Vasari stilisiert Michelangelo zum göttlichen Künstler und schließt
die erste Ausgabe der Vite 1550 mit seiner Lebensbeschreibung ab.
Es ist die umfangreichste Schilderung und Höhepunkt der ersten
Edition, ehe es Vasari in der zweiten Ausgabe 1568 wagt, seine
eigene Lebensgeschichte ans Ende des Werkes zu setzen.
Michelangelo Buonarroti wird von Vasari als größter Künstler aller
Zeiten beschrieben. In seiner früh erworbenen Meisterschaft
übertrifft er seinen Lehrer Domenico Ghirlandaio und bringt seinen
Mäzen Lorenzo de' Medici zum Staunen. Mit dem Florentiner
David, der ersten freistehenden Kolossalfigur der Neuzeit,
begründet Michelangelo eine neue Zeitrechnung in der Geschichte der
Bildhauerei. Er ist ein Geistesverwandter der Päpste, Fürsten und
Könige, die sich von ihm Kunstwerke erbitten und ihm Aufträge
erteilen. In Rom entstehen Michelangelos anspruchsvollste und
umfangreichste Werke, darunter die Fresken der Sixtinischen Kapelle
und die Kuppel von St. Peter. Doch Vasari verhehlt auch die
Misserfolge des Meisters nicht, wie das nie fertig ausgeführte
Grabmal für Papst Julius II. Vor allem seine vollendete
Zeichenkunst, seine künstlerische Produktivität und Energie, die
sich universell auf die Malerei, Bildhauerei und Architektur
erstrecken, lassen Michelangelo zum Vorbild aller nachfolgenden
Künstler werden.
Giorgio Vasari, geb. 1511 in Arezzo in der Toskana, war ein Universalgenie: Maler, Architekt (u.a. als Baumeister der Uffizien), Berater der Medici, Kunstsammler und Historiker. Sein Hauptwerk sind die 'Leben der hervorragendsten Künstler', kurz: 'Le vite', erstmals erschienen 1550 und im Laufe der Jahre erweitert. Vasari starb 1574 in Florenz.
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