 | Besprechung von 18.06.2009 |
Kunstwerke in BewegungThomas Elsaesser untersucht die wichtigsten Tendenzen des neueren HollywoodsKeine Monographie, sondern eine Schriftensammlung ist er, der lange erwartete erste Band der Reihe "Deep Focus". Studien mit betont wissenschaftlichem Interesse will der Verlag Bertz + Fischer hier veröffentlichen, ein Anspruch, den die bereits erschienenen Bücher zu Ritual und Verführung, Splatter Movies und filmischem Raum nicht nur pflichtbewusst einlösen, sondern oft auch mit überraschend unkonventionellen Erkenntnissen zur Geltung bringen. Mit Thomas Elsaesser eröffnet nun einer der prominentesten Filmwissenschaftler ad posteriorum die Reihe, und ihm gelingt in seiner Diskussion des kontemporären Hollywood-Kinos ein geradezu mustergültiger Kurzschluss von akademischer Prosa mit essayistischer Reflexion.
Elsaesser arbeitet nicht traditionell hermeneutisch, sondern verfolgt eine symptomatische Lektüre im Sinne des (von ihm allerdings nicht zitierten) algerisch-französischen Philosophen Louis Althusser, der in den sechziger Jahren das marxistische Denken durch strukturalistische Tätigkeit vom Humanismus befreien wollte. Wie Althusser …
 | Besprechung von 15.07.2009 |
Die Verzweiflung der Lässigen in einer Welt infantiler
Grausamkeit
Warum man als Held die Brust entblößt: Thomas Elsaesser entdeckt im
Kino imaginäre Lösungen sehr realer Probleme
Hollywood taugt nichts! Auf dieses Vorurteil können sich immer noch
erstaunlich viele einigen: Bildungsbürger, die aus falsch
verstandener Cinéphilie allein auf das europäische Kunstkino
schwören, und Linke, die das Massenentertaiment im festen Griff von
Kapital und Patriarchat wähnen. Der Filmwissenschaftler Thomas
Elsaesser, der nach seiner Emeritierung in Amsterdam inzwischen in
Yale lehrt, ist anderer Ansicht: Er begreift das aktuelle
amerikanische Kino weder als bloßen Kommerz noch als endlose
Perpetuierung einer Verblendungsstrategie.
Damit schließt er an die Tradition der französischen
Filmpublizistik an, die schon in den Fünfzigern Hitchcock, Howard
Hawks und John Ford als große Künstler verehrte. Allerdings geht es
Elsaesser nicht um „die persönliche Handschrift der Regisseure oder
deren Selbstdarstellung”. Sein kulturwissenschaftlich geschulter
Blick richtet sich vielmehr auf Filme als Symptome, als
„Bilderrätsel einer neuen Weltordnung”.
In …
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Ist die Ablehnung des Hollywood-Kinos als kommerzielle Illusionsmaschine heute weit verbreitet, schlägt der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser ihm mit seinem Buch eine Bresche, konstatiert Christoph Haas. Der heute in Yale lehrende Autor sieht in Filmen wie "Pulp Fiktion" oder "Die Hard" Themen wie "Männlichkeit" oder "Trauerarbeit" in typisch "postklassischer" Weise verarbeitet, erklärt der Rezensent durchaus überzeugt. Etwas störend findet Haas die Redundanzen und Überschneidungen, die das aus verschiedenen Aufsätzen hervorgegangene Buch aufweist, und auch die Struktur der einzelnen Kapitel bietet in seinen Augen nicht immer die nötige Übersichtlichkeit. Auch hätte Elsaesser nicht jeden Fund seiner extensiven Lektüre zum Thema verarbeiten müssen, so der Rezensent leise tadelnd, der dafür betont, dass trotz des reichhaltigen theoretischen Hintergrunds der Ausführungen die Verständlichkeit nicht leidet. Alles in allem aber spricht Haas eine Empfehlung für den Band für diejenigen aus, die sich mit dem Hollywoodfilm von heute beschäftigen wollen.
© Perlentaucher Medien GmbH
"Thomas Elsaesser gelingt in seiner Diskussion des kontemporären Hollywood-Kinos ein geradezu mustergültiger Kurzschluss von akademischer Prosa mit essayistischer Reflexion." (FAZ) / "Mehrdeutig, aber nicht beliebig. Und wirklich sehr schlau." (epd Film) / "Im Anschluss an das Mythenverständnis von Lévi-Strauss definiert Elsaesser die Filme, die er untersucht, als "imaginäre Lösungen für reale Probleme". Wer aus dieser Perspektive etwas über das Kino der letzten zwanzig Jahre erfahren will, ist bei Hollywood heute gut aufgehoben." (Süddeutsche Zeitung) / "Auf sehr komplexe Weise erschließt Elsaesser das Personal, die Konflikte, die Dramaturgien, die Räume, die Bilder, die Zeitebenen und die damit verbundenen Wirkungen der genannten Filme. Seine Methode ist exemplarisch, er zieht andere Filme zum Vergleich heran, er geht in die Tiefe. Für seine Lesart findet er zitierbare Unterstützung, aber er grenzt sich auch immer wieder gegen zu kurz greifende Interpretationen der Filme ab. Im Endeffekt ist dies ein Lehrbuch über den intelligenten Umgang mit dem so oft verachteten Hollywood-Kino." (Hans Helmut Prinzler) / "Hollywood heute illustriert, dass das populäre Kino weit von einer kulturindustriellen Verblendungs- und Verblödungsmaschine entfernt ist, und macht die Filme stattdessen als höchst professionell konstruierte Texte, virtuos orchestrierte Erlebniswelten und vielschichtige Diskursformationen lesbar. Während es Elsaesser so gelingt, die "Liebe zum klassischen amerikanischen Handlungskino noch einmal [zu] bekräftigen", stellt die gewohnt sorgfältige Verlagsarbeit bei Bertz + Fischer ihrerseits einmal mehr die Liebe zum gut gemachten Filmbuch unter Beweis." (Testcard)
"Mehrdeutig, aber nicht beliebig. Und wirklich sehr schlau." (epd Film)"Im Anschluss an das Mythenverständnis von Lévi-Strauss definiert Elsaesser die Filme, die er untersucht, als "imaginäre Lösungen für reale Probleme". Wer aus dieser Perspektive etwas über das Kino der letzten zwanzig Jahre erfahren will, ist bei Hollywood heute gut aufgehoben." (Süddeutsche Zeitung)"Auf sehr komplexe Weise erschließt Elsaesser das Personal, die Konflikte, die Dramaturgien, die Räume, die Bilder, die Zeitebenen und die damit verbundenen Wirkungen der genannten Filme. Seine Methode ist exemplarisch, er zieht andere Filme zum Vergleich heran, er geht in die Tiefe. Für seine Lesart findet er zitierbare Unterstützung, aber er grenzt sich auch immer wieder gegen zu kurz greifende Interpretationen der Filme ab. Im Endeffekt ist dies ein Lehrbuch über den intelligenten Umgang mit dem so oft verachteten Hollywood-Kino." (Hans Helmut Prinzler)
Thomas Elsaesser ist derzeit Professor für Filmwissenschaft am Institut für Kunst und Kultur der Universität Amsterdam; zuvor lehrte er in Großbritannien und den USA. Zahlreiche Bücher als Autor und Herausgeber, u.a.: Der Neue Deutsche Film, Das Weimarer Kino - aufgeklärt und doppelbödig.