Materialästhetik - Rübel, Dietmar / Wagner, Monika / Wolff, Vera (Hgg.)

Dietmar Rübel / Monika Wagner / Vera Wolff (Hgg.) 

Materialästhetik

Quellentexte zu Kunst, Design und Architektur. Mit Register

Hrsg. : Dietmar Rübel, Monika Wagner u. Vera Wolff
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Materialästhetik

Über 120 Texte zur Rolle des Materials werden hier präsentiert. Goethe und Ruskin sind vertreten, bildende Künstler wie Tatlin, Beuys oder Robert Smithson, Architekten, Kunsthandwerker und Designer wie Gottfried Semper oder Henry van de Velde, aber auch heute in Vergessenheit geratene Fachleute.

Die Erfindung neuer Materialien am Beginn des Industriezeitalters führte zu brisanten Debatten. Gestritten wurde um Funktion, Ästhetik und Bedeutung von Materialien. »Materialgerechtigkeit« war im späten 19. Jahrhundert der Kampfbegriff gegen die anpassungsfähigen »Neomaterien«. Die bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg fortdauernden Auseinandersetzungen galten grundsätzlichen Fragen nach den Arbeitsformen, dem Verhältnis von Form und Material, dem Anteil des Materials an der Stilbildung oder der nationalen Identitätsstiftung.Das Buch wird erschlossen durch einführende Kommentare zu den einzelnen Kapiteln einführende Texte, die das kulturgeschichtliche Umfeld der Autoren in einen größeren Zusammenhang stellen ein Namens- und Materialregister Hinweise auf weiterführende Literatur im Anhang.


Produktinformation

  • Verlag: Reimer
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 349 S. m. 20 Abb.
  • Seitenzahl: 349
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 139mm x 19mm
  • Gewicht: 516g
  • ISBN-13: 9783496013358
  • ISBN-10: 3496013354
  • Best.Nr.: 14241134
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.11.2005

Marmor, Stein und Eisen schlagen Schneisen
Textaufschüttung: Ein Grundlagenband zu unseren Rohstoffen revolutioniert die Kunstgeschichte / Von Peter Richter

Kaum ein Berufsstand dürfte sich jemals so sehr von den eigenen Arbeitsgegenständen diskreditiert gefühlt haben wie ausgerechnet Maler, Bildhauer und Architekten, die sich im exklusiven Zirkel der freien Künste schon deswegen wie Parias vorkommen mußten, weil ihre Werke noch so geistvoll ausgeführt sein konnten und doch immer der Schwerkraft unterlagen. Die schiere materielle Präsenz von Gemälden, Plastiken und Bauten schien lange Zeit eher gegen sie sprechen: Der fundamentalste Vorwurf, der ihnen von kunsttheoretischer Seite aus gemacht werden konnte, betraf den Umstand, daß sie mit gewissen handwerklichen Anstrengungen aus bestimmten Rohstoffen erst angefertigt werden mußten. Kurz gesagt: Ihr Manko bestand darin, daß es sie überhaupt gab.

Ein Begriff wie "Materialästhetik" hätte deshalb zur Zeit Hegels wahrscheinlich geklungen wie ein Widerspruch in sich. Und alle Materialeuphorien, zu denen es auf dem Weg in die künstlerische Moderne gekommen ist, lassen sich letztlich …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Einer idealistisch inspirierten Kunstphilosophie - der Hegels etwa - muss allein der Begriff einer "Materialästhetik" schon widersinnig erscheinen. Ihr gilt das Material als notwendiges Übel für die Darstellung der Idee. In diesem Band, der sich einem DFG-geförderten Projekt in Hamburg verdankt, werden solche Vorstellungen aber vom Kopf auf die Füße gestellt. Die in diesem Band versammelten Quellentexte zeigen, wie die Materie, das Material der Kunst, irreduzible und eigenständige Grundlage der Form bleibt und "noch auf die Art und Weise ihrer eigenen Überwindung" beträchtlichen Einfluss ausübt. Gekonnt haben die Herausgeber, lobt der Rezensent Peter Richter, ein "transhistorisches Fachgespräch zwischen berühmten und weniger berühmten Namen destilliert, moderiert, kommentiert". Nachvollziehbar wird etwa die Karriere einzelner Materialien, vom Gusseisen zum Kautschuk, vom Synthetischen zurück zum Natürlichen. Schade nur, findet der Rezensent, dass der Band sich nicht an die Gegenwart wagt und mit den siebziger Jahren abbricht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Monika Wagner ist Professorin i. R. für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg. Ihr besonderes Interesse gilt der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, wahrnehmungshistorischen sowie materialikonographischen Fragen, denen sie zahlreiche Veröffentlichungen gewidmet hat. Sie gab 1991 das Funkkolleg Moderne Kunst heraus.

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