die Whites das Abgründige gestellt. Meg wimmert zu würzigen Akkorden von kalten Nächten, während Jack hinterlistig davon träumt, der Mutter der Liebsten das Herz zu erwärmen: "I Want To Be The Boy To Warm Your Mother's Heart" heißt dieser riskante Titel. Ein umgekehrter Benjamin Braddock ist Jack White hier, ein Eckensteher zwar, der aber, anders als der Held von Mike Nichols' "Reifeprüfung", das Heft nicht erst am Ende in die Hand nimmt.

Es ist eine schwerblütige Platte geworden, mit enormer Durchschlagskraft und von den wenigen akustischen Folk-Weisen notdürftig aufgelockert. Sie hat das Beste der britischen und amerikanischen bluesorientierten Rockmusik und den geliebten Robert Johnson sowieso. Nur eines fehlt und vermißt man auch etwas: den Baß eben, er ist nun mal Bestandteil des Rockrepertoires. Dafür würgt Jack White seine Gitarre aber auch wie Rory Gallagher, er kräht wie Steve Marriott und bellt und stampft wie der heute vergessene Lee Michaels. Er mag kein großer Sänger sein, aber er hat ein Gefühl dafür, wie man Rockmusik artikuliert. Eine erstaunliche Platte, die vierte der "White Stripes", ist dabei herausgekommen, deren Expressivität kaum noch steigerbar ist.

Ein unterschwelliger Nihilismus ist dem Ganzen zu eigen, der beim jungen Rod Stewart geborgt ist. "I lost everything, that I ever had, just kick my name into the dirt", sang Stewart einst mit heiserer Stimme im "Blind Prayer", und zwar so verzweifelt, daß das Lied zum Gegenstand einer Abhandlung im Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft gemacht wurde. Jack White braucht seinen Namen nicht in den Schmutz zu ziehen, er hat sich gerade erst einen großen gemacht.

EDO REENTS

The White Stripes, Elephant. XL Records 162 (Zomba)

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Meg White ist nicht eben das, was man eine virtuose Schlagzeugerin nennt. Trotzdem gehört ihr rudimentärer Ramtam-Stil genauso zum White-Stripes-Sound wie die leidvolle Stimme und die ruppige Gitarre ihres Bruders Jack. Zusammen sind sie wie Bonny & Clyde, Partner auf Gedeih und Verderb, und ihre Kunstdefinition gründet nicht auf Könnerschaft, sondern auf Liebe zur Musik. Ihre Songs haben die Aura des Unvollkommenen, des mit ganzer Seele Durchlittenen. Auf "Elephant" noch mehr als zuvor. Da fällt dann der eine oder andere Schwächler nicht weiter ins Gewicht - auch nicht, wenn Megs Gesang auf "Cold, cold Night" wie der eines verängstigten Häschens klingt. (kw)
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