Die Kraft der schöpferischen Zerstörung - Schäfer, Annette

Die Kraft der schöpferischen Zerstörung

Joseph A. Schumpeter. Die Biografie

Annette Schäfer 

 
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Die Kraft der schöpferischen Zerstörung

Wirtschaftswissenschaftler gelten nicht gerade als besonders aufregende Gestalten.Wer die Welt tagtäglich durch die Brille strikter ökonomischer Gesetze betrachtet, meint man, wird auch privat nüchtern und prosaisch sein. Größer kann ein Irrtum nicht sein, wie das Leben Joseph Alois Schumpeters zeigt.

Die Theorien des 1883 in Österreich geborenen Ökonoms sind heute aktueller denn je. Schumpeter hat nicht nur die Welt der Wirtschaft aus den Angeln gehoben, er war auch eine äußerst schillernde Persönlichkeit. Sein Leben steckt voller Extreme und Gegensätze: glänzender Erfolg und katastrophale Pleiten, große Liebe und tiefer Schmerz, intellektuelle Brillanz und quälende Neurosen. Es ist die Geschichte eines Mannes, der über weite Strecken seines Lebens mit Frustration und Selbstzweifeln kämpfte und dennoch viele Kollegen in den Schatten stellte.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 285 S. m. SW-Fotos.
  • Seitenzahl: 285
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 500g
  • ISBN-13: 9783593384900
  • ISBN-10: 3593384906
  • Best.Nr.: 23332123
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.01.2008

Schumpeter II
Eine kompakte Biographie von Annette Schäfer

Das Werk Joseph Schumpeters wurde bereits von vielen Ökonomen gewürdigt. Seine ungewöhnliche Persönlichkeit, die ihresgleichen sucht, macht den Österreicher aber auch zu einem faszinierenden Studienobjekt für Psychologen. Die Journalistin Annette Schäfer hat Volkswirtschaftslehre und Psychologie studiert und versteht es daher, sich dem Phänomen Schumpeter aus beiderlei Perspektive zu nähern. Ihre jetzt erschienene Biographie ist weitaus weniger monumental geraten als das Werk McGraws, aber ausführlich genug, um Schumpeters ungewöhnliches Leben angemessen zu schildern. Dass die Autorin den berühmten Ökonomen letztlich überwiegend beschreibt und weniger erklärt, schadet ihrem Buch nicht.

Denn was soll man von einem Mann halten, der, von einem starken Ehrgeiz angetrieben, sich einerseits unter einen täglichen Arbeitsstress setzte, unzählige gelehrte Bücher las und viele, nicht selten voluminöse Werke verfasste - und andererseits am helllichten Tage im offenen Wagen mit zwei bekannten Prostituierten demonstrativ durch Wien fuhr, um der Wiener Gesellschaft zu zeigen, dass …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.03.2008

Das verzagte Großmaul
Er war ein überragender Theoretiker der ökonomischen Entwicklung im Kapitalismus – und ein menschlicher Problemfall: Annette Schäfers neues Buch über Joseph Schumpeter ist keine Biographie, aber eine wichtige psychologische Studie Von Nikolaus Piper
Joseph Schumpeter (1883 bis 1950) hat es schon lange in die Welt der Pop-Ökonomen geschafft. Sein Begriff „schöpferische Zerstörung”, mit dem er die Entwicklung des Kapitalismus beschrieb, ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und wird auch von Menschen benutzt, die noch nie etwas von Schumpeter selbst gehört haben. Kaum ein Wirtschaftspolitiker verzichtet, wenn er über moderne Technik und deren Durchsetzung redet, auf Schumpeters Figur des „Pionierunternehmers”. Manche Ökonomen haben die jetzige Phase des Globalisierung sogar schon als „Schumpeters Zeitalter” bezeichnet, einfach deshalb, weil sich der Prozess der schöpferischen Zerstörung, der Auf- und Abbau von Arbeitsplätzen und Wohlstand so beschleunigt hat.
Aber Schumpeter war nicht nur ein einflussreicher Ökonom, sondern auch eine faszinierende, schillernde Persönlichkeit: brillanter Wissenschaftler, …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Wer vor allem eine gute konventionelle Biografie über Joseph Schumpeter sucht, dem empfiehlt Nikolaus Piper die Arbeit von Richard Swedberg aus dem Jahr 1991. Annette Schäfer untersuche anhand privater Briefe, einer unveröffentlichten Autobiografie und eines ebenfalls Fragment gebliebenen Romans eher die Persönlichkeit des Ökonomen. Ihr Schluss ist klar: Schumpeter war schwer depressiv. Die Verbindungen, die Schäfer zwischen Schumpeters charakterlicher Disposition und seinen Theorien erkennt, hält Piper für ziemlich plausibel. Ebenso wie das Bild einer durch mehrere Schläge privater und beruflicher Art "gebrochenen Persönlichkeit", das Schäfer zeichnet. Pipers Fazit: eine "wichtige" Ergänzung der Literatur über den österreichischen Ökonomen, als Erstbuch aber nicht unbedingt zu empfehlen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Dr. Annette Schäfer studierte Volkswirtschaftslehre und Psychologie in Deutschland und Großbritannien. Seither arbeitet sie als Journalistin. Ihre Artikel sind in Financial Times Deutschland, Wirtschaftswoche, Psychologie Heute und Gehirn und Geist erschienen. Sie lebt in Chicago und Köln.
Bis zu seinem 30. Geburtstag hatte Schumpeter praktisch sein gesamtes wirtschaftstheoretisches System entwickelt, das er im weiteren Verlauf seines Lebens ausarbeitete, verfeinerte und empirisch überprüfte. Seine jugendliche Produktivität war umso erstaunlicher, als das Leben des Vielschreibers in dieser Zeit nicht gerade in ruhigen Bahnen verlief. Zwischen 1906 und 1914 lebte er in vier Ländern und auf drei verschiedenen Kontinenten. Und dort vergrub er sich nicht etwa in seinen Büchern, sondern nahm alles mit, was ihm das Leben an Unterhaltung und Vergnügen bot.

Zu seiner ereignisreichen Wanderschaft war Schumpeter unmittelbar nach dem Abschluss seines fünfjährigen Studiums aufgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt war er sich offenbar noch nicht ganz über die Ausgestaltung seiner beruflichen Zukunft im Klaren. Warum also nicht erst einmal reisen, zumal er gerade erst 23 Jahre alt geworden war? Mit dem Titel eines Doktors der Rechte in der Tasche verließ er Wien im Frühling 1906 und machte sich zunächst auf den Weg nach Berlin. Dort schrieb er sich für das wirtschaftswissenschaftliche Seminar des bekannten Ökonomen Gustav von Schmoller ein, lernte viele andere deutsche Kollegen kennen und durchforstete die umfangreiche Bibliothek der Universität. Weiter ging es für ein paar Wochen nach Paris, um die Sorbonne und das französische Savoir Vivre zu erkunden. Im Herbst schließlich erreichte er England, wo er sich für ein Jahr niederließ.27

In diesen zwölf Monaten tauchte er ganz in das intellektuelle und gesellschaftliche Leben der Insel ein. Stundenlang saß er in der Bibliothek des British Museum und machte ausführliche Notizen, die er für die ökonomischen Arbeiten, die er im Kopf hatte, brauchte. Eine Zeitlang betätigte er sich auch als Forschungsassistent an der angesehenen London School of Economics. Er fing sogar an, englisches Recht zu studieren, gab das aber schnell wieder auf.

Wie schon in Berlin nahm er Kontakt zu den wichtigen Volkswirten des Landes auf. Dabei beschränkte er sich nicht auf die Landeshauptstadt, sondern reiste auch in die universitären Hochburgen Oxford und Cambridge. Später erzählte er gerne von seinen Besuchen bei den berühmten Männern, die dort residierten. Paul Samuelson beispielsweise erinnerte sich an die pointierten Geschichten, die er von Schumpeter hörte: "Gern erzählte er von seinem Besuch bei [Francis] Edgeworth ..., mit dem er Fasan und Champagner zum Frühstück im All Souls [College] einnahm, eine adäquate Kompensation für die Dumpfheit seiner Vorlesungen, wie [Schumpeter] fand."28 So langweilig scheint Edgeworth allerdings doch nicht gewesen zu sein. Zwischen dem 62-jährigen Oxford-Professor, der das wichtige Economic Journal herausgab und wie Schumpeter die reine Theorie liebte, und dem jungen Österreicher entwickelte sich eine Freundschaft, die viele Jahre hielt.29

Auch bei Alfred Marshall, dem zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich weltweit bekanntesten Nationalökonomen, sprach er vor. Man parlierte über die Lehren von Böhm-Bawerk und Menger, die Anwendung ökonomischer Theorie in praktischen Fragen - und über die berufliche Karriere des jungen Gastes. Dabei versuchte Marshall offenbar die Ernsthaftigkeit von Schumpeters ökonomischem Interesse auszuloten. So schrieb Schumpeter später über das Treffen:

Im Jahre 1907 blickte ich [Marshall] über seinen Frühstückstisch hinweg an und sagte zu ihm: ›Herr Professor, nach unserem Gespräch fühle ich mich wie ein unbesonnener Liebhaber, der sich auf eine abenteuerliche Heirat einlassen will. Sie aber verhalten sich wie ein wohlwollender Onkel, der mich davon überzeugen will, den Plan aufzugeben.‹ Er antwortete: ›So sollte es auch sein. Denn wenn wirklich etwas daran ist, wird der Onkel vergeblich predigen.‹30

Zweifel an Schumpeters Leidenschaft für die Volkswirtschaftslehre waren in der Tat unbegründet. Als er Marshall besuchte, arbeitete er schon fleißig an seinem ersten Buch Wesen, das er zwei Jahre später abschließen sollte. Stunde um Stunde, Nacht für Nacht wälzte er Bücher, machte Notizen, feilte an seinen Texten herum. Wenn er sich auf seine Arbeit konzentrierte, gab es sonst nichts. Die intensive Arbeit an seinem umfangreichen Erstlingswerk hielt ihn aber nicht davon ab, sich kopfüber in das englische Gesellschaftsleben zu stürzen. Er knüpfte Kontakte zu den besseren Kreisen des Landes, deren elitäre Attitüde gut zu seiner eigenen snobistischen Haltung passte. Er mietete ein Appartement mitten in der Londoner City, erstand ein Reitpferd, mit dem er morgendliche Ausritte durch den Hyde Park unternahm, und ließ sich Anzüge aus feinem englischen Tuch schneidern. Abends besuchte er Partys oder ging in teure Clubs und Restaurants. An den Wochenenden ließ er sich in die Landhäuser der Noblen und Reichen einladen.

Wie ein Fisch im Wasser muss er sich gefühlt haben, wenn man seinem Freund Arthur Smithies glaubt: "Ich hatte immer den Eindruck, das Jahr in England war das glücklichste seines Lebens. Die englischen Umgangsformen, die englische Gesellschaftsordnung waren ihm im höchsten Maße sympathisch. Das England der Vorkriegszeit repräsentierte für ihn den Olymp der kapitalistischen Zivilisation."31

Wie für einen jungen Mann in seinem Alter nicht ungewöhnlich, zumal für einen, der dem weiblichen Geschlecht seit der Pubertät äußerst zugeneigt war, ließ auch die Liebe nicht lange auf sich warten. Gladys Ricarde Seaver hieß die englische Lady, der Schumpeter bald intensiv den Hof machte. Viel ist über sie nicht bekannt. Die Tochter eines hohen Würdenträgers der anglikanischen Kirche soll eine Schönheit gewesen sein, hatte Geld und perfekte Umgangsformen.32 "Meine guten Manieren", betonte Schumpeter später, "verdanke ich allein ihr."33 Gladys erleichterte ihm auch den Zutritt zu den angesehenen Kreisen des Landes, was sie in seinen Augen sicherlich noch anziehender machte. Die Attraktivität war so groß, dass Schumpeter Gladys im November 1907 zum Traualtar führte. Mutter Johanna allerdings scheint über die Verbindung und die Konkurrenz um die Zuneigung ihres Sohnes nicht begeistert gewesen zu sein. Sie blieb der Trauung fern.34

Mit der Eheschließung erhielt die Frage der beruflichen Zukunft für Schumpeter neue Brisanz. Wie wollte er sich und seine elegante Frau ernähren? Wo sollte sich das neu vermählte Paar niederlassen? Vom Geld seiner Frau zu leben, kam für ihn nicht in Betracht. Also musste sich der ehrgeizige 25-Jährige auf die eigenen Möglichkeiten besinnen. Sein Studium eröffnete ihm zwei alternative Wege: die Volkswirtschaftslehre und die Juristerei. Die Ökonomie war das Fach, das er liebte. Aber ohne Habilitation brauchte er sich gar nicht erst auf eine Professur zu bewerben, weder in seiner Wahlheimat England noch in Österreich. Auch finanziell erschien Schumpeter diese Option wenig attraktiv.35 Als Rechtsanwalt dagegen konnte er mit Einkünften rechnen, die eher im Einklang mit seinem luxuriösen Lebensstil standen. Doch auch das setzte weitere Studien und Prüfungen voraus.

Die Lösung seines Dilemmas lag 3?500 Kilometer weit entfernt. Für den Tribuneaux mixte, den internationalen Gerichtshof in Kairo, reichte seine bisherige Qualifikation aus. Er heuerte in einer italienischen Kanzlei an, die in der ägyptischen Hauptstadt praktizierte. Der Plan, viel Geld zu verdienen, ging auf. Seine Tätigkeit als Rechtsanwalt war lukrativ, ohne sehr anstrengend oder zeitintensiv zu sein. Daneben konnte er sich auch noch anderweitig betätigen und weitere Einkünfte erzielen. So übernahm er die Finanzverwaltung für die Tochter eines ägyptischen Vizekönigs. Diese Aufgabe bewältigte er so gut, dass die Prinzessin ihm zusätzlich zum vereinbarten Honorar einen großzügigen Bonus in Höhe von 60?000 Goldkronen gewährte.36

Der Nahe Osten hatte durchaus seine Tücken, wenn man Schumpeters Geschichten glaubt, die er später über diese Zeit erzählte. Einmal soll ein arabischer Scheich gedroht haben, ihn auspeitschen zu lassen, weil er einen Moslem gedrängt hatte, entgegen den religiösen Geboten Zinszahlungen zu akzeptieren. Später erkrankte er schwer am Maltafieber und musste vorzeitig nach Europa zurückkehren.37 Dennoch war der knapp einjährige Aufenthalt in der Mittelmeermetropole ein voller Erfolg. Als die Schumpeters im Oktober 1908 Richtung London segelten, waren ihre finanziellen Polster dick genug, um davon einige Jahre zehren zu können.

Für Schumpeter mindestens genauso wichtig war sein erstes Buch, das fertig geschrieben und gedruckt in seinem Koffer lag.38 Seit seinem Aufenthalt in Berlin hatte er kontinuierlich an Wesen gearbeitet. In nur 18 Monaten war so ein Werk von rund 650 Seiten entstanden, das ihm nun den Einstieg in eine akademische Karriere ebnete. Zwar stellte sich das Buch als publizistischer Misserfolg heraus; zu Lebzeiten Schumpeters ging es nie über die erste Auflage von 1?000 Exemplaren hinaus. Zudem wurde es von der Leserschaft, die der Autor eigentlich erreichen wollte, weitgehend ignoriert. So hatte Schumpeter das Buch auch deshalb geschrieben, um den deutschen Nationalökonomen, die überwiegend einen historischen Ansatz verfolgten, die Gedankenwelt der reinen ökonomischen Theorie nahe zu bringen.39 Es enttäuschte ihn sehr, dass ihm dies nicht gelang. Doch wichtiger war: Das Buch schaffte die Voraussetzung, als Professor tätig zu werden.
Inhalt

Vorwort

1. Der Starökonom und die beste Universität der Welt
2. Ein Import "Made in Austria"
3. Ein junger Visionär
4. Missglückter Auftritt in Politik und Bankenwelt
5. Ein Mann mit einem Händchen für Frauen
6. Das Pech, ein Zeitgenosse Keynes' zu sein
7. Isolation und Depression
8. Späte Anerkennung

Lebenslauf
Literaturverzeichnis
Anmerkungen
Register

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