Bildtheorie - Mitchell, W. J. T.

W. J. T. Mitchell 

Bildtheorie

Hrsg. u. m. e. Nachw. v. Gustav Frank
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Bildtheorie

Was sind Bilder? Wie unterscheiden sie sich von Worten? Was genau sind Bilder heute, in einer Zeit, in der die Macht des Sichtbaren größer scheint als je zuvor und in der der "pictorial turn" den "linguistic turn" abgelöst hat? W. J. T. Mitchell, einer der Pioniere der "Visual Culture Studies", stellt diese Fragen in einer Reihe von bahnbrechenden Aufsätzen, die bereits als Klassiker der bildwissenschaftlichen Forschung gelten. Sie untersuchen das Zusammenspiel des Sichtbaren und des Sagbaren in allen kulturellen Bereichen, von der Literatur über die bildende Kunst bis zu den Massenmedien. Dabei werden grundlegende theoretische Texte von Plinius bis Foucault ebenso eingehend analysiert wie zahlreiche Produkte der Hoch- und Alltagskultur. Im Zuge dieser Analysen verwandelt sich die Frage "Was sind Bilder?" in die Frage, wer sie eigentlich sind: Worin liegt ihre Faszination, warum sprechen sie uns so stark und oft unwiderstehlich an? Warum verhalten wir uns, als ob Bilder lebten, als ob sie die Macht besäßen, uns zu beeinflussen, Dinge von uns zu fordern, uns zu überzeugen, zu verführen oder schlicht in die Irre zu leiten?
Trotz ihrer überragenden Bedeutung für die internationale Bildforschung sind Mitchells Arbeiten hierzulande noch wenig bekannt. Keines seiner Bücher ist bislang in deutscher Sprache zugänglich. Der vorliegende Band schließt diese Lücke und bietet neue Impulse für die hiesigen Debatten um Gottfried Boehms "Iconic Turn", Hans Beltings Bildanthropologie und Horst Bredekamps reformierte Kunstgeschichte. Die Auswahl dokumentiert Mitchells wichtigste Beiträge aus den letzten 20 Jahren, beginnend mit seinem Buch "Iconology" von 1986 bis zu seiner jüngsten Publikation "What do pictures want?" aus dem Jahr 2005.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 497 S. m. 28 Abb.
  • Seitenzahl: 497
  • Best.Nr. des Verlages: 58494
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 133mm x 35mm
  • Gewicht: 562g
  • ISBN-13: 9783518584941
  • ISBN-10: 3518584944
  • Best.Nr.: 23307927

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Bilderfluten und die Frage, was das Bild von uns will, sieht Mario Scalla in diesem Buch mit zentralen Texten des amerikanischen Bildwissenschaftlers W. J. T. Mitchell auf ganz undeutsche Weise behandelt. Scalla freut die "endlich" greifbare Textauswahl aus mehreren Gründen. Einmal wegen des "theoretischen Mehrwerts", handelt es sich bei Mitchells Kritik unserer Sehkultur doch um ein, wie er findet, avanciertes Programm, das eine Rezeption über Fachkreise hinaus verdient. Dann aufgrund von Mitchells (post-)strukturalistischer Prägung, die den Rezensenten in den Genuss einer komplexen, gegen die kategorische Trennung von Bild und Text gerichtete Argumentation bringt, hin zu einer "kritischen Ikonologie", die Velasquez, Plakatkunst und Karikatur kombiniert und kommentiert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.11.2008

Im Bann der Schokopyramide
Totem, Fetisch und Idol: W. J. T. Mitchell beschreibt, wie unsere Kultur den Bildern reale Macht und Leben verleiht
Wer das Café im Richelieu-Flügel des Louvre in Paris besucht, kann dort ein Schokoladentörtchen bestellen, dessen Form genau der Pyramide nachgebildet ist, die zum Wahrzeichen des Museums geworden ist, seit I. M. Pei es vor rund zwanzig Jahren umgebaut hat. Auf der Terrasse sitzend, lässt sich also, mit Blick auf die große gläserne Eingangs-Pyramide, deren schokoladiges kleines Abbild verspeisen. Ich gestehe, dass mir dies, aller Vorliebe für Süßes zum Trotz, unmöglich ist, ja dass mir sogar schon unwohl wird, wenn ich nur sehe, wie andere Touristen mit ihrer Gabel in eine Pyramidenspitze stechen. Ich schaue dann ängstlich, ob die große Pyramide nicht ihrerseits einbricht oder ob nicht wenigstens Sprünge im Glas entstehen. Auch dass nach Zehntausenden verkaufter Schokopyramiden dem Vorbild noch nichts passiert ist, beruhigt mich nur bedingt.
Aber seit der Lektüre von W. J. T. Mitchells Buch „Das Leben der Bilder” weiß ich zumindest, dass ich mich für solch vermeintlich atavistische Anwandlungen nicht zu …

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W. J. T. Mitchell ist Professor für Englisch und Kunstgeschichte an der Universität Chicago und Herausgeber von Critical Inquiry.
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