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Die Finanzkrise ist kein Ergebnis einer Naturkatastrophe, wie uns häufig vorgegaukelt wird. Außerdem unterstellt der Begriff Krise , dass es sich um ein vorübergehendes Ereignis handelt, das durch Krisenmanagement beherrschbar ist. So wird davon abgelenkt, dass Organisationen, Institutionen, Einzelpersonen und Gruppen als übliche Bankengeschäfte getarnt hemmungslos ihre eigenen Interessen verfolgt haben. Mit krimineller Energie haben sie große Mengen Geld bewegt und in Netzwerken, die der Organisierten Kriminalität vergleichbar sind, dubiose Geschäfte getätigt. Doch die strafrechtliche…mehr

Produktbeschreibung
Die Finanzkrise ist kein Ergebnis einer Naturkatastrophe, wie uns häufig vorgegaukelt wird. Außerdem unterstellt der Begriff Krise , dass es sich um ein vorübergehendes Ereignis handelt, das durch Krisenmanagement beherrschbar ist. So wird davon abgelenkt, dass Organisationen, Institutionen, Einzelpersonen und Gruppen als übliche Bankengeschäfte getarnt hemmungslos ihre eigenen Interessen verfolgt haben. Mit krimineller Energie haben sie große Mengen Geld bewegt und in Netzwerken, die der Organisierten Kriminalität vergleichbar sind, dubiose Geschäfte getätigt. Doch die strafrechtliche Aufarbeitung des Geschehens hat bisher nicht stattgefunden. Wolfgang Hetzer fragt nach den Gründen und untersucht, welche Straftatbestände greifen könnten. Für ihn ist es höchste Zeit, dass das traditionell gegen die Unterschicht eingesetzte Strafrecht auch endlich gegen die Oberschicht angewendet wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Westend
  • Seitenzahl: 336
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 336 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 146mm x 32mm
  • Gewicht: 560g
  • ISBN-13: 9783938060704
  • ISBN-10: 3938060700
  • Best.Nr.: 32663819
Autorenporträt
Wolfgang Hetzer, promovierter Jurist, war bis 2012 als Abteilungsleiter im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) für die Aufklärung von Korruption zuständig. Zuvor war er im Bundeskanzleramt mit der Aufsicht über den BND betraut, unter anderem in den Bereichen organisierte Kriminalität und internationale Geldwäsche.
Rezensionen
Besprechung von 30.04.2011
Wirtschaftsbücher
Eigenschaften
ohne Mann
Was kann ein neues Buch über die jüngste Finanzkrise noch aussagen, da alle Argumente, alle Thesen und alle Zuspitzungen ausgesprochen zu sein scheinen? Für Geschichtsschreibung ist es wohl viel zu früh: Der Abstand zu den Ereignissen, die zum ersten Zusammenbruch des internationalen Finanzmarktes seit der Großen Depression führten, ist noch klein. Doch eine Frage braucht dringend Klärung: Warum kommen die Verantwortlichen für das Desaster ohne Strafen davon?
In „Finanzmafia“ versucht sich Wolfgang Hetzer an einer Antwort – hinterlässt nach einer brillanten Analyse allerdings nur weitere offene Fragen, was etwa den gegenwärtigen Pessimismus unter Korruptionsbekämpfern porträtiert. Es fehle nach wie vor an politischem Willen, schreibt Hetzer. Auch wenn Finanzminister in Büchern neuerdings unverblümte Geständnisse wagen, ist es unmöglich, das Spinnennetz des Finanzsystems zu erfassen und diejenigen, die sich strafbar gemacht haben, zu verfolgen.
Doch nicht nur das: Auch das Rechtssystem westlicher Länder trage Mitschuld. Die Justiz könne nicht erfassen, von welcher Vernunft sich die Weltwirtschaft leiten lasse und ob deren Akteure sich überhaupt strafbar machen könnten. Definitionen böten kein ausreichendes Raster, um die Anwendung von „Massenvernichtungswaffen“ (Warren Buffet) wie Credit Default Swaps, Derivate, Hedge-Fonds und M&A zu verurteilen. Sich an systematischer Kriminalität zu beteiligen, bedeute heute wohl kein „Strafbarkeitsrisiko“. Richter und Fahnder kollabierten oft vor Komplexen, in denen es keine Individuen mehr, sondern nur Konstrukte zu geben scheint, die an eine umgekehrte Fassung von Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ erinnerten: „Eigenschaften ohne Mann“.
Ohne verantwortungsfähige Individuen entsteht eine gewaltige Gerechtigkeitslücke – und davon künden die mehr als 300 Seiten dieses Buches. Wolfgang Hetzer verlangt strafrechtliche Konsequenzen. Dazu ist er ausreichend qualifiziert. Seit 2002 ist der promovierte Staatswissenschaftler als Leiter der Abteilung „Intelligence: Strategic Assessment & Analysis“ im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung tätig. Zuvor war er im Bundeskanzleramt für die Aufsicht über den BND im Bereich „Organisierte Kriminalität“ zuständig.
Schon das Wort „Finanz krise “ greift Hetzer an. Die Deutung des Zusammenbruchs als „Krise“ erwecke bislang in der Öffentlichkeit den fatalistischen Eindruck, es handle sich um eine Art Naturkatastrophe, was einen Schatten auf noch ungeklärte Fragen werfe. Ab wann ist die Konstruktion undurchschaubarer Anlageprodukte kriminell? Sind die internationalen Finanzmärkte zum Tummelplatz einer besonderen Art der organisierten Kriminalität geworden?
Unter Bankern entdeckt Hetzer Banditen, die „ein Milieu höchster krimineller Energie, exquisiter fachlicher Qualifikation und korruptiver Verflechtung geschafft“ und die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Leistung und Erfolg als Grundlage einer bürgerlichen Gesellschaft und einer rechtsstaatlichen Kultur „in eine jahrelange hemmungslose und selbstsüchtige Bereicherungsorgie verwandelt“ haben. Hetzer ist davon überzeugt, dass die Vernichtung fremden Kapitals eine Straftat ist. Auch davon, dass die Handlungen vieler Finanzhäuser sich strukturell und funktionell mit der organisierten Kriminalität überschneiden. Verantwortliche für den immensen Schaden des Zusammenbruchs werde man freilich niemals finden. Denn auch hier führe die Schuldfrage, so der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück, ins Nirwana.
Camilo Jiménez
Wolfgang Hetzer: Finanzmafia. Wieso Banker und Banditen ohne Strafe davonkommen. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2011. 336 Seiten. 19,95 Euro.
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