Roter Zorn - Blobel, Brigitte

Brigitte Blobel 

Roter Zorn

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Roter Zorn

Thema Aggression: hochaktuell

Mara trägt roten, wilden, alles überwältigenden Zorn in sich. Zorn auf die Mutter, die zu Hause in Depressionen versinkt, auf den Vater, der sich im Job drangsalieren lässt, auf die gemeinen Unterstellungen ihrer Mitschüler, auf die Grenzen, an die sie stößt. Einziger Lichtblick ist Tibor, der einfühlsame Typ aus der Neunten. Mit ihm scheint alles anders zu sein und die Welt weiter zu werden. Doch als sie Tibor mit einem anderen Mädchen sieht, knallen bei Mara sämtliche Sicherungen durch.

"Die gebürtige Hamburgerin Brigitte Blobel gehört seit vielen Jahren zu den profiliertesten Jugendbuchautorinnen Deutschlands. Ihr neuer Roman (...) ist berührend und mitreißend. (...) 'Roter Zorn' ist eines der besten Jugendbücher dieses Jahres."

Neue Luzerner Zeitung / Arno Renggli "Authentisch, packend, brisant!"Hello kitty magazine


Produktinformation

  • Verlag: Cbt
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 236 S.
  • Seitenzahl: 236
  • cbt Taschenbücher Bd.30631
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 181mm x 125mm x 25mm
  • Gewicht: 255g
  • ISBN-13: 9783570306314
  • ISBN-10: 3570306313
  • Best.Nr.: 26334102
"Die gebürtige Hamburgerin Brigitte Blobel gehört seit vielen Jahren zu den profiliertesten Jugendbuchautorinnen Deutschlands. Ihr neuer Roman (...) ist berührend und mitreißend. (...) 'Roter Zorn' ist eines der besten Jugendbücher dieses Jahres." Neue Luzerner Zeitung / Arno Renggli

"Authentisch, packend, brisant!"
Brigitte Blobel wurde 1942 in Hamburg geboren und ist in Schleswig-Holstein aufgewachsen. 1972 nahm sie in München, nach achtjähriger Kinderpause, ihr Studium der Theaterwissenschaften, Politik und Journalistik wieder auf, das sie mit dem Schreiben von BRAVO-Romanen finanzierte. Daneben arbeitete sie als Journalistin für ELTERN, COSMOPOLITAN, QUICK und HÖRZU. Seit 1979 macht sie sich auch als Buchautorin für Jugendliche und Erwachsene einen Namen. Einige ihrer Bücher wurden inzwischen in 18 Sprachen übersetzt. Außerdem schreibt sie sehr erfolgreich Fernsehdrehbücher ("Immenhof", "Mensch, Pia!") und Reportagen für den STERN, MERIAN und GEO. Brigitte Blobel lebt in Hamburg.

Leseprobe zu "Roter Zorn" von Brigitte Blobel

In der Nacht hatte sie von Blut geträumt, wahrscheinlich weil sie auf einmal Bauchkrämpfe bekommen hatte, aber zu müde war, um davon aufzuwachen. Doch morgens war dann alles in Ordnung gewesen, die Bauchkrämpfe verschwunden. Und so hatte sie die Schachtel mit den Tampons im Schrank gelassen und war einigermaßen gut gelaunt, in hellen Jeans und ihrem schwarzen Totenkopf-T-Shirt, in der Schule erschienen. Ausnahmsweise sogar zur ersten Stunde. Und zwar weil sie ihrer Klassenlehrerin, Susanne Schümann, die Deutsch und Sachkunde unterrichtete, auch mal ein Erfolgserlebnis verschaffen wollte. Frau Schümann freute sich, wenn die Klasse einmal vollständig war, denn fast täglich blieben ein paar Bänke leer. Manchmal erschien ein halbes Dutzend Schüler ihrer Klasse morgens nicht zum Unterricht. Manchmal mehr.

Es gab eine Menge Gründe fürs Schwänzen, aber darüber sprach niemand. Weder die Schüler untereinander, noch die Lehrer, noch die Eltern. Desinteresse war kein Thema - wie Frust kein Thema war, wie Gewalt kein Thema war und auch nicht die Angst, die sich unter den Schülern breitmachte, seitdem sich an der Schule ein paar Banden und Schlägertrupps zusammengefunden hatten.

Die Banden. Mara kannte sie alle. Sie kannte auch die Mädchengang, die jetzt mitmischte und die versuchte, kleine Schüler abzuzocken wie die Typen, die das seit langem taten. Nur brutaler. Aber sie sagte nichts zu denen. Sie machte ihr eigenes Ding, ging ihren eigenen Weg.

In der Öffentlichkeit besaß die Tucholsky-Schule immer noch einen guten Ruf. Um den hatten sie offenbar alle Angst: die Stadtväter, die Lehrer, die Eltern, die Anwohner in der Umgebung. Und deshalb herrschte Schweigen in vielem, was die Schule betraf.

Den meisten Eltern, deren Kinder in die "Tucholsky" gingen, war wichtig zu wissen, wie es dort lief. Aber es gab auch solche, die sich von vornherein nicht für Schule interessierten, denen es egal war, was abging und ob ihre Kinder etwas lernten. Maras Eltern zum Beispiel.

In der Gegend, in der sie lebte - Plattenbauten in einer Siedlung in der Südstadt -, war Lernen ohnehin kein Thema. Weil hier auch Ausbildung kein Thema war, weil Beruf kein Thema war, von Karriere ganz zu schweigen. Wenn Mara in ihrer Straße mal jemanden fragte, jemanden in ihrem Alter, was er später mal machen wollte, schaute er erst mal argwöhnisch und sagte dann: "Was mal machen? Ich krieg später Hartz IV." So sah das aus.

Susanne Schümann, die Lehrerin, war eine von denen, die davon zehrten, dass es früher, als sie selbst jung gewesen waren, Jobs für alle gegeben hatte, früher, als Schule irgendwie Spaß gemacht hatte.

Manchmal war es amüsant. Wenn Mara ihre Lehrerin sah, wie sie engagiert Geschichten erzählte, Grammatik erklärte, die Welt auseinandernahm und wieder zusammensetzte, kam sie ihr vor wie jemand von einem anderen Stern. Jemand, der noch gar nicht begriffen hatte, was eigentlich vor sich ging. Wie die Wirklichkeit vieler Schüler aussah, aus der sie jeden Morgen kamen und in die sie jeden Mittag zurückgingen. Aber manchmal fragte Mara sich auch, ob Susanne Schümann nicht etwas von diesem "Früher" festhalten wollte, vielleicht weil sie hoffte, dass irgendetwas davon übrig blieb, weil es doch schöner gewesen war, damals, irgendwie...

Mara war also pünktlich erschienen. Aber dann hatten sie in den ersten beiden Stunden eine Vertretung, weil Susanne Schümann krank gemeldet war. Da hätte ich auch länger schlafen können, dachte Mara erbittert... Sie schlief ohnehin viel zu wenig. In ihrem riesigen Wohnblock war es immer laut. Die Wände, die Decken, alles aus dünnem Beton, wenn einer aufs Klo ging, hörte man es zwei Stockwerke tiefer. Manchmal kam nachts die Polizei. Oder dieses Baby nebenan schrie. Dann stand sie wieder auf und stellte den Fernseher an. Sie schaffte es dann nie, ihn auszuschalten, bevor der Film zu Ende war; auch wenn die Story sie eigentlich kein Stück interessierte, musste sie wissen, wie sie schließlich ausging. Wer dran glauben musste und wer nicht. Früher, als sie noch Bücher gelesen hatte, da war es ihr genauso gegangen. Ein Buch, das sie angefangen hatte, musste zu Ende gelesen werden, erst dann war sie zufrieden.

In der dritten Stunde dann Musik bei Ariane Günzel (wieder einmal Mozart, egal ob Mozart-Jahr oder nicht!), in der vierten Physik bei Sören Werner. Thema: Magnetfelder, Materie, die sich anzog oder abstieß.

Eigentlich total interessant, fand Mara, aber in der Klasse war es laut, wie immer in Physik. Timo und Ismail, vorn an der Tür, programmierten neue Klingeltöne in ihre Handys, ohne sich um die vorwurfsvollen Blicke des Lehrers zu scheren, Gregor und Wladimir, ein paar Reihen hinter ihnen, kippelten mit ihren Stühlen oder ließen sie über den Fußboden ratschen, Jasmin, auf dem Einzelplatz am Fenster, summte ihren Lieblingssong vor sich hin und schlug dazu den Takt mit dem Lineal, Fernanda fiel das Buch mit einem Knall auf den Boden und Julia raschelte mit ihrem Papier... und so weiter und so weiter. Eigentlich, dachte Mara, ist es die Hölle. Alles. Es gab keine Stille, nirgendwo. Weder zu Hause, noch hier in der Schule. Ein einziges Inferno aus Krach.

Und dann merkte sie, dass die Bauchschmerzen wieder einsetzten, mitten in der Physikstunde, gegen elf Uhr vormittags, ging es auf einmal los. Sie hätte sich ohrfeigen können. Ausgerechnet ihre hellen Jeans! Wo sie doch davon ausgehen musste, jeden Augenblick ihre Tage bekommen zu können! Wieso machte sie immer wieder diesen Fehler! Das war wie automatisch, sie zog nie helle Sachen an - außer an den Tagen, wo es total verkehrt war.

Sie hockte auf ihrem Stuhl, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, und spürte allein diesen Schmerz in ihrem Unterleib, diese regelmäßig wiederkehrenden Krämpfe, von denen Sabrina in ihrer Klasse sagte, dass sie wie eine abgeschwächte Art von Geburtswehen wären (Sabrinas Schwester hatte ein Baby: mit 17!), fühlte, wie es zwischen den Schenkeln heiß und feucht wurde. Über der Stuhllehne hing ihre Jeansjacke. Sie hatte die Jacke von Simone geerbt, ihrer Schwester, aber all die Pailletten und Sternchen, die Simone irgendwann in einem romantischen Rausch aufgeklebt und angenäht hatte, wieder abgerissen.

Kundenbewertungen zu "Roter Zorn" von "Brigitte Blobel"

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Bewertung von Linchen Planzenkeim aus Rostock am 06.05.2011 ***** ausgezeichnet
Ein brodelnder Vulkan

Monja hat die Schnauze voll. Mit ihrer Familie lebt sie in einem heruntergekommenen Viertel. Von ihr bekommt sie keinen Rückhalt. Der Vater alkeholkrank und arbeitslos, die Mutter schwer depressiv, die Schule, na ja... Monja ist nur noch wütend. Auf alles. Alle die sie kennen haben Angst vor ihr. Außer Tibor, den sie auf der Heimfahrt im Bus kennen lernt. Und da ist auch noch ihre engagierte Lehrerin, die ihr ein Schülerpraktikum im Kindergarten beschafft. Wendet sich alles zum Guten? Doch wer ist plötzlich dieses Mädchen an Tibors Seite?

Ich hatte dieses Buch an einem Tag durch und konnte die ausweglose Atmosphäre förmlich spüren. Monjas Wut mit ihr teilen aber es hat mich auch traurig gemacht wie wenig sich die Eltern um sie scheren. Es tat mir leid. Und ich bemerkte auch wie bequem es sein kann die Schuld bei anderen zu suchen. Leider ist dies in Deutschland kein Einzelfall...
Ich hoffe aber trotzdem dass Ihnen, liebe Leser, dieses Buch gefallen wird.

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