Leseprobe zu "Smart Talk, 2 Audio-CDs" von Doris Märtin
Wir können nicht nicht kommunizieren
... heißt ein geflügeltes Wort des Kommunikationsforschers Paul Watzlawik.
Sobald zwei Menschen einander begegnen, gewinnt jeder Blick, jede Geste, jedes Wort eine Bedeutung: Selbst wenn wir gar nichts sagen, morgens im Aufzug, spricht unser Schweigen Bände. Auch wenn wir bemüht wegschauen, der Ex-Partner steht am Büffet, sagt unser ausweichender Blick alles.
Kommunikation findet immer statt, wo Menschen zusammen sind. Also überall: im Konferenzraum und im Kinderzimmer, im Bett und beim Bewerbungsgespräch, an der Hochzeitstafel und am Handy, beim Friseur und auf dem Finanzamt, beim Italiener und im ICE. Wir reden im Meeting mit, den Kindern drein, der schwierigen Kundin nach dem Mund und dem grippekranken Partner gut zu.
Und stellen dabei immer wieder fest: Ob im Job oder in der Liebe - nichts bringt uns weiter als gute Kommunikation. Und nichts zerschlägt mehr Porzellan als schlechte. Das Gute daran ist: Kommunikation - Reden, Fragen, Verstehen, Schweigen - kann man lernen.
The way we communicate with others and with ourselves ultimately determines the quality of our lives.
Tony Robbins
Die Big Eight
Angebote fürs bessere Reden gibt es genug: Der Uni-Absolvent lernt im Bewerbungstraining die 101 Antworten auf die schärfsten Interviewfragen, die Vertriebsassistentin trainiert im Präsentationsseminar den gekonnten Auftritt, der Manager holt sich beim Coach den letzten rhetorischen Schliff fürs Presseinterview. Gestresste Eltern lernen im Triple P, wie man Kinder lobt, ermutigt und zurechtweist, für Paare gibt es die Fünf Sprachen der Liebe als Hörbuch, und Streiten verbindet als Paperback, und auf der Fahrt ins Büro macht man sich per CD im Small Talk fit.
Jede Art von Gespräch, so scheint es, unterliegt speziellen Kommunikationsregeln, und wer sich im Job souverän behauptet, kommt deshalb noch lange nicht spielend mit den Schwiegereltern klar. Als wäre das Miteinander-Reden nicht ohnehin schon schwer genug, verkomplizieren wir es in dem Glauben, unterschiedliche Situationen erforderten eine jeweils ganz eigene Sprache.
In Wahrheit ist alles viel einfacher. Denn es stimmt zwar, dass unterschiedliche Gespräche unterschiedliche Anforderungen an uns stellen. Aber beim genaueren Hinsehen zeigt sich: Es gibt eine überschaubare Anzahl von Grundfertigkeiten der Kommunikation, die jedes Gespräch voranbringen, unabhängig von Gegenüber, Thema und Anlass. Die Big Eight heißen:
Baustein 1: Sich unterhalten
Unterhaltungen sind alle Gespräche, bei denen nicht die Inhalte im Vordergrund stehen, sondern das Sich-einander-Zuwenden: Kennt man jemanden gar nicht oder nur flüchtig, bahnt angenehmes Plaudern den Weg. Bei Fachgesprächen setzt verbindlicher Small Talk den Anfangs- und Schlusspunkt. Mit Freunden und in der Familie kommunizieren die vielen kleinen Alltagsbemerkungen Zuwendung und Aufmerksamkeit: "Wie war dein Tag?" - "Möchtest du noch Tee?" - "Pass auf dich auf!". Achten Sie einmal darauf: So gut wie jedes private und berufliche Gespräch enthält einen mehr oder weniger großen Unterhaltungsanteil.
Baustein 2: Verstehen
Es gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen, Gehör zu finden und Anerkennung. Ein offenes Ohr und ein aufgeschlossener Geist sind deshalb das schönste Geschenk, das wir einem Gesprächspartner machen können. 100-prozentige Aufmerksamkeit - das schätzt der Finanzvorstand, das beflügelt die neue Liebe, das tut der rheumakranken Nachbarin gut. Sogar der voll coole 15-Jährige fährt darauf ab.
Baustein 3: Sich darstellen
Silent Messages heißt der Titel einer in den siebziger Jahren veröffentlichten Studie. Der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian stellte darin fest, dass wir das meiste ohne Worte ausdrücken. Für mindestens 90 Prozent unserer Wirkung zeichnen Körperhaltung, Aussehen, Stimme, Mimik und Gestik verantwortlich. Styling, Stil und Status verdienen deshalb Beachtung. Vielleicht mehr als Sie wahrhaben wollen.
Baustein 4: Formulieren
Wir können die Wirkung unserer sprachlichen Ausdrucksweise gar nicht hoch genug schätzen. Sie bestimmt, wie gut der Gesprächspartner unsere Gedanken versteht und wie bereitwillig er sich dafür gewinnen lässt. Darüber hinaus zeigt unsere Sprache, wer wir sind, wo wir herkommen, welchem sozialen Umfeld wir angehören, wie wir die Welt wahrnehmen und bewerten. Ob beim Bewerbungsinterview oder beim Date - mit unseren Worten teilen wir nicht nur etwas mit, wir teilen auch uns selbst mit. Unserem Redeverhalten entnehmen die anderen, ob wir zu ihnen passen.
Baustein 5: Sich behaupten
Ein großer Teil aller Kommunikationsbemühungen zielt darauf ab, Standpunkte zu vertreten und Wünsche durchzusetzen. Freundlichkeit und Fairness auf beiden Seiten bewirken dabei viel, aber nicht alles. Denn wo es um persönliche Interessen geht, wird schon mal mit harten Bandagen gekämpft. Das mag man gut finden oder nicht, auf jeden Fall sollte man dafür gewappnet sein. Erstens, weil es Sicherheit gibt, Zumutungen und Frechheiten elegant abwehren zu können. Und zweitens, weil viele Konflikte verpuffen, wenn wenigstens einer der Gesprächspartner einen klaren Kopf behält.
Baustein 6: Versöhnen
Kommunikationswissenschaftler können ziemlich genau sagen, wie Kommunikation gelingt: Wir müssen im Gespräch mit anderen genauso vorausschauend und aufmerksam reagieren wie im Straßenverkehr. Wenn die Ampel auf Gelb springt, nehmen wir das Tempo weg. Wenn sich auf der Autobahn ein Stau abzeichnet, schalten wir die Warnblinkanlage ein. Wenn ein entgegenkommendes Fahrzeug die Kurve schneidet, weichen wir aus. Gelungene Gespräche funktionieren ähnlich: Wir passen auf, gleichen aus, lenken ein und nehmen Rücksicht und dies vorsichtshalber lange bevor es kracht.
Baustein 7: Präsentieren
Reden vor Publikum verursacht vielen Lampenfieber und manchen Bauchschmerzen. Trotzdem muss reden können, wer überzeugen will. Das A und O hierfür ist eine gründliche Vorbereitung: Wissen sammeln, Publikum analysieren, Einstieg erdenken, Schluss formulieren, Medieneinsatz planen, sich Ortskenntnis verschaffen, Mentaltraining und Probelauf einkalkulieren. Je besser Sie sich vorbereitet haben, desto aufmerksamer können Sie beim Vortrag, bei der Präsentation, beim Seminar auf Ihre Zuhörer eingehen.
Baustein 8: Erzählen
Was wir aus unserem Leben erzählen, charakterisiert uns. Unsere Geschichten zeigen, ob wir optimistisch sind oder eher pessimistisch, ob wir in den Stationen unseres Lebens einen Sinn erkennen und ob wir uns als Gestalter oder eher als Spielball des Schicksals begreifen. Wie stichhaltig, spannend und schön die Geschichten unseres Lebens in den Ohren der anderen klingen, hängt nicht primär von den biografischen Daten ab. Entscheidend ist vielmehr, wie wir selbst die Geschehnisse einordnen, verknüpfen und bewerten.
Was ist Smart Talk?
Es versteht sich von selbst: Nicht jeder der acht Alleskönner ist in jedem Gespräch gleich wichtig. Und natürlich kann es nicht schaden, die Big Eight der Kommunikation um das eine oder andere anlassbezogene Spezialelement zu erweitern. Aber allein und zusammen befähigen die acht Giganten der Kommunikation Sie dazu, smart zu kommunizieren:
s sympathisch... weil Sie Ziele leichter verwirklichen, wenn Ihr Gegenüber Sie mag. Die Beziehungsebene bestimmt die Inhaltsebene, nicht umgekehrt.
m mühelos ... weil die Big Eight des Kommunizierens Universalgenies sind, die Sie bei jedem Gespräch einsetzen und deshalb bald sicher beherrschen werden.
a authentisch... weil die besten Kommunikationstools versagen, wenn jemand nicht weiß, wovon er redet, und nicht lebt, was er sagt.
r redegewandt... weil nicht nur zählt, was Sie sagen, sondern auch, wie verständlich und anschaulich Sie es formulieren.
t taktvoll... weil Ideen nur durchsetzt, wer einfühlsam auf andere eingeht und psychologisch geschickt argumentiert.
Zum Reden gehören (mindestens) zwei
Kommunizieren ist etwas, was man gemeinsam tut, zu zweit oder in größerer Runde. "Gemeinschaftlich tun, mitteilen, teilnehmen lassen" lautet die Bedeutung des lateinischen Ursprungsworts communicare. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Denn leider funktioniert Kommunikation nicht so primitiv wie ein Getränkeautomat: Euro rein, Cola raus. Längst nicht immer erreichen wir im Gespräch mit anderen, was wir wollen. Und oft lösen wir etwas ganz anderes aus, als wir eigentlich beabsichtigt haben.
Man sagt, "Moment noch, Schatz, die Spielergebnisse des VfB Stuttgart werden gerade durchgegeben." - und einen Moment später fällt laut vernehmlich die Tür ins Schloss.
Man hält sich zurück mit Eigenlob und High-Potential-Deutsch - und erhält im Mitarbeitergespräch den Rat, mehr aus sich herauszugehen und sich besser zu verkaufen.
Man referiert kenntnisreich über die Vorzüge der Südumfahrung und deren Entlastungswirkung für den Ortskern - und auf der Heimfahrt behauptet die Partnerin, man hätte das Gespräch an sich gerissen und die Runde genervt.
Wahrheit ist nicht, was A sagt, sondern was B darunter versteht, lautet das erste Gesetz der Kommunikation. Smart zu kommunizieren bedeutet deshalb erheblich mehr, als brillant zu formulieren oder souverän zu kontern. Es bedeutet zu bemerken, wie der andere das Gespräch mit uns empfindet, ob er noch dabei ist, ob er sich anerkannt, verstanden, angeregt und gut gelaunt fühlt. Smart zu kommunizieren bedeutet, die Interessen und Gefühle des Gesprächspartners wahr und wichtig zu nehmen.
Das Eingehen auf die Bedürfnisse und Stimmungen des Gegenübers wirkt sympathisch. Vor allem aber bringt es Sie auf der Sachebene voran: Nach der Theorie des sozialen Austausches werden Sie als Gesprächspartner an dem "Nutzen" gemessen, den Sie anderen einbringen. Je wohler sich jemand in Ihrer Gegenwart fühlt, desto eher ist er bereit, Ihre Anregungen ernst zu nehmen, Ihre Wünsche zu erfüllen oder Ihr Angebot in Betracht zu ziehen.
Bemessen Sie den Erfolg von Kommunikation deshalb nicht in erster Linie daran, ob Sie sich gut unterhalten oder optimal zur Geltung bringen können. Viel wichtiger ist es, der Gegenseite das Gefühl zu vermitteln: Im Gespräch mit Ihnen fühlt man sich wertgeschätzt, entspannt und fair behandelt. Immer. Selbst dann, wenn es einmal hart auf hart geht.
Was Sie in diesem Buch erwartet
Dieses Buch ist nach den Grundfertigkeiten der Kommunikation, den Big Eight, gegliedert:
1. Sich unterhalten
2. Verstehen
3. Sich darstellen
4. Formulieren
5. Sich behaupten
6. Versöhnen
7. Präsentieren
8. Erzählen
Zu jedem dieser Themen gibt es Talk-Tools - Anregungen, wie Sie die jeweilige Grundfertigkeit perfektionieren können. Am Anfang jedes Kapitels finden Sie darüber hinaus Selbst-Checks mit Verhaltensweisen, die Gespräche voranbringen und solchen, die vielleicht falsche Botschaften senden. Hier sind ein paar Vorschläge, wie Sie dieses Angebot am besten für sich nutzen.
Bedienen Sie sich wie im Supermarkt
Es spielt keine Rolle, ob Sie dieses Buch klassisch von der ersten bis zur letzten Seite lesen oder ob Sie sich gezielt denjenigen der Big Eight zuwenden, die Sie zurzeit am meisten interessieren. Sie können sogar einfach nur blättern und sich punktuell mit einzelnen Talk-Tools beschäftigen, die Sie gerade besonders interessieren. Es gibt so viele verschiedene Wege zum Ziel, wie es Möglichkeiten gibt, smarter zu kommunizieren. Betrachten Sie deshalb die Techniken in diesem Buch als Angebot: Wählen Sie daraus aus, was zu Ihrem Typ passt, nehmen Sie so viel mit oder so wenig, wie Sie mögen. Trainieren Sie die ausgesuchten Techniken intensiv, und holen Sie sich Nachschub, wenn Sie Lust auf mehr haben.
Überprüfen Sie Ihre Kommunikationsgewohnheiten
Vergleichen Sie das Gelesene fortlaufend mit Ihren eigenen Erfahrungen und Verhaltensweisen. Was berücksichtigen Sie schon lange? Welche Anregungen kennen Sie schon, ohne sie je umgesetzt zu haben? Was hindert Sie daran? Wo können Sie noch zulegen? Welche Verhaltensweisen möchten Sie automatisieren? Kennzeichnen Sie, welche Tools Sie in Ihr Repertoire aufnehmen möchten.
Manches, was in diesem Buch steht, wird Ihnen bekannt vorkommen. Das hat Methode: Die Talk-Tools wurden nicht in erster Linie nach ihrem Neuheitswert ausgewählt, sondern nach ihrer Nützlichkeit. Dass Ihnen einige davon vertraut sind, macht sie nicht weniger wertvoll. Entscheidend ist nicht, ob Sie eine Kommunikationstechnik kennen, entscheidend ist, wie erfolgreich Sie sie einsetzen.
Beobachten Sie sich selbst
Jedes Smart-Talk-Kapitel enthält ein geballtes Paket an Informationen. Deshalb ist es hilfreich, wenn Sie sich zu Beginn jedes Kapitels Zeit für eine Selbsteinschätzung nehmen. Füllen Sie die Selbst-Checks aus, um zu sehen, wie typisch ein Verhalten für Sie ist. Die Selbst-Checks zeigen Ihnen, wo Sie stehen, womit Sie punkten und wo Sie noch zulegen können. Ein noch klareres Bild erhalten Sie, wenn Sie sich nicht nur auf Ihre Selbstbe-obachtung verlassen, sondern gute Freunde oder Kollegen um ein Feedback bitten.
Setzen Sie Gelerntes sofort um
Der Fokus dieses Buches liegt auf erprobten, alltagstauglichen, leicht umsetzbaren Tools. Probieren Sie Tools, die Ihnen einleuchten und gefallen, deshalb bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus. Legen Sie besonderen Wert darauf, dass sich Ihr Gegenüber im Gespräch mit Ihnen wohl oder zumindest respektiert fühlt. Außerdem wichtig: Formulieren Sie klare, messbare Ziele:
Ich achte mindestens in einem Gespräch pro Tag darauf, mich zurück-zunehmen und den anderen glänzen zu lassen.
Ich mache jeden Tag mindestens zweimal ein Kompliment.
Ich regle in Gesprächen mit dem betont sorgfältig artikulierenden -Abteilungsleiter meine Sprechgeschwindigkeit um eine Nuance herunter.
Es ist völlig normal, wenn sich ein neues Verhalten anfangs unbequem und fremd anfühlt. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Die solidesten Bergstiefel müssen eingetragen werden, die schicksten High Heels können am Anfang drücken. Dafür leisten sie Ihnen jahrelang gute Dienste und führen Sie auf neue Höhen.
Nutzen Sie den E-Mail-Coach
Dabei unterstützen wir Sie mit unserem E-Mail-Coach. †ber einen Zeitraum von zwölf Wochen erinnern wir Sie mit kurzen Mails immer wieder daran, die Talk-Tools anzuwenden. Sie finden in jeder Mail einen Tipp oder eine kurze Anregung, wie Sie einzelne Elemente des Smart Talk sofort und ohne großen Aufwand umsetzen können. So holen Sie sich einen wohlmeinenden Coach ins Büro oder an den Schreibtisch, der Sie daran erinnert, kontinuierlich an den Big Eight zu arbeiten. Unter www.campus.de/isbn/3593379198 können Sie sich kostenlos anmelden.