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Carola Sterns letztes Meisterwerk. Marianne Hoppe, gefeierter Bühnen- und UFA-Star und Gustaf Gründgens, der in unserer Erinnerung ewig der perfekte "Mephisto" bleiben wird. Beiden gemein ist eine prekäre Karriere unter der NS-Herrschaft.Zehn Jahre lang waren Hoppe und der homosexuelle Gründgen miteinander verheiratet: Carola Stern porträtiert eindrücklich nicht nur die Geschichte zweier Legenden, sondern ein Stück deutsche Geschichte…mehr

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Produktbeschreibung

Carola Sterns letztes Meisterwerk.

Marianne Hoppe, gefeierter Bühnen- und UFA-Star und Gustaf Gründgens, der in unserer Erinnerung ewig der perfekte "Mephisto" bleiben wird. Beiden gemein ist eine prekäre Karriere unter der NS-Herrschaft.Zehn Jahre lang waren Hoppe und der homosexuelle Gründgens miteinander verheiratet: Carola Stern porträtiert eindrücklich nicht nur die Geschichte zweier Legenden, sondern ein Stück deutsche Geschichte.
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher Bd.62178
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 400
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 400 S. m. Fotos.
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 123mm x 30mm
  • Gewicht: 381g
  • ISBN-13: 9783499621789
  • ISBN-10: 3499621789
  • Best.Nr.: 20847528

Autorenporträt

Carola Stern, geboren 1925 im Seebad Ahlbeck, lebte bis 1951 als Lehrerin in der DDR. In den fünfziger Jahren studierte sie an der Freien Universität und arbeitete als wissenschaftliche Assistentin am Institut für politische Wissenschaft in West-Berlin. 1960 bis 1970 Leiterin des Politischen Lektorats im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Daneben journalistische Tätigkeit für Zeitungen und Rundfunkanstalten. 1970 bis 1985 Redakteurin und Kommentatorin in der Hauptabteilung Politik des Westdeutschen Rundfunks. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 1970 Jacob-Kaiser-Preis, 1972 Carl-von-Ossietzky-Medaille für ihre Tätigkeit bei amnesty international, 1988 Wilhelm-Heinse-Medaille. Ab 1987 Vizepräsidentin, ab 1995 Ehrenpräsidentin des deutschen P.E.N.-Zentrums. Carola Stern starb 2006 in Berlin.

Rezensionen

Besprechung von 18.10.2005
Die Erfolgsempfänger
„Hoppe, Hoppe, Gründgens, die kriegen keine Kindgens”: Carola Sterns Doppelbiographie über ein exzeptionelles deutsches Künstlerehepaar ist insgesamt gerecht. In ihrer Erzähllust kann sie die Mär vom Ausnahmemenschen aber doch nicht vermeiden
Von Christopher Schmidt
Ein Mann will nach oben. Die Hauptstadt hat ihm kein Glück gebracht. Also geht der noch nicht 24-jährige Gustav Gründgens, der sich nun neusachlich Gustaf schreiben lässt, 1923 nach Hamburg. Er will sich an den Kammerspielen einen Namen machen, um später in Berlin noch einmal ganz anders einzusteigen. „Wissen Sie, dass Sie schielen?”, sagt der Intendant Erich Ziegel zu dem ehrgeizigen Schauspieler mit der zu hohen Stirn, dem zu großen Mund und den zu groben Händen. Wonach Gründgens schielte, war: Erfolg.
Er übernimmt gleich eine Führungsrolle, spielt und inszeniert sich dem Publikum auf den Schoß. Ein Menschenfischer. Und ein Chamäleon. Erst ruft er das „Revolutionäre Theater” aus, aber als die Hamburger diesen PR-Gag ei-
nes Salonbolschewisten durchschauen, setzt der junge Theatermann schmissige Operetten auf den Spielplan. „Elastisch” ist denn auch das häufigste Attribut, mit dem Carola Stern in ihrer Doppelbiographie über Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe, die von 1936 bis 1946 miteinander verheiratet waren, den nachmaligen Großmimen charakterisiert. Ein Buch über diese beiden Ausnahmeschauspieler, die aufgrund ihrer Bisexualität gefährdet waren und doch z Vorzeigekünstlern des Naziregimes aufstiegen, deren Lebenslinien sich aufeinander zu bewegten, kreuzten und wieder auseinander liefen - verlegerisch ist das wohl eine Win-Win-Situation.
In Hamburg lernt Gründgens die „Dichterkinder” Klaus und Erika Mann und Pamela Wedekind kennen und leider auch lieben. Gründgens inszeniert Klaus Manns „Anja und Esther”, ein verquollenes Drama über das Lebensgefühl der lost generation zwischen den Weltkriegen. Daheim in München knurrt Thomas Mann, der Erstling seines Sohnes sei ein „unbeschreiblich gebrechliches und korruptes Stückchen”.
Damit beginnt eine fatale Vierecksgeschichte. Als Aufsteiger ist Gründgens der Außenseiter. Während bei den anderen drei ihre homosexuellen Neigungen zur antibürgerlichen Selbstinszenierung gehören, trachtet Gründgens danach, seine zu verbergen. Er will ja erst in die Gesellschaft vorstoßen, der die Freunde bereits angehören. Sein Versuch, Erika für eine bürgerliche Alibi-Ehe zu gewinnen, scheitert schnell und gründlich. Auch künstlerisch trennt man sich. Erikas Rolle in einem Boulevardstück, das Gründgens in Berlin inszeniert, wohin er 1928 zurückgekehrt ist, wird eine Anfängerin aus der Provinz übernehmen: Marianne Hoppe.
Noch aber würdigt er seine spätere Frau keines Blickes, obwohl er bereits zweimal mit ihr auf der Bühne stand. Während Gründgens in Berlin reüssiert, entscheidet sich die junge Hoppe für die Mühen der Ebene. Sie geht nach Frankfurt, nach München; beim Künstlerfasching tanzt sie mit Ödön von Horváth, und sie sagt, sie hätte ein Kind von ihm haben können. So, wie sie später über die Ehe mit Gründgens sagen wird, dass es eine „richtige” gewesen sei, „wir haben zusammen geschlafen”. Doch die Kinder rufen auf der Straße: „Hoppe, Hoppe, Gründgens, / die kriegen keine Kindgens, / und wenn die Hoppe Kindgens kriegt, / dann sind sie nicht von Gründgens.” Der Volksmund hat recht behalten.
Im Juni 1936 heiratet das Paar auf Gründgens’ Landgut Zeesen. Er ist 1934 zum Intendanten des Preußischen Staatstheaters am Gendarmenmarkt ernannt worden, im Jahr darauf zum Generalintendanten und nutzt die Kompetenzrangeleien zwischen Goebbels und Göring geschickt aus, um jüdische Kollegen vor der Verfolgung und seinen Spielplan vor Propagandastücken zu schützen. Nach einem Hetzartikel gegen ihn im Völkischen Beobachter gerät Gründgens in Panik, flüchtet in die Schweiz und bittet Göring um seine Entlassung. Doch der erhebt ihn zum Staatsrat, wodurch er Görings direktem Befehl untersteht.
Auch Marianne Hoppe ist nun ein gefragter Bühnen- und Filmstar und den Nachstellung des Propagandaministers ausgesetzt, des berüchtigten Frauenfressers. Einmal taucht Goebbels unangemeldet in ihrer Wohnung auf, in der sie einen jüdischen Freund versteckt. Um ihr Doppelleben nicht aufgeben zu müssen, schwingt sie Sammelbüchse und Suppenkelle fürs Winterhilfswerk und schenkt ihr Lächeln der Propaganda. Dann schlüpft sie wieder in den Pelzmantel und lässt die Rollstühle der Kriegsversehrten stehen, um im Sportwagen zu Gründgens nach Zeesen abzurauschen.
Der Ablauf des Hochzeitstags zeigt schon, was das für eine Ehe war. Nach der standesamtlichen Trauung legt Gründgens sich erst mal hin, denn am Abend steht er schon wieder als Hamlet auf der Bühne. Nach der Vorstellung, die Gäste sind längst fort, gehen Janni und Juste, wie sie sich nannten, gemeinsam den Drehbuchentwurf für die Verfilmung von Fontanes „Effi Briest” durch, sein Hochzeitsgeschenk.
Ein Foto aus jener Zeit zeigt die beiden im Ruderboot. „Immer zu zweit schwimmen wir auf den Wassern des Lebens”, heißt es in der „Ode an Zeesen” des Dichters Klabund. Und als Erfolgsempfänger der Nazis schwammen Gründgens und Hoppe oben, auch weil, wie auf dem Foto zu sehen ist, jeder von ihnen ein Ruder in der Hand hatte. Carola Stern folgt ihnen dicht im Paddelboot und stellt fest: Eine gleichberechtigte Arbeitsehe sei das gewesen und doch mehr als nur ein Zweckbündnis zur Camouflage. Bezeichnend bleibt aber, dass die Ehe den Krieg nicht überstand.
Gründgens, der sich 1943 freiwillig gemeldet hatte und als Luxus-Gefreiter in Maßuniform eine Art Phantom-Dienst schob, ging 1947 als Generalintendant nach Düsseldorf, Hoppe wurde katholisch und brachte 1946 ihren einzigen Sohn Benedikt zur Welt; Vater war ein britischer Journalist. Obwohl sie auch wieder zusammen Theater spielten, entwickelten sie sich auseinander. Gründgens als Bewahrer eines Theaters von zeitloser Klassizität kapselte sich mehr und mehr ab; 1963 starb er während einer Reise in Manila. Marianne Hoppe dagegen schien mit den Jahren immer experimentierfreudiger zu werden, arbeitete mit Heiner Müller, Thomas Bernhard und Robert Wilson und stand noch bis zu ihrem Tod 2002 auf der Bühne.
Spätestens im letzten Teil beginnt einen etwas massiv zu stören an diesem gut recherchierten, flüssig geschriebenen und insgesamt gerechten Buch über ein umstrittenes wie exzeptionelles Künstlerehepaar aus Deutschland. Vielleicht liegt es daran, dass die Autorin kaum je die Tonart wechselt. Mit gleichbleibend munterer, ungebrochener Erzähllust streift sie durch die Jahrzehnte und mäht alle Unterschiede nieder.
Da ist etwa die strapazierte Theater-Metaphorik, die für die Nazizeit passend und gerade darum unpassend wirkt - als wären die „Wirren der Zeit” nur eine Kulisse. Wo eben noch Hitler und Goebbels waren, sind auf einmal Heiner Müller und Thomas Bernhard auf derselben Bühne. Im Buch herrscht eine bewundernde Untersicht auf alle Großen und Wichtigen, der Blickwinkel einer Autogrammjägerin. So unterläuft die rauschende Erzählung den kritischen Anspruch, degradiert ihn zu einem äußerlich gebliebenen „besseren Wissen”, dem das innere Gefühl widerstrebt.
Sie habe dieses Buch geschrieben, so Carola Stern, weil sie „die” Wahrheit herausfinden wollte über die Idole ihrer Jugend. Zwischen den Zeilen obsiegt aber die naive Herzenswahrheit der Autorin, die Mär vom Ausnahmemenschen, für den moralische Standards außer Kraft gesetzt sind. Das macht die Lektüre zu einem zwiespältigen Vergnügen. „Meine Helden” ist das Vorwort überschrieben. Carola Stern, die von ihrer Nazi-Begeisterung und ihrer kurzen SED-Karriere bereits beredt Zeugnis abgelegt hat, müsste es besser wissen.
Carola Stern
Auf den Wassern des Lebens. Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005. 400 Seiten, 19,90 Euro.
Das Ehepaar Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe in dem Film „Kapriolen” aus dem Jahr 1937
Foto: Scherl
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Besprechung von 03.12.2005
Das Märchen vom Blutrand und vom Lorbeer
Gerettet, nicht gerichtet: Carola Stern schildert das ungleiche Paar Marianne Hoppe und Gustaf Gründgens

Die Formel ist zwar alt, aber bis heute gut: "Es war einmal!" Da raunt es und wabert, unterhält jedoch vor allem, und am Schluß ist die Moral von der Geschicht' im besten Fall elegant und effektiv dargetan. Warum die bewährte Redewendung nicht noch einmal nutzen, besonders wenn sich die zu schildernden Begebnisse als Märchen aus dem letzten Jahrhundert bündeln lassen? Ein Märchen, in dem es außer um den schönen Schein und den hohen Ton auch um elementare Katastrophen, politische Verbrechen und grenzenloses Grauen geht - vermittelt zwar, indes nicht weniger entscheidend für Leben und Werk der zwei Hauptpersonen, die das Zentrum der wundersamen wie wundertraurigen Halbgöttererzählung bilden?

Auf diese Weise hat sich Carola Stern in ihrem Doppelporträt "Auf den Wassern des Lebens" dem zeitweiligen Schauspieler-Ehepaar Marianne Hoppe und Gustaf Gründgens zugewandt, Helden ihrer Jugend, denen sie, nach Jahren der ideologiekritischen Distanz wegen deren Karrieren im "Dritten Reich", endlich historisch gerecht werden wollte.

Denn immerhin verlief die Entwicklung von Carola Stern, geboren 1925 als Erika Assmus, ebenfalls alles andere als geradlinig. Sie war, wie sie in ihrer Autobiographie "Doppelleben" berichtete, als junge Frau eine begeisterte Nationalsozialistin, dann in der SED aktiv un ließ sich vom amerikanischen Geheimdienst anwerben, um ihrer Mutter die neueste medizinische Versorgung zu sichern. 1951 floh sie enttarnt nach West-Berlin, wechselte den Namen, wurde Journalistin und Schriftstellerin.

Insofern ist Carola Sterns Interesse an den komplexen Abhängigkeitsverhältnissen, die in totalitären Systemen entstehen können, vital, und ihr Sezierbesteck, um Ausflüchte und Kaschierungen für Opportunismus und Mitläufertum zu entdecken, geschärft. Marianne Hoppe und Gustaf Gründgens, miteinander verheiratet von 1936 bis 1946, liefern ihr in dieser Hinsicht starkes Demonstrationsmaterial. Sie bleiben als auf der Bühne und im Film gefeierte Stars nach 1933 in Deutschland. Gründgens inszeniert außerdem, übernimmt 1934 das Preußische Staatstheater, wird kurz danach Berliner Generalintendant und Preußischer Staatsrat. Diese "Dekorateure der Diktatur", wie sie Carola Stern nennt, sind einerseits überaus privilegiert. Die "innere Emigration", die sie später für sich reklamieren, wird ihnen fürstlich vergütet. Andererseits würdigt Carola Stern nachdrücklich beider Engagement für gefährdete Kollegen und deren Angehörige. Gründgens holt möglichst viele als unabkömmliche Mitwirkende in sein Ensemble, was ihnen Schutz vor Einberufung und Verfolgung verheißt, und hilft entschlossen, den kommunistischen Schauspieler und Sänger Ernst Busch vor dem Tod zu retten. Der wird sich nach Kriegsende sofort um Gründgens kümmern, den die Sowjets 1945 verhaftet haben.

Ungeachtet der zahlreichen Legenden versuchte Carola Stern nicht mehr und nicht weniger, als die Wahrheit über das Glamourpaar des deutschen Theaters und Films herauszufinden. Die wollte sie allerdings nicht wie in einer Gerichtsakte oder einer Reportage darstellen, sondern wählte lieber die Form einer Art Doku-Drama in Prosa. Der Leser, fest an die Hand genommen, wird direkt in die Vergangenheit gehoben. Und die Autorin, als wäre sie damals dabeigewesen, intoniert eine sonore, glaubhafte Märchenmelodie: "Der Sommer ist so schön wie schon seit langem nicht. Im Park blühen Dahlien, Rosen, der Rittersporn und Malven. Kleine sanfte Wellen plätschern an den Bootssteg mit dem Ruderboot. Angesichts des schönen Wetters beschließen die Gründgens, zu einer Gartenparty einzuladen, und zwar befreundete oder ihnen gut bekannte Korrespondenten der großen ausländischen Zeitungen in Berlin." Aber während man da auf dem Landsitz Zeesen bei Berlin schmaust und trinkt und über geplante Premieren plaudert, wird der Zweite Weltkrieg vorbereitet: "Ahnen es die Gastgeber und ihre Gäste? Die Gartenparty wird zur Abschiedsparty."

Ob es nun so war oder nicht, es könnte so gewesen sein. Wenngleich mitunter ein bißchen sehr blumig, webt Carola Stern ihre fundiert recherchierten Arabesken doch kompetent und zweckdienlich um die beiden Porträtierten und stützt sich dazu auf ein eindrucksvolles Quantum an biographischen wie zeitgeschichtlichen Archivzeugnissen. Weil ein Märchen indes weder Fußnoten noch Quellenangaben braucht, begnügt sich "Auf den Wassern des Lebens" - der Titel ist Klabunds "Ode an Zeesen" entliehen - mit einer nach Kapiteln geordneten Literaturliste und einem Personenregister.

Gänzlich unverblümt thematisiert Carola Stern die Bisexualität der zwei Diven, ohne deren Ehe als reines Alibi gegenüber der Sittendoktrin der Nationalsozialisten abzuqualifizieren. Zu viele Belege für aufrichtige Zuneigung und explizite Wertschätzung sind erhalten. Auch nach der Scheidung trat Hoppe stets bedingungslos für Gründgens ein, den sie einmal als "der letzte Ehrenmann" lobte.

Mit ihrer Vergangenheit als schillernde Säulen in der "Kulturfassade" (Stern) des "Dritten Reiches" sind "Janni" und "Juste", wie Hoppe und Gründgens einander herzten, unterschiedlich verfahren. Er schwieg darüber, blieb als Regisseur seinen Klassikern wie seinem Begriff der Werktreue verpflichtet, setzte seine Karriere in der Bundesrepublik im Stil der vorherrschenden Devise von "Keine Experimente!" fort. Sie bekannte sich zu ihren Verstrickungen und lehnte den "Rotstift" zur Tilgung eigener Schuld ab: "Die Privilegien hat man mit Leichtigkeit angenommen. Aber es gab auch um alles einen Blutrand, einen Trauerrand." Marianne Hoppe öffnete sich neuen Strömungen und ließ sich auf ästhetische Wagnisse mit Regisseuren wie Robert Wilson, Heiner Müller, Frank Castorf, Werner Schroeter ein.

Carola Stern macht es sich nicht einfach mit den beiden, hört nicht auf, Fragen zu stellen, die historischen Bedingungen und die individuellen Entscheidungen zu prüfen. Bewußt verrechnet sie die politischen Verblendungen nicht mit den künstlerischen Leistungen, wiegt nicht etwa Gründgens' Schulterschluß mit Göring gegen seine Inszenierung von Goethes "Faust" auf. Was sie hier, spannend und solide, als "Es war einmal" erzählt, ist, sagt die Autorin, passiert - und ist trotzdem ein Märchen. Obwohl die Hauptfiguren gestorben sind, tun sie das, was am liebsten alle wollen: Sie leben noch heute.

Carola Stern: "Auf den Wassern des Lebens". Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005. 400 S., geb., 19,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Thomas Leuchtenmüller hat in seiner Rezension nur ein gemischtes Fazit anzubieten. Carola Stern gelingt es, schreibt er, in ihrem Doppelporträt "Auf den Wassern des Lebens" Gustaf Gründgens in seiner komplexen Motiv- und Persönlichkeitsstruktur lebendig werden zu lassen. Bei seiner Kollegin und zeitweiligen Lebensgefährtin Marianne Hoppe indes kommt die große Journalistin über das Auflisten von widersprüchlichen Charaktereigenschaften - "temperamentvoll und reserviert, kühl und herzlich" - nicht hinaus. "Ferner denn je" sei ihm nach der Lektüre die Schauspielerin gewesen, notiert der Rezensent; dafür hat er erfahren, dass Gründgens "ein Spieler war", ins Risiko verliebt, auf "Prestige und Einfluss" versessen und wachsend "durch Gefährdung".

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