Onno Viets und der Irre vom Kiez, 1 Audio-CD - Schulz, Frank
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Onno Viets und der Irre vom Kiez, 1 Audio-CD

Frank Schulz liest mit Gästen Harry Rowohlt, Rocko Schamoni, Karen Duve, Jan Georg Schütte, Tina Kemnitz und Sven Regener. Live-Mitschnitt. 83 Min.

Frank Schulz 

Sprecher: Schulz, Frank; Duve, Karen; Rowohlt, Harry
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Onno Viets und der Irre vom Kiez, 1 Audio-CD

"Ein Buch von Frank Schulz ist immer ein Ereignis. Kaum angekündigt, beginne ich mich schon zu freuen!" Roger Willemsen
Was passiert, wenn einer wie Onno Viets zum ersten Mal in seinem Leben eine richtig gute Idee hat? Onno, Mitte 50, Hartz IV-Empfänger, Noppensockenträger und ungeschlagener König einer Hamburg-Eppendorfschen Pingpong-Runde, bekennender Nicht-Schwitzer, leicht phobisch, hat das Finanzamt im Nacken, den Geburtstag seiner Frau Edda vor Augen und eine Eingebung aus dem Fernsehen: Er wird Privatdetektiv!
Live-Mitschnitt aus dem Uebel & Gefährlich, Hamburg


Produktinformation

  • ISBN-10: 3941168967
  • Best.Nr.: 34511816
  • Laufzeit: 83 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.03.2012

Verchromte Laberleiste
Frank Schulz’ zwangsorigineller Kiez-Krimi „Onno Viets“
Die Boulevardmedien bezeichnen ihn wahlweise als „Hünen“, „Teufel“, „Horrorkreatur“ oder „Alstermonster“. Seine Freunde nennen ihn „Händchen“, für alle anderen ist er der „Irre vom Kiez“. Und er sieht wahrhaft schrecklich aus: ein ganzkörpertätowierter Muskelberg von einem Mann, mit zahnlosem Maul und abgeschnittenen Ohren, mit Teufelsgehörn aus Teflon auf dem nackten Schädel, dessen Haut mit dem Muster eines Gehirns gezeichnet ist, als liege es bloß. Was in diesem Kopf vorgeht, ist allerdings nicht so leicht zu ergründen. Denn zu sehen ist der Hüne zunächst lediglich auf einem Videoclip, der im Internet für gigantische Klickzahlen sorgt. Zwei hessische Hamburg-Touristinnen auf der „Saselbek“ haben die Szene gefilmt, wie der Hüne, nackt auf einem Motorrad, über den Bootssteg brettert, mit weitem Sprung in der Außenalster landet, durchs Wasser krault, das Schiff kapert und die dort versammelten Touristen als Geiseln nimmt.
Bei Frank Schulz ist man es gewohnt, dass es wild zugeht. Er ist ja eine Art Hamburger Heimatdichter, St. Pauli …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.11.2012

Beeckdörp hat das letzte Wort
Frank Schulz erhält den Kranichsteiner Literaturpreis

Die DDR ist noch lange nicht Vergangenheit. Die Erinnerungen an sie reichen bis in die Gegenwart, in den Alltag hinein, beeinflussen Denken und Handeln ihrer ehemaligen Bürger. Aufgewachsen in einem Land, das es heute nicht mehr gibt, verarbeiten viele deutsche Nachwuchsschriftsteller ihre Kindheitserinnerungen in Büchern, in denen die ostdeutsche Diktatur als schwierige Heimat mit mehr oder weniger kritischem Unterton, aber nie ohne eine gewisse Nostalgie wiederauflebt.

Der Blick auf die DDR verbindet auch die diesjährigen Stipendiaten des Deutschen Literaturfonds, deren Namen bei der Überreichung des Kranichsteiner Literaturpreises an Frank Schulz in Darmstadt bekanntgegeben wurden. Inka Parei, ausgezeichnet mit dem New-York-Stipendium, erzählt in ihrem Roman "Die Kältezentrale" vom Versuch eines geschiedenen Ehepaars, eine schicksalhafte Entscheidung zu rechtfertigen. Gregor Sander, der das London-Stipendium erhält, betrachtet in seinem Erzählband "Winterfisch" das Leben im ehemals zur DDR gehörenden Norden Deutschlands.

Auch Schulz' Werke …

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Kartoffelschälen ist eine unterschätzte Kunst

Apologie des Pikaros: Der brillante Querkopf Frank Schulz hat den lustigsten Roman der Saison geschrieben, der auch noch einer der tiefsinnigsten ist.

Von Oliver Jungen

Judas Ischariot, herbei! Das Finale der Casting-Show "Mankind's All Time Super-Traitor" steht an. Neben Judas ist nur noch Onno Viets im Rennen: maulfauler Überlebenskünstler in Noppensocken, zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen. Verraten wurde einmal der Heiland und einmal der Teufel, letztlich aber dasselbe: die Liebe. Es ist ein so gewaltiger Verrat, der das Herzstück von Frank Schulz' hintergründigem Roman ausmacht, dass er noch lange im Leser nachhallt, woran freilich auch die apokalyptische, in vier Youtube-Clips mit "Kultstatus" festgehaltene Reaktion ihren Anteil hat.

Diese visuelle Offenbarung ruft die Exegeten auf den Plan, heutzutage in einschlägigen Netzforen beheimatet. Diese debattieren nicht nur "die verquere, zufällige Vollkommenheit, mit der die Bilder, obwohl zweifelsohne authentisch, wirken wie inszeniert". Typisch Internetheinis, beziehen sie im gnostisch anmutenden Endkampf Stellung zugunsten des martialischen Hünen, der ihnen als "Rächer der von der menschlichen Dekadenz Korrumpierten" erscheint. Das wiederum unterscheidet sich fundamental von der Meinung der "Old-school-Öffentlichkeit", die hier bloß "die Tat einer psychisch schwer gestörten Milieugröße" zu sehen vermag. Beides aber trifft zu; der Autor stürzt uns in einen Sympathiekonflikt sondergleichen.

Medias in res beginnt nicht nur diese Rezension, sondern auch der neue Roman des brillanten literarischen Querkopfs und Heimatroman-Virtuosen Frank Schulz ("Hagener Trilogie"), der abermals eine Hommage an den trockenen Hanseaten-Humor ist. Statt des annoncierten Krimis - weder gibt es Tote noch Ermittlungen - haben wir freilich eine realsatirische Groteske vor uns, wie spätestens die Bezugnahme auf das "Günther-Jauch-Gymnasium" deutlich macht. Satan persönlich scheint da also am Ufer herangerast zu kommen, nackt, muskelbepackt bis zur Obszönität, ganzkörpertätowiert und mit implantierten Hörnern aus Teflon: Nach einem Sprung in die Alster schwimmt er dem Ausflugsdampfer Saselbek hinterher, von dem aus Touristin Dagmar mit ihrer Digicam die Geschehnisse festhält, das Entern des Schiffs, die Geiselnahme, die Hinrichtung der weißen Schäferhündin.

Dreihundertfünfzig Seiten voller grandioser Um- und Abwege sind nötig, um zu erklären, wie es dazu kam. Schulz ist ein Meister der arabesken Abschweifung. Von einer Abschweifung zur nächsten wächst sein Text heran, und erst am Ende zeigt sich, dass sich alle Schnörkel kunstvoll zu einem Ornament fügen. In diesem ist der eigentliche Sündenfall der Menschheit eingefangen: der Verlust des Vertrauens. Alle Gesten und Worte sind seither doppeldeutig, Kuss und Judaskuss ununterscheidbar: "Die Geräusche der Möwen, die da wimmelten ..., sie waren sehr, sehr unterschiedlich deutbar: höhnisches Kreischen, fröhliches Gelächter. Schmerzliche Klage. Irrsinnige Dankgebete. Kultische Gesänge zur Selbstreinigung durch Sühneopfer."

Onno Viets, der heilige Sünder, ist ein zauseliger Schrat mit Schwitz- und Hühnerkopfphobie. Er kann so gut wie nichts richtig: "Nun ja, ein paar Primzahlen, Kartoffeln schälen u. ä." Kompensiert wird das jedoch durch "Superkräfte": Alles und jeden versteht er auszusitzen ("Raimund hatte hinsichtlich Onnos Berufsmisere vorgeschlagen, er möge doch im Akkord Eier ausbrüten"). Perfekte Pingpong-Reflexe lassen ihn, wenngleich absolut unelegant, stets als Sieger aus den Tischtennisrunden mit seinen drei besten Freunden hervorgehen, darunter der Erzähler und Rechtsanwalt Christoph Dannewitz. Die dritte Superkraft ist das "Charisma für Arme": Sofort offenbaren ihm Mitmenschen ihr Innerstes. Hartz-IV-Onno und seine Frau Edda sind zudem intime Kenner der angesagten Casting-Show "V-Girls" ("Vote Germany's International Red Light Stars"), wo soeben Fiona Popo den Einzug ins Finale geschafft hat.

Als eine kleine Steuerschuld dräut, bringt ein Fernsehbericht den Protagonisten auf die Idee, was er mit seinen Fähigkeiten anfangen könnte: Detektiv werden. Freund und Apologet Dannewitz vermittelt einen Klienten: Der Popstar Harald Herbert Queckenborn (herrlich: Harald Herbert!), hinter dem sich recht kenntlich Pop-Titan Dieter Günter Bohlen verbirgt (endlich zündelt mal wieder ein Autor!), verdächtigt die mit ihm liierte Fiona Popo des Betrugs. Kompromittierende Fotos aber sind so leicht nicht zu schießen, obwohl Onno Fiona bald in der Umarmung des berüchtigten Sankt-Pauli-Schlägers Tetropov entdeckt: Gorilla-Physiognomie, Totschläger, schwer traumatisiert.

Bis nach Mallorca verfolgt unser Möchtegerndetektiv die Zielpersonen. Plötzlich aber nimmt der Roman eine unvorhergesehene Wendung: Ein neuer, lebenskluger Onno Viets wird geboren. "Onno Daddy? Onno Opi." Mit wem er sich da eingelassen hat, steht außer Zweifel, rappt der Berserker doch: "Ich / bin des Satans / eingebor'ner Sohn!", doch just hier folgt als Refrain das Leitmotiv des ganzen Buches: "Liiiebööö - der Same des Hasses". Wer nun wem die Seele verkauft, soll natürlich nicht verraten werden.

Das eigentlich Furiose an diesem Roman ist ohnehin sein Stil. Das schulztypische Zusammenziehen von Hoch- und Spaßkultur nämlich findet zu einem guten Teil auf der sprachlichen Ebene statt. In das zugrundeliegende Hochsprachenidiom ("Nach Jahrzehnten beruflicher Kalamitäten konnte man das Notlügen bzw. Schutzbehaupten fast als Onno Viets' Superkraft No. 5 bezeichnen") sind unzählige, gern lautmalerisch wiedergegebene Kiez-Intarsien eingelassen: "Njorp. Öff, Öff", "Hammer, Diggär", "nech?" Pointiert karikiert der Autor zudem die unterschiedlichsten Jargons: die dümmliche Fernsehmaus, der Prolet, der Rechtsanwalt, sie alle reden mit eigener Zunge. Harte Fügungen, das ständige Durchbrechen der Stilebenen, gewitzte Dialogantworten ("Für Eventualitäten hast du ja noch das Handbuch." "Handtuch, Sir, jawoll, Sir. Was für ein Handtuch, Sir?"), kurze Sätze und krachende Kalauer ("Ich besitze eine Golden Delicious. Ungestempelt."), das ergibt zusammengenommen eine wunderbar lakonische Erzählhaltung. Dieser Text ist schon als Text eine Art schweinsnasiges Känguruhkamel mit Elefantenohren, und das ist zum Umfallen lustig.

Woran man den genialen Heimatdichter erkennt: Die ausgedachtesten Hamburg-Referenzen (der gesamte Stadtteil "Aalkoog") wirken völlig überzeugend. Dagegen sind die unglaubwürdigsten Dinge der Realität entnommen: die an eine Munch- oder "Scream"-Statue erinnernde Plastik Max Bills oder die Ungeheuerlichkeit, dem Gegner ein Auge aus der Höhle zu saugen und abzubeißen. Letzteres hat ein englischer Hooligan tatsächlich getan, was schon Franzobel faszinierte, der einem hier überhaupt ein wenig in den Sinn kommt. Der eingangs zitierte Exeget lag so falsch nicht: Die Vollkommenheit dieses literarischen Glanzstücks hat viel damit zu tun, dass Schulz Authentisches wirken lässt wie inszeniert. Hinter der mitreißenden Situationskomik entdecken wir daher plötzlich unsere Wirklichkeit wieder, das alte Trauma falscher Freunde.

Frank Schulz: "Onno Viets und der Irre vom Kiez". Roman.

Galiani Verlag, Berlin 2012. 368 S., geb., 19,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Frank Schulz, geboren 1957,lebt als freier Schriftsteller in Hamburg. Für die Romane seiner 'Hagener Trilogie' ("Kolks blonde Bräute", 1991, Morbus fonticuli oder "Die Sehnsucht des Laien", 2001, "Das Ouzo-Orakel", 2006) wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem "Förderpreis zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor" (1999) sowie mit dem Hamburger "Hubert-Fichte-Preis" (2004) und dem Hamburger "Irmgard-Heilmann-Preis" (2006). 2012 erhielt Frank Schulz den "Kranichsteiner Literaturpreis" des Deutschen Literaturfonds und 2015 den "Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor".

Trackliste zu "Onno Viets und der Irre vom Kiez, 1 Audio-CD"


CD
1 Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 1 05:54
2 Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 2 18:10
3 Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 3 08:10
4 Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 4 09:25
5 Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 5 14:03
6 Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 6 12:12
7 Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 7 15:32

3 Marktplatz-Angebote für "Onno Viets und der Irre vom Kiez, 1 Audio-CD" ab EUR 7,49

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