Als im großen und ganzen zur Einführung in die DDR-Lyrik tauglich beschreibt Richard Kämmerlings den vorliegenden Band. Allerdings gelte das nicht gleichermaßen für alle Kapitel. Mit dem ersten Abschnitt zu den frühen "Aufbau"-Jahren ist der Rezensent am glücklichsten: hier findet er, was er da auch gesucht hätte, bedeutende Gedichte von Huchel bis Bobrowski. Und während auch die siebziger Jahre als weitere Blütezeit der DDR-Lyrik gut repräsentiert sind, äußert Kämmerlings beim letzten Kapitel "Proben des Grenzfalls" seine Unzufriedenheit. Nicht nur die "wirre Chronologie" und ein Mangel an Hintergrundinformationen zur Veröffentlichung fielen hier besonders stark ins Gewicht. Auch dass die - nachmals politisch diskreditierte - Prenzlauer-Berg-Lyrik so gut wie gar nicht vorkommt, leuchtet ihm nicht wirklich ein.
Christoph Buchwald, geboren 1951 in Tübingen, ist seit 1979 ständiger Herausgeber des Jahrbuchs der Lyrik. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und experimentellen Komposition war er als Lektor tätig und hat dabei zahlreiche Lyriker begleitet. Heute ist er Verleger des literarischen Verlags Cossee in Amsterdam.
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