Teheran Revolutionsstraße - Cheheltan, Amir H.

Amir H. Cheheltan 

Teheran Revolutionsstraße

Roman

Aus d. Pers. v. Susanne Baghestani
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Produktbeschreibung zu Teheran Revolutionsstraße

Der Aufstieg eines zwielichtigen Operateurs von Jungfernhäutchen zum Klinikchef, der sich in eine seiner Patientinnen verliebt, ist Ausgangspunkt für ein Sittenbild der iranischen Gesellschaft, deren politische, wirtschaftliche und soziale Zwänge und Verwerfungen ein junges Liebespaar auf grausame Weise scheitern lassen. 'Teheran Revolutionsstrasse' der, in Teheran nicht veröffentlichte Roman Cheheltans, porträtiert den unbekannten Alltag von Menschen der Teheraner Megacity.

Produktinformation


  • Abmessung: 235mm x 150mm x 23mm
  • Gewicht: 455g
  • ISBN-13: 9783874101110
  • ISBN-10: 3874101118
  • Best.Nr.: 26550342

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Begeisterung hat Amir Hassan Cheheltans "großartiger" Roman über die iranische Gesellschaft bei Rezensent Kurt Scharf ausgelöst. Dem Autor gelingt es seines Erachtens, ein höchst anschauliches, lebensnahes, nuanciertes und mitunter recht drastisches Bild des nachrevolutionären Teheran zu zeichnen. Das Buch hat für Scharf etwas Bedrückendes - etwa bei der Beschreibung von Folter oder der elenden Situation im für politische Häftlinge bestimmten Evin-Gefängnis. Zugleich lobt er es als spannend und unterhaltsam, vor allem wegen der Ironie und des Sarkasmus des Autors. Er findet sich - erzähltechnisch perfekt gemacht - als Leser mitten in das Geschehen gezogen. Beeindruckt hat ihn, wie Cheheltan präzise Beobachtung, kritische Beschreibung und Ironie verbindet, wenn er die "Heuchelei der bigotten Revolutionäre" geißelt. Der Roman hilft dem Leser in seinen Augen auch, das aktuelle Geschehen im Iran besser zu verstehen. Und nicht zuletzt verdeutlicht "Teheran Revolutionsstraße" für Scharf eindrucksvoll, dass die iranische Literatur den "Anschluss an die Moderne gefunden hat und hinter der europäischen oder amerikanischen nicht zurücksteht".

© Perlentaucher Medien GmbH
Amir Hassan Cheheltan, geboren 1956 in Teheran, beendet sein technisches Studium in England. Wehrdienst, Irakkrieg (1980 - 88). Während des Krieges erster Roman, der jedoch erst 2002 unter strengen Auflagen erscheinen darf. 2 Jahre mit Frau und Kind als Writer in Residence in Certaldo/Italien. 2001 kehrt der Autor nach Teheran zurück.§In Deutschland ist Cheheltan durch die scharfsichtigen und scharfzüngigen Feuilletons zur Lage im Iran bekannt (seit 2004 in der Frankfurter Allgemeinen und in der Süddeutschen Zeitung). Seit 2001 Mitglied im Vorstand des Iranischen Schriftstellerverbands. Er lebt mit Frau und Sohn in Teheran.

Leseprobe zu "Teheran Revolutionsstraße" von Amir H. Cheheltan

Was Fattah auch immer tat, er konnte nicht einschlafen. Ständig rollte er sich von der einen auf die andere Seite und blickte aus den Augenwinkeln zum Fenster, auf die Ecke, an der der Vorhang beiseite geschoben und der Himmel sichtbar war. Der Morgen wollte nicht kommen. Zuvor hatte er zwar schon ein, zwei Gläschen Wodka gekippt, die aber nicht gewirkt hatten. Sie hatten ihn lediglich schwindlig gemacht, das war's!
Das Mädchen erschien für einen Augenblick und verschwand wieder, es betrachtete ihn, und seinen Lippen entwich eine Art bläulicher Dunst. Sie war kein Mädchen, sondern Balsam fürs Herz, mit jenen schwarzen Augen, die er im Rückspiegel gesehen hatte; insbesondere, wenn der Wagen über die Schlaglöcher fuhr, und sie vor Schmerz die Brauen verzog und sich auf die Unterlippe biss, wobei ihr alles Blut, das in ihrem Körper kreiste, in die Wangen zu steigen schien. In dieser späten Herbstnacht empfand er nach all den Jahren, in denen er die Mädchen auf das Bett seiner Klinikverfrachtet und ihre Jungfernhäutchen vernäht hatte, plötzlich eine gewisse Reue und Scham, dass er mit den Händen zwischen die Schenkel dieses einen Mädchens gefahren war, und das war ein neues Gefühl. Viele Jahre war das seine Arbeit gewesen; er spreizte die Schenkel der Mädchen auf dem schmalen Bett, stülpte mit zwei Fingern die Schamlippen um, fügte die Ränder des zarten Gewebes zusammen und vernähte ihre verlorene Jungfräulichkeit. Es war ihm jedoch nie passiert, dass er sich in eine von ihnen verguckt hätte. In dieser Nacht besuchte er nicht einmal Ssahar in ihrem Appartement. Er hatte keine Lust, sondern wälzte stattdessen verworrene Gedanken. Immer wieder stand er auf und rauchte in der Dunkelheit eine Zigarette, starrte in die finsteren Winkel des Zimmers und sah nur sie, die jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen, mit unschuldiger Keuschheit den Kopf neigte, die Lider senkte und sich an der Wand von ihm entfernte, als tadele sie Fattah für das, was er ihr angetan hatte.
Er hatte Maschallah nicht mehr aufgesucht, als sei nicht die Sängerin diejenige, die er suchte, und als seien all die langen Jahre der Sehnsucht nur aus dem einen Grund verstrichen, damit er sich eines Tages, kurz vor seinem Vierzigsten, derjenigen, die ihr so sehr ähnelte, das heißt in Wahrheit ihrer Jugend ähnelte, bemächtigen könnte. Er hatte viele Frauen und Mädchen gehabt, aber keine von ihnen hatte ihn mit nur einem Blick, einem Seufzer, einem verschämten Lächeln oder etwas Ähnlichem derart überwältigen können. Je mehr Zeit in den vergangenen Tagen verstrichen war, desto stärker empfand er diese Überwältigung.
Und dann fiel ihm eine ähnliche Empfindung ein, eine ferne Erinnerung, vermutlich, weil sie monatelang dieselbe Ungeduld hervorgerufen hatte, nur ein einziges Mal, und jetzt, nach so vielen Jahren, von neuem? Er ging aufs Gymnasium, und sie war die Nachbarstochter, lernte auf dem Flachdach für die Schule, setzte sich auf die steinerne Dachwalze und lehnte sich an dieLehmmauer des Dachzugangs. Der Tschador fiel ihr auf die Schultern. Das Haar schwarz und seiden; wenn sie darüber strich, sprühte es Funken und schillerte in außergewöhnlichen Regenbogenfarben. Wenn sie lächelte, blitzte die regelmäßige Reihe ihrer blanken Zähne durch den Spalt ihrer hellroten Lippen auf. Ihre hellen Fußknöchel bewegten sich langsam, mit Gummilatschen, die an ihren Füßen klebten, in einer gleichmäßigen Kreisbewegung. Der Fünfzehnjährige hatte Mühe zu schlucken, der Atem stockte ihm in der Brust und sein Herz hämmerte ungestüm. Er betrachtete sie von der Veranda seines Hauses aus. Das Mädchen hob manchmal den Kopf von seinem Buch, ein verschwommenes Lächeln, ein vager Blick, es strich sich übers Haar und blickte dann wieder auf das Buch. Die Elektrizität hing noch Augenblicke in der Luft. Wenn die Schmetterlinge auf sie zu flogen, schloss sie die Augen, hob den Kopf und wendete sich der Sonne zu.

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