Klassismus ist ein bislang noch wenig bekannter Begriff zur
Bezeichnung der individuellen, institutionellen und kulturellen
Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund des tatsächlichen,
vermuteten oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen
Status'. Menschen in Armutsverhältnissen wird zum Beispiel
gewalttätiges Verhalten oder Alkoholismus stereotyp unterstellt und
medial inszeniert, obwohl diese Phänomene klassenübergreifend
gleichermaßen vorkommen. Der Begriff Klassismus beschreibt die
Erfahrung persönlicher Diskriminierung von Menschen als
gesellschaftliches, strukturelles Problem. Damit ergänzt und
überschneidet er sich mit der Analyse von Rassismus, Sexismus und
anderen Diskriminierungsformen. Zum ersten Mal liegt nun in
deutscher Sprache eine Einführung in Buchform vor. Die
VerfasserInnen beschreiben die Ursprünge des Klassismusbegriffs und
seine Alltags- und Widerstandspraxen in den USA und zeigen die
politischen Anschlussfähigkeiten im Kontext der Bundesrepublik auf.
Andreas Kemper arbeitet kritisch zu den Rechtfertigungsstrategien gesellschaft lich Privilegierter in den Feldern Klassendiskriminierung und Männerrechtsbewegung.