Weil Samstag ist - Goosen, Frank

Weil Samstag ist

Fußballgeschichten

Frank Goosen 

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Weil Samstag ist

"Man muss keineswegs regelmäßigen Umgang mit dem Ball pflegen, um Goosens Geschichten komisch zu finden." -- Welt am Sonntag

Wieso gehst du ins Stadion? - Weil Samstach is!

"Wir im Ruhrgebiet gehen nicht ins Stadion, um uns zu amüsieren. Wir gehen da hin, um uns aufzuregen. Beispiel? Jedes Jahr wieder ist das erste Heimspiel der neuen Spielzeit gerade mal fünf Minuten alt, da brüllt der Mann in der Reihe vor mir zum ersten Mal: 'DAT ISS DOCH DIESELBE SCHEISSE WIE INNER LETZTEN SÄSONG!!!'" Die schönsten Fußballgeschichten vom literarischen Großmeister des runden Leders.Vom Vorsitz der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur zum Fußballbuch des Jahres nominiert.


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 160 S. 187 mm
  • Seitenzahl: 160
  • Heyne Bücher Bd.40710
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 14mm
  • Gewicht: 143g
  • ISBN-13: 9783453407107
  • ISBN-10: 3453407105
  • Best.Nr.: 27947264
"Man muss keineswegs regelmäßigen Umgang mit dem Ball pflegen, um Goosens Geschichten komisch zu finden." -- Welt am Sonntag
Frank Goosen, geboren 1966 in Bochum, hat sich Ruhm und Ehre als eine Hälfte des Kabarett-Duos "Tresenlesen" erworben. 2003 erhielt Frank Goosen den Literaturpreis" Ruhrgebiet". Mit seinen Kabarettprogrammen tourt er regelmäßig durch Deutschland. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern wohnt er in Bochum.


Leseprobe zu "Weil Samstag ist" von Frank Goosen

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Wieso Fußball? Ich stelle mir das so vor: Menschen, die Briefmarken sammeln, Modellflugzeuge bauen oder Turniertanz betreiben, sitzen an einem ereignisarmen Sonntagnachmittag sinnend auf ihrem Wohnzimmersofa und fragen sich: "Wo bin ich in meinem Leben falsch abgebogen?" So eine Frage stellt sich ein Fußballfan überhaupt nicht. Fragen Sie bei uns in der Gegend einen Fußballfan: "Wieso gehst du ins Stadion?", antwortet der nur: "Watt?" Der versteht die Frage überhaupt nicht. "Wieso gehst du zum Fußball?" "Is doch Samstach!" Fußball ist uns zwischen Duisburg und Unna, zwischen Recklinghausen und Hattingen ins Genom übergegangen, unsere Doppelhelix besteht nicht aus Aminosäuresequenzen, sondern aus echtem Leder. Legt ein werdender Vater die Hand auf den Bauch seiner hochschwangeren Frau und spürt den Tritt des Thronfolgers, kann er nicht anders, er sagt: "Kumma, der flankt!" Und kaum bist du aus dem Bauch raus, bestimmt Fußball über deinen Platz im sozialen Gefüge. Bei uns war das so: Spüli, Pommes, Mücke und ich trafen uns zum Pöhlen zunächst auf den Grundstücken zwischen den Mietskasernen in Stahlhausen, dem "Blaubuxenviertel", wobei korrodierende Teppichstangen als Tore dienten. Fragten wir unterwegs jemanden, ob er mitspielen wolle, und der sagte: "Nee, ich interessier mich nicht für Fußball", knallte Mücke ihm vor den Latz: "Wie, du willz nich pöhlen? Bis du schwul oder was?" Als sich dann Jahre später herausstellte, dass unser Freund Hans Jürgen Spülberger, genannt "Spüli", tatsächlich lieber auf der anderen Seite des Hügels graste, sah Mücke sich nachträglich bestätigt: "Wundert mich nicht! Wenn der am Ball war, hat der Ball geweint!" Irgendwann wechselten wir auf die Wiese vor der Schule am Springerplatz. Die Mannschaften wurden zusammengestellt, indem die beiden Jungs mit der größten Klappe — also ich und ein anderer — immer einen Fuß vor den anderen setzend aufeinander zugingen, wobei die Hacke die Spitze berühren musste. Der, dessen Fuß am Ende gerade noch in die Lücke passte, durfte den ersten Spieler auswählen. Das hieß "Pisspott", und zwar, weil der eine bei jedem Schritt "Piss" sagte und der andere "Pott" antwortete. Bei der Aufstellung bevorzugt wurden technisch versierte "Fummler", die zwar oft sehr eigensinnig, also wenig mannschaftsdienlich spielten, dafür aber Erfolg versprachen. Und da wir deutsche Jungs beim Fußball waren, stand Erfolg bei uns immer höher im Kurs als so etwas Mädchenhaftes wie "Spaß". Am Ende blieben immer ein oder zwei Jungs übrig, mit denen schon auf dem Schulhof keiner spielen wollte. Solche Typen, die auch noch den obersten Hemdknopf zumachten und selbst im Sommer Pullunder trugen. Dummerweise gehörte meistens einem von denen der Ball. Ich stand bei diesen Spielen gern im Tor, weil man da nicht so viel rennen musste. Außerdem hatte ich nichts dagegen, mich "zu schmeißen", also panthergleich noch hinter jedem aussichtslos erscheinenden Ball hinterherzuhechten. Denn ich gehörte zu den Kindern, die sich dreckig machen durften. Andere Mütter waren sauer, wenn ihre Blagen schlammverkrustet und mit dicken Grasflecken auf den Hosen nach Hause kamen. Wenn ich hingegen vom Spiel nicht genug gezeichnet war, schickte meine Mutter mich zurück auf die Wiese! Ich hatte schon ziemlich früh einen langfristigen Ausrüstervertrag abgeschlossen — mit meiner Omma. Zum Geburtstag und zu Weihnachten gab es regelmäßig die neuesten Trikots, Schuhe und Handschuhe. Auch wenn sich Omma dabei nicht so richtig auskannte. Einmal stand sie im Sporthaus Koch und ließ sich diverse Modelle von Torwarthandschuhen vorführen, wobei ihr die Verkäuferin ein Paar besonders ans Herz legte: "Das sind die besten. Die sind von Kleff!" Darauf meine Omma: "Von welcher Firma die sind, ist doch egal!" Und auch später, auf dem Gymnasium, war eine Eins im Vokabeltest ein nutzloser Scheiß, wenn man nicht in der Lage war, den Elfer gegen die Penner aus der Quarta B zu versenken. In den Achtzigern ließ das etwas nach. Man wandte sich alternativen Betätigungsfeldern zu, experimentierte mit Drogen, Alkohol und schmalen, pastellfarbenen Lederkrawatten zu ebenfalls pastellfarbenen Polo-Shirts, probierte universitäre Bildung, intelligente Romane und schlagfertige Frauen, meinte, sich eine ironische Distanz zu seinen tieferen Bedürfnissen ebenso wie zu seiner Herkunft auferlegen zu müssen, und kehrte nach Mauerfall, Heirat, Börsencrash und Vaterschaft wieder dorthin zurück, wo maßgebend is: auffen Platz.

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