Lob des Taifuns - Grünbein, Durs

Durs Grünbein 

Lob des Taifuns

Reisetagebücher in Haikus. Dtsch.-Japan.

Übers. u. Nachw. v. Yuji Nawata
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Lob des Taifuns

Viermal, einer eigenen langen Werkspur und Wahlverwandtschaft mit dem Osten nachgehend, hat Durs Grünbein Japan besucht. Während aller vier Reisen hat er sein Tagebuch in Form von Kurzgedichten geführt. Mir, der ich nie photographiere, schien das Haiku das probate Gegenstück zum Polaroid. Es sind Bilder der auf der Oberfläche schwimmenden Welt. Nur daß sie in diesem Fall aus nichts als aus Worten gemacht sind. Die Impression wird im nächsten Augenblick Schrift.
Grünbeins Haikus sind ihrem Genre treu und eigenmächtig zugleich. Obwohl der Dichter von der japanischen Norm in Vers und Strophe ausgeht, verwandelt er sich die fremde Form an, stört dabei die traditionellen Elemente ihrer Bildlichkeit und die sie kennzeichnende Harmonie, durchaus auch drastisch. So entsteht in der fremden Form zwar etwas Privates, ursprünglich nicht für die Publikation Gedachtes, zugleich aber eine Art interkulturelles Gespräch in und mit der Fremde. Das dialogische Prinzip wird in dieser Gesamtausgabe von Grünbeins Haikus durch eine parallele Übersetzung und Verschriftlichung ins Japanische und ein Nachwort seines japanischen Übersetzers verstärkt


Produktinformation

  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • 2008
  • Lim. u. num. Ausg.
  • Ausstattung/Bilder: Lim. u. num. Ausg. 2008. 131 S.
  • Seitenzahl: 131
  • Insel Bücherei Nr.1308
  • Best.Nr. des Verlages: 17420
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 132mm x 16mm
  • Gewicht: 220g
  • ISBN-13: 9783458174202
  • ISBN-10: 3458174206
  • Best.Nr.: 23839232
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.02.2009

Die Nudel im Rinnstein
Alternative zum Polaroid: Durs Grünbeins Haikus

Man könnte sich ziemlich verheddern, wollte man sich angesichts des hübschen Gedichtbands von Durs Grünbein fragen, was denn deutsche Haikus sind und sein können. Andererseits ist es so selten nicht, dass eine lyrische Gattung in andere Kulturen wandert, man denke nur an das italienische Sonett, das im Englischen und in vielen anderen Sprachen heimisch wurde. Weshalb also nicht auch das japanische Haiku?

"Das kostbare Flackern der Andersheit" habe ihn an den Klassikern der japanischen Moderne besonders angezogen, bekennt Grünbein im Nachwort. Haikus seien das Erste, was er kennenlernte und mit größter Aufmerksamkeit zu studieren begann. Kein Wunder, denn das Haiku ist das bedeutendste Exportgut der Kultur Japans. Viermal hat der deutsche Dichter zwischen 1999 und 2005 Japan bereist und seine Eindrücke in Stenogrammform notiert. Haiku als "die günstigste Alternative zum Polaroid" - eine Technik, wie er gleich hinzufügt, die nun ihrerseits obsolet sei. "Bilder der auf der Oberfläche schwimmenden Welt" nennt er sie auch, spontan, ohne Zögern eingefangene …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für Irmela Hijia-Kirschnereit ist Durs Grünbeins Haiku-Band ein schönes Beispiel für einen gelungenen interkulturellen Dialog. Deutsche Haikus, ja, das geht, meint die Rezensentin, nicht weniger als das englische Sonett, findet sie. Was Grünbein aus der stenografischen Form, beziehungsweise in sie hinein zaubert, lässt das Rezensentinnenherz höher schlagen. Das vom Autor bereiste Japan ist für sie in den "heiter bis melancholisch" gestimmten Texten sinnlich erfahrbar. Insofern, meint sie, taugt der Band auch als Reisebuch. Dass der Autor seinen Intellekt spielen lässt und seine Skizzen dialogisch auch die literarischen Traditionen Japans und Deutschlands vielstimmig erklingen lassen, empfindet Hijia-Kirschnereit durchaus als Bereicherung des traditionell wenig reflexiven japanischen Haikus. Nicht nur optisch besonders schön erscheint der Rezensentin die zweisprachige Anlage des Bandes. Kongenial gelungen, wie sie ihr erscheint, eröffnet die Übertragung der Rezensentin verborgene Facetten der Gedichte. Überrascht zeigt sich Hijia-Kirschnereit schließlich darüber, dass der Autor die klassische Haiku-Gestalt mit dem ihr entsprechenden Rhythmus gewählt hat, der im Deutschen nicht wirklich wahrnehmbar ist, wie sie weiß. Die Rezensentin deutet es als Herausforderung, der sich der sprachvirtuose Autor gestellt hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

" Lob des Taifuns ist, jawohl, auch ein Reisebuch von der schönsten Sorte, bis hin zu den ernüchternden Szenarien der Heimkehr. ein in allen Teilen gelungener interkultureller Dialog. Und ein Experiment mit originellem Ergebnis - pointierte, einfallsreiche, in aller Kürze kunstvolle Gedichte, die an einer globalen Poetik des Haiku feilen." Irmela Hijiya-Kirschnereit Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Lob des Taifuns ist, jawohl, auch ein Reisebuch von der schönsten Sorte, bis hin zu den ernüchternden Szenarien der Heimkehr. ein in allen Teilen gelungener interkultureller Dialog. Und ein Experiment mit originellem Ergebnis - pointierte, einfallsreiche, in aller Kürze kunstvolle Gedichte, die an einer globalen Poetik des Haiku feilen.«
Durs Grünbein, 1962 in Dresden geboren, der u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnete Dichter und Essayist, gehört zu den bedeutendsten Autoren seiner Generation. Der Dialog mit den Naturwissenschaften und den Künsten ist von Anbeginn Thema seines Schreibens. Durs Grünbein befasst sich mit Fotografen wie Jeff Wall, William Eggleston oder Sternfeld, mit Künstlern wie Francis Bacon, Chardin, Cezanne, Ilya Kabakow, Hermann Nitsch u. a., er befragt sie nach ihrem Verhältnis zur Zeit, zum Körper und zur Geschichte. 2005 erhielt er den "Friedrich Hölderlin-Preis" und 2006 wurde Durs Grünbein mit dem "Pier Paolo Pasolino Preis", dem internationalen Lyrikerpreis, ausgezeichnet. Im Jahr 2012 wurde er mit dem Tomas-Tranströmer-Preis geehrt.

Inhaltsangabe

[Reisetagebücher in Haikus:] Zerrüttungen nach einer Tasse Tee oder Reisetage mit Issa; Tagebuch einer Japan-Reise im Oktober 1999 Regentropfen auf einem Brillenglas; Tagebuch einer Japan-Reise am Ende der Regenzeit im Juni/Juli 2002 Lob des Taifuns; Tagebuch eines Blitzbesuchs im Mai/Juni 2003 Stunden im Schneidersitz; Tagebuch eines Japan-Besuches im Oktober/November 2005 [Nachworte:] Durs Grünbein: Siebzehn Silben des Augenblicks Yûji Nawata: "Wasser und Wolken ziehen wie immer dahin."

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