Tschechien ist ein Land der Überraschungen, das seine
Besonderheiten nur zögernd offenbart. Vieles wirkt spontan
vertraut, zum Beispiel die Vorliebe der Tschechen für Knödel, Bier
und Blasmusik, die wechselvolle Geschichte dieses alten Kernlands
Mitteleuropas erschließt sich dem Besucher hingegen erst nach und
nach. Klaus Brill lebt seit sechs Jahren in Prag, auf vielen
Streifzügen hat er das Land erkundet. Auf seinen Touren lernt er
Unterschiede zwischen den einzelnen Landesteilen kennen: Die
eleganten Kurorte im westböhmischen Bäderdreieck haben wenig gemein
mit den rauchenden Schloten einer Metropole wie Mährisch-Ostrau,
Welten trennen auch die sanften Hügel des Böhmerwalds und einen Ort
wie Tabor, in dem bis heute die Epoche des Reformators Jan Hus und
seiner kriegerischen Gefolgsleute fortlebt. Zugleich besinnen sich
die Tschechen wieder auf die jahrhundertelange Symbiose mit den
deutschsprachigen Nachbarn, die 1945 als Reaktion auf die
Naziverbrechen aus dem Land vertrieben
wurden. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Kommunismus ist
Tschechien wieder in Bewegung in Richtung Europa.
Klaus Brill, geb. 1949 in Alsweiler/Saarland. Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik journalistische Lehr- und Wanderjahre in Augsburg, Bonn, Luxemburg, London, danach Korrespondent der 'Süddeutschen Zeitung', zunächst in Frankfurt und Hamburg, seit 1992 in Rom.
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