Die Vergangenheit - Pauls, Alan

Die Vergangenheit

Roman

Alan Pauls 

Aus d. Span. v. Christian Hansen
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Die Vergangenheit

Nach zwölf Jahren absoluter Liebe, die die Welt nach ihrem Ebenbild zu formen schien, trennen sich Rímini und Sofía.

Es sind die Achtziger in Buenos Aires, und für den dreißigjährigen Rímini ist alles wieder so funkelnd wie zu Beginn. Er entdeckt das Begehren neu und wirft sich mit einer jüngeren Frau in eine rauschhafte Suche nach der verlorenen Zeit.

Aber seine Liebe zu Sofía ist nicht gänzlich erloschen, sie hat nur ihre Form verändert. Und als Sofía überraschend in sein Leben zurückkehrt, trägt die frühere Liebe das Antlitz des Entsetzens. Ein ums andere Mal erscheint sie ihm als Rachegespenst, um ihn zurückzueobern, zu quälen, vielleicht zu retten. Und so gerät Rímini in ein Inferno aus emotionaler Erpressung, Verrat und Drogen. Am Ende droht ihm, dass er alles verliert. Oder gibt es eine Liebe nach der Liebe?


Produktinformation

  • Verlag: Klett-Cotta
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 558 S. 219 mm
  • Seitenzahl: 558
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 148mm x 40mm
  • Gewicht: 742g
  • ISBN-13: 9783608937053
  • ISBN-10: 3608937056
  • Best.Nr.: 26373537
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Zwölf Jahre waren Sofía und Rímini in ihrer perfekten Zweisamkeit Vorbild aller befreundeten Liebespaare, dann trennten sie sich. Doch ein vollständiges Loslassen scheint nicht möglich zu sein. Immer noch jubelt Sofía Rímini ihre verschachtelten Zettelchenbotschaften unter, quatscht ihm seinen Anrufbeantworter voll, während er sich ins Koksen und Wichsen, in eine Beziehung mit einer Jüngeren, in die Arbeit als Übersetzer stürzt. Dabei redet er sich (wenig erfolgreich) ein, es gehe ihm fantastisch ohne seine einstige große Liebe. Doch viele Jahre und Erfahrungen später treffen die beiden noch mal aufeinander ... "Die Vergangenheit" ist der erste Roman des 50-jährigen Argentiniers Alan Pauls, der auf Deutsch erscheint. Übersetzer Christian Hansen hatte dabei gewiss keinen leichten Job: Pauls steht auf Schachtelsätze und Einschübe, die komplette Nebenhandlungen mitten in einem Satz aufmachen und zu Ende führen. Wer die Geduld aufbringt, sich da durchzukämpfen, wird entschädigt mit einer unglaublich atmosphärischen und fordernden Geschichte aus dem Buenos Aires der 80er-Jahre. Und erhält den Beweis: Ein Roman über die Kraft der Leidenschaft, die Tücken der Liebe, über Selbstbetrug, Sehnsucht und Eifersucht muss auch im Jahre 2009 kein kitschiger Schnulz sein. (jul)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.11.2009

Im Bann des Abgelebten
Der Roman „Die Vergangenheit” des argentinischen Autors Alan Pauls
Victor Hugos Tochter Adèle zerbrach an der unerwiderten Liebe zu einem Mann, dem sie über Jahre und mehrere Erdteile hinweg vergeblich nachstellte. In ihr Tagebuch schrieb sie: „Lernen kann ich alles allein, auf eigene Faust, aber zum Lieben brauche ich ihn”. Die 15- oder 16-jährige Sofía aus Buenos Aires sieht Truffauts Film „Die Geschichte der Adèle H.” während ihres ersten Dates mit dem gleichaltrigen Rímini und bricht bei dem Satz in einen vierzigminütigen Weinkrampf aus. Etwa zwanzig Jahre später gründet Sofía einen Frauenclub mit dem Namen „Adèle H”. Er ist das öffentliche Lokal der Selbsthilfegruppe „Frauen die zu sehr lieben”. Alan Pauls’ Roman „Die Vergangenheit”, der sich mit so aufbrausender wie analytischer Stromschnellenprosa aufs große Thema Liebe wirft, handelt von den zwanzig Jahren zwischen der einen und der anderen „Adèle H.”
Die Hauptfigur des Buches ist allerdings nicht die liebende Sofía, sondern der Geliebte Rímini. Zumindest verfolgt Pauls dessen Schritte, Gedanken und Gefühle im Detail, während er Sofía …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Man könnte Alan Pauls' Roman "Die Vergangenheit", der immerhin zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien spielt, vorwerfen, dass er so erstaunlich unpolitisch ist. Für Kersten Knipp allerdings zeigt sich darin ein Vorzug, spiegelt der Autor doch damit den Rückzug ins Private, den man als durchaus charakteristische Reaktion der Zeit bezeichnen kann. Der an Handlung eher arme Roman erzählt vom Übersetzer Rimini, der sich von seiner Frau trennt und seine Tage mit Koksen, Übersetzen und mit Onanieren verbringt, fasst der Rezensent zusammen. Sexszenen werden in aller Drastik beschrieben, mit "Romantisierung" hat der Autor nichts am Hut, stellt Knipp fest, der zugleich aber auf den mäandernden, stark an Proust erinnernden Stil hinweist. Während die Handlung auf der Stelle tritt, ergeht sich der Autor in Abschweifungen und hält sich an kleinste "Nuancen und Schattierungen", pflegt, mit einem Wort, einen Proust'schen Rhythmus, wie der Rezensent deutlich macht. Im Stillen regt sich dann bei Knipp zwar mitunter der Wunsch zu Kürzen und zu Raffen, er lässt sich aber immer wieder durch die "Sprachkraft" des argentinischen Autors beeindrucken.

© Perlentaucher Medien GmbH
Alan Pauls, geb. 1959 in Colegiales, Buenos Aires, ist ein argentinischer Redakteur und Schriftsteller. Pauls studierte u.a. Literaturwissenschaften an der Universidad de Buenos Aires (UBA) und konnte dieses Studium erfolgreich abschließen. Anschließend begann er für die Tageszeitung "La Nación" und "Página/12" zu schreiben und wurde dort auch für einige Zeit Redakteur. 1984 konnte er mit seinem Roman "El pudor del pornográfo" erfolgreich debütieren und es entstand bis heute ein von der Literaturkritik wie auch vom Publikum hochgelobtes literarisches Ouvre.

Leseprobe zu "Die Vergangenheit" von Alan Pauls

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DIE ERSTE

1

Rímini stand unter der Dusche, als es klingelte. Mit einem kleinen Handtuch um die Hüften - ein anderes konnte er in dem Basar der Parfüms, Cremes, Plastikhauben, Badesalze, Öle, Arzneien und Massageutensilien, in den Vera das Badezimmer verwandelt hatte, auf die Schnelle nicht finden - lief er zur Küche, gefolgt von einem Tross gehorsamer Tropfen. "Post" tönte es zwischen zwei vorbeirauschenden Lastwagen aus der Gegensprechanlage. Rímini bat, man solle ihm den Brief unter der Wohnungstür durchschieben, und plötzlich, als stünde in einem vermeintlich leeren Zimmer mit einem Mal der Schatten eines Eindringlings vor ihm, sah er sich nackt und zitternd im verglasten Flügel einer Tür, die ein Luftzug aufgestoßen hatte. Der klassische Fall von Unannehmlichkeit: trivial, wirkungsvoll und allzu unverblümt. Die Dampfschwaden, die aus dem Bad drangen - er hatte die Dusche laufen lassen, weil er hoffte, so die Unterbrechung abzukürzen - , verursachten ihm leichte Übelkeit. "Sie müssen unterschreiben", tönte es aus der Gegensprechanlage. Rímini schnaubte, betätigte den Türöffner und sah ungerührt zu, wie die Landschaft seines Glücks in tausend Stücke ging.

Der Morgen zu Hause, Seligkeit des Sonnenstrahls, der unter der Dusche sein Gesicht liebkoste, das Gefühl unverplanter Möglichkeit wie an einem ersten Urlaubstag, das ihn durchströmte, wenn er erwachte und sich allein vorfand und seine ersten Bewegungen, linkisch und jugendlich, die Stille einer ganzen Nacht zerknarzten, die kämpferische, ein wenig naive Lebensfreude, die die langen Liebesnächte mit Vera bei ihm hinterließen - all das brach in sich zusammen. Obwohl vielleicht... Rímini hielt die Muschel des Hörers zu und stand für einige Sekunden unbeweglich und leicht vornübergebeugt gegen die Arbeitsplatte gelehnt, als wollte er vermeiden, gesehen zu werden. Aber es klingelte erneut, und fast lautlos, wie in einem Stummfilm, barsten die letzten Glasscheiben seiner morgendlichen Euphorie. Rímini, der nichts mehr hasste als die Art, wie die Welt manchmal seine privaten Peinlichkeiten nachäffte, vermutete diesmal kein Plagiat. Er spürte Gefahr. Er war diesmal nicht das Opfer von Gespött, sondern Opfer eines Komplotts. Aber er gab nach, meldete sich, und während er auf seine Füße schaute - Riesenfüße, um die winzige Menschenozeane fluteten -, hörte er, was er von Anfang an zu hören befürchtet hatte: Die Tür zur Straße war abgeschlossen.

Als Rímini unten ankam, nachdem er im Sturmlauf die drei endlosen Stockwerke überwunden hatte, die er täglich aufs Neue verfluchte ("Genial: Ich hasse Aufzüge!", hatte Vera damals bei der Wohnungsbesichtigung gerufen und die dunkle Spirale des Treppenhauses bewundert), schloss er die Haustür auf, schaute nach allen Seiten, sah aber niemanden. Er wurde so wütend, dass er zu platzen glaubte. War das die Möglichkeit? In Zeitlupe fuhr ein alter Kleinbus vorbei, von braun gebrannten Armen wimmelnd, die aus den Seitenfenstern quollen. Lang anhaltendes Hupen ertönte. "Bella!", rief eine höhnische Stimme, die sich durch das Gewühl der Arme Bahn brach. Rímini schaute wieder auf seine Füße (linke Sandale am rechten, rechte am linken Fuß: typische Morgen-Rochade), das rosa Handtuch, das ihm wie bei einem römischen Gladiator bis zur Mitte des Oberschenkels reichte, die Jacke, die auf seinen Schultern feucht wurde - dennoch fühlte er sich aus irgendeinem Grund nicht gemeint. Gerade wollte er wieder ins Haus gehen, als aus dem Kiosk nebenan ein grinsendes Gesicht hervorschaute und ihn anrief. Es gehörte einem jungen Burschen, hager wie ein Fakir, von jener ausgemergelten, mit prallen Venen überzogenen Sehnigkeit, die die Rockmusik bei Egon Schiele abgekupfert hatte. Aber groß war er nicht, und eine Uniform trug er auch nicht. "Rémini?", fragte er und wedelte mit einem Brief in der Luft. Rímini wollte ihn korrigieren, entschied sich aber für die Abkürzung. "Wo soll ich unterschreiben?" Der andere hielt ihm den Brief und ein verknittertes Formular hin, in dessen rechteckigen Feldern Unterschriften und Vorgangsnummern wie Kraut und Rüben standen. Rímini wartete: auf einen Kuli, einen Bleistift, irgendwas. Aber der Briefträger beschränkte sich darauf, ihm auf die Fußnägel zu schauen, die in der Sonne glänzten, und mit einem zerkauten Strohhalm am Boden einer fast leeren Getränkedose komisch blubbernde Geräusche zu erzeugen. "Hast du was zu schreiben?", fragte Rímini. "Leider nein. Blöd, wie?", antwortete der andere, als würde die bloße Äußerung von Verwunderung ihm für seine Dämlichkeit die Absolution erteilen.

Zehn Minuten später, auf dem Gipfel schlechter Laune (Rímini hatte im Kiosk gefragt, ob man ihm einen Kuli leihen könne, der Besitzer wollte ihm nur einen verkaufen, Rímini - dessen Notgarderobe keine Brieftasche einschloss - gelobte spätere Bezahlung und bat um den Brief, der Briefträger-Fakir behielt ihn gleichsam als Geisel und stellte die Auslieferung unter der Bedingung in Aussicht, dass er ihm ein Weihnachts-Los kaufte, Rímini wandte ein, er habe kein Geld dabei, der Briefträger empfahl mit einem Augenzwinkern in Richtung Kioskbesitzer, er solle den Kredit nutzen, mit dem er gerade den Kuli gekauft habe), ließ sich Rímini auf einen Stuhl sinken und sah sich den Brief zum ersten Mal richtig an. Er spürte eine ungeheure Erleichterung, als wäre der kleine, querformatige Umschlag, jetzt in Großaufnahme, der einzige Talisman, der einen alptraumhaften Morgen zu bannen vermochte. Das Format stach ihm weniger ins Auge als das Papier, glänzend, prächtig wie Seide, und die Farbe, ein anämisches Himmelblau, das irgendwann einmal, zum Zeitpunkt des Kaufs, Lavendel gewesen sein mochte. Als befolgte er ein unter Empfängern altmodischer Briefe vorgeschriebenes Protokoll, führte Rímini den Brief an die Nase. Der Duft (eine Mischung aus Benzin, Nikotin und Erdbeer- oder Kirschkaugummi) hatte weniger etwas mit dem Papier oder der Farbe des Umschlags zu tun, eher mit den Fingern des Briefträgers, deren Abdrücke sich an den Rändern verewigt hatten. Ein Absender fehlte; auch die Schrift sagte ihm nichts. Ríminis Adresse war in großen Druckbuchstaben geschrieben, zu unpersönlich, um spontan zu sein (nicht das Herz hat sie diktiert, sondern die List, dachte er und war plötzlich auf die Seiten eines erotischen Romans geraten): nichts, was nicht auch Zufall oder geringe Vertrautheit mit der Praxis des Briefschreibens erklären konnten. Merkwürdig dagegen fand er die Art, wie die Buchstaben in eine Ecke des Umschlags gequetscht waren, als hätte der Briefschreiber den meisten Platz für etwas aufgespart, das ihm bis zuletzt nicht einfallen wollte oder das zu schreiben er sich dann doch gescheut hatte. Da war etwas, dachte er, und vielleicht war ja die Zerstörung seines morgendlichen Glücks nicht völlig umsonst. Er sah nach dem Poststempel, las "London". Ein Perückengesicht, anmaßend, verhärmt und in dreifacher Ausführung, starrte ihn von den Briefmarken an. Mühsam entzifferte er das Datum des Poststempels, das einem der Gesichter einen schütteren Schnurrbart verpasste. Er errechnete anderthalb Monate. Für den Bruchteil einer Sekunde standen ihm die Wirrnisse einer verschlungenen Odyssee vor Augen, verursacht durch Streiks, betrunkene Briefträger, verwechselte Briefkästen. Er fand, anderthalb Monate unterwegs zu sein, sei eine zu lange Zeit für einen Brief an jemanden, der es nicht gewohnt war, Briefe zu bekommen.

Genau genommen wusste Rímini nicht einmal, wie man sie öffnete. Er wollte eine Ecke des Umschlags aufreißen; etwas leistete Widerstand. Er nahm die Zähne, zerfetzte die Stelle mit hündischem Ingrimm, und merkte, als er das Stück Ecke ausspuckte, dass er auch den Inhalt leicht beschädigt hatte. Es war ein Farbfoto: im Zentrum eine Vitrine, in der auf einem schlichten schwarzen Sockel eine rote Rose lag; darunter stand in kleinen, aber lesbaren Buchstaben auf einem weißen Schildchen: "In memoriam Jeremy Riltse, 1917-1995". Ein dunkler Windstoß traf ihn: Feuchtigkeit, Staub, jene abgestandene Alchimie, die sich sofort jeden Türspalt zunutze macht. Seine Unschuld bekam Risse. Als er das Foto umdrehte, war Rímini, der geahnt hatte, was er vorfinden würde, nicht mehr so jung wie noch zehn Sekunden zuvor.

Schwarzblaue, wasserfeste Tinte, mikroskopisch kleine, nach rechts gebürstete Buchstaben. Und der alte Drang, jede Gelegenheit zu einer Klammer zu nutzen. Er las: "In London (wie vor sechs Jahren), aber diesmal geht das Fenster der Wohnung (Vermieterin ist eine Chinesin mit Augenklappe) auf einen Hof ohne Blumen, in dem Hunde (immer dieselben, glaube ich) jede Nacht die Mülltüten aufreißen und sich um ein paar armselige Knochen balgen. (Du müsstest den Anblick sehen, mit dem ich jeden Morgen aufwache.) Vor zwei Nächten weckte mich ein langer, sanfter Traum: Ich erinnere mich nur vage, aber Du kamst darin vor, ängstlich, wie immer wegen einer völlig belanglosen Sache. Und genau während dieses Traums (das erfuhr ich später) hat sich J. R. umgebracht. So etwas kommt vor; gehorcht einer inneren Stimme, braucht keinen äußeren Anstoß. Du kannst damit machen, was Du willst. (Ich habe mich verändert, Rímini, so sehr verändert, dass Du mich nicht wiedererkennen würdest.) Das Fotopapier wäre wie für Dich geschaffen: Alles, was Du darauf schreibst, lässt sich mit dem Finger auswischen, ohne Spuren zu hinterlassen. Möglich, dass diese Zeilen schon unsichtbar sind, wenn Du sie bekommst. Aber weder J. R., noch das Foto trifft irgendeine Schuld. Wärst Du an meiner Stelle gewesen (und das warst Du: mein Traum schwört, dass Du es warst), hättest Du es auch geschossen. Der einzige Unterschied ist, dass ich mich traue, es Dir zu schicken. Ich hoffe, die kleine Vera wird nicht eifersüchtig auf einen armen toten Maler. Ich hoffe, Du vermagst glücklich zu sein. S."

Rímini drehte das Foto um und sah es sich noch einmal genau an. Er erkannte das Museum und dann am Rand, außerhalb der Blitzlichtzone, den Schatten eines Gemäldes von Riltse, das ihm vorher nicht aufgefallen war. Es schien jetzt, als verschleiere eine Doppelbelichtung die Vitrine. Er hielt das Bild näher ans Auge und sah, reflektiert vom Glas, das die Rose schützte, den weißen Lichtfleck, die kleine Automatik-Kamera und schließlich, wie eine blendend helle Korona, die große blonde Aureole von Sofías Haar.

2

Worüber wunderte er sich so? Das letzte Lebenszeichen von ihr vor sechs Monaten, anderthalb Jahre nach ihrer Trennung, hatte ihn auch als schriftliche Nachricht erreicht. Es war kein Brief gewesen, nicht einmal ein ganzes Blatt, nur ein halbes - halbiert von Hand, mit diesem kurzen Rest am oberen Rand, den ein unachtsamer oder wütender Riss über dem vom Daumennagel gezogenen Falz übrig zu lassen pflegt -, eine gelbe Blatthälfte, auf der sich unten, verwaiste Überlebende eines Briefentwurfs, eine Adresse in Belgrano fand.

Ríminis Geburtstag stand an. Wieder einmal hatte er beschlossen, nicht zu feiern oder die Feier auf das einsame Vergnügen zu beschränken, auf einem Block die Namen der Freunde zu verzeichnen, die im Laufe des Tages Grüße auf dem Anrufbeantworter hinterlassen würden. Aber Vera, die sein Wegducken als eine männliche Form von Koketterie deutete (und Vera hatte recht), stahl ihm in einem Moment der Unachtsamkeit die Liste telefonischer Loyalitätsbekundungen, zählte die Namen und reservierte einen Tisch für zwölf in einem Restaurant im Zentrum. (Nur zehn Jahre lagen zwischen ihrer Freimütigkeit und seiner Hysterie: Rímini war mit der Kubanischen Revolution zur Welt gekommen; Vera mit der ersten Mondlandung.) Der erste, der eintraf, war Victor; Rímini sah ihn hereinkommen, einen gehetzten Blick durchs Restaurant schicken und mit übertrieben nach vorn geneigtem Oberkörper den leeren Raum durchmessen, in jenem labilen Gleichgewicht, das Rímini auf seine unverhältnismäßig kleinen Füße zurückführte, und schloss daraus, dass er auch der erste sein würde, der wieder ging. Er setzte sich neben ihn, schnaufte und gratulierte ihm nicht. Etwas bedrückte ihn. "Und Vera?", fragte er leise. Rímini zeigte zum Tresen, wo Vera, eine Wade mit der Fußspitze kratzend, mit dem Maître das Menü des Abends abstimmte. "Heute Nachmittag ist mir Sofía über den Weg gelaufen", sagte Victor. Rímini spürte plötzlich einen Druck gegen seine Rippen, als würde er überfallen, und senkte den Blick. Victors Faust öffnete sich: eine schlanke, fleischfressende Pflanze mit langen Blütenblättern und lackierten Krallen. In seiner Hand sah Rímini ein Stück Papier, das sich nach längerer Gefangenschaft gerade entknitterte, und nach einem raschen Blick in Richtung Tresen (Vera kam bereits auf sie zu), ließ er es in Taschenspielermanier blitzschnell verschwinden. "Entschuldige", flüsterte Victor, nunmehr erleichtert, während er sich erhob, um Vera zu begrüßen, "aber als sie erfuhr, dass ich dich sehen würde, war sie nicht davon abzubringen."

Erst drei Stunden später erinnerte sich Rímini wieder an die heimliche Zeitbombe, als er im Bad einer Übelkeit durch Starren in den Spiegel Herr zu werden versuchte und nach einer Münze für den Seifenspender kramte. Dabei ertasteten seine Fingerspitzen die Schlüssel, die Kappe eines Kulis, der, kopflos, gerade eine seiner Sakkotaschen vollschmierte, eine U-Bahn-Marke mit schartigem Rand und schließlich den Papierstreifen. Bei der bloßen Berührung fuhr er zusammen; ihn nur auseinanderzufalten, könnte Katalysator für eine Kaskade von Katastrophen sein, dachte er. Aber es galt jetzt oder nie. Er faltete also die Nachricht auf, und indem er sich vom Waschbeckenrand ab- und wegstütze, las er im mittlerweile flackernden Licht: "Mistkerl. Herzlichen Glückwunsch. Wie ist es möglich, dass du weiter Geburtstag feierst, ohne mich? Heute bin ich früh aufgewacht, zu früh (ich bin nicht einmal sicher, ob ich überhaupt geschlafen habe), und erst, als ich nach draußen ging (Schlafrock über Nachthemd, Wollstrümpfe, Pantoffeln), wurde mir klar, warum. Vierzehnter August! Ich habe dir etwas gekauft (ich konnte nicht anders, ich schwöre). Ein Firlefanz, es liegt hier neben mir. Ich habe es Victor nicht mitgegeben, weil es mir peinlich ist (und wie Du weißt, will ich Dich vor meiner Nachfolgerin nicht bloßstellen), aber sobald er fort ist (behandle ihn gut, sorge dafür, dass die kleine Vera ihn gut behandelt, erinnere ihn daran, dass er seine Medizin nimmt), werde ich es bereuen, und dann wird es zu spät sein. Wenn Du es haben willst, ruf mich an. Ich wohne, wo ich immer gewohnt habe. S. (Keine Angst: Diese Nachricht wird sich in fünfzehn Sekunden selbst zerstören.)"

Die Tür wurde aufgestoßen; Rímini spürte einen Schlag gegen die Schulter, glaubte sich ertappt und drehte den Hahn auf, um sich nichts anmerken zu lassen. Dabei entglitt das Papier seinen Händen und landete im Becken, wo es von drei schüchternen Wasserspritzern getauft wurde. "Egoist", hörte er eine bekannte Stimme hinter sich. Rímini wandte leicht den Kopf, während sich Sofías Schrift im Wasser zu bleichen Tintenkringeln auflöste. Es war Sergio, einer seiner Gäste. "Dir alles allein reinzupfeifen!", Rímini lächelte: "Mein gutes Recht, oder? Es war ein Geburtstagsgeschenk."

3

Ihr Schreibzwang war für Rímini nicht neu. Wie oft hatte er ihn schon ertragen müssen? Wie oft in der Zeit, die er von Sofía getrennt lebte, und wie oft während der fast zwölf Jahre, die er mit ihr zusammen gewesen war. In einer emotionalen Grenzsituation, an Punkten, wo es nicht mehr weitergeht, wo eine übermächtige Leidenschaft es erfordert, die Sprache zu wechseln, hören Operndarsteller auf zu sprechen und beginnen zu singen, hören Musicalschauspieler auf herumzulaufen und tanzen. Sofía schrieb. Als sie klein war, hatte sie Gesangsunterricht bekommen (Paradebeispiel eines mit außerschulischen Aktivitäten überhäuften Mädchens, immer unausgeschlafen, immer glücklich), und im Rahmen ihrer "Körpererforschungen" (wie sie die verschiedenen Kurse und Workshops nannte, denen sie sich ausgangs ihrer Jugend anvertraut hatte), war es mehrfach geschehen, dass sie mit Tanz in Berührung kam. Aber wenn die Liebe ihr zusetzte, wenn einer ihrer Begleitumstände, der glücklichste und der schlimmste, Verzückung oder Verzweiflung, den Punkt überschritt, an der die Liebe dem Geltungsbereich der Worte und Gebärden eine Grenze setzt, verstummte Sofía und zog sich zurück, als müsste sie verschwinden, um weiterzumachen. Eine Stunde, ein Tag, manchmal eine Woche später, wenn die Liebesökonomie zu ihrer gewohnten Balance zurückgefunden hatte und der "Einschnitt", wie Rímini ihre zeitweiligen Aphasien insgeheim taufte, schlagartig vernarbt zu sein schien, stolperte Rímini plötzlich über eine Nachricht, einen Brief, einen eiligen Dreizeiler oder ganze Seiten entsagungsvoller Bekenntnisse, die Sofía in den seltsamen Zwischenzeiten abgefasst hatte, in denen sie ohne Rímini, aber nur für ihn existierte: einsam in einem Zimmer, in einer Bar, Ellbogen auf einen mit Serviettchen gedeckten Tisch gestützt, oder schlaflos im ersten Morgenlicht am Küchentisch, während Rímini, der Querschläfer, die Gelegenheit nutzte, das ganze Bett mit Beschlag zu belegen, seine Beine eine perfekte 4. Zwei romantische Zeilen, scheinbar zufällig zwischen Gemüse und Reinigungsartikel geraten, sprangen ihn ohne Vorwarnung an, wenn er die Einkaufsliste durchging. Oder er stand an der Bushaltestelle, öffnete seine Brieftasche und entdeckte hinter zwei verknitterten Geldscheinen den Rand eines unbefugten Briefes, der außen, liebevoll verschlungen, seine Initialen trug und innen, auf ein Arztrezept gequetscht, die Ergebnisse einer leidenschaftlichen Rückbesinnung. Sofías Nachrichten überraschten ihn im Badezimmerschränkchen, in den Tiefen einer Sakkotasche, auf dem Block neben dem Telefon, zwischen den Seiten eines Berichts, den Rímini übersetzen musste (in die Sofía sie als verschwiegene Lesezeichen einstreute), oder sogar im Kühlschrank, wo sie stundenlang starr vor Kälte, aber tapfer an einer Milchpackung oder einem Joghurtbecher lehnten und auf ihn warteten.

Anfangs betrachtete Rímini sie als Liebesgaben und fühlte sich geschmeichelt. Geschrieben fast immer auf die Rückseite schon beschriebener Blätter, wie Hilferufe oder geheime Nachrichten, besaßen sie etwas von häuslichen Kostbarkeiten, vom Zauber einer sentimentalen, verliebten Gelegenheitsbastelei, gleichermaßen rührend durch ihren Scharfsinn wie durch ihre Flüchtigkeiten. Sobald er sie fand, spürte Rímini den Drang, sie zu lesen, spätes Gegenstück des Drangs, den Sofía empfunden hatte, als sie sie schrieb, und wenn er sich dann jene hereinplatzenden Sätzchen zu Gemüte führte, war er imstande, am Herd das Gas aufzudrehen und das Anzünden zu vergessen, eine Arbeit mittendrin zu unterbrechen, beim Überqueren einer Straße auf der Hälfte plötzlich stehen zu bleiben oder mit der sprichwörtlichen Unhöflichkeit der Verliebten eine Frage, die ihm jemand gestellt hatte, in der Luft hängen zu lassen. Jede Nachricht war eine Labsal, eine Salve Glück, die kleine Dosis einer gebieterischen Droge - seine Liebe zu Sofía -, die seine Abhängigkeit auffrischte, wenn Rímini am wenigsten damit rechnete oder wenn die Gewohnheit - und eine vorübergehende Abwesenheit Sofías - ihn glauben machte, er könne ohne sie auskommen. Nicht die Tatsache, dass er sie fand, rührte ihn; vielmehr, dass sie unfehlbar immer ihn fanden, indem sie wie ein Himmelfahrtskommando alle Hindernisse überwanden, die die Welt zwischen ihm und Sofía errichtete. Er las sie unverzüglich, manchmal in den kritischsten Situationen, wenn die geringste Unachtsamkeit schädlich sein oder ihn in Gefahr bringen konnte. Aber er wähnte sich unverwundbar: Die Briefe - und vor allem die köstliche Wolke, mit der sie ihn umgaben - waren seine Rüstung und sein Zaubertrank. Und nachdem er sie gelesen hatte, meist mit leiser Stimme, weil er sich einbildete, so würde zwischen den Zeilen Sofías Stimme hörbar, tat Rímini so, als knüpfe er nahtlos an das an, was die Briefe unterbrochen hatten, arbeitete weiter, sprach weiter, überquerte weiter die Straße, mit der mechanischen Effizienz eines Schlafwandlers, wobei er die Nachrichten noch lange wie einen geheimen Talisman in der hohlen Hand verbarg. Und wenn sie sich dann am Abend wiedersahen, brauchte Sofía ihn nicht einmal zu fragen, ob er sie gelesen hatte, denn Rímini kam ihr immer schon zuvor und sank in ihre Arme, euphorisch und erschlagen zugleich, und noch bevor er sie begrüßte, überwältigt von dem Glück, endlich den Liebesbeweis erwidern zu können, den Sofía ihm hatte zukommen lassen, überschüttete er sie mit Küssen und nahm, sich überschlagend, die Nachricht an genau dem Punkt auf, wo sie sie hatte enden lassen. Sie waren einander kaum acht oder zehn Stunden fern gewesen, manchmal sogar weniger, doch das bloße Intervenieren des Briefs, auf den Rímini, so sehr er auch mit dem System vertraut war, immer überrascht und ein wenig hilflos reagierte, so wie man auf das Eingreifen des Zufalls reagiert, schien die Zeit der Trennung auf ein unerträgliches Maß zu dehnen und die Entfernung zwischen den Welten zu vervielfachen, in denen jeder während dieser Stunden ohne den anderen gelebt hatte. (Einmal überraschte ihn eine Nachricht in der U-Bahn, und fast wäre Rímini, als sein Blick sie streifte und er Sofías Schrift erkannte, ohnmächtig geworden: Er ertappte sich dabei, dass er glaubte, Sofía sei tot, seit Jahren tot, und gleichzeitig erlebte, wie die auf eine versteckte Seite seines Terminkalenders geratenen Zeilen, einer Stimme aus dem Jenseits oder einem unerwarteten Lebenszeichen gleich, diesen Glauben im selben Moment zerstörten, da er von ihm Besitz ergriffen hatte.) Dieser seltsame Fieberschub der Liebe, zweifellos mehr ein Ergebnis retrospektiver Illusion als der Liebe selbst, war die Erklärung für die extreme und gleichsam verzweifelte Trance, in die Rímini und Sofía verfielen, wenn sie sich wiedersahen. Sie umarmten einander nicht wie Liebende, sondern wie Opfer, endlich erlöste Opfer, und die Worte der Liebe, die sie sich fast unhörbar zwischen Küssen zuhauchten, bezogen sich nicht etwa auf eine fatale Entfremdung des Alltagslebens, sondern schienen viel eher das Ende eines heftigen Unwetters zu begrüßen, die Aufhebung einer Strafe, die sie eine Ewigkeit lang getrennt hatte.

Mit der Zeit verfügte Rímini über eine beachtliche Sammlung solcher Nachrichten. Er hütete sie an geheimen, regelmäßig wechselnden Orten, aus Furcht, Sofía könne sie entdecken. Nie las er sie zweimal: Ihm genügte es, sie zu besitzen; aber kaum etwas machte ihm größeres Vergnügen, insbesondere wenn er spürte, dass Sofía sich näherte, als in einem alten Schuhkarton, einem Buch oder der Tasche eines selten getragenen Sakkos zu stöbern, um seiner Sammlung ein weiteres Exemplar hinzuzufügen. (Rímini, der Fremdgehen nicht verurteilte, darin jedoch den Gipfel des Abwegigen sah, etwas so Aberwitziges und Abseitiges wie Levitation, Astrologie oder Drogensucht, hatte indes einen einzigartigen Weg gefunden, es zu tun: Er betrog seine Geliebte mit den Liebesbeweisen, die sie selbst ihm verehrt hatte.) Er bewahrte sie auf wie andere Leute Fotos, Haarsträhnen, Bierdeckel, Theaterkarten, Bordkarten oder Postkarten aus fernen Ländern, Reliquien, in die Liebende sich von Zeit zu Zeit vergraben, um sich die historische Dimension einer alltäglichen Leidenschaft in Erinnerung zu rufen oder sie wiederzubeleben, ihr Feuer anzufachen, wenn sie in stiller Stagnation erlahmte und mit dem Horizont bloßer Wiederholungen zu verschmelzen drohte.

Eines Tages - es war ein Tag wie jeder andere, ohne besondere An- oder Vorzeichen - fand Rímini wieder eine Nachricht, und zum ersten Mal las er sie nicht sofort. Er war unterwegs und spät dran. Nahm mehrere Stufen auf einmal hinunter zur U-Bahn und wühlte sich einen Weg durch die schläfrige Menge, als er hörte, wie der Zug am Bahnsteig hielt. Er kramte in der Hosentasche nach einer Marke; seine Finger mussten sie blind aus einem zusammengefalteten Papier befreien, in dem sie feststeckte. Er passierte das Drehkreuz, wich einer Riege von Fahrgästen aus, die es sich anders überlegten, und blockierte das Schließen der Türen, indem er den halben Körper in den Wagon zwängte. Er fuhr zwei Stationen mit gesenktem Kopf, beschämt ob seines Akts prahlerischer Waghalsigkeit, und als er die Hände in die Taschen steckte - um weniger Platz zu beanspruchen, als wollte er mit dieser Geste der Rücksichtnahme, die ihm niemand dankte, sein dreistes Einstiegsmanöver wettmachen -, stieß er erneut auf ihr Briefchen. Er dachte, es hier, in dieser Extremsituation zu lesen, gegen die Türen des Wagons gepresst, wäre ein ultimativer Liebesbeweis, doch besann er sich eines Besseren, und nachdem er seine Ränder betastet hatte, wie um den stummen Appell zu beschwichtigen, den es an ihn richtete, musste es in der Hosentasche warten. Aber sein Zuspätkommen setzte sich fort, wie eine jener seltsamen Kettenreaktionen, die eine erste Unpünktlichkeit auslöst, und den Rest des eben erst begonnenen Tages verwendete er darauf, die zehn oder zwölf Minuten aufzuholen, die er am Morgen verloren hatte. Es gelang ihm nicht. Er traf nur falsche Entscheidungen, verwechselte Zeiten und Orte von Verabredungen, verursachte kleine Zwischenfälle auf der Straße, aß und arbeitete schlecht, verkrampfte, verbiss sich in nebensächliche Details (las auf der Rechnung eine Acht anstelle einer Drei und wähnte sich betrogen; verteidigte fast bis zum Eklat eine Fußnote in einer Übersetzung, die nicht zu verteidigen war). Und vergaß darüber völlig Sofías Nachricht.

Zwei Tage später fragte Sofía ihn beim Essen, ob er sie gelesen habe. Rímini wurde schwindlig, als würde sich vom Magenmund her ein Sturm erheben. "Ja", brachte er hervor, "natürlich." Sie aßen einige Minuten schweigend, ohne sich anzuschauen. Rímini sah alles in Weiß, in jenem matten, grenzenlosen, schuldbewussten Weiß, das bei Prüfungen oft das Gedächtnis eines Studenten überzieht. Er stocherte im Essen herum und kreuzte, fast ohne es zu merken, das Besteck auf dem Teller. Später im Bett dösten sie bei einem argentinischen Spielfilm ein. Rímini kämpfte darum, die Augen offen zu halten; der Ton des Films erreichte ihn als unflätiges Rumoren im Hintergrund, wie alter Schaum, über dem Sofías an und abschwellende Atmung hervortrat. Er traute sich nicht einmal, sie anzuschauen. Er belauerte ihren Atem, noch das leiseste Erschauern ihres Körpers, die Art, wie Sofías über seine Brust gebreiteter Arm abwechselnd schwerer und leichter wurde. Einen Moment lang schien es ihm, als hinge sein ganzes Leben davon ab, wer von ihnen beiden zuerst von Schlaf übermannt wurde, und dass der entscheidende Moment, den sie gewöhnlich vertrauensvoll und glücklich wie einen Liebessegen erwarteten, die Schwelle der Nacht, an der der eine, schwächere, sich schließlich der wachenden Obhut des anderen überließ, jetzt zu einer Entscheidungsschlacht in einem unbekannten Krieg wurde.

Eine junge Frau mit dem Rücken zur Kamera entkleidete sich unter den lüsternen Augen eines Bildhauers und starb noch im gleichen Augenblick wie in Ekstase, vergiftet. Er träumte gerade von einer Hand (sehr weiß, wie Marmor, die sich öffnete und ein winziges Gift-Flakon fallen ließ), als er erwachte. Er lag allein im Bett. Es war Morgen, nach elf Uhr wahrscheinlich. Er war dabei, sich anzuziehen, als er am Schlüssel des Kleiderschranks einen Bügel mit der Hose hängen sah, die Sofía am Vorabend von der Reinigung abgeholt hatte. Er beschloss, sie anzuziehen. Er fuhr mit der Hand in die Tasche und erspürte in der Tiefe ein Stück hartes, raues Papier, dessen Ränder bei der Berührung zerkrümelten.

(Aus dem Spanischen von Christian Hansen)

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