Leseprobe zu "Gewaltfreie Kommunikation" von Lucy Leu
Vorschläge für die Strukturierung eines "Empathie-Gesprächs" Ein "Empathie-Gespräch" ermöglicht einem Übungsgruppen-Teilnehmer, hier und jetzt aufrichtige Einfühlung für eine schwerwiegende Lebenssituation zu erhalten. Dabei sind für die anderen Übungsgruppenmitglieder klare Rollen innerhalb einer strukturierten GFK-Übung vorgesehen. Überdenke die nachfolgenden Vorschläge, um daraus deine eigenen Strukturen und Leitlinien zu entwickeln. Vielleicht stellst du fest, dass deine Übungsgruppe über Monate oder Jahre herangereift ist und früher eingeführte, vielleicht strengere Leitlinien den Weg zu einem immer spontaneren Gesprächsfluss geebnet haben. Bevor ihr beginnt, erwäge, die Übungsgruppe einen Augenblick innehalten zu lassen, um euch wieder mit dem "Herzen" zu verbinden: Werdet ruhiger und macht euch den gegenwärtigen Moment bewusst. Eine Möglichkeit dazu ist, zu unterbrechen, zu atmen und bewusst über die Energie, um die es geht, nachzudenken. Eine von einem Teilnehmer angeleitete Visualisierung innerer Bilder, ein Lied oder ein Moment der Stille können uns an unsere Absicht erinnern, dass wir in Verbindung bleiben mit Empathie, Mitgefühl, Klarheit oder Bitten, die den Respekt für alle Betroffenen, uns selbst eingeschlossen, bezeugen. Das kann helfen, die nötige Atmosphäre zu schaffen und uns mit der "Energie des Herzens" zu verbinden, während wir unser Augenmerk auf das richten, "was zu tun ist". 1. Lege die Länge des "Empathie-Gesprächs" fest. Ihr könntet z.B. 15 Minuten für die Einfühlung ansetzen, und noch fünf Minuten für eine abschließende Besprechung vorsehen. 2. Entscheide, wie viele dieser "Empathie-Gespräche" beim heutigen Treffen stattfinden können. Möglicherweise gibt es mehr interessierte Teilnehmerinnen, als euch Zeit zur Verfügung steht. Dann solltet ihr entscheiden, wann ihr weitere "Empathie-Gespräche" abhalten werdet, so dass jede Gelegenheit erhält, Einfühlung zu erhalten. 3. Entscheide, wer der Sprecher sein soll. Sehr oft melden sich Teilnehmer, die im Zusammenhang mit einer schmerzhaften Situation einen starken inneren Druck empfinden als Freiwillige. Oder es kann auch jemand sein, der bisher noch keine Gelegenheit hatte zu sprechen. 4. Die Sprecherin wird aufgefordert, über eine Situation zu sprechen, in die keine der anwesenden Personen einbezogen ist und die auch nicht erwarten lässt, dass dadurch bei jemand Anwesendem Schmerz ausgelöst wird. 5. Versichert dem Sprecher, dass er die ganze zur Verfügung stehende Zeit erhält. Wenn eine Zuhörerin unterbricht, geschieht das nicht in der Absicht, dem Sprechenden das Wort zu entziehen, sondern seine Worte zu spiegeln und sicherzustellen, dass seine Worte zutreffend aufgenommen worden sind. 6. Die Sprecherin wird angehalten, öfter einmal zu unterbrechen und den Zuhörern Gelegenheit zu geben, das Gehörte zu wiederholen. Marshall Rosenberg schlägt hier maximal 40 Worte vor! Die meisten von uns, insbesondere wenn sie unter großem Schmerz leiden, sprechen dagegen weit mehr als diese 40 Worte aus. Wenn wir den Wunsch haben, dass die Zuhörer unsere Worte auch in vollem Umfang aufnehmen können, ist es nützlich, uns daran zu erinnern, dass wir unsere Worte in kleinen Portionen anbieten. 7. Die Redenden möchten vielleicht auswählen, ob sie lieber GFK praktizieren oder sich in ihrer gewohnten Art ausdrücken wollen, wobei sie die Übersetzungsarbeit den Zuhörerinnen anvertrauen. Das vorrangige Ziel eines "Empathie-Gesprächs" ist es, Gelegenheit zu geben, uns in das tiefgründige Hören und das verbale Ausdrücken von Einfühlung einzuüben. Für diese Übung sollten wir die Sprecher nicht entmutigen, indem wir verlangen, dass sie - auch wenn es ihnen schwer fällt -, "GFK sprechen müssen". Die Rolle der Zuhörerinnen in dieser Situation ist, zuzuhören und nicht den Sprecher zu coachen oder anzuleiten, sich in GFK auszudrücken. 8. Entscheidet darüber, wer die Einhaltung der Zeit im Auge behält (Zeitnehm