• Audio CD

4 Kundenbewertungen

Der Mann in den besten Jahren - ein alter Sack: Sein Haar lichtet sich, ein Bäuchlein beginnt sich zu wölben, der neue Chef ist ein paar Jährchen jünger als man selbst. Dieses Hörbuch will allen alten Säcken Mut machen. Und lässt dabei kein Thema aus. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: 'Wir könne es immer noch krachen lassen - wenn auch im Schongang!' 'Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne.' -- Stephan Bartels 'Wir sind zwar nicht mehr jung, aber wir können es immer noch krachen lassen - wenn auch im Schongang!' -- Kester Schlenz "Helmut Zierl liest den Survivalguide wie ei…mehr

Produktbeschreibung

Der Mann in den besten Jahren - ein alter Sack: Sein Haar lichtet sich, ein Bäuchlein beginnt sich zu wölben, der neue Chef ist ein paar Jährchen jünger als man selbst. Dieses Hörbuch will allen alten Säcken Mut machen. Und lässt dabei kein Thema aus. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: 'Wir können es immer noch krachen lassen - wenn auch im Schongang!'

'Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne.' -- Stephan Bartels

'Wir sind zwar nicht mehr jung, aber wir können es immer noch krachen lassen - wenn auch im Schongang!' -- Kester Schlenz

"Helmut Zierl liest den Survivalguide wie ein guter Freund, wissend, ironisch - und schon kann man lachen, statt sich zu bemitleiden." -- Buch Journal
  • Produktdetails
  • Verlag: Random House Audio
  • ISBN-13: 9783837102604
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3837102602
  • Best.Nr.: 26924519

Autorenporträt

Kester Schlenz, geboren 1958, ist Autor zahlreicher erfolgreicher Väter- und Kinderbücher. Er studierte Sprachwissenschaften und Psychologie und arbeitet als Kultur-Ressortleiter beim "Stern". Schlenz ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Inhaltsangabe

Aus dem Inhalt:
- 1946 - Niederlage und Neuanfang
- Die umkämpfte deutsche Frage
- Politische Teilung - menschlicher Zusammenhalt
- Der Mauerbau 1961
- Unterwegs zu einer neuen Außenpolitik
- Nachbar Polen
- Deutschlandpolitik und Entspannung
- Die Gipfelkonferenz von Helsinki 1975
- Eine Welt in Bewegung: neue Freunde im Osten
- Gorbatschow
- Aufbruch der Bürger: Ostdeutschland 1989
- Unterwegs zur Einheit: Deutsche Innenpolitik 1989/90
- Unterwegs zur Einheit: Weltpolitik 1989/90
- Nachbar Russland In Einheit und Freiheit: Der 3. Oktober 1990
- Unterwegs zur inneren Einheit: die Jahre 1990 bis 2009

Rezensionen

"Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne." Stephan Bartels
Besprechung von 01.10.2009
Das geteilte Gedächtnis
Richard von Weizsäcker will Ost- und Westdeutsche in ihrer Geschichte vereinen

In seine Amtszeit als Bundespräsident vom 1. Juli 1984 bis zum 30. Juni 1994 fielen der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung. Am 3. Oktober 1990 sprach Richard von Weizsäcker im Reichstagsgebäude als erstes gemeinsames Staatsoberhaupt der West- und Ostdeutschen. Jetzt beschließt von Weizsäcker sein jüngstes Buch "Der Weg zur Einheit", das Einsichten und Erfahrungen kurzweilig und pointiert verbindet, mit dem Text jener Rede. Damals zitierte er aus der neugefassten Grundgesetz-Präambel: "In freier Selbstbestimmung vollenden wir die Einheit und Freiheit Deutschlands." Dazu schreibt er jetzt: "Eine kühne Sichtweise! Denn die Entwicklung geht weiter, an jedem Tag von neuem. Täglich stehen wir vor neuen Herausforderungen, vor neuen Fragen an uns Deutsche als Nation." Er beruft sich auf den Religionswissenschaftler Ernest Renan, der 1882 eine Nation als tägliche Volksabstimmung beschrieb, und meint: "Unsere Einheit ist nicht perfekt und nicht abgeschlossen. Das Plebiszit geht an keinem Tag einstimmig aus."

Wie kam es zu den Ereignissen von 1989/90, obwohl während des Kalten Krieges die großen Mächte die Teilung Deutschlands laut von Weizsäcker "als ein Faktum, nicht als eine Zukunftsaufgabe" ansahen? Nach 1949 war die Bundesrepublik "der Osten des Westens", die DDR "der Westen des Ostens". Dennoch habe die Einheit "in den Herzen un Köpfen der Menschen" fortgelebt, wenn auch "unter Schwankungen". Bonn habe sich zur historischen Verantwortung für das "Dritte Reich" und den Holocaust bekannt, Ost-Berlin habe sich mit seiner Antifaschismus-Propaganda "quasi kollektiv entschuldet".

Nachdrücklich weist von Weizsäcker auf die Bedeutung der Kirchen als der "einzigen staatsfreien und zugleich auch über die ganze DDR verteilten großen Einrichtungen" hin. Schon beim Leipziger Kirchentag 1954 habe sich die "überwältigende verbindende Kraft zwischen Ost und West" gezeigt. Von 1964 bis 1970 arbeitete von Weizsäcker im Ehrenamt des Kirchentagspräsidenten am gesamtdeutschen Zusammenhalt mit, war federführend an Denkschriften der Evangelischen Kirche in Deutschland beteiligt, weil es die Aufgabe seiner Generation gewesen sei, "den Polen näher zu kommen". Deshalb habe er sich zum "Einstieg" in politische Wahlämter entschlossen. Im Bundestag - von 1969 an - widmete er sich den innerdeutschen Beziehungen und der Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern, stand bald im Gegensatz zur Mehrheitsmeinung in der CDU/CSU, weil er die Ostpolitik der SPD/FDP-Regierung als richtig ansah.

Für die innerdeutschen Verbindungen seien die Kirchen in der DDR "von unersetzlichem Wert" gewesen. Die Amtskirchen hätten trotz Mauerbau 1961 engen Kontakt gehalten. Große Verdienste habe sich Konsistorialpräsident Manfred Stolpe erworben, der spätere Ministerpräsident von Brandenburg. Er sei für die West-Ost-Zusammenarbeit "unentbehrlich" gewesen. Die Organisation der Friedensgebete in der DDR habe bei den kirchlichen Basisgruppen gelegen, deren Arbeit "innerhalb der Kirchen nicht immer unumstritten war". Seit 1982 habe Christian Führer in der Nikolaikirche in Leipzig Friedensandachten angeregt. Als am 9. Oktober 1989 in Leipzig 70 000 Personen am Friedensmarsch teilnahmen, habe das Land "den Atem" angehalten: "Trotz ausdrücklicher Anforderung durch die Sicherheitskräfte der DDR blieben sowjetische Streitkräfte auf Befehl aus Moskau in ihren Quartieren." Dies war der Durchbruch. Am 9. November hätten die Bürger "die Mauer von Osten her eingedrückt. Das wird keiner je vergessen, je umdeuten."

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall stünden die Deutschen noch vor der Aufgabe, "sich bis in die Gegenwart in der Geschichte zu vereinen". Im Mittelpunkt des ostdeutschen historischen Gedächtnisses stehe die Zeit der Teilung, während im westdeutschen Gedächtnis der 30. Januar 1933, Hitlers Machtübernahme, das prägende Datum sei. Es verbinde im zeithistorischen Sinne primär Ost und West, weil es "am Ende zur Teilung geführt" habe. Kurz geht Weizsäcker auf seine Rede vom 8. Mai 1985 ein. Darin hob er hervor, "dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung ist, das Ende von Mord und Lebensangst, in Vernichtungslagern und Gefängnissen, an den Kriegsfronten und in den bombardierten Städten, der Befreiung von der Nazidiktatur im eigenen Land und in unserer Nachbarschaft". Es gab dann Diskussionen über das von deutschen Zeitzeugen meist als Niederlage erlebte Kriegsende, auf die er zurückblickt: "Für unsere Landsleute im Osten war das Neue nicht, dass ich den 8. Mai als Tag der Befreiung bezeichnet hatte ... Viele Jahre war der 8. Mai ein staatlicher Feiertag in Verbindung mit der verordneten Botschaft des Antifaschismus. Da hieß es dann: Wir haben den Faschismus besiegt und bekämpfen ihn heute in Gestalt der Bundesrepublik. Mit meiner Rede aber verbanden nun viele Menschen in der DDR eine neue Sicht. Das konnte der SED nicht angenehm sein."

Die Menschen in der DDR nimmt Weizsäcker in Schutz, weil "auf ihren Schultern die Hauptlast nach der Nazizeit" gelegen habe. Die zweite deutsche Diktatur sei von der Sowjetunion eingesetzt worden und von ihr abhängig geblieben. Der Nationalsozialismus sei hingegen 1933 im eigenen Land zur Macht gekommen: "Dabei hatte sich die Mehrheit der Deutschen mit ihrem Staat weitgehend identifiziert. In der DDR dagegen musste die Anpassung der Bürger in einem weit höheren Maße erzwungen werden", meint der 1920 in Stuttgart geborene ehemalige Bundespräsident.

RAINER BLASIUS

Richard von Weizsäcker: Der Weg zur Einheit. Verlag C. H. Beck, München 2009. 223 Seiten, 19,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Besprechung von 09.11.2009
Verpasste Blut-, Schweiß- und Tränen-Rede
Richard von Weizsäcker beschreibt die deutsche Nachkriegsgeschichte – meist präsidial, selten undiplomatisch
Einmal Präsident, immer Präsident. Richard von Weizsäcker wollte kein Geschichtsbuch, sondern ein sehr persönliches Buch über den „Weg zur Einheit” schreiben. Schließlich war er in der entscheidenden Zeit vor 20 Jahren der amtierende Bundespräsident und zuvor, vielleicht sogar noch wichtiger für ihn, war er (von 1964 bis 1970 und von 1979 bis 1981) Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags. In dieser Funktion hat er sich unermüdlich darum bemüht, die Kontakte zu den Ostdeutschen aufrechtzuerhalten, auch wenn das durch die Abgrenzungspolitik der DDR immer schwerer wurde. Er hat schon früh in der von ihm mitinitiierten „Ostdenkschrift” der Kirche die Verständigung mit Polen gesucht und, etwa bei seinem Staatsbesuch in Moskau im Sommer 1987 (zusammen mit Hans-Dietrich Genscher), „Eisbrecherarbeit” in den klirrenden Ost-West-Beziehungen geleistet, wie er gerne damalige Medien zitiert.
Trotz des eigenen Ansatzes, ein „sehr persönliches, bewegendes Buch” zu schreiben, wie ihm der fast gleichaltrige Helmut Schmidt attestiert, ist es doch eher ein Geschichtsbuch geworden. Mit, zugegebenermaßen, einigen persönlichen Einsprengseln. Häufig würde man sich wünschen, Weizsäcker könnte seinen präsidial abgewogenen Stil durchbrechen und Tacheles reden. Dass er durchaus dazu fähig ist, hat er ja mit seiner legendäre Parteienschelte von 1992 bewiesen: Diese seien, wie er damals in der ZEIT schrieb, „machtversessen auf den Wahlsieg und machtvergessen bei der Wahrnehmung der inhaltlichen und konzeptionellen Führungsaufgaben”.
Doch in seinem Einheitsbuch scheut Weizsäcker meist das klare Wort. Vieles schildert er leidenschaftslos und wie
ein neutraler Beobachter. Wenn er über Adenauers „unbeirrbare” Außenpoli-
tik der vorbehaltlosen Westbindung schreibt, dann werden nur dezent damals in Deutschland ebenso vorhandene „andere Denkrichtungen” erwähnt – ohne diese weiter zu bewerten. Ähnlich neutral wird der Rücktritt des damaligen Innenministers Gustav Heinemann geschildert, der damit gegen die deutsche Wiederbewaffnung protestierte. Zu China heißt es, „unsere westlichen Werteerfahrungen helfen uns im Gespräch” mit diesem Staat. Und in der Frage der EU-Mitgliedschaft der Türkei schreibt er sibyllinisch: „Das wird sich zeigen.”
Sicher, es gibt auch Gegenbeispiele. Sogar solche, die überraschen oder gar erschrecken. Sehr schlecht kommt bei Weizsäcker Großbritannien weg. Gleich eingangs schreibt er unter Berufung auf „ein maßgebliches Mitglied des britischen Außenministeriums” den bösen Satz, Gestapo und SS hätten England „einen begrüßenswerten Dienst erwiesen, indem sie diejenigen Kräfte in Deutschland beseitigten, die sich nach dem Krieg zweifellos als die ,guten‘ Deutschen gemeldet hätten”. Die Hinrichtung der Widerstandskämpfer habe „als willkommenes Signal” für das Ziel des „unconditional surrender” gegolten. So richtig es ist, dass bei den Alliierten große Skepsis gegenüber dem deutschen Widerstand – dem ja viele Offiziere angehörten, die gerade noch mit Eifer Hitlers Krieg unterstützt hatten – vorhanden war, so auffallend sind hier Weizsäckers fast brutale Sätze, die ausnahmsweise so gar nicht präsidial sind.
Nicht so ganz überraschend in der, vom zitierten Beispiel abgesehen, meist sehr zurückhaltenden Bewertung deutscher Politiker ist, dass die Sozialdemokraten (Willy Brandt, Erhard Eppler, Egon Bahr, Carlo Schmid, Manfred Stolpe, Friedrich Schorlemmer und immer wieder Helmut Schmidt) deutlich besser wegkommen als die eigenen Partei-
„Freunde” von der Union. Weizsäcker nimmt es Helmut Kohl immer noch sehr übel, dass er einmal Gorbatschows
Tonart mit der von Goebbels verglichen hat. Kohl wird auch sonst eher kühl behandelt. So hätte Weizsäcker, wie sein Bruder im Geiste, Helmut Schmidt, von ihm nach dem Fall der Mauer eine Churchillsche „Blut-, Schweiß- und Tränen-Rede” erwartet und keine versprochenen „blühenden Landschaften”.
Weizsäcker hat dies selbst am 3. Oktober 1990 nachgeholt. In seiner sehr lesenswerten Rede am ersten Tag der deutschen Einheit (die im vollen Wortlaut abgedruckt ist) sagte er, der Satz, niemandem solle etwas genommen werden, sei bloße „Marketingsprache zeitgemäßer politischer Kommunikation”. Kein Weg führe an der Erkenntnis vorbei: „Sich zu vereinen, heißt teilen lernen.” Das hat Richard von Weizsäcker schön deutlich gesagt. RALF HUSEMANN
RICHARD VON WEIZSÄCKER: Der Weg zur Einheit. C.H. Beck, München 2009. 223 Seiten, 19,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Es liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache, dass der hier als Rezensent auftretenden Helmut Schmidt nicht nur für das Buch, sondern auch in eigener Sache das Wort ergreift. So erfährt man viel über Schmidts grundsätzliche (und höchst positive) Meinung von Weizsäcker, der Schmidt zufolge bereits vor seinem Eintritt in die Politik operativ und publizistisch auf die deutsch-deutsche Politik Einfluss genommen habe. Auch bescheinigt der ehemalige Bundeskanzler dem ehemaligen Bundespräsidenten eine grundsätzliche Orientierung an Anstand und innerer Moral. In seinem Buch, das nichtsdestotrotz sehr "persönlich und bewegend" sei, weil er die Entwicklungen aus eigener Anschauung beschreibe, bleibe er doch im Hintergrund. In dreißig "relativ kurzen Kapiteln" gebe er ein großes zusammenhängendes Mosaik vom Weg zur deutschen Einheit, die aus Weizsäckers Sicht noch nicht vollendet sei. Man könne die Kapitel auch einzeln lesen, manche gar seien Meisterwerke, andere wiederum greifen für Schmidts Geschmack zu kurz. Anscheinend hätte Schmidt in Weizsäckers Buch auch gerne darüber gelesen, wie dieser seine Partei von dem Entspannungskurs überzeugt habe, den er selbst, so Schmidt, stets vertreten habe.

© Perlentaucher Medien GmbH
Verpasste Blut-, Schweiß- und Tränen-Rede

Richard von Weizsäcker beschreibt die deutsche Nachkriegsgeschichte – meist präsidial, selten undiplomatisch

Einmal Präsident, immer Präsident. Richard von Weizsäcker wollte kein Geschichtsbuch, sondern ein sehr persönliches Buch über den „Weg zur Einheit” schreiben. Schließlich war er in der entscheidenden Zeit vor 20 Jahren der amtierende Bundespräsident und zuvor, vielleicht sogar noch wichtiger für ihn, war er (von 1964 bis 1970 und von 1979 bis 1981) Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags. In dieser Funktion hat er sich unermüdlich darum bemüht, die Kontakte zu den Ostdeutschen aufrechtzuerhalten, auch wenn das durch die Abgrenzungspolitik der DDR immer schwerer wurde. Er hat schon früh in der von ihm mitinitiierten „Ostdenkschrift” der Kirche die Verständigung mit Polen gesucht und, etwa bei seinem Staatsbesuch in Moskau im Sommer 1987 (zusammen mit Hans-Dietrich Genscher), „Eisbrecherarbeit” in den klirrenden Ost-West-Beziehungen geleistet, wie er gerne damalige Medien zitiert.

Trotz des eigenen Ansatzes, ein „sehr persönliches, bewegendes Buch” zu schreiben, wie ihm der fast gleichaltrige Helmut Schmidt attestiert, ist es doch eher ein Geschichtsbuch geworden. Mit, zugegebenermaßen, einigen persönlichen Einsprengseln. Häufig würde man sich wünschen, Weizsäcker könnte seinen präsidial abgewogenen Stil durchbrechen und Tacheles reden. Dass er durchaus dazu fähig ist, hat er ja mit seine legendären Parteienschelte von 1992 bewiesen: Diese seien, wie er damals in der ZEIT schrieb, „machtversessen auf den Wahlsieg und machtvergessen bei der Wahrnehmung der inhaltlichen und konzeptionellen Führungsaufgaben”.

Doch in seinem Einheitsbuch scheut Weizsäcker meist das klare Wort. Vieles schildert er leidenschaftslos und wie

ein neutraler Beobachter. Wenn er über Adenauers „unbeirrbare” Außenpoli-

tik der vorbehaltlosen Westbindung schreibt, dann werden nur dezent damals in Deutschland ebenso vorhandene „andere Denkrichtungen” erwähnt – ohne diese weiter zu bewerten. Ähnlich neutral wird der Rücktritt des damaligen Innenministers Gustav Heinemann geschildert, der damit gegen die deutsche Wiederbewaffnung protestierte. Zu China heißt es, „unsere westlichen Werteerfahrungen helfen uns im Gespräch” mit diesem Staat. Und in der Frage der EU-Mitgliedschaft der Türkei schreibt er sibyllinisch: „Das wird sich zeigen.”

Sicher, es gibt auch Gegenbeispiele. Sogar solche, die überraschen oder gar erschrecken. Sehr schlecht kommt bei Weizsäcker Großbritannien weg. Gleich eingangs schreibt er unter Berufung auf „ein maßgebliches Mitglied des britischen Außenministeriums” den bösen Satz, Gestapo und SS hätten England „einen begrüßenswerten Dienst erwiesen, indem sie diejenigen Kräfte in Deutschland beseitigten, die sich nach dem Krieg zweifellos als die ,guten‘ Deutschen gemeldet hätten”. Die Hinrichtung der Widerstandskämpfer habe „als willkommenes Signal” für das Ziel des „unconditional surrender” gegolten. So richtig es ist, dass bei den Alliierten große Skepsis gegenüber dem deutschen Widerstand – dem ja viele Offiziere angehörten, die gerade noch mit Eifer Hitlers Krieg unterstützt hatten – vorhanden war, so auffallend sind hier Weizsäckers fast brutale Sätze, die ausnahmsweise so gar nicht präsidial sind.

Nicht so ganz überraschend in der, vom zitierten Beispiel abgesehen, meist sehr zurückhaltenden Bewertung deutscher Politiker ist, dass die Sozialdemokraten (Willy Brandt, Erhard Eppler, Egon Bahr, Carlo Schmid, Manfred Stolpe, Friedrich Schorlemmer und immer wieder Helmut Schmidt) deutlich besser wegkommen als die eigenen Partei-

„Freunde” von der Union. Weizsäcker nimmt es Helmut Kohl immer noch sehr übel, dass er einmal Gorbatschows

Tonart mit der von Goebbels verglichen hat. Kohl wird auch sonst eher kühl behandelt. So hätte Weizsäcker, wie sein Bruder im Geiste, Helmut Schmidt, von ihm nach dem Fall der Mauer eine Churchillsche „Blut-, Schweiß- und Tränen-Rede” erwartet und keine versprochenen „blühenden Landschaften”.

Weizsäcker hat dies selbst am 3. Oktober 1990 nachgeholt. In seiner sehr lesenswerten Rede am ersten Tag der deutschen Einheit (die im vollen Wortlaut abgedruckt ist) sagte er, der Satz, niemandem solle etwas genommen werden, sei bloße „Marketingsprache zeitgemäßer politischer Kommunikation”. Kein Weg führe an der Erkenntnis vorbei: „Sich zu vereinen, heißt teilen lernen.” Das hat Richard von Weizsäcker schön deutlich gesagt. RALF HUSEMANN

RICHARD VON WEIZSÄCKER: Der Weg zur Einheit. C.H. Beck, München 2009. 223 Seiten, 19,90 Euro.

SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de

…mehr
"Helmut Zierl liest den Survivalguide wie ein guter Freund, wissend, ironisch - und schon kann man lachen, statt sich zu bemitleiden."