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Der ungewöhnlichste erotische Roman, den Sie je gelesen haben! Masturboote, Penissäle, Pornodekaeder? Wollen Sie wissen, was das ist und was man darin machen kann? Dann folgen Sie Nicholson Baker in sein wunderbares "Haus der Löcher" - ein Ferienresort der besonderen Art, in dem Ihre geheimste sexuellen Wünsche erfüllt werden ... "Ein Buch, als gälte es, den 'Garten der Lüste' von Hieronymus Bosch unter den medialen Bedingungen von heute neu zu inszenieren." Thomas Steinfeld · Süddeutsche Zeitung "Baker entwirft ein auch im Sex von jeglicher Herrschaft befreites Utopia -ein Gegengift fü…mehr

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Produktbeschreibung

Der ungewöhnlichste erotische Roman, den Sie je gelesen haben!

Masturboote, Penissäle, Pornodekaeder?
Wollen Sie wissen, was das ist und was man darin machen kann?
Dann folgen Sie Nicholson Baker in sein wunderbares "Haus der Löcher" - ein Ferienresort der besonderen Art, in dem Ihre geheimsten sexuellen Wünsche erfüllt werden ...

"Ein Buch, als gälte es, den 'Garten der Lüste' von Hieronymus Bosch unter den medialen Bedingungen von heute neu zu inszenieren."
Thomas Steinfeld · Süddeutsche Zeitung

"Baker entwirft ein auch im Sex von jeglicher Herrschaft befreites Utopia -ein Gegengift für all die schlechte Pornographie, die uns umgibt."
Verena Lueken · Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • Seitenzahl: 316
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 316 S. 210 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 138mm x 30mm
  • Gewicht: 420g
  • ISBN-13: 9783498006716
  • ISBN-10: 3498006711
  • Best.Nr.: 33396992

Autorenporträt

Nicholson Baker, geb. 1957 in Rochester/New York, studierte u.a. an der Eastman School of Music und lebt heute mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in South Berwick, Maine. 1997 erhielt er den Madison Freedom of Information Award, im Jahr 2014 wurde ihm der Internationale Hermann-Hesse-Preis verliehen.

Rezensionen

Besprechung von 15.01.2012
Wamm ba dumm und knapp vorbei
Seitenweise uneigentlicher Sex in Nicholson Bakers neuem Roman "Haus der Löcher"

Dieses Buch hat keinen Sex, es hat Wörter, Abertausende, und das ist ein Unterschied. Dieses Buch ist auch kein Porno, denn für einen Porno, so behauptet es jedenfalls dieses Buch selbst, braucht man "eine hübsche, lächelnde Frau, die ihren Spaß hat, und einen Kerl, der nicht fett ist, mit einem steifen Schwanz". Aber dieses Buch hat eben nur Sätze wie diesen, oder wie den hier: "Nah dran, dann weg, nah, dann weg, bis es richtig brennt, und dann endlich wamm bing bong ba-dumm! Dann blip. Schnorf." Man muss in diesem Buch nicht nach Stellen suchen, sie gibt es auf jeder Seite, das ganze Buch, "Haus der Löcher" von Nicholson Baker, ist eine einzige Stelle und möchte das wahrscheinlich auch sein.

"Haus der Löcher" handelt von nichts, es ist eher. Es versucht, einen Zustand herzustellen. Vielleicht war es das, was Baker im Kopf hatte, als er an diesem Buch zu schreiben begann: also weniger einen Plot zu erzählen, als sich in etwas hineinzuschreiben, das sich beim Lesen löst von jeder herkömmlichen Art der Erzählung, von Linearität oder Plot, und zum Erlebnis wird, und am Ende zu Intimität. "Wir haben hier nämlich die Traumzeit", sagt Lila einmal. Lila ist so etwas wie die Hauptfigur des Buchs, die Madame im "Haus der Löcher", wo Männer und Frauen blip und schnorf machen, bis sie nicht mehr können.

Der amerikanisch Schriftsteller Nicholson Baker, geboren 1957, hat in den neunziger Jahren Romane über Telefonsex ("Vox", 1992) oder Voyeurismus ("Die Fermate", 1994) geschrieben und sich danach für den Erhalt von Bibliotheken und alten Zeitungen eingesetzt. Er interessiert sich also für Sex und Papier: "Vox" oder die "Fermate" waren postmoderne Versuche darüber, wie ein Text sich zum Begehren verhält, um es mal auf Postmodernisch zu sagen - ein Jargon, den Baker zum Glück nicht spricht. Ein bisschen war die Theorie aber immer die Ausrede dafür, Nicholson Baker zu lesen, man las dann ja keine Bücher, in denen es um Brüste und Sperma ging, weil man gern mal ausführlicher über Brüste und Sperma lesen wollte, sondern weil es doch so intelligente Versuchsanordnungen waren, etwas zur Sprache zu bringen, was Körper ist. Oder so.

Jedenfalls ist das, was früher Theorie war, in "Haus der Löcher" zu Humor geworden. Der neue Roman ist dann komisch, wenn es um den Synonymwahnsinn beim Sprechen über Genitalien geht: zum Beispiel nicht einfach nur Penis zu sagen, sondern "Schwanz", und nicht Schwanz, sondern "ein großes Stück Ungezogenheit", und nicht ein großes Stück Ungezogenheit, sondern "Fleischklops von einem Schinkensteak von einem Dödel", und nicht Fleischklops und so weiter, sondern "Pollock", und nicht Pollock, sondern, also: "Dave bugsierte seinen Malcolm Gladwell heraus." Einen Penis nach einem Bestsellerautor zu nennen, das ist ungefähr so, als würde eine Frau zu einem Mann sagen: Dürfte ich mal dein Prechtexemplar sehen?

Aber so reden sie im "Haus der Löcher", einer Welt in Traumzeit, zu der es kein Außen gibt. Was man über die Figuren weiß, weiß man nur dank ihrer sexuellen Phantasien, die sie episodenweise ausleben. Dieser Schwebezustand soll das Buch erzählerisch halten.

Ins Haus der Löcher kommt man durch Öffnungen in der Realität, eine Waschmaschine, eine Tintenpatrone. Aber was die Figuren - ein Maler, eine Filmemacherin, ein Lehrer, ein Golfspieler - hinter sich lassen, bleibt vage. Es scheint zumindest eine Welt zu sein, in der man Malcolm Gladwell liest, und wenn Brüste "Britneys" genannt werden, dann ist das auch ein Hinweis. Kabelfernsehen gibt es in dieser Welt, Lieder von Ani DiFranco und Estland ("Sie erzählte ihm, sie mache einen Dokumentarfilm über Frauen in einer abgelegenen Region Estlands, die beim Masturbieren singen"). Je genauer man also hinschaut, desto mehr fällt auf, dass es eben doch ein Außen gibt, ein Außen der kulturellen Referenzen, ohne das dieser Roman nicht funktioniert.

Er wird nämlich eben dadurch komisch, dass er einen Ton imitiert, den es schon gibt. Oder knapp an ihm vorbeischreibt, dann entsteht der Witz durch den Abstand. "Einmal ging Jessica spazieren und hatte nicht genug an. Warum? Niemand weiß es. Auch sie wusste es nicht. Es war Sommer, sie sah gut aus und wollte, dass man es sah." Von hier sind es noch ungefähr 23 Sätze, bis es wieder wamm und bing bong und ba-dumm macht in diesem Buch, und wer es jetzt verschämt findet, dass in dieser Rezension nicht Klartext geredet wird: Nicholson Bakers Roman tut es auch nicht, und das ist seine Schwäche. Er beschreibt keinen Sex, da kann er noch so oft "ficken" sagen - der Roman hält ihn sich vielmehr vom Leib, weil er ins Uneigentliche wechselt. Weil alles, was erzählt wird, in Anführungsstrichen steht, in einem Feinraum namens "Literatur" passiert.

Und wenn dies Bakers Ziel war, dann fragt man sich schon, was das Experiment soll, denn Sex in einem Roman ist immer uneigentlich, weil er, siehe oben, aus Worten und nicht aus Sex besteht. Wollte er mal besonders schönen Sex miteinander einverstandener Menschen inszenieren? In der deutschen Übersetzung von Eike Schönfeld siezen sich alle Figuren, egal, wohin sie sich gerade ihre Genitalien stecken, und dieser Höflichkeitston, in dem sie sprechen, der Golfer, die Frau mit dem künstlich aufgepumpten Hintern, der Mann, der seinen Arm für einen größeren Malcolm Gladwell eintauschte, und die neue Besitzerin des Arms, der eifersüchtig über sie wacht, dieser konventionelle Ton ist natürlich lustig, aber ist er auch mehr als das?

In einer der lustigsten Szenen von "The Big Lebowski" sieht man einen Ausschnitt aus dem Porno "Logjammin'", den die Coen-Brüder für ihren Film erfunden haben: Ein Elektriker kommt zu einer Kundin, um deren Kabelanschluss zu reparieren, und kaum, dass sie ihn im Negligé hineingelassen hat, spaziert auch schon die nackte Cheri durch die Wohnung, eine Freundin, die kurz zum Duschen vorbeigekommen war - zwischen dieser Szene und der genauso lustigen Szene aus Woody Allens "Was sie schon immer über Sex wissen wollten", in der eine riesige Brust Jagd auf Amerikaner macht, bewegt sich der heterosexuelle Science-Fiction von "Haus der Löcher".

Vielleicht ist dieses Buch eine Utopie, vielleicht eine Satire, vielleicht ist es (wie bei Allen) eine Hommage an Wilhelm Reich, der daran glaubte, dass sich Menschen durch Sex von ihren Ängsten befreien können, aber das wäre einem klugen Autor wie Baker doch sicher viel zu blöd, man geht so die Möglichkeiten durch und ist am Ende einigermaßen genervt davon, wie nur die Rätselaufgabe lauten könnte, die Baker hier gestellt hat.

Einmal kommen drei Frauen in einen Raum voller Penisse, die aus Löchern in Vorhängen ragen. "Es war irgendwie interessant und erregend, aber auch ein bisschen traurig, weil diese Penisse keinen Schimmer hatten, wie Polly, Donna und Saucie als Frauen so waren - woran sie glaubten, was für Pläne sie hatten." Dieser Satz ist auch nur das Imitat eines Einwands - in einem Buch, das den Sex nur imitieren kann, weil es ein Buch ist. Und zwar ein verkopftes Buch über Sex. Komisch.

TOBIAS RÜTHER

Nicholson Baker: "Haus der Löcher". Übersetzt von Eike Schönfeld. Rowohlt, 320 Seiten, 19,95 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 18.01.2012
Alice in Pornoland
Nicholson Baker haut der amerikanischen Prüderie das Schmuddelbuch „Haus der Löcher“ um die Ohren
Wirklich Pech. Eigentlich will Zilka am Flughafen von St. Louis nur umsteigen, aber die Sicherheitskontrolleure haben sie auf dem Kieker. Ob es an ihrem aufreizenden Outfit liegt, dass man ihr die Sonderbehandlung zukommen lässt, im Namen der „Sicherheit des Landes“ natürlich? Zilka jedenfalls büßt einen wichtigen Teil ihres Körpers ein, und das liegt an der „Klitdiebin“, einer Flughafenangestellten der besonderen Art. „Sie war um die fünfundvierzig, superpatriotisch, dicke Haare, Riesenstöckel, patriotische falsche Riesentitten.“ Und was sagt diese Sicherheitsdomina zu der armen Zilka: „Tut mir leid, aber wir haben entschieden, dass Ihre Klitoris nicht ins Handgepäck gehört.“
So geht es zu in Nicholson Bakers neuestem Versuch, die pornographische Phantasie für die Literatur fruchtbar zu machen. Nach „Vox“ (1992) und „Die Fermate“ (1994) ist dies der dritte Roman, den der 1957 in Rochester geborene Schriftsteller dem Thema widmet. „Haus der Löcher“ heißt die köstliche Zumutung, die vor einem halben Jahr im Original erschien (SZ vom 12. August 2011) und dort den passenden Untertitel „A Book of Raunch“ trägt, was soviel bedeutet wie „Schmuddelbuch“. Jetzt liegt die deutsche Fassung des verdienten Nicholson-Baker-Übersetzers Eike Schönfeld vor. Den Untertitel hat der Verlag weggelassen, schade. Die Frage nämlich, um was für eine Art Buch, um welch Gattung es sich handelt, drängt sich unbedingt auf.
Zilka, um ihr kostbares Stück beraubt, befindet sich inzwischen als Hilfskraft im Haus der Löcher, abgekürzt als „HdL“. Dorthin gelangt man mit den Mitteln der Magie oder der Körperverflüssigung, entweder zieht es einen durch den Strohhalm, der in einem schon von Charles Dickens geschätzten Sherry-Cobbler-Drink steckt, durch die Rückwand eines Wäschetrockners in einem New Yorker Waschsalon, oder man wird durch die zum O geformten Finger eines gewissen Dave gezoomt. Durch Löcher ins Haus der Löcher! Es ist genau diese glucksende Plumpheit, die Nicholson Baker offenbar großes Vergnügen bereitet.
Das „HdL“ müssen wir uns als eine Art surreales Sexparadies vorstellen irgendwo im Nordosten der Vereinigten Staaten, einen Themen- und Vergnügungspark, in dem jedem (und jeder) jeder heiße Wunsch erfüllt werden soll. Doch, und da schrammen wir dann am Höllenszenario nur knapp vorbei, sind diese Wünsche ausschließlich pornographischer, das heißt kombinatorischer Art. Und, klar, umsonst ist dieses spezielle Glück nicht zu haben. Baker hat genügend Anspielungen eingeflochten, um das Haus der Löcher als institutionelles Abbild der ökonomisch durchdefinierten Gesellschaft zumindest auch lesbar zu machen.
Für Männer kommt es besonders teuer, vier Tage im Haus der Löcher kosten sie 30 000 Dollar. Zur aktuellen Schuldenkrise lesen wir: „Alle versuchen am Ball zu bleiben, aber dann zeigt sich, dass sie pleite sind.“ Daher hat die einfallsreiche Lila, die „HdL“-Direktorin mit dem Riesenbusen, eben jenes Stipendiensystem ausgetüftelt, das hübschen Exemplaren der männlichen Spezies „Intensiv-Praktika“ anbietet (bei hohen Schulden), „Praktikantenstipendien“ oder sogar ein „volles Stipendium“; letzteres allerdings nur, wenn der Samen des Kandidaten über „magische Heilkräfte“ verfügt.
Der einlullende Esoterik-Talk kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Haus der Löcher durchaus martialische Methoden zur Anwendung kommen. Die erzwungene Enthaltsamkeit, mit der die „Deprivos“ auf die Folter gespannt werden, wirkt dabei noch harmlos. Schlimmer ergeht es einem gewissen Ned, der so viele Schulden angehäuft hat, dass er sich zur „freiwilligen Kopfabtrennung“ begeben muss. Und selbst wenn im Haus der Löcher genügend Frauen herumlungern, die auf kopflose Männerbodys stehen, so bleibt einem doch angesichts der genüsslich ausgemalten guillotinistischen OP das Lachen im Halse stecken, schließlich ist dies das Land der praktizierten Todesstrafe. Kurzum: Überwachen und Strafen und Belohnen – Directrice Lila hat das System fest im Griff.
Die Kunst Nicholson Bakers zeigt sich nun jedoch gerade darin, das Monströse der Pornoindustrie in die reinste Arglosigkeit zu kleiden, wodurch es eben ziemlich komisch wird. Die 36 Kurzkapitel führen lauter Pornosequenzen auf, in denen schon mal ein Körperteil einzeln unterwegs ist – Daves Arm nämlich, der im Tausch für einen Riesenpenis weggegeben wurde; wo verheiratete Bäuerinnen „Komm-Videos“ herstellen; wo man die Kundschaft durch die „Peniswaschanlage“ fährt oder ins „Stöhnzimmer“ bugsiert; wo russische Pianisten sich auf rasierte Damenbeine ergießen; wo „Bio-Gleitcreme“ dabei hilft, einen Schraubenziehergriff in den Hintern einer lüsternen Ehebrecherin einzuführen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Das Buch ist natürlich ein Schlag ins Gesicht der nordamerikanischen Prüderie. Man muss sich klarmachen, dass Baker in einem Land lebt, in dem nicht einmal Geschlechtsgenossinnen in öffentlichen Schwimmbädern voreinander nackt duschen. In einem Land, in dem das akademische Milieu sich derart mit Sexualangst vollgepumpt hat, dass Professoren nicht einmal mehr die Tür hinter sich schließen dürfen und der Universitäts-Parkplatz zur Bühne von Vergewaltigungen stilisiert wird.
Warum Baker wohl, nach den Erfolgen „Vox“ und „Die Fermate“, ein weiteres obszönes Buch schreiben wollte? Eine kleine Spekulation sei erlaubt. Handelte es sich dort um Romane über die Sexualphantasien komplexer, fühlender Charaktere, so wird hier mit einem entseelten, entpersönlichten Arsenal von Figuren gespielt, die weder Beziehungen untereinander entwickeln noch überhaupt so etwas wie eine Persönlichkeit aufweisen. Es sind Statisten namens Shandee, Dave, Betsy und so weiter, die zur Illustration eines ins Groteske übersteigerten, in Partialtriebe säuberlich aufgefächerten pornographischen Angebots herhalten. Und so zäh sich die Lektüre dieser gattungsimmanenten Wiederholungsschlaufe bisweilen hinzieht, so konsequent ist das Experiment in Machart und Methode.
Wollte man einen europäischen Vergleich wählen, so wäre Elfriede Jelineks genial-buchstäblicher Umgang mit Pornofiktionen zu nennen. Anders als Jelinek jedoch bekennt sich Baker ganz naiv (oder scheinnaiv?) zu den Schlüsselreizen ungetrübter Vergnügen. Das Böse war bei de Sade ein Stimulans, da knüpft Jelinek an. Für Baker liegt das Böse allein in den Zwischentönen des „Systems“, das er mit bewundernswerter Geduld durchparodiert. Großartig, wie er nebenbei eine Müllhalde sprachlicher Geschmacklosigkeiten auftürmt, vom pädagogischen Animationsgeplapper der Lady Lila über die Lautmalereien des Comics bis hin zum wissenschaftlichen Jargon (sich zu fesseln und in Mayonnaisegläser zu pinkeln, sei doch „eine abgenutzte Trope“).
Der rührendste, lustigste und schönste Aspekt dieser originellen Pornoparodie ist jedoch ihre Kindlichkeit, die kindliche Lust am Blödsinn. Schon die Löcher, die als Eingangspforten des „HdL“-Reiches dienen, winken mit dem Zaunpfahl: „Alice in Wonderland“. Wenn in dem märchenhaften Sex-Wunderland, das Baker sich ausmalt, ein einsames „Pornomonster“ in der vom „Pornosaugschiff“ abgeschöpften „Pornogülle“ vor sich hinvegetiert, wenn eine Frau ein silbernes Ei legt, dem später ein kopulierendes Däumlingsliebespaar entschlüpft, dann ist das die fröhliche Anwendung von Kinderlogik auf Erwachsenenschmuddel.
Deshalb liegt man bestimmt nicht falsch mit der Annahme, dass „Haus der Löcher“ innerhalb von Bakers Werk am ehesten an das hinreißende Kinderbuch für Erwachsene „Norys Storys“ (1998) anknüpft, das den verwickelten Erzählphantasien seiner Tochter gewidmet war. Es ist jenes Schwelgen im Übernatürlichen, Monsterhaft-Grotesken, im Traumhaften und Albtraumhaften, im Miniaturistisch-Verzauberten, das den Autor als Kind und Schelm zugleich zeigt.
INA HARTWIG
NICHOLSON BAKER: Haus der Löcher. Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Rowohlt Verlag, Reinbek 2012. 317 Seiten, 19,95 Euro.
Es lungern genügend Frauen
herum, die auf kopflose
Männerbodys stehen
Was das Feuer erzählt: Nicholson Baker in seinem Haus aus dem 18. Jahrhundert in South Berwick (Maine). Foto: 2012 Fred Field/The New York Times/laif
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nur wenigen Autoren gelingt es, so exzellent über Sex zu schreiben wie Nicholson Baker, weiß Rezensentin Verena Lueken, die sich den "unverschämt dreckigen" Fantasien des Autors mit Genuss hingibt. Und so gerät sie in diesem surrealen Roman in ein "Haus der Löcher", wo ihr nicht nur Männer begegnen, die ihren rechten Arm für einen größeren Penis opfern, sondern jener Arm nach dem Tauschgeschäft auch ein Eigenleben führt, um andere Frauen zu verwöhnen. Der Kritikerin erscheint dies als "Schlaraffenland des Sex", das keinen Raum für schlechte Pornografie lasse - so müsse man hier etwa im Darkroom erst einmal eine "Arschkneiferlizenz" erwerben. Auch Bakers zahlreiche  - und von Eike Schönfeld hervorragend ins Deutsche übersetzte - Wortneuschöpfungen für das männliche Geschlechtsteil haben die Kritikerin bestens amüsiert. Abgesehen von wenigen Längen kann sie diesen "erregenden" Roman nur uneingeschränkt empfehlen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Nur wenigen Autoren gelingt es, so exzellent über Sex zu schreiben wie Nicholson Baker, weiß Rezensentin Verena Lueken, die sich den "unverschämt dreckigen" Fantasien des Autors mit Genuss hingibt. Und so gerät sie in diesem surrealen Roman in ein "Haus der Löcher", wo ihr nicht nur Männer begegnen, die ihren rechten Arm für einen größeren Penis opfern, sondern jener Arm nach dem Tauschgeschäft auch ein Eigenleben führt, um andere Frauen zu verwöhnen. Der Kritikerin erscheint dies als "Schlaraffenland des Sex", das keinen Raum für schlechte Pornografie lasse - so müsse man hier etwa im Darkroom erst einmal eine "Arschkneiferlizenz" erwerben. Auch Bakers zahlreiche  - und von Eike Schönfeld hervorragend ins Deutsche übersetzte - Wortneuschöpfungen für das männliche Geschlechtsteil haben die Kritikerin bestens amüsiert. Abgesehen von wenigen Längen kann sie diesen "erregenden" Roman nur uneingeschränkt empfehlen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Nicholson Baker schreibt brillant über Sex Frankfurter Allgemeine Zeitung