Bilder vom Erzählen - Hilbig, Wolfgang
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Aqua alba Ach, der ganze Garten überschwemmt vom Mond - und Schwärme von Fischen am Weg wie Federn leicht wie zuckende Klingen aus Licht. Sie kennen sich aus sie kennen den Trost der Gemeinsamkeit. Und die weißen Hortensien blühen die ganze Nacht - noch wenn der Mond in seinen Abgrund steig leuchten sie weiter: wie Phosphor weiß und grün und Wassergeister wenn die Fische durch den Zaun entfliehn haben endlich Heimstatt hier in diesem Blühn…mehr

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Produktbeschreibung

Aqua alba Ach, der ganze Garten überschwemmt vom Mond - und Schwärme von Fischen am Weg wie Federn leicht wie zuckende Klingen aus Licht.

Sie kennen sich aus sie kennen den Trost der Gemeinsamkeit.

Und die weißen Hortensien blühen die ganze Nacht - noch wenn der Mond in seinen Abgrund steigt leuchten sie weiter: wie Phosphor weiß und grün und Wassergeister wenn die Fische durch den Zaun entfliehn haben endlich Heimstatt hier in diesem Blühn.
  • Produktdetails
  • Verlag: S. Fischer
  • Seitenzahl: 59
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 59 S. m. Abb.
  • Deutsch
  • Abmessung: 242mm x 172mm x 9mm
  • Gewicht: 254g
  • ISBN-13: 9783100336286
  • ISBN-10: 3100336283
  • Best.Nr.: 10741220

Autorenporträt

Wolfgang Hilbig, geb. 1941 in Meuselwitz bei Leipzig, gestorben 2007 in Berlin, übersiedelte 1985 aus der DDR in die Bundesrepublik. Er erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Bremer Literaturpreis, den Berliner Literaturpreis, den Literaturpreis des Landes Brandenburg, den Lessing-Preis, den Fontane-Preis, den Stadtschreiberpreis von Frankfurt-Bergen-Enkheim, den Peter-Huchel-Preis und den Erwin-Strittmatter-Preis.

Rezensionen

Besprechung von 06.11.2001
Traumbuch der Moderne
Wolfgang Hilbig im lyrischen Gespräch / Von Harald Hartung

Nicht jeder, den die genaue und zugleich wilde Welt seiner Prosa fasziniert, weiß, daß Wolfgang Hilbig als Lyriker debütierte: nämlich 1979 mit dem Band "abwesenheit". Dieses Buch machte seinen Verfasser in der DDR zur Unperson: Es trug ihm einige Wochen Haft und ein Verfahren wegen Devisenvergehens ein. Die Gedichte des ehemaligen Bohrwerkdrehers und Heizers malten expressive Bilder der Entfremdung. Sie drückten aber auch Hilbigs Willen zur Unabhängigkeit aus. "ihr habt mir ein haus gebaut", hieß es in einem dieser Gedichte, "laßt mich ein anderes anfangen."

Doch aus diesem Haus wurde nichts. Der DDR-Bürokratie war der Dichter unbequem geworden. 1985 konnte Hilbig in die Bundesrepublik übersiedeln. Sein im Jahr darauf erschienener Band "versprengung" kulminierte in Chiffren von Auflösung und Regression, aber er führte auch an die Grenzen von Hilbigs lyrischen Möglichkeiten. Der düster pathetische Ton ließ sich nicht unendlich fortschreiben. Routine drohte, und der Lyriker griff zur Selbstbezichtigung: "das wort lyrik / das so lauwarm lullt sekundärpoesie."

Was Resignation schien, war schon Rettung: Hilbig hatte die erzählende Prosa als Möglichkeit der Selbst-Objektivierung entdeckt. Er delegierte seine Zweifel und Verzweiflungen an die Gestalten seiner Erzählungen und Romane. Etwa an die Spiel- und Spiegelfigur W., die uns im Roman "Ich" (1993) in di Labyrinthe der Stasi führt. Seinem bisher letzten Roman "Das Provisorium" (2000) gab Hilbig ein Motto von Strindberg. Darin ist vom Opfer der Biographie und der Person die Rede, aber auch von der Möglichkeit, das Leben "von allen Seiten" zu sehen: "Das versöhnte mich mit dem Unglück, und es lehrte mich, mich selbst als Objekt aufzufassen."

Nun ist Hilbig nach fünfzehnjähriger Pause zur Lyrik zurückgekehrt. Der sechzigste Geburtstag mag den Anlaß zu einer lyrischen Lebensbilanz gegeben haben. Ihr Titel "Bilder vom Erzählen" scheint eine Referenz zur Arbeit des Epikers zu liefern. Eines der Gedichte heißt "Nach der Prosa", doch aus ihm spricht durchaus nicht der Stolz des Erzählers Hilbig, sondern Desillusion und Verzweiflung: "Nun bin ich alt und in den Staub geworfen / Aller Gesang gesungen und zu grauser Asche ward mein Vers." Hilbig spricht als Lyriker und von Lyrik - fast so, als hätte es seine Erzählprosa nie gegeben.

So erstaunt nicht, daß auch im Titelgedicht "Bilder vom Erzählen" vom Erzählen nicht die Rede ist. Der Dichter überläßt sich dem Sog der Bilder. Sein hymnisch-elegischer Text evoziert das Meer. Es fasziniert ihn womöglich deshalb, weil es nicht zu erzählen ist: "Niemand weiß etwas zu sagen vom Meer". Doch am Schluß erscheint ein schwarzer Mystagoge, ein riesiger amerikanischer Rabe: "Wer bist du? so schien er mich zu fragen. - Und ich fragte ihn ein Gleiches."

Dieser Mystagoge, der sein Geheimnis verbirgt, mag von Edgar Allan Poe abstammen. Ihm nämlich galt seinerzeit in "versprengung" die Frage: "war das gedicht der rabe von e. a. poe not / wendig?" Offenbar schon. Denn Hilbig kommt in diesen späten Gedichten erstaunlich oft auf die klassische Moderne zurück. In dem Gedicht "Die Zisterne" heißt es rührend ungeschickt: "Einmal ihr Musen noch blättern / im Traumbuch der Moderne."

In dieses Traumbuch gehört auch ein anderer Erzvater, nämlich Ezra Pound. Das Langgedicht "Saturnische Ellipsen" kreist um ein Zitat aus Pounds "Canto I", aber gleichsam in negativer Absicht, wie Hilbig in einer Anmerkung erläutert: "Die Stelle wird hier zitiert (und später entstellt zitiert) aufgrund ihrer Zusammenhanglosigkeit mit dem Text, in dem sie erscheint." Solch ein Dementi ist natürlich ambivalent: der Leser stellt den negierten Kontext für sich her. Und sei es, indem er Hilbigs Entstellung von Pounds Text realisiert.

Odysseus-Pound bricht auf, um Ithaka wiederzufinden. Ziemlich zu Anfang heißt es: "Came we then to the bounds of deepest water, / To the Kimmerian lands, and peopled cities". Hilbigs lyrisches Alter ego, das vermeint, in einer Stadt zu sein, die es nicht mehr verlassen kann, operiert mit der Negation: aus Pounds "peopled cities" werden "unpeopled cities" - also offenbar solche, die den Aufbruch nicht lohnen. Hilbig wird keine Odyssee schreiben. Aber seine poetische Abendphantasie hat einen großen und reichen Ton.

Die "Bilder vom Erzählen" sparen den Epiker Hilbig aus. Seine erzählerischen Arbeiten, die ihn doch berühmt machten, scheint der Sechzigjährige hinter sich zu lassen wie verbrannte Schiffe. Spielend und anspielend ergeht er sich im Traum- und Musterbuch der lyrischen Moderne. Selbst wo Hilbig eine Formel für sein eigenes Leben sucht, bemüht er einen der Alten Meister, nämlich den Eliot der "Four Quartetts": "Ein Spott / mein End gewirkt in meinen Anfang". Man möchte dem Dichter, der sich in bitterschönen Bildern von Zweifel und Resignation ergeht, eine Zeile vorhalten, die er selbst als groß bezeichnet: "Das Eisen selbst sucht sich den Mann". Diese Zeile gilt auch heute, wo es wenig aussichtsreich scheint, sich an den großen Schmieden zu messen.

Wolfgang Hilbig: "Bilder vom Erzählen". Gedichte. Mit Radierungen von Horst Hussel. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001. 64 S., geb., 97,79 DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 28.05.2008
Der Tanz auf der Mauer
Wolfgang Hilbigs gesammelte Gedichte sind ein Ereignis
Sachsen, wo es am heruntergekommensten, von den Folgen realsozialistischer Planwirtschaft am meisten gebeutelt und der Akzent der Menschen am wenigsten goutierbar ist, war Wolfgang Hilbig zufällige Heimat und notwendiger Bildspender zugleich. Er wusste allerdings, dass er selber von noch viel weiter her stammte: „mein großvater . . . nach europa trug den honigduftenden samen . . . wie das steppengras zischte und die halme sich rieben so / klangen seine polnischen flüche in seinem lachen / grollten hufe und gewitter seine stirn ein feuer / wetterleuchtete fern die rote kolchis / unwissend und tief im orkus”.
Hilbig hat die sächsische Braunkohlenlandschaft, der er trotz späteren Aufbruchs gen Westen und in die Berliner Metropole biographisch stets verbunden blieb, nie verleugnet. Was er von ihr zu bezeugen hatte, wissen ihm bis heute die wenigsten dort zu danken: „der dörfer fischgerüche zogen mich in tagebaue / der dörfer dasein war in mir verworren und gespalten / die feuerluft / der tage war der flammenschatten jener nächte / glutsinne flammennerven bauten / verflogene namen spiegelungen auf”. Eine solche Landschaft brauchte Hilbig nicht zu suchen, sie hatte sich ihm aufgedrängt. Und doch lagen jene, die in seinen Versen nichts weiter als lyrisch denunzierende Protokolle schamloser Naturausbeutung suchten, von Anfang an falsch. Seine Poesie erschöpft sich nicht in Bildern eine vergewaltigten Lebensraums, sondern destilliert aus solchen Eindrücken autonome Kunstgebilde – und hier schon ist sie in tieferen, entfernteren Schichten daheim; beim protestantischen Kirchenlied etwa, bei Hölderlin, Novalis, den Weltsprachen der modernen Poesie. Der Bildraum von Hilbigs poetischen Landschaften ist in seiner Eindringlichkeit mit den schwermütigen Kinolandschaften Andrej Tarkowskis vergleichbar; morbid-real wie sie in der Optik des Dichters aufscheinen, sind sie wiederum auch zum Erbarmen schön: „am wald wartete / einst ein steinernes haus . . . nun ist es zerbrochen / das dach die wände zerfalln / das wasser voll steinbrocken / allein / der keller steht noch / morsch in der mulde wo / herbstliches gras sich an die erde / schmiegt wie hundeohrn im wind.”
Um ein anderes Beispiel für die Durchdringung von äußerster Welt und innerster Provinz anzuführen: Als Motto zum bereits 1966 entstandenen Gedicht „abwertung eines unverständlichen gegenstands” zitiert Hilbig Verse eines amerikanischen Zeitgenossen, dessen Namen er offiziell, auf Meuselwitzer Radius geeicht, gar nicht hätte kennen können – „I cannot be more than / the man who watches”. Diese von Robert Creeley auf die Beziehung zur Tochter gemünzten Worte (in „The Name” am Schluss der Sammlung „For Love”) gewinnen für Hilbig eine ganz neue Bedeutung – umreißen sie doch seine desolate frühe Lage, mit „unverständlichen Gegenständen” wie Gedichten in der aus Parolen gezimmerten Gesellschaft zum passiven Zuschauer, zum Abwesenden verdammt zu sein. Eine derart eigenwillige Transformation eines lyrischen Vorbilds (das dazu noch der Kultur des offiziellen Klassenfeinds angehörte) dürfte jedenfalls zu den Seltenheiten der Literaturgeschichte gehören.
Der stöhnende Herzapparat
Entdeckungen dieser Art gestattet der jetzt vorliegende Sammelband von Hilbigs Gedichten; zum ersten Mal kann sein in den Bänden „abwesenheit” (1978), „die versprengung” (1986) im Westen, sowie in den ostdeutschen Auswahlpublikationen „stimme stimme” (1983) und „zwischen den paradiesen” (1991) veröffentlichtes Werk, dem nach der Wende noch in Zeitschriften verstreute Gedichte sowie die zu seinem 60. Geburtstag 2003 herausgekommenen „Bilder vom Erzählen” folgten, nahezu umfassend überschaut werden. Außerdem wird ein erster Einblick in Hilbigs umfangreichen lyrischen Nachlass gewährt – von einem in seiner Stasiakte wiedergefundenen frühen Zyklus von Liebesgedichten bis hin zu Reinschriften von Entwürfen der Berliner Zeit. Auch wenn die Herausgeber gute Gründe haben, ihren Anmerkungsapparat zu beschränken, so hätte man sich doch gerade für diesen Nachlass, der immerhin ein gutes Drittel des Buchs ausmacht, eine etwas großzügigere Mitteilungspolitik erhofft, was Ort, Zeit, Kontext der Entstehung und Art der Überlieferung betrifft. Und es mag für die Belange einer Leseausgabe seine Richtigkeit haben, Gedichte Hilbigs, die mehrmals in Büchern veröffentlicht wurden, nur am Ort ihrer Erstveröffentlichung anzugeben – die Komplikationen seiner Publikationsgeschichte werden so aber einfach unter den Tisch gekehrt, als spielte es etwa keine Rolle mehr, dass seinerzeit die ostdeutschen Zensoren sein Programmgedicht „das meer in sachsen” nur in einer verstümmelten, sinnentstellten Kürzung im Reclamheftchen „stimme stimme” abgedruckt hatten.
Sei es drum: Diese Werkausgabe von Wolfgang Hilbigs Gedichten ist ein Ereignis für die Lyrik im deutschsprachigen Raum, wie es in jüngster Zeit vielleicht nur noch der „Kaddish”-Zyklus Paulus Böhmers gewesen ist (SZ vom 4. Februar 2008) – ein Ereignis für die Literatur im Ganzen, beginnt man sich einmal auf die Funktion der Lyrik als Speerspitze im literarischen Progress zu besinnen: „In bezug auf Lyrik reagiere ich allergisch auf unhaltbare Ergebnisse. Gedichte sind für mich die Essenzen literarischer Arbeit”, hatte Hilbig einmal gesagt. Der Rabe Edgar Allen Poes wird für ihn zum Sinnbild eines Anspruchs, wie er höher nicht sein könnte: „war es notwendig / den stöhnenden herzapparat in die marionette zu pflanzen – / war die erfindung des wagenrads der anblick / unserer stärke notwendig war der käfig der unsterblichkeit / an dem dieses röcheln sich wetzt war / dieser schmutzige gesträubte rabe notwendig.”
Auroren an die Kehle
Wie Poe war Hilbig auch Erzähler, manischer Chronist einer Realität, die immer wieder ins Spukhafte entglitt, wie Poe diente ihm die Beschäftigung mit Lyrik dann als Rettungsanker im verfließenden Strom von Geschichten, deren Entwicklung und Ausgang er selber nicht in der Hand zu haben schien. Schildern seine Geschichten die unkontrollierbar wuchernden Geschwüre einer Wirklichkeit, die ihr Spiegelbild nur noch im Wahnsinn, der schizophrenen Persönlichkeitsverdopplung und -entäußerung findet, so sind vor allem die nach der Periode des Erzählens entstandenen (wieder in Großschreibung gedruckten) Gedichte aus der Flut von Phänomenen gerettete „Bilder vom Erzählen” – luzide, exemplarische Montagen, geschaffen für einen Einstieg in sein Gesamtwerk vom Ende her.
Konsequenterweise schließen die „Bilder vom Erzählen” den Kreis um Hilbigs Schriftstellerdasein; vier Jahre vor seinem Tod erschienen, nehmen sie diesen bereits vorweg – und das, was von ihm bleiben könnte: die „Essenz”, die epiphanische Vision vom Eintauchen ins Mythische in unmittelbarster Gegenwart. Sie führt an die Ursprünge der modernen Poesie, die ihrerseits die Ursprünge der Antike berührt: zu Pounds „Cantos”, die mit dem Elften Gesang der Odyssee einsetzen – dem Abstieg in die Unterwelt. Für Hilbig, der in der DDR zur Abwesenheit, zum Untergrund („nach unten gehn heißt oben bleiben”), im Westen zu Selbstflucht, Abtauchen, Doppelleben („hier in der luft der lüge”) verdammt war, hätte kein Mythos näher gelegen. Und musste sich demjenigen, der schon 1986 mit Zeilen wie „es drehn / sich die brüder im tanz auf der mauer” das vermeintliche Ende der Geschichte vorausgesehen hatte, die Dimension des Mythischen nicht von selbst aufdrängen?
Es ist diese Identifikation mit den Mythen des poetisch autonom Erzeugten, die ihn dazu befähigte, der Sterblichkeit des eigenen Körpers ein Überdauern im Gedicht entgegenzuhalten und „wie Brüder die durch Äonen / geschieden sind” in einem real erblickten Raben (während eines Schreibaufenthalts in Amerika) das von Edgar Allen Poe an ihn übergegangene Totemtier zu grüßen. Man muss lange nach einem Dichter wie Hilbig suchen, der derart mühelos mit den Größen der Literaturgeschichte ins Zwiegespräch treten konnte, so dass jeder Vergleich mit direkten Zeitgenossen ins Leere gehen muss. Etiketten wie „DDR-Emigrant”, „Heizer und Symbolist”, „Sächsischer Surrealist” erklären kaum seine Einzigartigkeit. Hilbig war Dichter und spätestens mit der nun vorliegenden Werkausgabe dürfte klar sein, dass er zu den allergrößten hierzulande zählt, die monolithisch und nur durch sich selbst erklärbar in der Literaturgeschichte stehen.
Poesie, die die Zeiten überdauern soll, lässt sich nicht an der Anzahl errungener Preise und Stipendien oder einer medienkompatiblen Allseitsfreundlichkeit ermessen. Sie geht – „auroren an die kehle” – aufs Ganze, ohne sich um die Konsequenzen ihrer Kompromisslosigkeit zu scheren. Das ist sie der fragilen Materie des Gedichtes schuldig. Wolfgang Hilbig wusste das: ein Aufrechter, dem die Poesie den einzigen Halt im Leben schenkte. Mag sein, dass ihn das unsterblich machen wird.JAN VOLKER RÖHNERT
WOLFGANG HILBIG: Gedichte. Mit einem Nachwort von Uwe Kolbe. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008. 538 Seiten, 22,90 Euro.
Wolfgang Hilbig 2001 als Stadtschreiber in Bergen-Enkheim Foto: dpa
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Harald Hartung, oberste Lyrikinstanz der FAZ, findet Wolfgang Hilbigs Rückkehr zum Gedicht nicht wirklich überzeugend. Der "genauen und zugleich wilden Welt" von Hilbigs Prosa scheint seine Lyrik in den Augen des Rezensenten nicht mehr gewachsen zu sein. Hartung erinnert daran, dass Hilbigs erstes Buch ein Lyrikband war, der ihm in der DDR sogleich ein paar Wochen Haft eingetragen hatte. Mit diesem Gedichtband sei Hilbig wohl anlässlich seines sechzigsten Geburtstags wieder zum Lyriker geworden. Nicht ohne Skepsis sieht der Rezensent den Dichter sich dem Sog der Bilder überlassen und hört aus mehr als einem Gedicht "Desillusion und Verzweiflung" sprechen. Spielend und anspielend ergehe er sich im "Traum- und Musterbuch der lyrischen Moderne", selbst wo er eine Formel für das eigene Leben suche, bemühe er einen alten Meister, krittelt der Rezensent. Im zitierten Fall handelt es sich um T.S.Eliot.

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