Vom Verschwinden der Täter - Heer, Hannes

Hannes Heer 

Vom Verschwinden der Täter

Der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei

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Produktbeschreibung zu Vom Verschwinden der Täter

Zum deutschen Seelenfrieden

Ausgehend von der Geschichte der Wehrmachtsausstellung zeigt Heer, wie die Frage nach Mitverantwortung deutscher Soldaten an NS-Verbrechen privat und öffentlich ausgeblendet wird.

Eine provokante Untersuchung zum deutschen Seelenfrieden
Zum ersten Mal seit dem Ende der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" äußert sich Hannes Heer über Hintergründe der Kampagne gegen das Projekt, dessen Leiter er war. Sie hatte die Legende von der sauberen Wehrmacht in Frage gestellt, und der Schock war entsprechend groß. Die Versuche, die Ausstellung zu diffamieren, waren nach vier Jahrzehnten erfolgreich. Sie wurde zurückgezogen und durch eine neue, völlig entschärfte Version ersetzt. Der Krieg und seine Verbrechen sind darin wieder zum Werk einiger Spitzenmilitärs geworden. Sie zeigt Taten ohne Täter.
Der Vorgang vom Verschwinden der Täter begann indessen früher. Hannes Heer finder bezeichnende Indizien in Aufzeichnungen und Nachkriegserinnerungen von Soldaten, im Wirken der Zensur bei den Kriegsromanen Bölls und Remarques, in Ernst Jüngers Umdeutung des eigenen Tagebuchs von 1942. Inzwischen sind auch Nazi-Argumente kein Tabu mehr, wenn von Historikern den Juden die Schuld am eigenen Tod gegeben wird, wenn sie von Politikern schlicht zum Tätervolk erklärt werden oder, wie bei Jörg Friedrich, die Deutschen im Bombenkrieg das gleiche Schicksal erlitten haben wie die Juden.

Produktinformation


  • Verlag: Aufbau Tb
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 395 S.
  • Seitenzahl: 395
  • Aufbau Taschenbücher Bd.8135
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 115mm x 24mm
  • Gewicht: 317g
  • ISBN-13: 9783746681351
  • ISBN-10: 3746681359
  • Best.Nr.: 13374605
"Dem Autor ist es gelungen, die unscheinbaren Verschiebungen des geistigen Klimas in Deutschland in einen Kontext zu stellen, der einen erschauern läßt." (Süddeutsche Zeitung)


Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

K. Erik Franzen stellt erfreut fest, dass Hannes Heer, der Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung, sich in diesem Buch "glücklicherweise nicht nur als rechthaberischer Nachkarter", also nicht nur an einer Abrechnung mit der zweiten Wehrmachtausstellung versuche. Er könne mehr, lobt der Rezensent. "Sehr anregend" fand Franzen so etwa die Kapitel des Buches, die sich mit der Mentalität der Wehrmachtssoldaten beschäftigen. Recht überzeugend fand Franzen aber offenbar vor allem Heers These von einer "Tiefenströmung der deutschen Nachkriegsgeschichte", einer mal mehr, mal weniger bewussten "Arbeit am Mythos" vom "Land ohne Täter". "Am spannendsten" werde es gegen Schluss, so der Rezensent, wo Heer sich mit der gegenwärtigen Debatte um die deutschen Opfer beschäftigt. Am Beispiel des Autors Jörg Friedrich, der in seinem Bestseller "Der Brand" den alliierten Bombenkrieg als Genozidversuch an den Deutschen anklagt, beleuchtet Heer dort, so erfährt man, "den neuen alten Charme des Unschuldigseins".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.07.1995

Das seelische Schlachtfeld
Wissenschaftlich zubereitete Terrorclips aus dem Zweiten Weltkrieg

Hannes Heer, Klaus Naumann (Herausgeber): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Hamburger Edition, Hamburg 1995. 696 Seiten, 68,- Mark.

Seit Jahrzehnten erscheint ein Schrifttum am Markt, das die Legende vom harten, aber fairen Kampf der deutschen Wehrmacht zerstört. Zumal den Rußlandfeldzug habe sie ungeachtet der Kriegsregeln ausgefochten. Unter ihrer Obhut und Teilnahme habe im Juni 1941 die Judenvernichtung begonnen. In ihrem Gewahrsam seien Millionen von Rotarmisten verendet, solche jüdischer Herkunft und bolschewistischen Ranges liquidiert worden. Im Gewande der Partisanenabwehr habe man systematisch Dörfer eingeäschert und Bauern massakriert. Rohstoffe und Ernten seien geplündert, Arbeitskräfte ins Reich verschleppt worden.

Den Befund hat 1948 bereits der Nürnberger Gerichtshof gegen eine Anzahl Oberbefehlshaber der Ost- und Südostfront getroffen. Das Urteil steht im Ruche der Siegerjustiz. Doch hat die internationale Wissenschaft einschließlich des dem Bundesverteidigungsministerium unterstehenden …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.08.2004

Deutscher Seelenfrieden
Heers Kritik an der neuen Ausstellung zum Vernichtungskrieg
HANNES HEER: Vom Verschwinden der Täter. Der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei. Aufbau-Verlag, Berlin 2004. 395 Seiten, 22.90 Euro.
Verbrechen und Täter aus dem Blickfeld des öffentlichen Bewusstseins zu nehmen, geht nicht einfach so; dafür braucht man bestimmte Mittel: literarische, publizistische, politische. Was vor 1945 angeblich keiner wusste, sollte im Nach-Hitler-Deutschland bald nach den Nürnberger Prozessen verschwinden: die Verantwortlichen für Verbrechen, Krieg und Vernichtung zur Rechenschaft zu ziehen. „Jedermann” sehnte sich nach Entlastung, leugnete, verdrängte und vergaß. Sind wir heute wieder soweit?
Die Deutschen, die erst 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges begonnen hatten zu begreifen, dass mit den Begriffen Auschwitz und Treblinka das Ausmaß der Schuld nur unzureichend beschrieben war und sie in Zukunft die Torturen der Zwangsarbeiter, die Verfolgung der Juden in der Heimat, die Mordtaten der Polizeibataillone und die Verbrechen der Wehrmacht in ihr Geschichtsbild einbeziehen müssten, „verwandeln sich mit einem Mal …

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Hannes Heer, geboren 1941, Staatsexamen in Geschichte und Literaturwissenschaft 1968, Arbeit als Theaterdramaturg und Filmregisseur. Von 1993 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Leiter des Ausstellungsprojektes "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944." Hat die Carl-von-Ossietzky-Medaille erhalten.

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