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Dass dieser SciFi-Actionthriller mehr ist als eine Mischung aus "Lola rennt" und "Und täglich grüßt das Murmeltier", wird dem Zuschauer erst auf der Zielgeraden des 90-Minüters so richtig klar. Das hat aber auch damit zu tun, dass Captain Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) sehr lange überhaupt nicht weiß, was er in diesem Vorortzug nach Chicago wirklich soll - war er doch bis eben noch in Afghanistan stationiert. Klar, den Auftrag kriegt er zügig mitgeteilt: herauskriegen, wer den Zug acht Minuten nach Stevens' Aufwachen in die Luft sprengt. Nicht etwa, um die Menschen im Zug zu retten - die sind längst tot. Nein, nur um weitere geplante Attentate zu verhindern. Nein, Stevens' Problem ist, dass er etwas viel Wichtigeres nicht weiß: Was ist Realität, wo sind verlässliche Koordinaten? Und was ist das für eine Kapsel, in der er festgeschnallt ist und in der überall Hydraulikflüssigkeit heruntertropft? Geschickt und grausam lässt Regisseur Duncon Jones seinen Helden sich aufreiben: zwischen Auftragserfüllung und Identitätsfindung. Man ist das vom genialen Erstlingswerk des Regisseurs gewohnt: In "Moon" muss der Held schließlich erkennen, dass er als Person schlicht …
Dass sich kopfgesteuert und kommerziell nicht ausschließen müssen, zeigt Duncan Jones' smarter und spannender Actionthriller mit Sci-Fi-Touch.
Der menschliche Verstand als Spannungsfeld von ungenutzten Kapazitäten und unberechenbaren Verstörungen ist auch im zweiten Kinofilm von "Moon"-Regisseur Jones zentraler Schauplatz. Nun aber im Rahmen einer Geschichte, die sich vor dem Unterhaltungskino verbeugt, ohne sich diesem, jeden Anspruch opfernd, völlig zu ergeben. Die Prämisse verknüpft Elemente von "Und täglich grüßt das Murmeltier", "Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit" oder "Matrix" und wird trotz pseudowissenschaftlichem Technobabble akzeptiert, weil dieser Film sie einmal ohne ärgerliche dramaturgische Nebenwirkungen präsentiert. Zusammen mit Protagonist Stevens (Jake Gyllenhaal) erarbeitet sich auch der Zuschauer die Antwort auf die zentralen Fragen zur Situation des Helden und der Menschen, die er unter extremem Zeitdruck retten muss.
In einem Zug mit Ziel Chicago taucht Stevens erstmals im Bild auf - ratlos, wie er hierhergekommen ist, warum Christina (Michelle Monaghan) vom Sitz gegenüber ihn kennt, er sie jedoch nicht. Ein Blick in den Spiegel zeigt, dass er im Körper eines Fremden steckt, eine fürchterliche Explosion, dass die Zugfahrt jäh beendet ist. An einem unbekannten Ort isoliert, versucht der Kriegsveteran sich an seinen letzten Einsatz zu erinnern, bevor ihn Carol (Vera Farmiga), über eine Bild- und Tonleitung mit ihm verbunden, aus der Desorientierung holt und ihn auf seine Aufgabe einschwört. Dank einer revolutionären Technologie kann Stevens den Körper eines Mannes in Besitz nehmen, der im Zug mit vielen anderen Passagieren Opfer eines Terroranschlags wurde. Acht Minuten bleiben ihm, um den Bomber ermitteln und damit dessen geplanten zweiten Anschlag in Chicago verhindern zu können, bevor er nach Ablauf dieses Zeitfensters mit der Explosion wieder auf Ausgangsposition zurückgefahren wird - und alles von vorne beginnt. Bei jedem dieser Kurzeinsätze gibt es kleine actiongestützte Variationen, erweitert sich das Blickfeld auf Bombe und Täter, aber auch die emotionale Bindung zu Christina.
Kontinuierliche Spannung und eine charmante angebahnte Lovestory sind damit garantiert, werden ergänzt von Fragen nach ethischen Grenzen für eine futuristische Technologie, die räumliche Grenzen überwindet - zu parallelen Welten. Kristallklar und in der Lichtsetzung bestechend von Don Burgess fotografiert und von Duncan Jones mit sparsamem Effekteinsatz ohne übertriebene Mätzchen inszeniert, ist "Source Code" die Ausnahme von der Regel. Ein Actiondrama mit Mainstream-Anbindung, das den Kopf nicht narkotisiert und das Herz schneller schlagen lässt. kob.
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