Grasblätter - Whitman, Walt

Grasblätter

Ausgezeichnet mit dem Paul Scheerbart-Preis 2010

Walt Whitman 

Nach d. Ausg. v. 1891-92 erstmals vollstandig übers. v. Jürgen Brocan
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Grasblätter

"Er ist Amerika", sagte Ezra Pound über den Dichter Walt Whitman. In seinen "Grasblättern" besingt er den Aufbruch der USA nach dem Bürgerkrieg. Der Lyriker Jürgen Brocan hat dieses zentrale Werk der amerikanischen Literatur mehr als ein Jahrhundert nach Erscheinen erstmals vollständig auf Deutsch übersetzt und mit einem Nachwort und einem ausführlichen Kommentar versehen. Im Schmelztiegel seiner Dichtung vereint Whitman Ideen aus Kultur, Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Mystik seiner Zeit. Seine Gesänge sind Abbild und Vision einer modernen Nation der "Vereinigten Staaten", die Spaltungen überwinden und allen Menschen Freiheit und Gleichheit bringen soll.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 860 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 880
  • Best.Nr. des Verlages: 505/23410
  • Deutsch
  • Abmessung: 247mm x 246mm x 33mm
  • Gewicht: 530g
  • ISBN-13: 9783446234109
  • ISBN-10: 3446234101
  • Best.Nr.: 26366290
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.10.2009

Als die Sprache demokratisch wurde

Neue, schlanke, ekstatische Verse aus der Jugend Amerikas: Walt Whitmans "Leaves of Grass - Grasblätter" sind zum ersten Mal in einer vollständigen deutschen Übersetzung erschienen

One's-Self I sing, a simple separate person, / Yet utter the word Democratic" - "Das Selbst sing ich, die schlichte Einzelperson, / Doch spreche das Wort demokratisch". So beginnen, mit der ersten der "Zueignungen" (Inscriptions), die viel gerühmten "Leaves of Grass" von Walt Whitman, diesem ersten großen Dichter Amerikas, der ein politischer Dichter war und ein Naturdichter, ein Dichter des Körpers und der Seele, ein Dichter, der nichts, was ihm begegnete, unbesungen ließ, und der auch besang, was erst noch kommen sollte: die Zukunft. Vor allem jedoch, und das zeigen bereits diese ersten anderthalb Verse, war er ein Dichter, der das Individuum und seine Autonomie feierte, sich die Entfaltung des Einzelnen aber nur in Gesellschaft und unter Wahrung der Rechte aller anderen vorstellen konnte - in der Demokratie.

Die Vereinbarung von Individualismus und demokratischer Herrschaftsform, das ist Whitmans "große Idee", und in Amerika …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Berauschen kann sich Rezensentin Stefana Sabin nicht an diesen "Grasblättern". Dafür scheinen ihr die Texte zu sehr dem Geist ihrer Zeit verpflichtet. Auch wenn die Identifikation des Dichters mit dem Publikum sich nicht mehr einstellen will, wie Sabin feststellen muss, so vermag die Rezensentin das Revolutionäre dieser Gedichte, thematisch und sprachästhetisch gesehen, doch noch immer nachzuvollziehen. Verantwortlich dafür, dass dies weiterhin funktioniert und der Leser die besondere Musikalität der freien Verse und das von Walt Whitman poetisch reflektierte amerikanische Idealbild lesend erfassen kann, ist für Sabin vor allem Jürgen Brocans Neuübersetzung des gesamten Werkes. Sabin anerkennt die Nähe zum Original, den eingeschlagenen Mittelweg zwischen Nüchternheit und Pathos, zwischen Modernität und Archaik im Ausdruck. Dass Brocan die schwierigen Registerwechsel und den Rhythmus des Englischen bewahrt und trotzdem zu einer "geschmeidigen" deutschen Fassung findet, bewertet sie als große übersetzerische Leistung.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.12.2009

Als alle Welt Amerika war
Walt Whitmans lyrische Demokratie: Alles ist gleich und in gleichem Maße heilig. Die „Grasblätter”, das Urbuch einer Nation in deutscher Übersetzung Von Heinz Schlaffer
Schnell fällt ein Dichter bei seinen Zeitgenossen in Ungnade, wenn er mit ihnen ungnädig umgeht, satirische Verse verfasst und hässliche Sitten hässlich nennt. Ungewöhnlich hingegen ist der Fall des amerikanischen Lyrikers Walt Whitman (1819-1892), dessen Gedichte alles auf der Welt überschwänglich loben, besonders Amerika und seine Landsleute, aber dennoch deren Gunst zunächst nicht gewinnen konnten. Den verstörten Lesern ging das schrankenlose Lob zu weit: Es galt nicht allein der Demokratie, dem Fortschritt, der Arbeit, dem Meer, dem Wind, sondern mit gleicher Großzügigkeit dem Verbrecher, dem Landstreicher, der Prostituierten und – empörend im prüden 19. Jahrhundert – dem Geschlechtsakt, ohne die daran beteiligten Körperteile auszusparen: „Manneseier und Manneswurzel ... Brustwarzen, Nippel”. Kein Wunder, dass Whitman, der heute als einer der Begründer der modernen Lyrik gilt, zu seiner Zeit nur von einer kleinen Gruppe von Intellektuellen …

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Walt Whitman (1819-1892) war New Yorker: Geboren auf Long Island, wuchs er in Brooklyn auf und starb in Camden, New Jersey. Er arbeitete als Dorfschullehrer, Zimmermann, Schriftsetzer, Drucker, Journalist, Häusermakler, Sekretär im Innenministerium und als freiwilliger Lazaretthelfer während des Sezessionskriegs.

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