Gewaltkarrieren - Sutterlüty, Ferdinand

Ferdinand Sutterlüty 

Gewaltkarrieren

Jugendliche im Kreislauf von Gewalt und Missachtung. Diss.

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Produktbeschreibung zu Gewaltkarrieren

Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie
Die "ausgezeichnete und gut lesbare Arbeit treibt nicht nur den wissenschaftlichen Klärungsprozess voran, sondern korrigiert auch verbreitete Deutungsmuster im öffentlichen Diskurs über Gewalt." Das Parlament

Innenansicht von jugendlichen Gewalttätern Wo liegen die Ursachen jugendlicher Gewalttaten? Anhand ungewöhnlich eindringlicher und oft erschreckender Beispiele beschreibt Ferdinand Sutterlüty Entwicklungsschritte und Wendepunkte in den Gewaltkarrieren jugendlicher Täter. Wie kommt es, dass eine Gruppe von Skinheads so lange auf einen Obdachlosen einschlagen kann, bis er sich nicht mehr bewegt? Warum schlagen Mitglieder einer türkischen Bande einen jüngeren Schüler, der bereits auf die bloße Bedrohung seine Jacke und seine Uhr abgegeben hat? Weshalb ruft bei manchen Jugendlichen schon der Blick eines anderen gewalttätige Reaktionen hervor? Und was führt dazu, dass sich ein Jugendlicher ohne erkennbaren Anlass auf den Weg macht, um potentielle Opfer seiner Gewalt zu suchen? Mit Fragen solcher Art beschäftigt sich die Studie von Ferdinand Sutterlüty. Der Autor rückt Erfahrungen der Gewaltausübung in konkreten Situationen sowie die Interpretation dieser Erfahrungen durch die jugendlichen Akteure ins Zentrum der Analyse. Damit wird die These verknüpft, dass durch die Gewalterfahrungen und deren Folgen für das Selbstverständnis der Jugendlichen wesentliche Aspekte ihrer Gewaltausübung erklärt werden können. Die Studie zeigt, dass diese oft sehr intensiven und rauschhaften Erfahrungen zu den Triebfedern biographischer Verläufe gehören, welche die Form einer sich fortentwickelnden "Karriere" der Täterschaft annehmen und meist in einer langen Vorgeschichte familiärer Gewalt und Missachtung gründen. Sutterlüty nimmt in seiner Analyse die Interaktionsprozesse im sozialen Nahbereich in den Blick, da diese wesentlich sind, um die Anlässe, den inneren Verlauf und die spezifischen Formen der Gewaltausübung von Jugendlichen zu begreifen. Mit diesem Konzept weist er über die bislang dominierenden sozialstrukturellen und kulturtheoretischen Erklärungsansätze hinaus und gibt der Gewaltforschung neue Anstöße. Das Buch wurde 2002 mit dem Dissertationspreis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ausgezeichnet.

Produktinformation


  • Verlag: Campus Verlag
  • 2002
  • 2., durchgesehene Auflage
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 381 S.
  • Seitenzahl: 381
  • Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie Bd.2
  • Deutsch
  • Abmessung: 21 cm
  • Gewicht: 550g
  • ISBN-13: 9783593370811
  • ISBN-10: 3593370816
  • Best.Nr.: 10745741
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.04.2003

Kai ist der weiße Hai und der Staat unendlich fern
Oft führt die kleinste Erfahrung des Mißachtetwerdens zum Exzeß: Ferdinand Sutterlüty schaut hinter jugendliche Gewaltkarrieren

Vielleicht liegt der Reiz dieses großartigen Buches darin, daß es den Leser zugleich abstößt und vollkommen einnimmt. Ferdinand Sutterlütys preisgekrönte Frankfurter Dissertation widmet sich jugendlichen Gewaltkarrieren. Aus sorgfältig dokumentierten Gesprächen mit den Tätern vollzeiht Sutterlüty minutiös ihre sinnlos scheinenden Gewalthandlungen nach. Er fragt die Jugendlichen behutsam nach ihren Motiven und verbindet dies mit einfühlsamen Analysen ihrer biografischen Hintergründe. An deren Ende begreift der Beobachter nicht nur die Täter, sondern er findet ihre Brutalität erschreckend wie nie zuvor.

Sutterlütys Zugang über die Empirie ist wohlbegründet und ergiebig. Kritisch konstatiert er, bestimmte Forschungsansätze interessierten sich oft mehr für den Diskurs über Gewalt als für diese selbst. Damit bleiben sie blind für die tatsächlichen Erscheinungsformen von Gewalt im sozialen Nahraum. Sutterlütys Buch besticht hingegen dadurch, daß …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Rezensent Magnus Schlette zeigt sich sehr angetan von Ferdinand Sutterlütys Buch über den Suchtcharakter jugendlicher Gewaltausübung. Einig ist er sich mit dem Autor darin, dass sozialstrukturelle und kulturtheoretische Erklärungsmodelle das Phänomen der Jugendgewalt nicht hinreichend erklären können. Plausibel erscheint ihm daher Sutterlütys Vorgehen, zunächst bei den "schönen Gefühlen" in Schlägereien anzusetzen. Wie Schlette ausführt, kann Sutterlüty zeigen, dass jugendliche Gewalttäter Gewalt keineswegs als geeignetes Mittel zu einem vorab definierten und intendierten Zweck einsetzten, sondern die gewalttätige Konfrontation selbst als euphorisierend empfinden und diese Glückszustände zu wiederholen suchen. Als "Leistung" von Sutterlütys hermeneutischer Einzelfallrekonstruktion - er führte Gespräche mit achtzehn jugendlichen Gewalttätern - sieht Schlette, dass die jugendlichen Täter den Autor nicht über die wahren Motive ihres Handelns täuschen konnten. Deutlich werde allerdings auch, "dass die von den Jugendlichen gegebenen Begründungen keineswegs bloße Täuschungsstrategien sind". Gegen Elias Canettis anthropologische Deutung der Gewalt verstehe …

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Ferdinand Sutterlüty, geb. 1962, studierte Katholische Theologie an der Universität Innsbruck, danach Soziologie an der Universität Konstanz und der Freien Universität Berlin. Seit 2002 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung.

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