Fremdsprachentexte, Reclam Universal-Bibliothek (9142). Madame Bovary - Flaubert, Gustave

Gustave Flaubert 

Fremdsprachentexte, Reclam Universal-Bibliothek (9142). Madame Bovary

Édition abrégée

Hrsg. v. Karl Stoppel
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Madame Bovary

Einer der ganz großen Romane der Weltliteratur wird jetzt in 'Reclams Roter Reihe' in einer Auswahlausgabe vorgelegt: Der ansonsten unveränderte Text wurde auf etwa die Hälfte gekürzt und mit Überleitungen in französischer Sprache versehen. Wort- und Sachanmerkungen am Ende jeder Seite geben die bewährte Hilfestellung und ermöglichen einen praktikablen Zugang zum Original.

Textausgabe in der Originalsprache, mit Übersetzungen schwieriger Wörter am Fuß jeder Seite, Nachwort und Literaturhinweisen.


Produktinformation

  • Fremdsprachentexte, Reclam Universal-Bibliothek (9142)
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 268 S.
  • Seitenzahl: 269
  • Reclam Universal-Bibliothek Bd.9142
  • Deutsch
  • Abmessung: 146mm x 99mm x 14mm
  • Gewicht: 117g
  • ISBN-13: 9783150091425
  • ISBN-10: 315009142X
  • Best.Nr.: 13323001
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.12.2012

Der Racheakt

Dieser Roman war genau die Zumutung, für die der Staatsanwalt ihn hielt - zur Neuausgabe von Gustave Flauberts "Madame Bovary" /

Von Georg M. Oswald

Es muss eine Zumutung ganz besonderer Art gewesen sein, als Gustave Flaubert 1849 seine Freunde Louis Bouilhet und Maxime Du Camp einlud, um ihnen die erste Fassung seines Romans "Die Versuchung des heiligen Antonius" vorzulesen. In voller Länge, versteht sich. Und es ist ein schönes Beispiel dafür, dass Freunde einander die Wahrheit sagen sollten, denn nach stunden- und tagelangem Zuhören wollten sie sich mit ihrer Meinung nicht länger zurückhalten. Sie hatten sich derart gelangweilt, dass sie Flaubert rieten, vom heiligen Antonius abzulassen und sich stattdessen ein "sujet terre à terre" zu suchen, etwas Bodenständiges, etwas von dieser Welt. Die Einwände seiner Freunde müssen so vehement wie überzeugend gewesen sein, denn Flaubert folgte ihnen aufs Wort und wandte sich einem Stoff zu, der heute zu den bekanntesten der Weltliteratur zählt. Es handelte sich um eine Zeitungsgeschichte, die in diesen Jahren von sich reden machte: Der Fall der Delphine Delamare, die in dem …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.10.2012

Der Mist
und die Lust
Elisabeth Edl hat Gustave Flauberts „Madame Bovary“
neu übersetzt – und schmäht zu Unrecht ihre Vorgänger
VON THOMAS STEINFELD
Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zirkulierte ein Gedanke, der, wäre er auch in seinen praktischen Folgen je allgemein begriffen worden, die Ideale eines bürgerlichen Lebens von vornherein zerstört hätte. „Alles Ideelle, sobald es vom Realen gefordert wird“, sagte Johann Wolfgang Goethe im Sommer 1810 in einem Gespräch mit Friedrich Wilhelm Riemer, „zehrt am Ende dieses und sich selbst auf.“ Fünfzehn Jahre später lautete derselbe Gedanke so: „Abstraktionen in der Wirklichkeit gelten machen, heißt Wirklichkeit zerstören“, schreibt Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seinen „Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie“. Der französische Schriftsteller Gustave Flaubert schließlich, der von Hegel zumindest die „Ästhetik“ und von Goethe das meiste gelesen hatte, fasste die zu diesem Gedanken gehörende Praxis in einer hässlichen Formel zusammen, die er im Jahr 1856 dem Verführer Rodolphe in den Mund legte: „Le monde est cruel, Emma“, „die Welt ist …

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Gustave Flaubert, geb. 1821 in Rouen als Sohn eines Chirurgen, besuchte zuerst die Schulen in seiner (durch 'Madame Bovary' berühmt gewordenen) Vaterstadt, studierte eher lust- und erfolglos die Rechte in Paris und musste sich dann aufgrund eines rätselhaften Nervenleidens aus jeder Berufstätigkeit zurückziehen. Er lebte in strenger schriftstellerischer Askese in Rouen, unternahm immer wieder Reisen in Europa, nach Nordafrika und dem Nahen Osten und starb 1880 im Alter von 59 Jahren. Flaubert war unerbittliche Präzision in der Kunst wichtiger als überhitzte Inspiration und das Suchen nach bisher unbeschriebenen Aspekten der Wirklichkeit wesentlicher als romantische Gefühlsdarstellung. Diese strenge Forderung setzte er in 'Madame Bovary' in revolutionärer Weise um, doch vorher hatte es in seinem Leben eine Epoche gegeben, die in ihrer anarchischen Heftigkeit ihresgleichen sucht.
Flaubert verspottete seine Zeitgenossen und setzte ihnen mit unübertroffener sprachlicher Schärfe zu. Bereits sein erstes gedrucktes Werk, Madame Bovary, rief ebensoviel Hass wie Bewunderung hervor und sicherte ihm einen Ehrenplatz in der ewigen Bibliothek der Weltliteratur. Flaubert forderte zeitlebens die Lesegewohnheiten seines Publikums heraus und lehrte es, sich von der Vorliebe für das Gewöhnliche frei zu machen. Diese Art der literarischen Umerziehung begeistert auch heutige Leser durch ihre kompromisslose Originalität.

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