"Eine Kugel im Leibe" - Matz, Wolfgang

"Eine Kugel im Leibe"

Walter Benjamin und Rudolf Borchardt: Judentum und deutsche Poesie

Wolfgang Matz 

 
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"Eine Kugel im Leibe"

Jahrzehntelang sind Walter Benjamins Texte unter dem Aspekt des Gegensatzes zwischen materialistischem und jüdischem Denken diskutiert worden. Dabei wurde die einzige Sphäre, die ihm tatsächlich lebenslang gegenwärtig war, in der er "ganz zu Hause" war, beiseite geschoben jene ästhetische, politische, kunst-religiöse Welt, die den Jahren vor und nach dem europäischen Zusammenbruch von 1914-1918 ihre Prägung gab und die mit den Namen Stefan George, Hugo von Hofmannsthal und Rudolf Borchardt verbunden wird. Wie kritisch Benjamin dieser Welt in wechselnden Lebensphasen auch gegenüberstand, sie war und blieb der verborgene Maßstab seines Denkens. Borchardt (1877-1945) und Benjamin (1892-1940) haben einander nicht gekannt, einander nicht geschrieben, und während der Weimarer Republik gehörten sie zu vollkommen unterschiedlichen, ja gegnerischen Lagern in Politik und Literatur. Von Benjamins Hand stammt eine der härtesten Verurteilungen Borchardts: "Er hat statt des Herzens eine Kugel im Leibe." Was dieses Urteil aber eigentlich bedeutet, und wodurch es hervorgerufen wurde, das blieb im Dunkel. Und doch kann auch diese versäumte Beziehung sprechend werden, geht man nur allen ihren Spuren nach.


Produktinformation

  • Verlag: Wallstein
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 170 S.
  • Seitenzahl: 170
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 135mm x 18mm
  • Gewicht: 302g
  • ISBN-13: 9783835309463
  • ISBN-10: 3835309463
  • Best.Nr.: 33396380
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.08.2011

Für das Amt des wegweisenden Dichters war kein Kandidat mehr tauglich
Zwischen Walter Benjamin und Rudolf Borchardt und immer mit Blick auf Stefan George: Wolfgang Matz zeigt, wie musterhafte intellektuelle Biographik aussieht

Als vor drei Jahren Ulrich Raulffs Studie zum Nachleben Stefan Georges erschien, fühlten wir uns über weite Strecken wie im Gruselkabinett. Wenn die manischen Enthusiasten, die da aus dem Dunkel des Vergessens heraufgeführt wurden, tatsächlich Georges gespenstische Nachhut waren, konnte man nur drei Kreuze schlagen. Ein bisschen unwohl fühlte man sich zwar schon bei dem Gedanken, dass die Erben der steilsten aller deutschen Dichterphantasien ausgerechnet jene griechenbegeisterten Bildungsreformer sein sollten, deren pädagogische Bemühungen direkt in die Dachkammern der Odenwaldschule führten. Aber da Raulff der Frage, wie sich Nachfolge eigentlich legitimiert, beharrlich aus dem Weg ging und sich auch auf eine Diskussion des Begriffs Wirkungsgeschichte nicht einließ, waren methodische Einwände von vornherein fehl am Platz.

Einen ganz anderen Weg Georgescher Rezeption beschreitet jetzt Wolfgang Matz. …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.09.2011

Wir sind nicht, was wir sind
Verwandt auf Distanz: Walter Benjamin und Rudolf Borchardt
Eine enge Beziehung, gar eine Freundschaft hat zwischen Rudolf Borchardt (1877–1945) und Walter Benjamin (1892–1940) nicht bestanden. Sie trafen sich nie, wechselten auch keine Briefe; Borchardt hat von dem 15 Jahre jüngeren Schriftsteller gelegentlich gehört, vielleicht aber nie etwas gelesen. Das Verhältnis war also einseitig: Im Untertitel von Wolfgang Matz’ Studie steht der Name Benjamins voran, weil er, zu Lebzeiten nur einem kleinen Kreis bekannt, sich mit der Autorität des Älteren auseinandersetzen musste. Benjamin bewunderte Borchardts kritisches Urteil und seine vehemente Sprache, verabscheute jedoch die Art seines öffentlichen Auftritts als selbstberufener Sachwalter deutscher Kultur und Poesie. Benjamin warf ihm moralisches Versagen und Schauspielerei vor; an Stelle des Herzens habe Borchardt „eine Kugel im Leibe“.
Dennoch schließt solche Distanzierung Verwandtschaft nicht aus. Während bislang Benjamins Werk als Weg von jüdischer Mystik zu kulturhistorischem Materialismus gedeutet wurde, begreift Matz die religiöse Inbrunst, mit der Benjamin die …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Vornehmste Aufgabe eines Philologen, eine jüdische Intellektuellen-Existenz zu rekonstruieren, meint Heinz Schlaffer. Bei Wolfgang Matz kommt für ihn erfreulicherweise hinzu, dass der Autor zwar einzelne Aussagen zu Themen, zu sprechenden Bildern zu präzisieren vermag, die weder Walter Benjamin noch Rudolf Borchardt so vor Augen gestanden haben mögen, es aber nicht darauf anlegt, zu entlarven und zu verurteilen. Schlaffer erkennt so die sternische Verbindung, die tiefe Verwandtschaft der beiden Zeitgenossen, die sich doch nie begegnet sind.

© Perlentaucher Medien GmbH
Wolfgang Matz, geb. 1955 in Berlin, lehrte von 1987-95 deutsche Sprache und Literatur an der Universität Poitiers und arbeitet seitdem als Verlagslektor in München. Er veröffentlichte zahlreiche Essays zur deutschen und zur französischen Literatur, wurde als Übersetzer mit dem Paul Celan Preis und dem Petrarca-Preis ausgezeichnet und ist Herausgeber von Adalbert Stifters 'Sämtliche Erzählungen in der Fassung des Erstdrucks' (2005).

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