Frühstück mit Barney - Wolfsie, Dick

Dick Wolfsie 

Frühstück mit Barney

Die wahre Geschichte eines außergewöhnlichen Beagles. Deutsche Erstveröffentlichung

Übersetzung: Schumitz, Angela
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Frühstück mit Barney

Vom ungezogenen Streuner zum allseits beliebten Fernsehstar!
Als der Fernsehmoderator Dick Wolfsie eines Morgens das Haus verlässt, steht ein herrenloser Beagle vor seiner Tür, der ihn mit herzzerreißendem Blick ansieht. Dick überlegt nicht lange und lässt den Hund ins Haus. Als er nach seiner Sendung zurückkommt, fegt Dicks Familie gerade die Reste der Wohnzimmereinrichtung zusammen. Fortan nimmt Dick Barney, wie er den Streuner nennt, als Co-Moderator mit ins Studio. Bereits nach der ersten Sendung werden Hund und Herrchen Kult. Und aus dem Rabauken wird ein Fernsehstar, der die Herzen seiner Zuschauer erobert ...


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 281 S.
  • Seitenzahl: 281
  • Goldmann Taschenbücher Bd.47322
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 119mm x 22mm
  • Gewicht: 238g
  • ISBN-13: 9783442473229
  • ISBN-10: 3442473225
  • Best.Nr.: 29678860
Dick Wolfsie war Talkmaster und Reporter im amerikanischen Fernsehen und wurde mit dem Emmy-Award ausgezeichnet. Der frühere Highschool-Lehrer schreibt außerdem regelmäßig Zeitungskolumnen und hat bisher elf Bücher verfasst. Er lebt mit seiner Frau, seinem Sohn, dem zweiten Beagle Toby und der Katze Angel in Indianapolis. Seine Sendung mit Beagle Barney im Frühstücksfernsehen wurde in den USA zum Kult.

Leseprobe zu "Frühstück mit Barney" von Dick Wolfsie

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Leseprobe zu "Frühstück mit Barney" von Dick Wolfsie

Hatte ich den Verstand verloren? Warum tat ein gestandener Fernsehreporter so etwas? Ich verfrachtete den Beagle auf den Rücksitz meines dreißig Jahre alten Chevy Monte Carlo, stellte den Rückspiegel so ein, dass ich das Tier im Blick hatte, und hoffte, dass es sich nur um eine Übergangslösung handelte.

Eine Woche lang hatte der Hund den Frieden in unserem Haus gestört. Wir waren alle zu seinen Opfern geworden. Opfer hätte ich es zwar nicht genannt, doch meine Frau, Mary Ellen, und mein dreijähriger Sohn Brett fanden den Begriff passend. Ich hatte ihnen wenig entgegenzusetzen.

Auf dem Weg zur Arbeit blickte ich ständig in den Rückspiegel. Der kleine Eindringling hatte seine neue Polyesterleine durchgenagt. Ahnte ich zu diesem Zeitpunkt, dass diese Fahrt den Beginn einer Fernsehlegende in Zentralindiana markieren würde? Nein, so schlau war ich nicht. Ich dachte nur an eines: Ich wollte meine Ehe vor diesem Zerstörer unseres Zuhauses retten.

Ich fand den Hund an einem Tag, der wie all meine anderen Arbeitstage der letzten vier Monate begonnen hatte. Um halb vier Uhr klingelte der Wecker. Obgleich ich ein Morgenmensch bin, schien diese frühe Stunde im Widerspruch zu dem in der amerikanischen Verfassung verankerten Verbot grausamer und ungewöhnlicher Strafen zu stehen.

Ich öffnete die Haustür unseres Tudor-Hauses, um mir einen Überblick über die Witterungsverhältnisse zu verschaffen. Auch im Winter wurden einige meiner Beiträge im Freien aufgenommen; dann stand ich in Schnee und Eis und riet den Leuten, langsam zu fahren - als ob sie nicht selbst darauf gekommen wären. Ich hegte zwar die größte Achtung vor den Vorhersagen unserer Meteorologen, aber zur Einschätzung der aktuellen Wetterlage gab es wirklich nichts Treffenderes als einen Schlag ins Gesicht, ausgeführt von einer eiskalten Januarböe im Mittleren Westen.

Die Kälte dieses Morgens drang mir durch Mark und Bein. Aber bevor ich mir eine weitere Schutzschicht besorgen konnte, die ich auf dem Sofa hatte liegen lassen, fiel mein Blick auf zwei seelenvolle braune Augen, die mich aus den Büschen hervor anstarrten. Es war nicht das erste Mal, dass mir zwei wundervolle Augen Ärger einbrachten, aber bislang hatten sie immer zu einem Körper mit zwei wohlgeformten Beinen gehört, nicht mit vier.

Und dann fing es an: erst ein Wimmern, dann das Heulen, das ich von nun an die nächsten zwölf Jahre täglich zu hören bekommen würde. Dieses erste Mal war es nicht nur ein Heulen, es war ein Flehen, mein Zuhause einem Wildfremden zu öffnen, einem, der womöglich den Großteil seines Lebens auf den Straßen von Indianapolis verbracht hatte und jetzt dringend eine eigene Wohnung brauchte, die er zerstören konnte.

Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das Geschöpf als ein Beagle: schwarz, weiß, braun. Und zitternd. Er war zwar etwas struppig, wirkte jedoch gut gefüttert, weshalb ich davon ausging, dass er aus einem Haus in der Nachbarschaft ausgebüxt war. Er hatte kein Halsband, aber eine gewisse Präsenz. Mehrere Sekunden lang beobachtete ich ihn, während er um meine Aufmerksamkeit buhlte. Ohne dass er den Kopf bewegte, folgten seine Augen all meinen Bewegungen. Plötzlich setzte er sich auf sein Hinterteil, machte Männchen und streckte mir eine Vorderpfote entgegen, als wolle er mich abklatschen. Ich war betört. Zu dem Zeitpunkt kam mir das seltsam vor. Jetzt verstehe ich es.

Ich konnte den kleinen Burschen nicht in der Kälte sitzen lassen. Ich hob ihn hoch und wunderte mich, wie fügsam er war. Was für ein süßer Hund, dachte ich. Meine Frau und mein Sohn schliefen noch, ich hielt es nicht für notwendig, sie zu wecken. Ich setzte den Hund auf dem Teppich im Wohnzimmer ab, und er war zufrieden. Er war bestimmt sehr erschöpft von seiner Reise. Deshalb schien es mir unbedenklich zu sein, ihn dort sitzen zu lassen, damit er sich ein paar Stunden ausruhen konnte. Nach meinen Verpflichtungen beim Frühstücksfernsehen war ich in der Regel um halb acht wieder zu Hause, fast eine halbe Stunde, bevor der Rest der Familie aus den Federn kroch. Dann würde ich die Anwesenheit des Hundes erklären und entscheiden können, was als Nächstes zu tun war. Was sollte da schon passieren?

Ich bin ein Idiot.

An jenem Morgen berichtete ich live von der Ausstellung Boot, Sport und Reisen, die alljährlich in Indianapolis stattfindet und alles bietet, was das Herz des Sportlers und Abenteurers begehrt. Einer meiner Gäste war ein Holzfäller, der die Leute unterhielt, indem er zeigte, wie man Baumstämme rollt und Bäume fällt. Als die Sendung zu Ende war - ich machte mich gerade zu meiner Heimfahrt bereit -, erzählte ich ihm noch kurz von dem kleinen Beagle, den ich an meiner Schwelle gefunden hatte. Er grinste mich breit an und meinte: "Ist das Ihr Ernst? Sie haben einen streunenden Beagle in Ihrer Wohnung allein gelassen, ganz ohne Aufsicht?" Mit diesen Worten sammelte er sein Werkzeug ein, kletterte in seinen Sedan und brauste davon. In den Märchen der Gebrüder Grimm haben Menschen, die im Wald hausen, immer die richtigen Vorahnungen. Deshalb fuhr ich rasch nach Hause.

Eine Viertelstunde später bog ich in unsere Zufahrt ein. Im ganzen Haus brannte Licht - kein gutes Zeichen so früh am Morgen. Trotz der Kälte stand die Tür einen Spalt offen. Ich spähte hinein, in der Hoffnung, den Hund noch tief und fest auf dem Teppich schlafend vorzufinden. Ich hoffte, dass er nicht aufs Sofa gesprungen war.

Doch, er war auf dem Sofa - zumindest auf dem, was davon übrig war, inmitten von zerfetzten Kissen. Ich ging hinein. Die Vorhänge waren buchstäblich von den Stangen gerissen worden, und mitten in der Küche lag ein hochhackiger Designerschuh, ohne Absatz zwar, dafür aber mit einem modischen Loch in der Spitze. Vom Esszimmerteppich fehlte eine Ecke, der Mülleimer in der Küche war umgestoßen und der Inhalt auf dem Boden verstreut worden. Später stellten wir nach eingehender Bestandsaufnahme fest, dass wohl viel davon auch verspeist worden war.

Unglaublicherweise war ihm kein Missgeschick passiert. Was für ein guter Hund!

Während ich den Schaden begutachtete, kam mein Sohn Brett mit einem geköpften Teddy und einem ausgeweideten Löwen die Treppe herunter - weitere Opfer des Kampfes, den der Hund an vielen Fronten geführt hatte. Brett war in Tränen aufgelöst. Er starrte auf den Beagle, dann auf seine ramponierten Stofftiere.

"Daddy, können wir ihn bitte nicht behalten?"

Brett fühlte sich nicht zu Hunden hingezogen. Unsere Katzen Benson und Lindsay gehörten schon seit vielen Jahren zur Familie. Mit ihrem anspruchslosen, entspannten Lebensstil kam Brett gut zurecht. Die beiden Tiere nahmen kaum Notiz voneinander, nur wenn sie sich gleichzeitig dem Fressnapf näherten, gab es ab und zu einen kleinen Zwist. In den wenigen Stunden, in denen der neue Hund unser Haus besetzt hatte, hatten sich die Katzen bereits verbündet, um ihr Revier zu verteidigen. Sie fauchten den Eindringling an und schlugen nach ihm. Ich glaube nicht, dass Barney viel Erfahrung mit Katzen hatte, denn er wirkte einigermaßen verwirrt über den Aufruhr und deutlich überrascht, dass ein anderes Lebewesen nicht auf den ersten Blick von ihm eingenommen war.

Mary Ellen war verständlicherweise etwas gestresst und wusste nicht recht, ob dieser Eindringling nicht doch böse war. Als Barney schließlich Mut fasste und sich nach dem Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung" auf eine der Katzen stürzte, stieß meine Frau einen Schrei aus, der mich und den Beagle fast zu Tode erschreckt hätte. Brett hatte sich mittlerweile ein Kissen vom Sofa geschnappt und fuchtelte damit ungestüm vor dem Hund herum. All das Chaos reichte meinem Sohn als Beweis, dass wir keinen Hund brauchten - vor allem keinen, der die relative Ruhe unseres Zuhauses ernsthaft bedrohte.

Mary Ellen bedachte mich mit einem durchdringenden Blick, den ich gar nicht an ihr kannte. Nach all den Jahren erinnere ich mich nicht mehr an ihre genauen Worte, aber ich erinnere mich noch deutlich daran, dass mir ihr Gesichtsausdruck weder vertraut noch angenehm war. Mary Ellen ist ein liebevoller, großzügiger und fürsorglicher Mensch, aber sie duldet kein Chaos. Wenn wir einen Urlaub planen, prüft sie die Karten, analysiert die Landschaft und schlägt in Büchern die klimatischen und kulturellen Gegebenheiten nach. "Planen wir einen Urlaub oder eine Invasion?", frage ich sie dann immer. Ich hatte Angst vor dem, was sie in jenem Moment plante.

Nein, der Beagle hatte keinen guten ersten Eindruck hinterlassen. Mary Ellen bat mich, ihn zurückzugeben. Sie fand wie immer die richtigen Worte, und ihre Aufforderung wirkte auch völlig vernünftig. Aber, Moment mal - ich wusste ja gar nicht, woher er kam.

"Wie heißt er denn?", fragte Mary Ellen.

"Ich weiß nicht, wir haben uns erst vor Kurzem kennengelernt."

An jenem Morgen hatte ich auch einen Beitrag über ein neues Café in Danville, Indiana, gemacht. Es war im Stil der alten Andy Griffith Show eingerichtet worden. Dort spielte ein gewisser Barney Fife mit, ein etwas tollpatschiger Hilfssheriff, weshalb ich wohl auf den Namen Barney kam. Der Hund hätte auch zu einem Opie, Floyd oder Griffith werden können, weitere Mitwirkende dieser Serie. Aber nein, Barney passte am besten.

Mary Ellen, die damals in der Verwaltung des Städtischen Krankenhauses von Indianapolis arbeitete, machte sich auf den Weg dorthin und bot an, Brett in die Vorschule zu bringen. Dafür war normalerweise ich zuständig. Sie sagte es zwar nicht, aber ich glaube, sie erwartete von mir, mich um das anstehende Problem zu kümmern, ohne sie mit Details zu behelligen. Sie wollte den Hund nicht, aber die Vorstellung, ihn rauszuwerfen oder ins Tierheim zu bringen, hätte ihr auch nicht behagt. Bei Mäusen war Mary Ellen genauso. Sie wollte solches Getier nicht im Haus, aber Details über deren Ableben oder Beseitigung sollten nicht erörtert werden. In etwa so, wie Leute in der Serie Die Sopranos umgelegt werden.

Als Mary Ellen und Brett weg waren, suchte ich das ganze Haus nach weiteren Schäden ab. Ich wusste nicht genau, warum ich für den Hund eine Art Beschützerinstinkt entwickelte, eines aber wusste ich: Die Chance, den Hund zu behalten, hatte ich nur, wenn ich seinem Chaos immer einen Schritt voraus war.

Gehörte dieser Hund jemandem? War er weggelaufen oder ausgesetzt worden? Ich weiß nicht, warum, aber der Gedanke, dass ihn jemand suchen könnte, kam mir nie. Im Gegenteil: Der Hund war fürs Suchen zuständig - und er hatte mich gefunden.

Ich fand allerdings auch noch einiges. Der Beagle war in den Keller gelangt und hatte dort die Rigipsplatten bis zur Isolierung aufgekratzt. Außerdem hatte er Bretts sorgsam gehütete Lego-Sammlung verstümmelt. Ich glaube nicht, dass er Teile verschluckt hatte, aber man konnte guten Gewissens behaupten, dass nichts mehr zusammenpasste. Manches von dem, was er angestellt hatte, fand ich recht lustig, doch offenbar war ich der Einzige.

Nein, Mary Ellen fand es gar nicht lustig. Sie mochte Hunde, aber Barney war offenbar ein Indikator für die Stärke ihrer Hundeliebe. Er hatte keinerlei Ähnlichkeit mit Sabra, dem Mischling, den wir uns kurz nach unserer Hochzeit und unserem Umzug nach Columbus, Ohio, angeschafft hatten. Sabra war, wie ein Hund sein sollte: die reine Freude, keine Fron. Und auch mit Tina hatte Barney nichts gemeinsam. In ihrer Jugend in Michigan hatte Mary Ellen einen Hund namens Tina besessen, einen Border Collie. Barney war eher ein Borderline-Fall. Mary Ellen würde die Umstellung von ihren früheren treuen Begleitern zu einem Hyperhund schwerfallen. Meine Frau mochte fügsame Hunde, keine Chaoten. Nach Sabras Tod hatten wir uns immer einen neuen Hund gewünscht, aber geplant war, dass wir ihn aussuchten, nicht umgekehrt.

Knapp eine Woche blieb Barney zu Hause, wenn ich in die Arbeit fuhr. Mary Ellen erschien es wie ein ganzes Jahr. Sein Verhalten besserte sich nicht. Am zweiten Tag sperrte ich ihn in ein leeres Schlafzimmer im Untergeschoss, bevor ich zur Arbeit fuhr. Er heulte so anhaltend, dass Mary Ellen ihn im Hinterhof anleinte. Doch der Hund hatte offenbar nicht viel Erfahrung damit, angeleint zu sein. Das Heulen ging weiter. Das war die erste Woche.

"Ich glaube, er vermisst dich", erklärte mir Mary Ellen nach ein paar Tagen. "Und er liebt dich." Ich wurde hereingelegt. Ich wusste es, sie wusste es ^ Himmel noch mal, der Hund wusste es. Ich wusste nur nicht, welche Motive hinter der Feststellung meiner Frau steckten. Den Hund zu adoptieren warf ganz offenkundig Probleme auf. Aber Mary Ellen durchschaut mich ziemlich gut, fast ein bisschen zu gut. Da sie wusste, dass der Hund und ich große Trennungsängste hatten, ging sie zum Angriff über. Ihre Mission bestand vor allem darin, unser Heim zu schützen; aber ich glaube, sie wusste auch, dass es bereits zu spät war, die Beziehung zwischen Barney und mir aufzulösen. Wir waren geistige Bundesgenossen. Mary Ellen fand, wir hätten das Potenzial zu Zellengenossen.

Den Großteil der folgenden Woche versuchte ich, die Spuren von Barneys Streichen zu beseitigen, bevor Mary Ellen nach Hause kam. Und ich versuchte auch - wenngleich häufig vergeblich -, den Hund im Blick zu behalten. Wenn ich aus dem Haus musste, sperrte ich ihn wieder in das Schlafzimmer im Untergeschoss. Doch nach dem zweiten Tag Gefangenschaft biss und kratzte er ein Loch in die Holztür und steckte seine vorwitzige Beagle-Schnauze durch die Luke.

Mary Ellen bemühte sich wirklich um Verständnis, aber es stand groß und breit an der Wand - was davon übrig geblieben war. "Sieh mal, die Sache ist doch ganz einfach, Dick: Wir müssen ein liebevolles Zuhause für den Hund finden oder aber eine relativ offene Einrichtung. Entweder das, oder du nimmst ihn mit in die Arbeit."

Es war ihr voller Ernst. Sie sagte nie: "Entweder ich oder der Hund", aber in ihren Vorschlägen schwang deutlich mit, dass der Hund meiner Vollzeitbetreuung bedurfte, wenn er ein Mitglied unseres Haushaltes bleiben sollte. O ja, Mary Ellen wies mich immer wieder darauf hin, wie sehr er mich anbetete. Ständig sprach sie davon. Sie wusste genau, was sie tat. Sie fand es toll, wenn ein Plan funktionierte.

Natürlich hatte sie recht: Ich war völlig vernarrt in den Hund. Richtig, er war eine wahnsinnige Nervensäge, aber ich wusste, dass ich darüber hinwegsehen konnte - etwas, das meinen Grundschullehrern bei mir nie gelungen war. Wie Barney hatte auch ich immer wieder Unfug gemacht, aber die meisten meiner Lehrer hatten nie hinter meine Streiche geblickt. Ich wurde immer nur nach der Störung beurteilt, die ich verursachte, nie nach dem Lächeln, das ich auf die Gesichter von anderen zauberte. Doch genau dieses Potenzial erkannte ich in Barney. Er konnte zwar viel Chaos stiften, aber er konnte auch ein Quell der Erheiterung sein. Dieser Hund erinnerte mich stark an mich selbst während meiner Grundschulzeit.

Womöglich war das noch nicht alles. Ein Hund ist der beste Freund des Menschen, und ich war ein Mensch, der einen Freund brauchte. Na klar, ich kannte jeden in Indianapolis, und jeder kannte mich. Aber mein ganzes Leben drehte sich darum, anderen zu gefallen und auf ihr Urteil - oder das meiner Vorgesetzten - zu warten. Ich war eine dieser Fernsehpersönlichkeiten, die man entweder sehr lustig oder sehr nervig findet. Ich sehnte mich nach einem Gefährten, und zwar einem, der nicht sagte: "Du meine Güte, die Show heute war wirklich grauenhaft", oder: "Du bist umwerfend komisch, Wolfsie." Eigentlich wollte ich jemanden, der gar nichts sagte.

Na ja, und er war ein Beagle - und ein Rüde. Eine hübsch getrimmte Pudeldame hätte nicht funktioniert. Danke, dass ich das nicht erklären muss.

Richtig, ich war Feuer und Flamme. Ich dachte mir, dass es nett wäre, auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen pelzigen Freund neben mir im Auto sitzen zu haben. Was ich während der zwei Stunden, die ich auf Sendung war, mit ihm anstellen sollte, überlegte ich mir nicht weiter.

Außerdem hoffte ich, sein Verhalten würde sich ändern. Aber es war mein Leben, das sich änderte. Und das Leben aller anderen, denen Barney begegnete.

Die erste Woche Als Barney in mein Leben trat, arbeitete ich als Reporter bei WISH-TV, einem zu CBS gehörenden Sender in Indianapolis. Jeden Morgen berichtete ich live aus diversen Stadtteilen und hielt die Zuschauer darüber auf dem Laufenden, was in Indy so los war. Das Problem war nur, dass zu dieser Tageszeit nicht viel los war, weshalb ich meinen ursprünglichen Aufgabenbereich erheblich veränderte, wie Sie noch sehen werden. Und mein zukünftiger Partner half mir dabei.

Ich hatte nie vorgehabt, einen Hunde-Superstar in die Fernsehwelt einzuführen. In der ersten Woche, in der ich Barney mitnahm, dachte ich eher daran, einen Kumpel dabeizuhaben und die Scheidung zu vermeiden. Barney hatte ganz sicher das Potenzial, eine Familie zu zerstören. Um das Haus hatte er sich schon redlich bemüht.

In den ersten paar Tagen ließ ich Barney im Auto, während ich meine drei Beiträge für Daybreak moderierte, das Morgenmagazin von Channel 8. Barney war im Auto nicht glücklich, obwohl ich den Motor und die Heizung laufen ließ. Er mochte es nicht, eingesperrt zu sein, und er machte kein Hehl daraus, dass er Aufmerksamkeit brauchte. Weder er noch ich wussten, dass ihm zwölf Jahre später mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden würde als den meisten Reportern von Indianapolis.

Barneys sirenenartiges Heulen war so laut, dass es mein Mikrofon selbst in hundert Meter Entfernung von meinem Wagen entfernt aufschnappte. Anfangs erzählte ich meinen Zuschauern nichts von Barney. Ich hoffte noch immer, dass er den Aufruhr leid werden und sich schließlich so weit beruhigen würde, dass ich ihn zu Hause lassen konnte, während ich arbeitete. Doch diese Hoffnung war einfach nicht realistisch.

Barney machte so viel Lärm, dass tatsächlich ein paar neugierige - und besorgte - Zuschauer anriefen und wissen wollten, warum man, egal, wo ich gerade auf Sendung war, im Hintergrund immer dieses Heulen hörte. Als die Empfangssekretärin, bei der diese Anrufe eingingen, fragte, wie sie darauf reagieren solle, sagte ich ihr, sie solle den Leuten erklären, es läge wohl an ihrem Fernseher. Meiner Meinung nach konnte man den Zuschauern technische Probleme auf diese Weise am besten vermitteln.

Ich versuchte, den Wagen möglichst nah an meinem Auftrittsort zu parken, damit sich Barney nicht so verlassen fühlte, doch das bewirkte nur das Gegenteil: Er wurde umso entschlossener, meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sobald er mich sehen und hören - und wahrscheinlich sogar riechen - konnte, erhöhte sich der Jaulpegel.

Da gerade Winter war, wurden einige meiner Beiträge in Gebäuden aufgenommen. Ich zögerte, meine Gäste zu bitten, ob Barney in ihr Haus oder ihr Büro kommen dürfe; denn ich wusste, was in meinem Haus und in meinem Büro passiert war. Ich konnte ihn zwar im Auto lassen, aber mir war klar, wie unglücklich er war, wenn es ihm an Gesellschaft mangelte. Außerdem musste ich wegen der Heizung den Motor laufen lassen. Eines Tages entdeckte Barney wohl durch Zufall, dass die Fenster aufgingen, wenn er auf den entsprechenden Knopf trat. Das bedeutete, dass er aus dem Fenster springen konnte, und das tat er in den ersten paar Monaten auch zweimal. Zum Glück war er anfangs darauf bedacht, sich nicht zu weit von mir zu entfernen. So fand ich ihn immer in der Nähe des Wagens. Aber sein Selbstvertrauen wuchs rasch; ihn bei laufender Heizung im Auto zu lassen war bald nicht mehr möglich.

Eines Morgens hatte ich das Gefühl, sein Kläffen würde die ganze Nachbarschaft aufwecken. Deshalb bat ich um Erlaubnis, ihn in das Altersheim von Mooresville mitzubringen, wo ich einen Beitrag machen wollte. Die Bewohner hatten eine Talentshow eingeübt und fanden es in Ordnung, wenn ich Barney im Haus irgendwo anbände. Allerdings betonten sie das Wort "anbinden". Also borgte ich mir eine Schnur und machte ihn an einem Türgriff fest.

Als einer der ersten Gäste trat eine agile Achtzigjährige auf, die in der Talentshow einen Hula-Tanz aufführen wollte. Sie hüpfte hinter einem Vorhang hervor und begann zu tanzen. Ihr Schilfrock wedelte verführerisch in der Luft. Verführerisch nicht für mich, das kann ich Ihnen versichern; aber für einen jungen Beagle, der alles jagte und zerkaute, was sich bewegte, war es eine große Verführung.

Barney, der gut gesichert war, wie ich glaubte, beäugte den Rock der Hula-Tänzerin mit seinem Beagle-Blick, riss sich los und raste zu seinem Ziel. Im Handumdrehen hatte er ein Stück des Rocks zwischen den Zähnen und riss ihn der Frau vom Leib. Vollkommen.

Zum Glück war die alte Dame unter ihrem Rock ausreichend bekleidet, um die Sendung jugendfrei zu halten. Aber mein damaliger Kameramann, Marcus Collins, brach sich fast das Genick, als er versuchte, die Kamera möglichst rasch auf ein familientauglicheres Motiv zu schwenken. Außerdem musste er so heftig lachen, dass er den Rest der Sendung nur mit Mühe schaffte.

Die Bewohner trugen es mit Fassung, wenn man bedenkt, dass sie im Altersheim von Mooresville bestimmt mehrere Jahre lang nichts dergleichen gesehen hatten.

Beim Abschied luden uns die männlichen Bewohner herzlich ein, bald wieder einmal vorbeizuschauen.

Das war Barneys erster Fernsehauftritt. Ich glaube, die Zuschauer wussten damals gar nicht, dass er mir gehörte. Und ich war mir selbst auch noch nicht ganz sicher, denn die offizielle Erlaubnis meiner Frau stand noch aus. Ein paar Kollegen beim Sender fragten mich nach der Töle und warum der Bursche immer dabei sei. Ich versuchte, möglichst ausweichend zu antworten. Schließlich war Barney an der Heimatfront kein Volltreffer, und wenn meine Chefs ähnliche Gefühle entwickelten wie meine Familie, würde er nirgends willkommen sein.

Innere Sicherheit Barney gewann bei den Wolfsies keinen Beliebtheitswettbewerb. Ich zerrte ihn jeden Tag mit in die Arbeit, doch die übrigen zwanzig Stunden musste er zu Hause verbringen. In dieser Zeit beobachtete ich ihn mit Argusaugen, da ich wusste, mit einer weißen Weste, und sei es nur für eine Woche, bestand die Hoffnung, dass sich die Instanz in unserer Familie mit Mehrheitsstimmrecht zu einer günstigen Entscheidung durchringen und Barney das Bleiberecht in unserem Haus einräumen würde. Irgendwie war meiner Frau klar, dass wir ihn behalten würden, aber vielleicht hegte sie dennoch die Hoffnung, dass sogar ich seiner Streiche überdrüssig werden und eine passendere Unterbringung für ihn finden würde. Doch die Chancen, dass es dazu kommen würde, waren natürlich gleich null.

Als Barney einmal eine ganze Rolle Toilettenpapier aufgewickelt hatte, die sich nun durchs ganze Haus schlängelte, spürte ich, wie das Zünglein an der Waage gegen uns ausschlug. Ich stellte dem Hund vor meiner Frau ein Ultimatum, auch wenn ich wusste, dass es auf taube Schlappohren stoßen würde. Doch ich hoffte, es würde die wachsende Abneigung meiner Frau, Barney dauerhaft als Mitbewohner aufzunehmen, abschwächen.

"Wenn du so weitermachst", sagte ich und fuchtelte mit erhobenem Zeigefinger vor ihm herum, "muss ich dich ins Tierheim bringen. Und wenn du dort bist, wirst du den lieben langen Tag in einem Käfig sitzen müssen, und Sachen, die die Menschen essen, gibt's dort auch nicht. Und wenn dich in absehbarer Zeit niemand aufnimmt, dann kommt möglicherweise jemand und ^ na ja, du weißt schon, schläfert dich ein."

Anfangs wedelte er mit dem Schwanz, vielleicht meinte er, ich hätte gesagt: "^ bringt Leckereien." Doch dann, ich schwör's, schweifte sein Blick zu Mary Ellen, und darin lag die Frage: "Ist das sein Ernst?" Das war es natürlich nicht, aber was ich damit sagen wollte, ging nicht spurlos an meiner Frau vorüber. Mit solchen Geschützen fuhr ich zwar nicht gern auf, aber ich hoffte, damit an Mary Ellens grundsätzliche Tierliebe zu appellieren. Natürlich nicht zu diesem Tier, aber zu Tieren allgemein.

Abgesehen von seinem ungeplanten Fernsehauftritt erschien Barney in der ersten Woche nur noch einmal auf dem Bildschirm. Zu meiner morgendlichen Arbeit neben den dreiminütigen Live-Beiträgen gehörte es, jede halbe Stunde eine Reihe von sogenannten Teasern zu machen - kurze Auftritte, um meinen nächsten Beitrag anzukündigen. "Als Nächstes auf Daybreak ein Zwerglein aus dem Zauberer von Oz." Damit sollte das Publikum dazu gebracht werden, vor dem Bildschirm zu verharren.

Im Rahmen eines Interviews in einer neu eröffneten Bäckerei führten ich und der Chef die Zuschauer durch den Prozess des Bagelbackens. Für die Aufnahme des Teasers zu diesem Beitrag holte ich Barney aus dem Auto, stand mit ihm vor dem Laden und ließ ihn einen leeren Frischkäseeimer ausschlecken. Während er sich erfreut über diese Leckerei hermachte, sagte ich schändlicherweise: "Als Nächstes auf Daybreak: Beagles und Frischkäse."

Schrecklich, ich weiß, doch das war erst der Anfang. In unserer gemeinsamen Karriere sollten noch sechstausend weitere Teaser erfolgen.

Ende Februar schliefen Mary Ellen und ich unter der Woche in getrennten Räumen - nicht, weil sich unsere Liebe abgekühlt hatte, sondern weil ich dank meines Jobs bei Daybreak um halb vier das Haus verlassen musste. Barney und ich teilten uns das Gästezimmer. Er kuschelte sich mit seinem Hinterteil an mich und freute sich auf das, was für einen pelzigen Fleischfresser als normale Schlafenszeit gilt. Sechzehn Stunden durchschlafen? Kein Problem, dachte er sich bestimmt; morgen Früh nach dem Aufstehen pinkle ich dann eben zweihundertmal.

Deshalb führten die ersten Monate unseres Schlafarrangements zu einem problematischen Konflikt zwischen Mensch und Hund: Ich wollte nicht immer aufstehen und zur Arbeit gehen, aber ich musste. Barney wollte nicht aufstehen und mit mir zur Arbeit gehen, weil die Natur ihm die Fähigkeit verliehen hatte, endlos lang zu schlummern, aber er musste mit. Und ich musste ihn dazu bringen.

In jenem ersten Winter war es ziemlich hart, zu dieser frühen Stunde ins Bad im Erdgeschoss zu taumeln. Dass ich ungeschminkt vor die Kamera trat, beschleunigte die morgendliche Prozedur, aber letztlich verzögerte sich mein Aufbruch dennoch, weil unser schon etwas älteres Haus eine separate Garage hatte, angefüllt mit dem Müll des Vorbesitzers. Mein Wagen musste nachts also draußen bleiben, sodass ich frühmorgens in der Kälte meist erst das Eis von den Scheiben kratzen musste.

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