Payback - Zahltag
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Ein scheinbar leichter Coup soll den Dieben Porter und Val Resnick das große Geld bringen. Tatsächlich klappt der Überfall wie am Schnürchen. Doch als es daran geht, die Beute zu teilen, begeht Val drei Fehler: Er unterschlägt Porters Anteil, brennt mit dessen Frau durch und versucht sogar, seine Kollegen zu töten. Kaum wieder auf den Beinen, sinnt Porter auf Rache. Vor allem aber will er sein Geld zurückhaben. Da stört es ihn nicht einmal, daß Resnicks neue Freunde Mafia-Paten sind und sich auch die Polizei schon an seine Fersen geheftet hat... Nach monatelangem fast vergebens scheinende…mehr

Produktbeschreibung

Ein scheinbar leichter Coup soll den Dieben Porter und Val Resnick das große Geld bringen. Tatsächlich klappt der Überfall wie am Schnürchen. Doch als es daran geht, die Beute zu teilen, begeht Val drei Fehler: Er unterschlägt Porters Anteil, brennt mit dessen Frau durch und versucht sogar, seinen Kollegen zu töten. Kaum wieder auf den Beinen, sinnt Porter auf Rache. Vor allem aber will er sein Geld zurückhaben. Da stört es ihn nicht einmal, daß Resnicks neue Freunde Mafia-Paten sind und sich auch die Polizei schon an seine Fersen geheftet hat...

Nach monatelangem fast vergebens scheinendem Warten ist jetzt endlich die erste Regiearbeit des Drehbuchautors Brian Helgeland ("L.A. Condiential") im Kino. Hauptdarsteller Mel Gibson, mit seiner Firma Icon auch Produzent des Films, war mit dem vor "Lethal Weapon 4" gedrehten und fertiggestellten Noir-Thriller mit Burlesk-Touch nicht zufrieden. Dem Vernehmen nach war ihm die Figur, die er spielte, zu finster, und er befürchtete den Verlust von Publikumssympathien. Ein nicht genannter Regisseur drehte Szenen nach, so daß der Film erst jetzt, Monate nach dem ursprünglichen Starttermin im Frühsommer 1998, veröffentlicht wurde - und das mit Erfolg: Mit Gibson als Zugpferd spielte "Payback" am ersten Wochenende in den USA bereits 21,4 Mio. Dollar ein.

Was letztlich auf der Leinwand zu sehen ist, ist immer noch ein ungewöhnlich konsequent düsterer Thriller, vornehmlich in den ersten zwei Dritteln, bei dem Gewalt ein unabdingbares Stilmittel ist zur Charakterisierung der klassischen Anithelden des Gangsterfilms, für die es keinen Platz in einem friedlich geordneten Leben gibt. Im letzten Drittel bekommt der geradlinige Film einen anderen Drive, scheint momentweise seine pechschwarze Identität aus den Augen zu verlieren zugunsten so mancher augenzwinkernder Lustigkeit. So läßt "Payback" oft eher an die "Lethal Weapon"-Filme denken als an John Boormans "Point Blank" aus dem Jahr 1967, der denselben Roman, "The Hunter" (deutsch: "Jetzt sind wir quitt") von Donald Westlake, erschienen unter dem Pseudonym Richard Stark, zur Vorlage hatte.

Erklärtermaßen wollte Brian Helgeland einen Bad Guy als Helden und ihn für seine drastische Handlungsweise auch nicht entschuldigen. Mel Gibson spielt diesen Porter, der bei einem gelungenen Coup von seinem Kumpel (Gregg Henry) und seiner Frau (Deborah Kara Unger) betrogen und fast erschossen wird. In der alptraumhaften Anfangsszene des Films läßt Porter sich von einem Whiskey saufenden Quacksalber die Kugeln aus dem Rücken schneiden und beginnt einen einsamen Rachefeldzug wie ein traditioneller Westernheld, wobei es ihm erstaunlicherweise nur um die Gerechtigkeit seines Anteils von 70.000 Dollar, nicht gerade eine Riesensumme, geht. Für sie riskiert er sein Leben und gerät in die finstersten Machenschaften von Syndikatsbossen schwersten Kalibers. Kris Kristofferson und - in den Credits nicht genannt - James Coburn haben atemberaubend klassische Cameoszenen, in denen Helgelands Regie der Magie eines Sam Fuller gleichkommt.

Immer wieder aber wird die beklemmende Noir-Intensität durch Action-Brachialgewalt aufgebrochen und Gibson augenzwinkernd der rote Starvehikel-Teppich ausgerollt: Die Stärke des ehemaligen Mad Max liegt zweifellos in der spielerisch gebrochenen Gewalt des Nicht-lange-fackelns. So wird die Brutalität, Porter rammt frontal ein Geldtransportauto, erledigt Gangster lakonisch per Kopfschuß, wird selbst fast kastriert und heftig gefoltert - nie genüßlich ausgekostet, sondern vielmehr lapidar rigoros gezeigt. Harter Tobak, der empfindliche Gemüter ziemlich fordern dürfte.

Obwohl er ganz offensichtlich keine freie Hand in der Verwirklichung des Filmes hatte, ist "Payback" ein überzeugender Beweis für das Regietalent des 37jährigen Helgeland, dem Gibson ruhig hätte trauen sollen. Vielleicht hätte er sogar die Chance zu einer neuen Image-Farbe jenseits von Martin Riggs und Mad Max gehabt. Was bleibt, ist ein spannender Actionthriller, glänzend fotografiert von Ericson Core in dunkel farbigen Schwarz-, Grau- und Blauschattierungen, der nicht sein künstlerisches, wohl aber sein kommerzielles Potential ausschöpft. fh.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Die deutsche DVD-Version enthält sowohl die deutsche und eine spanische Synchronfassung, die amerikanische Originalversion sowie 19 verschiedensprachige Untertitel! Außerdem enthält sie sehr interessante Interviews unter anderem mit Mel Gibson, James Coburn und Lucy Liu und kann -- bei der entsprechenden Tonanlage -- in Dolby Digital 5.1 genossen werden.
  • Produktdetails
  • EAN: 5051890064615
  • Best.Nr.: 34268534
  • Artikeltyp: Film
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 2. Dezember 2011
  • Hersteller: Warner Home Video
  • Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Untertitel: Deutsch, Kroatisch, Kroatisch, Türkisch, Hebräisch, Ungarisch, Tschechisch, Polnisch, Griechisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Isländisch, Schwedisch, Norwegisch, Englisch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:2, 35/16:9
  • Tonformat: Dolby Digital 5.1
  • Gesamtlaufzeit: 98 Min.

Autorenporträt

Richard Stark (Jahrgang 1933) ist eines von mehreren Pseudonymen des mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Schriftstellers Donald E. Westlake, dem Grandseigneur des amerikanischen Noir-Krimis.§Donald E. Westlake ist am 31.12.2008 im Alter von 75 Jahren verstorben.

Rezensionen

Mit "Payback", basierend auf Donald Westlakes Kriminalroman "Jetzt sind wir quitt", den John Boorman 1967 schon einmal unter dem Titel "Point Blank" verfilmte, gibt Drehbuch-Autor Brian Helgeland ("L.A.Confidential") sein langerwartetes Regiedebüt. Das Ergebnis ist ein überaus überzeugender, lakonischer Action-Thriller, üppig an Brutalität und sparsam an Moral, der - vor allem im letzten Drittel - durch schwarzen Humor aufgelockert wird. Besonders spannend, daß Mel Gibson hier einmal den bösen Buben spielt, was einen jedoch nicht davon abhält, mit seiner Figur zu sympathisieren. "Mad Mel" garantiert einen Podestplatz!
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Besprechung von 12.03.1999
Diebstahl neuen Lebens
Vom Sieg des Namenlosen: Brian Helgelands Film "Payback"

Wo der Wille herrscht, stört der Name. Im Reich der Kraft und des ewigen Kampfes muß auf Identität verzichtet werden. Das von göttlicher oder schrecklicher Gewalt Geformte kann in Worten nicht bezeichnet werden, Beschwörung ersetzt die Benennung, damit das Wunder gelingt: der Sieg über die Realität innerhalb der Realität. Antike Mythen und ihre modernen Varianten, der Western, Science-fiction-Phantasien, der film noir, brauchen in ihrer Mitte einen Niemand, dessen Auflehnung das Schicksal in Gang setzt.

Als Val Resnick (Gregg Henry) nach dem Vornamen des Mannes gefragt wird, den er getötet zu haben glaubt, ist seine Verblüffung echt. Fünf Sekunden lang legt der brutale Prolet sein Goldkettchenlächeln ab: Für ihn sei er immer nur Parker gewesen. Mit diesem stummen Namen zieht der gerade vom Operationstisch eines alkoholkranken Arztes Auferstandene durch die Großstadt. Die ersten Einstellungen nach dem Vorspann des Films "Payback" zeigen den Diebstahl eines neuen Lebens. Der torkelnde Untote greift in einen Bettlerhut, um sich ein Frühstück, nach einer Kreditkarte, um sich Anzug, Lunch und Schußwaffe leisten zu können. Parker wird wieder Parker, indem er die Rechnungsbelege mit Edward Johnson unterzeichnet. Als die Karte gesperrt wird, hat der entlehnte Namen seinen Zweck erfüllt, der Übertritt ins Land der Lebenden ist vollzogen.

Im Halbdunkel vor eine nachtschwarzen Hauseingang endet die Passage über den Fluß der Wiederkehr. Dort steht Parker und wartet auf seine Frau Lynn, eine Drogensüchtige. Sie hatte sich mit Val eingelassen, um Parker die zu dritt erbeuteten 140000 Dollar abzunehmen. Dabei schoß sie ihrem Mann ein bißchen in den Rücken. Die Kugeln hat der Quacksalber herausgeschnitten. Die Wunden aber wuchern weiter und wollen Rache.

Nirgends wäre Parkers Rache besser aufgehoben als beim Schauspieler Mel Gibson, der nach dem kampferprobten Zukunftspolizisten in "Mad Max", nach dem Vergangenheitsrebellen "Braveheart" und dem Geheimagenten in "Fletchers Visionen" hier den eiskalten Gangster gibt. Seit 1993 tritt der geschäftstüchtige Australier auch als Regisseur hervor, vorzugsweise zur höheren Ehre des Heldendarstellers Gibson. Gottlob war Gibson, dessen Produktionsfirma Icon "Payback" finanzierte, klug genug, die Regie für die Verfilmung eines Romans von Richard Stark in andere Hände als die eigenen zu legen.

Brian Helgeland, für das Drehbuch zu "L. A. Confidential" im vergangenen Jahr mit einem Oscar ausgezeichnet, darf so ein Regiedebüt vorlegen, das dem narzißtischen Körperbild der wortkargen Einzelgänger eine gegenläufige Variante hinzufügt. Parker wird als todgeweihter Fleischberg auf verdrecktem Operationstisch eingeführt; die Prostituierte Rosie (Maria Bello) sagt nach einem Attentat auf ihn, er sei doch schon tot; als am Ende der Rächer und die Hure die Stadt Richtung Kanada verlassen, kann Parker sich kaum noch bewegen, sind seine Kräfte die eines Kindes.

Das als "The Outfit" firmierende Verbrechersyndikat hingegen, dem Parker sich entgegenstellen muß, um sein von Val dorthin weitergeleitetes Geld zurückzubekommen, verherrlicht das Gesunde und Gewaltige. Das Büro der Organisation wird von dunklen Holzfarben dominiert, den größten Teil der hinteren Wand nimmt ein Gemälde des heroischen Realismus ein: Grau in braun heben muskelstrotzende, düster blickende Männer ihre Arme zum Tagwerk, Fabrikschlote senden dunkle Drohungen in die Luft. Wie zu faschistischer Zeit hat der Mensch hier einen Wert, solange er mit industrieller Zuverlässigkeit funktioniert. Parkers Sieg gegen die Übermacht ist der Sieg des Namenlosen über die vielnamigen Bosse Carter, Fairfax, Bronson, aber auch der als Wunder zu fassende Erfolg des beschädigten Körpers gegen den Kult der Stärke.

Das zweite Interesse des Drehbuchs, vom Regisseur gemeinsam mit Terry Hayes verfaßt, und auch das Interesse der Kamera von Ericson Core gelten der anonymen Großstadt, in der die Körper aufeinanderprallen. Sie besteht ausschließlich aus tagsüber grau, nachts golden schimmernden Hochhäusern, die in extremer Unter- oder Obersicht aufgenommen und so zu fast expressionistischen Elementen eines lebensfeindlichen Molochs werden. Sobald die Menschen ihre Bunker und Burgen verlassen, rückt die Kamera ihnen ohne die geringste Tiefenschärfe so nahe, daß sämtlicher Hintergrund zur nebligen Fläche verschwimmt. Selbst bei Tage ist deshalb keinerlei Orientierung möglich. Parker steckt in einem Irrgarten gefangen.

"Payback" ist eine Hollywoodgroßproduktion mit einem der bestbezahlten Actionstars. Helgeland entwickelt dem Diktat des Kommerzes zum Trotz eine eigenständige Autorschaft, die eine durchweg konventionelle Geschichte weitet zu einer Studie, die ganz kalt aufnimmt, wie die Schmerzen im mißhandelten Körper des Helden bis zu dessen Zerstörung anwachsen und wie die Wolkenkratzer immer beängstigender und größer werden. Schließlich gibt Parker seinen verbrecherischen Beruf auf, will auch nicht mehr den Nichtnamen Parker tragen. Er bricht auf nach Kanada. Dort locken ein Frühstück und ein Neuanfang. Es ist die Hoffnung, mit der einen dieser Film entläßt. ALEXANDER KISSLER

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