Einkommen für alle - Werner, Götz W.

Götz W. Werner 

Einkommen für alle

Der dm-Chef über die Machbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens

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Produktbeschreibung zu Einkommen für alle

Er ist einer der erfolgreichsten Unternehmer der Gegenwart und zugleich ein provozierender Kritiker des Systems: Götz W. Werner, Gründer der florierenden Drogeriemarktkette "dm" und bekennender Anthroposoph, verblüfft mit revolutionären Ideen, die nur scheinbar im Widerspruch zum eigenen Erfolg stehen.

Werner fordert nichts weniger als eine radikale Umkehr vor allem in unseren sozialen Sicherungssystemen. Denn das Versprechen, den Bürgern zu einer menschenwürdigen Sicherung ihrer Existenz zu verhelfen, hat die Politik längst gebrochen. Stattdessen werden die Empfänger von Sozialleistungen gegängelt; Götz W. Werner scheut sich nicht, Hartz IV als "offenen Strafvollzug" zu bezeichnen.
Es ist sinnlos, an diesen maroden Systemen mit kosmetischen Korrekturen herumzubasteln. Und so denkt Werner über die zentralen Begriffe Arbeit, Einkommen und Steuern grundsätzlich neu nach: Wir müssen uns von Denk- und Wertstrukturen verabschieden, die noch aus der Zeit des Feudalismus stammen. Arbeit und Einkommen müssen getrennt werden. Die Zukunft des Sozialstaats liegt in einem Grundeinkommen, das jedem Bürger ohne irgendwelche Voraussetzungen oder Bedingungen zusteht, das seine Existenz sichert und sein Arbeitseinkommen teilweise ersetzt. Werner ist überzeugt: Das garantierte Grundeinkommen würde unsere Gesellschaft völlig verändern. Wir wären nicht mehr zur Arbeit gezwungen - hätten aber die Freiheit, für unsere Mitmenschen sinnvoll tätig zu sein.
Werner sagt auch, wer das alles bezahlen soll: wir selbst, die Bürger. Das derzeitige Steuersystem bremst unsere Produktivität und macht Arbeit unbezahlbar. Wenn wir hingegen nur noch den Konsum besteuern und das Dickicht verteilender und kontrollierender Ämter radikal lichten, dann kann Deutschland zum Steuer- und Arbeitsparadies werden. Und dass Werner kein Sonntagsredner ist, beweist er nicht zuletzt mit dem eigenen Unternehmen, das er als "soziale Skulptur" begreift und gestaltet.

Produktinformation

  • Abmessung: 220mm x 144mm x 24mm
  • Gewicht: 384g
  • ISBN-13: 9783462037753
  • ISBN-10: 3462037757
  • Best.Nr.: 22501494

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Lenz Jacobsen räumt ein, dass mit Götz Werner, dem Chef der Drogerie-Kette dm, ein Visionär schreibt, der sich nicht mit der kleinteiligen Ausarbeitung seiner Ideen aufhält. Aber als "weltfremde Spinnereien eines anthroposophischen Zahnpasta-Millionärs" will er diese Ideen trotzdem nicht missverstanden wissen. Die Analysen, lobt der Rezensent, seien "scharfsinnig", die Argumente treffen. Werner plädiert in dem Buch für ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1500 Euro, wobei die Einkommenssteuer wegfallen und durch eine Mehrwert- oder Konsumsteuer von 50 Prozent ersetzt werden soll. Rezensent Jacobson lässt zwar eine gewisse Skepsis angesichts dieser Ideen erkennen, aber er will nicht entscheiden, wie tragfähig ein solches Modell sein könnte. Ihm gefällt schon, dass hier jemand die Arbeitslosigkeit nicht nur als Problem sieht, sondern als eine Folge der Rationalisierung, die uns vom "Zwang zur Arbeit" befreit habe.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Nicht nur als Gedankenexperiment, auch als realistische politische Forderung: Wir brauchen ein bedingungsloses Bürgereinkommen." - Prof. Ulrich Beck

"Das solidarische Bürgergeld schafft soziale Sicherheit und Verlässlichkeit für jedermann, sodass die Marktwirtschaft nicht als Bedrohung empfunden wird." - Dieter Althaus, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen

"Wenn es nicht zu den Grundrechten jedes Bürgers gehört, dass eine materielle Lebensgrundlage garantiert wird, dann zerfällt die Staatsbürgergesellschaft." - Prof. Ralf Dahrendorf

"Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Antwort auf die Würde und Lebensfähigkeit der Menschen in arbeitsteiligen Industriegesellschaften." - Lukas Beckmann, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag

"Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen würde ein neues Leitbild die Gesellschaft prägen. Subjekt des Sozialstaats wäre wieder der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen." Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister von Tübingen

"Wir brauchen in Europa ein Grundeinkommen für alle." - Jean-Claude Juncker, Premierminister von Luxemburg

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.04.2007

Wirtschaftsbuch
Lohn ohne Arbeit
Er gilt als einer der bekanntesten und zugleich leidenschaftlichsten Verfechter einer Idee, die zwar nicht brandneu ist, die aber von der herrschenden Lehre und Praxis als unrealistisch abgetan wird, weil sie als unbezahlbar gilt. Götz Werner, der Gründer der Drogeriemarktkette „dm-Markt” mit mittlerweile 1600 Filialen, füllt seit Jahren deutschlandweit die Vortragssäle, wenn er seine Vision vom bedingungslosen Grundeinkommen für alle ausbreitet. Diese ist so einfach wie zugleich radikal: Jeder Bürger, ob bedürftig oder nicht, soll eine bestimmte Summe vom Staat erhalten. Werner schlägt dazu ein monatliches Grundeinkommen von zunächst 800 Euro als „Kulturminimum” vor, das dereinst auf 1500 Euro aufgestockt werden könnte.
Alle anderen Leistungen der Sozialbürokratie, vom Kindergeld über das Bafög bis zu Hartz IV würden damit überflüssig. Finanzieren will Werner das Ganze durch eine Konsumsteuer von bis zu 50 Prozent, die an Stelle aller anderen Ertragsteuern über den Wertschöpfungsprozess hinweg treten soll. Letzteres ist übrigens eine Art der Besteuerung, die Werner volkswirtschaftlich …

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Götz W. Werner ist Gründer, Gesellschafter und Aufsichtsratmitglied der dm Drogeriemärkte, deren Geschäftsführer er 35 Jahre lang war. Seit 2003 leitet er das Interfakultative Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen. Seit vielen Jahren setzt sich Werner öffentlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein.

Leseprobe zu "Einkommen für alle" von Götz W. Werner

Vorwort

Ob ich ein Träumer bin? Aber natürlich, denn jeder Unternehmer, jeder Mensch, der buchstäblich etwas unternimmt und Dinge bewegen will, träumt zuerst von seinem Ziel. Ohne Träume nimmt niemand etwas in die Hand. Niemand würde versuchen, die Realität kreativ zu gestalten und positiv zu verändern. Ohne Realträume gäbe es keine Erfinder, keine Künstler - und keine Unternehmer.

Unternehmer sind Realträumer. Auch in unserem Unternehmen haben wir aus Träumen greifbare Realitäten gemacht. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch aus sich etwas machen kann, wenn man ihm nur die Möglichkeit dazu gibt. Diese Überzeugung ist ein sehr realer Teil meiner Träume, die weit über unser Unternehmen hinausreichen. Was wäre, wenn es die Agentur für Arbeit in ihrer heutigen Funktion nicht mehr gäbe? Was wäre, wenn Hartz IV abgeschafft würde? Was wäre, wenn es keine Lohn- und Einkommensteuer-Erhebungsstellen mehr und viel weniger Finanzbeamte gäbe, die zu Steuerprüfungen ausrücken? Was wäre, wenn es außer einer Konsumsteuer einfach überhaupt keine Steuern mehr gäbe?

Und was wäre gar, wenn die Existenz eines jeden Bürgers garantiert und bedingungslos durch ein gut ausgestattetes Grundeinkommen gesichert wäre? Wenn es kein so genanntes "Prekariat<<, keine "Unterschicht<< mehr gäbe?

Ich behaupte, dass wir eigentlich längst in paradiesischen Zeiten leben und auch alle daran teilhaben könnten, wenn wir den gar nicht von mir erfundenen alten Realtraum des bedingungslosen Grundeinkommens endlich in die Tat umsetzen würden.

Und ich habe noch einen Traum: Wir brauchen auch eine grundsätzliche Neuorientierung unserer Steuer- und Finanzpolitik. Wir müssen wegkommen von einer überkommenen Form der Ertrags- und Einkommensbesteuerung, deren Wurzeln noch im Feudalismus liegen. Statt aus unseren Einnahmen sollten wir unser Gemeinwesen aus unserem Konsum, unseren Ausgaben finanzieren.

So würden wir endlich aufhören, wirtschaftliche Initiativen zu ersticken, und wir würden einer Realität gerecht, in der jeder Mensch auf die Leistungen seiner Mitmenschen angewiesen ist. Der Schrecken des Finanzamts würde verblassen, das Gefühl der immer größer werdenden, von allen als ungerecht empfundenen Steuerlast würde gebannt. Die schwindenden Gefühle von Bedrohung und staatlich verordneter Ungerechtigkeit würden fast zwangsläufig neue Energien freisetzen und endlich wieder berechtigte Zuversicht auslösen.

Welche Wirkung allein dies auf das kollektive Lebensgefühl hätte und wie befeuernd sich diese Erleichterung auf die Motivation auswirken würde, kann man sich leicht vorstellen. Dennoch ist die Abschaffung der heute üblichen Steuern und damit vieler entsprechender Behörden nur die Folge meines zentralen ersten Anliegens, des bedingungslosen Grundeinkommens.

Meiner Auffassung nach ist es weit mehr als ein kleiner Schönheitsfehler im System, wenn ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung aufgrund seiner finanziellen Situation vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird. Es ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Skandal, der Sündenfall eines längst ausgedienten Systems. Hartz IV ist in meinen Augen fast schon offener Strafvollzug in gesellschaftlicher Isolation.

Die vom Statistischen Bundesamt unlängst veröffentlichten Zahlen zur Armutsstatistik - die noch nicht einmal auf aktuellen Daten beruhen - sind alarmierend: Danach waren schon im Jahre 2004 13 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Dies entsprach etwa 10,6 Millionen Menschen! In der Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hieß es wenig überraschend weiter: >>Armutsrisiken sind vor allem Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsabschlüsse.<<

Zur Einschätzung, wie tief die Armut in die existenziellen Lebensbereiche der Menschen bereits vorgedrungen ist, mögen die folgenden Angaben der Befragten dienen: 14 Prozent der Menschen aus den gefährdeten Haushalten gaben an, im Winter aus Kostengründen an der Heizung zu sparen. Ein Fünftel der Befragten spart sich gar den Arztbesuch, da sie sich Praxisgebühren und Zuzahlungen nicht leisten können. Angesichts solcher Zustände noch von sozialer Mindestabsicherung durch Hartz IV zu sprechen, mutet fast wie Hohn an.

Erst recht ein von mir gefordertes Kulturminimum muss für solche Menschen unerreichbar erscheinen. Denn es liegt auf der Hand, dass Menschen, die zu Hause die Heizung runterdrehen und ihre Bronchitis nicht auskurieren, wohl kaum eine seriöse Tageszeitung abonnieren, geschweige denn wenigstens ab und zu einmal ins Museum oder Kino gehen. Diesen Menschen ist damit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt. In letzter Konsequenz wird es ihnen unmöglich gemacht, ein Leben in Freiheit und Würde zu führen.

Wenn wir uns einmal frei machen von dem ewig relativierenden Denken, das uns umgibt, von pragmatisch klingenden Beschwichtigungen, von >>Ja, aber<<-Gerede und vom Ducken unter angebliche Sachzwänge, dann drängt sich eine bittere Diagnose auf: Die im Grundgesetz verankerte Gleichheit und Freiheit aller steht nur auf dem Papier. In Zeiten der Fremdversorgung aber - denn wer versorgt sich heute noch selbst mit allem Lebensnotwendigen, zum Beispiel auf dem eigenen Bauernhof? - müssen nicht nur die Freiheit der Person und die Gleichheit aller vor dem Gesetz garantiert werden. Es reicht bei weitem nicht mehr aus, lediglich die Würde des Einzelnen zu schützen, der in der totalen Fremdversorgung nicht die geringste Chance hat, ohne Teilhabe am gesellschaftlichen Leben autonom zu existieren.

Schon um der Wahrung des inneren Friedens willen müssen wir einen Schritt weitergehen und die Möglichkeit zur Teilnahme an der Gesellschaft als Recht eines jeden im Grundgesetz verankern. Nur so garantieren wir Würde und Freiheit jedes Bürgers, die unsere Verfassung zwar fordern, die aber in der Realität nicht vollständig eingelöst werden. Die Möglichkeit zur Teilnahme kann am besten garantiert werden durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das Recht darauf gehört ins Grundgesetz.

In ideeller Konsequenz weitergedacht, beinhaltet das Recht auf ein Grundeinkommen den Zugang aller zu den Lebensgrundlagen. Dieser kann jedoch nur verwirklicht werden, wenn wir endlich begreifen, dass auch Steuern und Abgaben nichts als der Ausdruck eines Teilungsprinzips sind, das soziale Gerechtigkeit erst ermöglicht. Das wäre nichts anderes als eine fiskalische >>Übersetzung<< des alten Ideals der Brüderlichkeit. Dies mag angesichts eines abgewirtschafteten Wohlfahrtsstaates unzeitgemäß oder gar naiv klingen. De facto aber ist in einer Demokratie Gerechtigkeit ohne das Tätigsein aller für alle nicht denkbar. Noch dazu würde die viel zu selten gestellte normative Frage, ob wir wirklich billigen wollen, was Hartz IV mit den Menschen anrichtet, endlich mit einem klaren Nein beantwortet.

Praktizierte Brüderlichkeit und Teilhabe sind nichts anderes als die Konsequenz einer neuen Ethik. Diese Ethik fußt auf kostbaren Werten, deren Pflege jedoch des an- und ausdauernden Engagements bedarf. Keineswegs sind die Wohltaten eines bedingungslosen Grundeinkommens das Tor zu einem Schlaraffenland, das der klassischen Breughel'schen Szenerie entsprechen würde, in der (anno 1567!) dicken Bauern und Handwerkern, die auf der faulen Haut liegen, die gebratenen Täubchen direkt in den Mund fliegen.

Die neue Ethik des Grundeinkommens lautet kurz und bündig: Du bekommst ein Grundeinkommen und hast damit die Möglichkeit, ja die Bringschuld, deine Talente in der Gesellschaft wirksam werden zu lassen. Zeig, was du kannst!

Der große Nachteil in der gegenwärtigen Arbeitswelt ist ja, dass viele Menschen einen Arbeitsplatz zumeist nur als Einkommensplatz suchen und sich nicht eher zu bewegen beginnen, bis alles vorab geklärt und abgesichert ist. Ein unternehmerischer Mensch aber wartet nicht, bis ihn jemand anstellt. Er hat eine Idee und fängt an. Denn ein Unternehmer ist eben Realträumer, er muss wagen und riskieren. Gerade weil er sich nicht >>von außen<< zur Arbeit verpflichtet fühlt, kann er initiativ werden.

Diese viel kreativere, lebendigere Haltung wäre mit dem Grundeinkommen auch für diejenigen greifbar und möglich, die sich heute noch um ihre Grundsicherung sorgen müssen und deshalb oft in Passivität verharren. Wir alle könnten stattdessen mit dem Grundeinkommen >>Lebensunternehmer<<, neudeutsch >>Freelancer<<, sein. Diejenigen, die sich nicht von einem Arbeitnehmer zu einem Unternehmer entwickeln, die nicht unternehmerisch denken wollen, werden nur ein bescheidenes Maß an Freiheit für sich nutzen und ihre Ziele in Sichtweite stecken. Das ist ihr gutes Recht. Sie beziehen ihr Grundeinkommen und stocken dies mit einem mäßig anspruchsvollen Beruf auf. Damit können sie zufrieden sein - ohne ständige Angst um den Arbeitsplatz. Die Entwicklungsmöglichkeiten durch ein Grundeinkommen sind noch gar nicht in Gänze zu überblicken. Gewiss aber ist, dass mehr geleistet würde und damit mehr verteilt werden könnte. Der Kuchen würde größer! Und das Geld würde sinnvoller genutzt. Deutschland würde zum Investitions- und Arbeitsplatzparadies; Furcht vor >>Heuschrecken<<-Invasionen verflöge. Die Veränderungen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen in Verbindung mit einer grundsätzlichen Steuerreform und der Abschaffung der Verteilungsbürokratie würden in alle Lebensbereiche hineinreichen. Was dadurch alles möglich würde - lassen Sie es uns gemeinsam erkunden!

Leseprobe zu "Einkommen für alle" von Götz W. Werner

Vorwort

Ob ich ein Träumer bin? Aber natürlich, denn jeder Unternehmer, jeder Mensch, der buchstäblich etwas unternimmt und Dinge bewegen will, träumt zuerst von seinem Ziel. Ohne Träume nimmt niemand etwas in die Hand. Niemand würde versuchen, die Realität kreativ zu gestalten und positiv zu verändern. Ohne Realträume gäbe es keine Erfinder, keine Künstler - und keine Unternehmer.

Unternehmer sind Realträumer. Auch in unserem Unternehmen haben wir aus Träumen greifbare Realitäten gemacht. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch aus sich etwas machen kann, wenn man ihm nur die Möglichkeit dazu gibt. Diese Überzeugung ist ein sehr realer Teil meiner Träume, die weit über unser Unternehmen hinausreichen. Was wäre, wenn es die Agentur für Arbeit in ihrer heutigen Funktion nicht mehr gäbe? Was wäre, wenn Hartz IV abgeschafft würde? Was wäre, wenn es keine Lohn- und Einkommensteuer-Erhebungsstellen mehr und viel weniger Finanzbeamte gäbe, die zu Steuerprüfungen ausrücken? Was wäre, wenn es außer einer Konsumsteuer einfach überhaupt keine Steuern mehr gäbe?

Und was wäre gar, wenn die Existenz eines jeden Bürgers garantiert und bedingungslos durch ein gut ausgestattetes Grundeinkommen gesichert wäre? Wenn es kein so genanntes "Prekariat<<, keine "Unterschicht<< mehr gäbe?

Ich behaupte, dass wir eigentlich längst in paradiesischen Zeiten leben und auch alle daran teilhaben könnten, wenn wir den gar nicht von mir erfundenen alten Realtraum des bedingungslosen Grundeinkommens endlich in die Tat umsetzen würden.

Und ich habe noch einen Traum: Wir brauchen auch eine grundsätzliche Neuorientierung unserer Steuer- und Finanzpolitik. Wir müssen wegkommen von einer überkommenen Form der Ertrags- und Einkommensbesteuerung, deren Wurzeln noch im Feudalismus liegen. Statt aus unseren Einnahmen sollten wir unser Gemeinwesen aus unserem Konsum, unseren Ausgaben finanzieren.

So würden wir endlich aufhören, wirtschaftliche Initiativen zu ersticken, und wir würden einer Realität gerecht, in der jeder Mensch auf die Leistungen seiner Mitmenschen angewiesen ist. Der Schrecken des Finanzamts würde verblassen, das Gefühl der immer größer werdenden, von allen als ungerecht empfundenen Steuerlast würde gebannt. Die schwindenden Gefühle von Bedrohung und staatlich verordneter Ungerechtigkeit würden fast zwangsläufig neue Energien freisetzen und endlich wieder berechtigte Zuversicht auslösen.

Welche Wirkung allein dies auf das kollektive Lebensgefühl hätte und wie befeuernd sich diese Erleichterung auf die Motivation auswirken würde, kann man sich leicht vorstellen. Dennoch ist die Abschaffung der heute üblichen Steuern und damit vieler entsprechender Behörden nur die Folge meines zentralen ersten Anliegens, des bedingungslosen Grundeinkommens.

Meiner Auffassung nach ist es weit mehr als ein kleiner Schönheitsfehler im System, wenn ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung aufgrund seiner finanziellen Situation vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird. Es ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Skandal, der Sündenfall eines längst ausgedienten Systems. Hartz IV ist in meinen Augen fast schon offener Strafvollzug in gesellschaftlicher Isolation.

Die vom Statistischen Bundesamt unlängst veröffentlichten Zahlen zur Armutsstatistik - die noch nicht einmal auf aktuellen Daten beruhen - sind alarmierend: Danach waren schon im Jahre 2004 13 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Dies entsprach etwa 10,6 Millionen Menschen! In der Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hieß es wenig überraschend weiter: >>Armutsrisiken sind vor allem Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsabschlüsse.<<

Zur Einschätzung, wie tief die Armut in die existenziellen Lebensbereiche der Menschen bereits vorgedrungen ist, mögen die folgenden Angaben der Befragten dienen: 14 Prozent der Menschen aus den gefährdeten Haushalten gaben an, im Winter aus Kostengründen an der Heizung zu sparen. Ein Fünftel der Befragten spart sich gar den Arztbesuch, da sie sich Praxisgebühren und Zuzahlungen nicht leisten können. Angesichts solcher Zustände noch von sozialer Mindestabsicherung durch Hartz IV zu sprechen, mutet fast wie Hohn an.

Erst recht ein von mir gefordertes Kulturminimum muss für solche Menschen unerreichbar erscheinen. Denn es liegt auf der Hand, dass Menschen, die zu Hause die Heizung runterdrehen und ihre Bronchitis nicht auskurieren, wohl kaum eine seriöse Tageszeitung abonnieren, geschweige denn wenigstens ab und zu einmal ins Museum oder Kino gehen. Diesen Menschen ist damit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt. In letzter Konsequenz wird es ihnen unmöglich gemacht, ein Leben in Freiheit und Würde zu führen.

Wenn wir uns einmal frei machen von dem ewig relativierenden Denken, das uns umgibt, von pragmatisch klingenden Beschwichtigungen, von >>Ja, aber<<-Gerede und vom Ducken unter angebliche Sachzwänge, dann drängt sich eine bittere Diagnose auf: Die im Grundgesetz verankerte Gleichheit und Freiheit aller steht nur auf dem Papier. In Zeiten der Fremdversorgung aber - denn wer versorgt sich heute noch selbst mit allem Lebensnotwendigen, zum Beispiel auf dem eigenen Bauernhof? - müssen nicht nur die Freiheit der Person und die Gleichheit aller vor dem Gesetz garantiert werden. Es reicht bei weitem nicht mehr aus, lediglich die Würde des Einzelnen zu schützen, der in der totalen Fremdversorgung nicht die geringste Chance hat, ohne Teilhabe am gesellschaftlichen Leben autonom zu existieren.

Schon um der Wahrung des inneren Friedens willen müssen wir einen Schritt weitergehen und die Möglichkeit zur Teilnahme an der Gesellschaft als Recht eines jeden im Grundgesetz verankern. Nur so garantieren wir Würde und Freiheit jedes Bürgers, die unsere Verfassung zwar fordern, die aber in der Realität nicht vollständig eingelöst werden. Die Möglichkeit zur Teilnahme kann am besten garantiert werden durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das Recht darauf gehört ins Grundgesetz.

In ideeller Konsequenz weitergedacht, beinhaltet das Recht auf ein Grundeinkommen den Zugang aller zu den Lebensgrundlagen. Dieser kann jedoch nur verwirklicht werden, wenn wir endlich begreifen, dass auch Steuern und Abgaben nichts als der Ausdruck eines Teilungsprinzips sind, das soziale Gerechtigkeit erst ermöglicht. Das wäre nichts anderes als eine fiskalische >>Übersetzung<< des alten Ideals der Brüderlichkeit. Dies mag angesichts eines abgewirtschafteten Wohlfahrtsstaates unzeitgemäß oder gar naiv klingen. De facto aber ist in einer Demokratie Gerechtigkeit ohne das Tätigsein aller für alle nicht denkbar. Noch dazu würde die viel zu selten gestellte normative Frage, ob wir wirklich billigen wollen, was Hartz IV mit den Menschen anrichtet, endlich mit einem klaren Nein beantwortet.

Praktizierte Brüderlichkeit und Teilhabe sind nichts anderes als die Konsequenz einer neuen Ethik. Diese Ethik fußt auf kostbaren Werten, deren Pflege jedoch des an- und ausdauernden Engagements bedarf. Keineswegs sind die Wohltaten eines bedingungslosen Grundeinkommens das Tor zu einem Schlaraffenland, das der klassischen Breughel'schen Szenerie entsprechen würde, in der (anno 1567!) dicken Bauern und Handwerkern, die auf der faulen Haut liegen, die gebratenen Täubchen direkt in den Mund fliegen.

Die neue Ethik des Grundeinkommens lautet kurz und bündig: Du bekommst ein Grundeinkommen und hast damit die Möglichkeit, ja die Bringschuld, deine Talente in der Gesellschaft wirksam werden zu lassen. Zeig, was du kannst!

Der große Nachteil in der gegenwärtigen Arbeitswelt ist ja, dass viele Menschen einen Arbeitsplatz zumeist nur als Einkommensplatz suchen und sich nicht eher zu bewegen beginnen, bis alles vorab geklärt und abgesichert ist. Ein unternehmerischer Mensch aber wartet nicht, bis ihn jemand anstellt. Er hat eine Idee und fängt an. Denn ein Unternehmer ist eben Realträumer, er muss wagen und riskieren. Gerade weil er sich nicht >>von außen<< zur Arbeit verpflichtet fühlt, kann er initiativ werden.

Diese viel kreativere, lebendigere Haltung wäre mit dem Grundeinkommen auch für diejenigen greifbar und möglich, die sich heute noch um ihre Grundsicherung sorgen müssen und deshalb oft in Passivität verharren. Wir alle könnten stattdessen mit dem Grundeinkommen >>Lebensunternehmer<<, neudeutsch >>Freelancer<<, sein. Diejenigen, die sich nicht von einem Arbeitnehmer zu einem Unternehmer entwickeln, die nicht unternehmerisch denken wollen, werden nur ein bescheidenes Maß an Freiheit für sich nutzen und ihre Ziele in Sichtweite stecken. Das ist ihr gutes Recht. Sie beziehen ihr Grundeinkommen und stocken dies mit einem mäßig anspruchsvollen Beruf auf. Damit können sie zufrieden sein - ohne ständige Angst um den Arbeitsplatz. Die Entwicklungsmöglichkeiten durch ein Grundeinkommen sind noch gar nicht in Gänze zu überblicken. Gewiss aber ist, dass mehr geleistet würde und damit mehr verteilt werden könnte. Der Kuchen würde größer! Und das Geld würde sinnvoller genutzt. Deutschland würde zum Investitions- und Arbeitsplatzparadies; Furcht vor >>Heuschrecken<<-Invasionen verflöge. Die Veränderungen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen in Verbindung mit einer grundsätzlichen Steuerreform und der Abschaffung der Verteilungsbürokratie würden in alle Lebensbereiche hineinreichen. Was dadurch alles möglich würde - lassen Sie es uns gemeinsam erkunden!

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Kundenbewertungen zu "Einkommen für alle" von "Götz W. Werner"

Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von Dr. B aus Braunschweig am 26.10.2009 ***** ausgezeichnet
Der Gründer der Drogoriekette dm entwirft die kühne Vision eines garantierten, bedingungslosen Grundeinkommens, das ausschließlich über Verbrauchssteuern finanziert wird. Alle anderen Sozialleistungen sollen dafür wegfallen, ebenso alle Steuerarten außer der Verbrauchssteuer, also der heutigen Mehrwertsteuer. Damit würde eine Besteuerung nur am Ende der Wertschöpfungskette erfolgen, wenn Einnahmen generiert werden.

Für diesen radikalen Umbau unseres Sozial- und Steuersystems hat der Autor gute Argumente: Vollbeschäftigung wird es nie wieder geben, weil es durch immer weitergehende Rationalisierung nicht mehr genug Arbeit für alle gibt. Vollbeschäftigung, als Arbeit für Alle, kann also nicht das Ziel sein, sondern vielmehr Einkommen für Alle. Bedarfsprüfungen würden entfallen und die Sozialbürokratie, die deutlich mehr kostet als sie an Leistungen verteilt, könnte abgebaut werden.

Diese Erkenntnis ist keine Niederlage, sondern ein Sieg. Es wird nur allmählich Zeit, unser System an eine Gesellschaft, in der es nicht genug Erwerbsarbeit für alle gibt, anzupassen. Das bedingungslose Grundeinkommen schafft Freiräume für ehrenamtliches Engagement, die es nie zuvor gab.

Diese Reform ist so tiefgehend, daß das gesamte System des Geldumlaufs neu gedacht werden muß. Ohne die Bereitschaft dazu bleibt man im Klein-Klein stecken.

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