Fernsehgewalt und die Einschaltquote - Hestermann, Thomas

Thomas Hestermann 

Fernsehgewalt und die Einschaltquote

Welches Publikumsbild Fernsehschaffende leitet, wenn sie über Gewaltkriminalität berichten

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Fernsehgewalt und die Einschaltquote

Wie Fernsehschaffende über Gewaltkriminalität berichten, hängt weitgehend davon ab, wovon sie sich hohe Einschaltquoten versprechen. Der Medienwissenschaftler und Journalist Thomas Hestermann hat die Macher interviewt und ihre Berichterstattung untersucht. Seine Analyse zeigt, wie Mediengewalt entsteht. Fernsehschaffende von der Reporterin bis zur Redaktionsleiterin, die für Fernsehformate von RTL explosiv bis zur Tagesschau tätig sind, erläutern freimütig, warum sie bevorzugt über tödliche und sexuelle Gewalt berichten und warum sie Opfer in den Mittelpunkt stellen - vor allem Kinder. Das aus journalistischer Sicht ideale Opfer ist jung, weiblich, deutsch, unschuldig und stammt aus besseren Verhältnissen. Was einem solchen Opfer geschieht, so nehmen die Fernsehschaffenden an, geht dem Publikum nahe. Die in den Forschungsinterviews geschilderten Muster von Auswahl und Thematisierung werden durch eine Programmanalyse von Nachrichtensendungen und Boulevardmagazinen gestützt. So wird vor allem über tödliche und sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen berichtet, während die Gewalt an alten Menschen und nichtdeutschen Opfern fast vollständig ausgeblendet wird.


Produktinformation

  • Verlag: Nomos
  • 2010
  • 1. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 273 S.
  • Seitenzahl: 273
  • Interdisziplinäre Beiträge zur kriminologischen Forschung Bd.36
  • Deutsch
  • Abmessung: 229mm x 154mm x 20mm
  • Gewicht: 415g
  • ISBN-13: 9783832952747
  • ISBN-10: 3832952748
  • Best.Nr.: 29934300
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.03.2011

Inländische Standardleiche
Was die Fernsehschaffenden über Gewalt denken

Gewalterfahrungen haben für die Opfer meist einschneidende emotionale Folgen. Das gründet auf die Nicht-Normalität von Gewalt in modernen Gesellschaften: Verbrechen sind im Verlauf der Geschichte statistisch seltener geworden; das Risiko, Opfer zu werden, hat abgenommen. Anders hingegen die Wahrnehmung, wenn man den Fernseher einschaltet. Gewaltdarstellungen gehören zur Normalität schon der Nachmittagsprogramme, die Zahl medial vermittelter Morde an das Publikum erreicht schwindelnde Höhen. Im Verlauf seiner Fernsehbiographie wird der Zuschauer mit Tausenden von Mord- und Vergewaltigungsfällen unterhalten.

Für eine aktuelle Studie hat der Hannoveraner Medienwissenschaftler Thomas Hestermann nun dreiunddreißig Fernsehschaffende nach ihren Deutungs- und Handlungsmustern befragt ("Fernsehgewalt und Einschaltquote. Welches Publikumsbild Fernsehschaffende leitet, wenn sie über Gewaltkriminalität berichten", Nomos Verlag Baden-Baden 2010). Wenig überraschend scheint, dass sie den Blick besonders auf tödliche und sexuelle Gewalt lenken und dass Opfer und Täter …

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