Claude Lanzmanns Jahrhundertwerk über die Vernichtung des
europäischen Judentums erscheint jetzt ungekürzt auf vier DVD in
einfacher Ausstattung zum Sonderpreis.Dieses epische Mammutprojekt
verzichtet auf Musik, auch auf jegliche Form der Analyse und vor
allem auf historisches Bildmaterial - auf die Aufnahmen von
Massengräbern, Gaskammern, von ausgemergelten Körpern. Im
Mittelpunkt stehen nicht die Dokumente der Vergangenheit, sondern
steht die Gegenwärtigkeit des Erinnerns. Lanzmann besucht die Orte
der Vernichtung, die»Todesfabriken« Chelmno, Belzec, Treblinka und
Auschwitz, und findet Orte vor, über die Gras gewachsen ist. Daher
die Insistenz, mit der er in Polen, in Israel,in den USA und in
Deutschland letzte Augenzeugen der Katastrophe - seltene
Überlebende, Zuschauer und auch Täter ausfindig macht und zu
Deportation, Lageralltag und Vernichtung befragt.Das Erlebte aber
drängt mit aller Kraft ins Vergessen. Es bedarf eines hohen,
psychologisch geschulten Aufwands und einer ausgefeilten
Fragetechnik, um die Befragten zum Sprechen zu bringen und ihnen zu
entlocken, was nicht bewältigt werden kann. Ohne chronologische
Anordnung und bewusst fragmentarisch präsentiert, ergeben die
Interviews ein subtil gewobenes Geflecht ineinander verschränkter
Perspektiven auf das Unbegreifliche.
Bonusmaterial
Booklet als PDF mit Kurzbiografien aller Befragten und vielen Lanzmann-Statements
In seinem dokumentarischen Epos über die Massenvernichtung der europäischen Juden führte Claude Lanzmann in Wort, Ton und Bild vor, was unter "Vergangenheitsbewältigung" verstanden werden könnte. Ausgehend von der Tatsache, daß keine Bilddokumente von der Vernichtung des Judentums durch die Nazis existieren, recherchiert der Filmemacher die Spuren des Holocausts. In Interviews mit Tätern und Opfern, in Bildern von Orten des Geschehens, zeigt der Film die Ereignisse der Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart. "Shoah", was soviel wie Vernichtung heißt, gehört neben Alain Resnais' "Nacht und Nebel" zu den bedrückendsten und zugleich faszinierendsten Werken über die Todesfabriken des "Dritten Reichs". In dem über neunstündigen Dokumentarfilm werden aber nicht nur Daten gesammelt und Zahlen tabelliert, sondern der Zuschauer wird auch auf schmerzhafte Art und Weise am Prozeß des Erinnerns beteiligt. Im Dezember 1985 stand Claude Lanzmans Dokumentation in der Variety-Liste der "50 Top Grossing Films" geradezu sensationell an der 27. Stelle. Vielleicht ist dieser Erfolg für die Auswertung auf Video ein gutes Omen.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Claude Lanzmann, geb. 1925 in Paris, studierte Philosophie und war Lektor an der Freien Universität Berlin. Als Journalist reiste er unter anderem nach China und Korea und engagierte sich gegen den Algerienkrieg. Seine Dokumentarfilme 'Pourquoi Israel' (1972) und 'Shoah' (1985) machten ihn weltberühmt. Er ist Ehrendoktor der Hebräischen Universität Jerusalem und der European Graduate School. Claude Lanzmann lebt in Paris.