 | Besprechung von 03.01.2011 |
Digitale ApokalyptikJedes Medium prägt eine Weltsicht und einen Wahrheitsbegriff. Die Buchkultur steht für das Streben nach objektivem Wissen, erzeugt in einem geregelten hierarchischen Prozess. Das Internet löst dieses Verfahren in einen diffusen Kollektivprozess auf, in dem die Grenzen zwischen Experten und Laien vielerorts fallen und sich das Gefühl ständiger Vorläufigkeit des Wissens verstärkt. Die Folge ist ein sehr subjektiv gefärbter Blick auf die Wirklichkeit und ein gemäßigter Objektivitätsanspruch. Was allgemein unter Wahrheit verstanden wird, lehnt sich dichter an Gebrauchskriterien und die Mehrheitsmeinung an. Dieses Szenario erscheint realistisch. Wer den pauschalen Ausführungen Daniela Pscheidas zum digitalen Wandel der Wissenskultur folgt, muss jedoch zu dem Schluss kommen, dass alle Vernunft in der Passage zum Digitalen restlos von einem Sumpf dumpfen Meinens aufgesogen wird. Die Wissenschaft gibt demnach ihre Standards von Professionalität und Rationalität widerstandslos preis, um Anschluss an den kollektiven Wahrheitsfindungsprozess im Netz zu halten. "Obsolet" ist das Wort, das die Autorin für durchgehaltenen Objektivitätswillen …
"Dieser informative Band aus der Reihe Kultur- und Medientheorie bietet eine systematische Auseinandersetzung mit der wissenskulturellen Bedeutung des Internet und wendet sich Plattformen wie 'Wikipedia' zu, kollektiv erstellten Netzinhalten, die heute immer selbstverständlicher als Wissensquelle genutzt werden." Oliver Neumann, www.lehrerbibliothek.de, 30.11.2010 "Trotz Internetzugang: lesenwert." Rheinische Post, 01.02.2011 "Befindet sich die Wissenskultur der Amateure mit tatkräftiger Unterstützung der Internetplattform Wikipedia auf dem Vormarsch? Welche Folgen hat dies für die überlieferte Buch- und Lesekultur? Mit welcher Zielrichtung wird in den Feuilletons und in der Wissenschaft über die Zukunft der Wissenskultur im digitalen Zeitalter diskutiert? Antworten auf all diese Fragen findet der Leser in der gründlich recherchierten Studie von Daniela Pscheida." Aschot Manutscharjan, Das Parlament, 30.05.2011 "Der Autorin [gelingt] ein Werk, an dem diejenigen, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Internet beschäftigen, nicht vorbei kommen werden. Aber auch nicht jene, die gern darüber fabulieren, in welcher Weise das Internet grundlegend zur Veränderung unserer Kommunikations- und Lebensweise beiträgt. Denn mit dem vorliegenden Titel finden sie eine hervorragende wissenschaftliche Basis für ihre Aussagen, dem eine große akademische und feuilletonistische Resonanz zu wünschen ist." Andreas Wagenknecht, MEDIENwissenschaft, 2 (2011) "Als Einstieg in die breite medienwissenschaftliche Betrachtung von Wissenskultur, aufgehängt an einer prominenten und aktuellen Diskussion, ist [die] Arbeit gut geeignet. Pscheida versteht es, in verständlicher Form Forschungsansätze, Theorien und Überlegungen aus einer Forschungspublizistik darzustellen, die aufgrund eines theorielastigen Jargons oft nur schwer zugänglich ist. Karsten Borgmann, H-Soz-u-Kult, 29.07.2011 "The reader will gain deep insights about how the Internet has changed the way people communicate, but also the principles and conventions of production, distribution, access to and use of information and, respectively, knowledge content." Wolfgang Ratzek, Communication Booknotes Quarterly, 42/3 (2011) Besprochen in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2011 ekz-Informationsdienst, 49 (2010), Hans Rouven pro ZUKUNFT, 1 (2011) Communication Booknotes Quarterly (CBQ), 16.08.2011
Daniela Pscheida (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Referentin des Cusanuswerks in Bonn im Bereich der Begabtenförderung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die soziokulturellen Auswirkungen medialer Neuerungen (mit besonderem Fokus auf Internet und Web 2.0), das Verhältnis von Medien und Kultur, Medienkompetenz sowie die Mediennutzung der Generationen.