Depeche Mode - Zhadan, Serhij

Serhij Zhadan 

Depeche Mode

Roman. Deutsche Erstausgabe

Aus d. Ukrain. v. Juri Durkot u. Sabine Stöhr
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Depeche Mode

Charkiw 1993. Sowjetische Kriegsveteranen und neureiche biznesmeny lauschen im Konzertsaal einem amerikanischen Erweckungsprediger. In ehemaligen Komsomolbüros residieren Werbeleute. Das Jugendradio der ostukrainischen Metropole bringt in Kooperation mit London ein Feature über die irische Volksmusikgruppe »Depeche Mode« und die Rolle der Mundharmonika beim Kampf gegen kapitalistische Unterdrückung. Durch diese hybride Szenerie irren drei Freunde - Dog Pawlow, Wasja Kommunist und der Ich-Erzähler Zhadan, neunzehn Jahre alt und arbeitslos -, um ihren Kumpel Sascha Zündkerze zu finden. Sein Stiefvater hat sich erschossen. Ihre Suche führt sie auf ein verfallendes Fabrikgelände, wo sie eine Molotow-Büste klauen, ins Romaviertel zu einem befreundeten Dealer und schließlich per Nahverkehrszug ins Pionierlager »Chemiker«, wo Zündkerze als Betreuer arbeitet. Als Zhadan ihn schließlich trifft, bringt er es nicht übers Herz, ihm die Wahrheit zu sagen. >Depeche Mode< ist der erste Roman des »ukrainischen Rimbaud« und führt mitten hinein in die Anarchie der postsowjetischen Umbruchszeit


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2007
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 245 S.
  • Seitenzahl: 245
  • Edition Suhrkamp Nr.2494
  • Best.Nr. des Verlages: 12494
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 113mm x 20mm
  • Gewicht: 163g
  • ISBN-13: 9783518124949
  • ISBN-10: 3518124943
  • Best.Nr.: 20949730
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Der kleine Nick und die Drogen: Was wäre, wenn Goscinnys Kinderbuchklassiker verlegt würde unter Halbstarke, die arbeitslos und schnaps- wie grasvernebelt im ostukrainischen Charkiw vor sich hin vegetieren? Nichts wäre. Denn der junge ukrainische Autor Serhij Zhadan konzentriert sich in "Depeche Mode" nicht etwa auf den deprimierenden postsozialistischen Alltag, sondern auf das Glücksgefühl der absoluten Verpeilung. Seine Helden sind arme Schweine; weil sie aber ständig breit sind und der Roman ausschließlich aus ihrer Perspektive erzählt wird, bekommt ihr zielloses Irren durch die urbane Hölle den Charakter einer naiven Suche nach dem Glück. Die wollen nur spielen, und außerdem ist kein Alkohol auch keine Lösung - tiefer im Morast versinken kann man ohnehin nicht mehr. Die titelgebenden Synthiepopper tauchen übrigens nur in einem kurzen Einschub auf, und auch dort einzig als Missverständnis, lost in translation. (fis)

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

"Was für ein Buch!" jubelt Rezensentin Ilma Rakusa fast ergriffen über diesen Roman des "ukrainischen Rimbaud" - ihrer Ansicht nach ein "Ausnahmetalent". Das Buch sei ein großer Wurf, "himmeltraurig und urkomisch, hoffnungslos und tief poetisch, pechschwarz und von einer unbändigen, zornigen Kraft", schreibt sie "zutiefst berührt" von diesem Werk, das ihren Informationen zufolge Anfang der neunziger Jahre unter kriminellen Jugendlichen im postkommunistischen Charkiw spielt. Serhij Zhadans Schilderung rechne ausgesprochen schonungslos mit der kommunistischen Vergangenheit ebenso ab wie mit der turbokapitalistischen Gegenwart. Die wüste Handlung spielt sich, wie wir lesen, an vier Tagen ab, in denen man entwurzelten und gewalttätigen Jugendlichen, korrupten Milizionären und bewaffneten Roma-Dealern, versifften Funktionärstöchtern und amerikanischen Erweckungspredigern begegnet. Getragen wird das "düstere" Buch aus Sicht der Rezensentin auch von einer radikalen Sprache, einem expressiven, raphaften, verzweifelten, tief poetischen und zornigen Sound, den Zhadan Rakusas Ansicht nach der Musik abgeschaut hat, und den das Übersetzerduo Juri Durkot und Sabine Stöhr brillant ins Deutsche gebracht hätten.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Kommt die Versöhnung womöglich von der Musik? Zhadan scheint ihr viel zu verdanken, seine durchrhythmisierte Sprache verfügt über einen unverwechselbaren Sound. Dieser transportiert Zorn, aber auch Zärtlichkeit. Wir hätten es nicht gedacht: Am Schluß dieses schonungslosen Romans sind wir zutiefst berührt." Ingo Petz Neue Zürcher Zeitung

»Der 35-jährige Lyriker und Prosaiker ist der Chronist seiner Generation, die mit dem plötzlichen Ausfall gesellschaftlicher Regeln und Normen und dem alltäglichen Chaos der Neuorientierung aufwuchs. Sich in solch einer absurden Situation zurechtzufinden; im Leben bestehen, wenn man den Boden unter den eigenen Füßen verliert und der Sturm der Veränderung über einen hinwegzieht; Mensch bleiben inmitten des Wahnsinns - all das ergründet und bearbeitet Zhadan in seinen Werken. [...] Seine rasante Prosa und Lyrik machen süchtig.«

"Was für ein Buch!" jubelt Rezensentin Ilma Rakusa fast ergriffen über diesen Roman des "ukrainischen Rimbaud" - ihrer Ansicht nach ein "Ausnahmetalent". Das Buch sei ein großer Wurf, "himmeltraurig und urkomisch, hoffnungslos und tief poetisch, pechschwarz und von einer unbändigen, zornigen Kraft", schreibt sie "zutiefst berührt" von diesem Werk, das ihren Informationen zufolge Anfang der neunziger Jahre unter kriminellen Jugendlichen im postkommunistischen Charkiw spielt. Serhij Zhadans Schilderung rechne ausgesprochen schonungslos mit der kommunistischen Vergangenheit ebenso ab wie mit der turbokapitalistischen Gegenwart. Die wüste Handlung spielt sich, wie wir lesen, an vier Tagen ab, in denen man entwurzelten und gewalttätigen Jugendlichen, korrupten Milizionären und bewaffneten Roma-Dealern, versifften Funktionärstöchtern und amerikanischen Erweckungspredigern begegnet. Getragen wird das "düstere" Buch aus Sicht der Rezensentin auch von einer radikalen Sprache, einem expressiven, raphaften, verzweifelten, tief poetischen und zornigen Sound, den Zhadan Rakusas Ansicht nach der Musik abgeschaut hat, und den das Übersetzerduo Juri Durkot und Sabine Stöhr brillant ins Deutsche gebracht hätten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Serhij Zhadan, geb. 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw.

Kundenbewertungen zu "Depeche Mode" von "Serhij Zhadan"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 3 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** gut)
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(1)
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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 08.09.2011 ***** gut
Kurzbeschreibung:
Charkiw 1993. Der Sozialismus ist vorbei - der Manchesterkapitalismus beginnt: Amerikanische Erweckungsprediger treten auf, prügelnde Polizeibeamte, besoffene Wodka-Schmuggler, durchgeknallte Kleinkriminelle. Und mittendrin: vier Freunde - Dog Pawlow, Wasja Kommunist, der Ich-Erzähler Zhadan und Sascha Zündkerze, der im Pionierlager "Chemiker" als Betreuer arbeitet...

Es handelt sich bei dieser Geschichte um eine ukrainische Milieustudie, die stellenweise sehr witzig, aber manchmal auch einfach nur platt ist.
Es fällt mir schwer sie richtig zu bewerten.
Das Leben der vier Freunde ist bestimmt nicht uninterressant und das Ende der Geschichte war für mich doch sehr überraschend, aber wirklich gepackt hat es mich leider nicht.

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