Bindung und Sicherheit im Lebenslauf - Rass, Eva

Eva Rass 

Bindung und Sicherheit im Lebenslauf

Psychodynamische Entwicklungspsychologie. Geleitwort: Ornstein, Anna; Ornstein, Paul

Mitarbeit: Ornstein, Anna; Ornstein, Paul H.
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Bindung und Sicherheit im Lebenslauf

Die menschliche Entwicklung vom Mutterleib bis ins hohe Alter Eva Rass beschreibt die Entwicklung der menschlichen Psyche von der Schwangerschaft bis ins hohe Alter. Sie stellt die verschiedenen Phasen des Lebens als ein Kontinuum dar und zeigt, dass die Wege der Lebensgestaltung selbst im Erwachsenenalter unmittelbar von der aktiven Ausformung bestimmt sind: "Nichts fällt vom Himmel."

Eva Rass beantwortet die hoch umstrittene Frage, was entscheidender ist, Umweltfaktoren oder Genetik, so: Die Struktur des entstehenden menschlichen Gehirns ist eine Widerspiegelung der gelebten Erfahrung. Besonders die ersten 18 Monate sind von größter Bedeutung; der Affektregulation und der Qualität der Bindung kommen dabei eine Schlüsselrolle zu. Das Buch beginnt mit der Biologie der Schwangerschaft. Es stellt dann die folgenden Phasen des Lebens als ein Kontinuum dar.

Es wird deutlich, dass die Lebensgestaltung selbst im Erwachsenenalter von der aktiven Ausformung bestimmt ist.

Die erfahrene Kindertherapeutin Eva Rass erarbeitet eine Synthese der neuesten Entwicklungen in Bindungs- und Affektregulationstheorie, sozialer Neurowissenschaft und entfaltungsorientierter Psychoanalyse. Ihre Befunde sind, wie sie zeigt, evidenzbasiert.

Zielgruppe:

KinderärztInnen

- Kinderpsychiater

Kinder- und JugendlichentherapeutInnen

- SozialarbeiterInnen

- Pädagogen

- Jugendämter

- Familienbehörden

- Auszubildende und Studierende


Produktinformation

  • Verlag: Klett-Cotta
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 175 S.
  • Seitenzahl: 175
  • Deutsch
  • Abmessung: 236mm x 158mm x 22mm
  • Gewicht: 444g
  • ISBN-13: 9783608946864
  • ISBN-10: 3608946861
  • Best.Nr.: 33407680
»Die Autorin betont, dass frühe Erfahrungen zwar tief, aber nicht unbedingt zwingend beeinflussen - es wäre also zu simpel, das erwachsene Verhalten allein darauf abzuschieben. Interessant zum Beispiel auch zu lesen, was für Mutter-Kind-Interaktionen in der Schwangerschaft ablaufen, welche Funktionen Vaterfiguren ausfüllen oder welche Hormone bei Männern während der "Brutpflege" ausgeschüttet werden. Fazit: Faszinierende, teilweise aber sicherlich auch nicht völlig unumstrittene Thesen. Nicht nur Fachleuten, auch dem Laien werden hier wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien verständlich aufbereitet vermittelt. Somit nicht nur eine spannende Lektüre für Pädagogen, sondern auch für interessierte (werdende) Eltern.« Shermin Arif, SEIN, Oktober 2011 »Man möchte die Lektüre Eltern, Erzieherinnen und Lehrern ins Stammbuch schreiben; ohne dieses Wissen ist eine halbwegs vernünftige Erziehung, Pädagogik, Kinderpsychologie nicht möglich ... Alles in allem ... ein lesenswerter entwicklungspsychologischer Überblick mit viel Verve.« Götz Egloff, Kinderanalyse, April 2013 »Eine pragmatische Darstellung der Entwicklungslinie der menschlichen Psyche von der Geburt bis zum Ableben eines Menschen. Es ist unter anderem besonders geeignet für Psychologinnen und Psychologen, Psychiaterinnen und Psychiater, sowie Erzieherinnen und Erzieher und weitere Berufsgruppen die mit Klientinnen und Klienten verschiedener Altersgruppen arbeiten ... Die Betrachtung unterschiedlicher Aspekte in der Auseinandersetzung mit der menschlichen Entwicklung zeichnet das Buch als lesenswerten guten Überblick über die Bindungsentwicklung über die Lebensspanne aus.« Silke Remiorz, socialnet.de, 08.12.2011 »Die Autorin, langgediente Psychoanalytikerin und Kinderpsychotherapeutin, legt mit diesem Buch einen weitgespannten Bogen über die beobachtungsnahe Entwicklungspsychologie des Menschen unter psychodynamischem Blickwinkel vor. Unterstützt von neuen Forschungsergebnissen aus akademischer Psychologie und Neurowissenschaften, aber v.a. angelehnt an Erik Eriksons epigenetisches Entwicklungsmodell psychosozialer Krisen, werden entscheidende menschliche Entwicklungsaspekte dargestellt, die vom pränatalen Erleben bis hin zum späten Lebensalter reichen. Ich-psychologisch griffig, leicht verständlich und beherzt beschreibt Rass die wichtigen, nötigen und oft so kritischen Stufen der Bewältigung der Abschnitte in den verschiedenen Lebensaltern und ruft zu einer reflektierten, empathischen Selbstwahrnehmung dieser auf. Insbesondere die Darstellung kindlicher sensorischer Entwicklung und der Entwicklung im Jugendalter sind sehr eindrucksvoll, ja mitunter glänzend geschrieben.« Götz Egloff, Die Auswärtige Presse, 04.07.2012

"Die Autorin betont, dass frühe Erfahrungen zwar tief, aber nicht unbedingt zwingend beeinflussen - es wäre also zu simpel, das erwachsene Verhalten allein darauf abzuschieben. Interessant zum Beispiel auch zu lesen, was für Mutter-Kind-Interaktionen in der Schwangerschaft ablaufen, welche Funktionen Vaterfiguren ausfüllen oder welche Hormone bei Männern während der Brutpflege ausgeschüttet werden. Fazit: Faszinierende, teilweise aber sicherlich auch nicht völlig unumstrittene Thesen. Nicht nur Fachleuten, auch dem Laien werden hier wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien verständlich aufbereitet vermittelt. Somit nicht nur eine spannende Lektüre für Pädagogen, sondern auch für interessierte (werdende) Eltern." Shermin Arif, SEIN, Oktober 2011 "Man möchte die Lektüre Eltern, Erzieherinnen und Lehrern ins Stammbuch schreiben; ohne dieses Wissen ist eine halbwegs vernünftige Erziehung, Pädagogik, Kinderpsychologie nicht möglich ... Alles in allem ... ein lesenswerter entwicklungspsychologischer Überblick mit viel Verve." Götz Egloff, Kinderanalyse, April 2013 "Eine pragmatische Darstellung der Entwicklungslinie der menschlichen Psyche von der Geburt bis zum Ableben eines Menschen. Es ist unter anderem besonders geeignet für Psychologinnen und Psychologen, Psychiaterinnen und Psychiater, sowie Erzieherinnen und Erzieher und weitere Berufsgruppen die mit Klientinnen und Klienten verschiedener Altersgruppen arbeiten ... Die Betrachtung unterschiedlicher Aspekte in der Auseinandersetzung mit der menschlichen Entwicklung zeichnet das Buch als lesenswerten guten Überblick über die Bindungsentwicklung über die Lebensspanne aus." Silke Remiorz, socialnet.de, 08.12.2011 "Die Autorin, langgediente Psychoanalytikerin und Kinderpsychotherapeutin, legt mit diesem Buch einen weitgespannten Bogen über die beobachtungsnahe Entwicklungspsychologie des Menschen unter psychodynamischem Blickwinkel vor. Unterstützt von neuen Forschungsergebnissen aus akademischer Psychologie und Neurowissenschaften, aber v.a. angelehnt an Erik Eriksons epigenetisches Entwicklungsmodell psychosozialer Krisen, werden entscheidende menschliche Entwicklungsaspekte dargestellt, die vom pränatalen Erleben bis hin zum späten Lebensalter reichen. Ich-psychologisch griffig, leicht verständlich und beherzt beschreibt Rass die wichtigen, nötigen und oft so kritischen Stufen der Bewältigung der Abschnitte in den verschiedenen Lebensaltern und ruft zu einer reflektierten, empathischen Selbstwahrnehmung dieser auf. Insbesondere die Darstellung kindlicher sensorischer Entwicklung und der Entwicklung im Jugendalter sind sehr eindrucksvoll, ja mitunter glänzend geschrieben." Götz Egloff, Die Auswärtige Presse, 04.07.2012

»Die Autorin betont, dass frühe Erfahrungen zwar tief, aber nicht unbedingt zwingend beeinflussen - es wäre also zu simpel, das erwachsene Verhalten allein darauf abzuschieben. Interessant zum Beispiel auch zu lesen, was für Mutter-Kind-Interaktionen in der Schwangerschaft ablaufen, welche Funktionen Vaterfiguren ausfüllen oder welche Hormone bei Männern während der "Brutpflege" ausgeschüttet werden. Fazit: Faszinierende, teilweise aber sicherlich auch nicht völlig unumstrittene Thesen. Nicht nur Fachleuten, auch dem Laien werden hier wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien verständlich aufbereitet vermittelt. Somit nicht nur eine spannende Lektüre für Pädagogen, sondern auch für interessierte (werdende) Eltern.«
Shermin Arif, SEIN, Oktober 2011

»Eine pragmatische Darstellung der Entwicklungslinie der menschlichen Psyche von der Geburt bis zum Ableben eines Menschen. Es ist unter anderem besonders geeignet für Psychologinnen und Psychologen, Psychiaterinnen und Psychiater, sowie Erzieherinnen und Erzieher und weitere Berufsgruppen die mit Klientinnen und Klienten verschiedener Altersgruppen arbeiten ... Die Betrachtung unterschiedlicher Aspekte in der Auseinandersetzung mit der menschlichen Entwicklung zeichnet das Buch als lesenswerten guten Überblick über die Bindungsentwicklung über die Lebensspanne aus.«
Silke Remiorz, socialnet.de, 08.12.2011

»Die Autorin, langgediente Psychoanalytikerin und Kinderpsychotherapeutin, legt mit diesem Buch einen weitgespannten Bogen über die beobachtungsnahe Entwicklungspsychologie des Menschen unter psychodynamischem Blickwinkel vor. Unterstützt von neuen Forschungsergebnissen aus akademischer Psychologie und Neurowissenschaften, aber v.a. angelehnt an Erik Eriksons epigenetisches Entwicklungsmodell psychosozialer Krisen, werden entscheidende menschliche Entwicklungsaspekte dargestellt, die vom pränatalen Erleben bis hin zum späten Lebensalter reichen. Ich-psychologisch griffig, leicht verständlich und beherzt beschreibt Rass die wichtigen, nötigen und oft so kritischen Stufen der Bewältigung der Abschnitte in den verschiedenen Lebensaltern und ruft zu einer reflektierten, empathischen Selbstwahrnehmung dieser auf. Insbesondere die Darstellung kindlicher sensorischer Entwicklung und der Entwicklung im Jugendalter sind sehr eindrucksvoll, ja mitunter glänzend geschrieben.«
Götz Egloff, Die Auswärtige Presse, 04.07.2012
Eva Rass, Dr. paed., ist analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Dozentin und Supervisorin, war Vorstand des Institutes für Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Heidelberg.

Sie lehrt an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und an der Ärztlichen Akademie für Kinder und Jugendliche in München.

Inhaltsangabe

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Leseprobe zu "Bindung und Sicherheit im Lebenslauf" von Eva Rass

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Leseprobe zu "Bindung und Sicherheit im Lebenslauf" von Eva Rass

Geleitwort

Im Laufe der Geschichte haben sich viele Forscher und Denker die Frage gestellt, wie sich Körper, Seele und Umgebungsfaktoren wechselseitig beeinflussen. Insbesondere die Humanwissenschaften versuchen zu erfassen, warum frühe Ereignisse im Leben wesentlichen Einfluss auf den weiteren Lebensweg haben und wie emotionale Erfahrungen die Muster des strukturellen Wachstums beeinflussen. Forschungsergebnisse der Neurobiologie, der affektiven Neurowissenschaften, der Bindungs- und Kleinkindforschung sowie der Psychoanalyse konvergieren in zunehmendem Maße, und ihre Befunde werden mehr und mehr zu einem soliden Fundament, auf das sich das sozioemotionale und biopsychosoziale Geschehen stützen kann.

Eva Rass nimmt in diesem bemerkenswerten und mutigen Buch die Entwicklung der menschlichen Psyche von der Schwangerschaft bis ins hohe Alter in den Blick. In einer klaren und gut lesbaren Sprache sowie einer besonders pragmatischer Darstellung ist es ihr gelungen, die neuesten wissenschaftlichen Befunde, die für all jene nützlich sind, die sich mit Kinderentwicklung, mit Psychologie, mit Psychotherapie, mit Psychiatrie, mit Erziehung, aber auch mit den Entwicklungsprozessen im fortschreitenden Alter beschäftigen, nachvollziehbar darzustellen. Man merkt den Themen des Buches an, dass sie dem Praxisalltag einer erfahrenen Kindertherapeutin entstammen, die fortwährend mit Phänomenen des kindlichen Lebens inmitten seiner familiären und außerfamiliären Umgebung im derzeitigen Zeitgeist konfrontiert ist. Sie versteht es als ihre Aufgabe, sich auf Spurensuche zu begeben und die psychodynamischen Hintergründe der sich vor ihr ausbreitenden Probleme zu erforschen. Die Nöte der Kinder, die Sorgen ihrer Eltern und vielleicht sogar die Einflüsse der Großelterngeneration müssen dabei beachtet werden.

Die größte Herausforderung der Autorin lag in der Integration sowohl genetischer Voraussetzungen als auch des Einflusses von Umgebungsfaktoren auf den Säugling und das heranwachsende Kind. Die neueste Forschung zeigt, dass es diese beiden Faktoren sind, die die gesamte Entwicklung und so auch die des Gehirns fundamental beeinflussen. Es kann heute als gesichert gelten, dass die Struktur des entstehenden Gehirns eine Widerspiegelung der gelebten Erfahrung ist. In den ersten 18 Lebensmonaten ist dessen Wachstum am größten. Aus der Komplexität der biologischen und Umgebungsfaktoren wählte die Autorin jene Aspekte der frühen Entwicklung aus, die für das spätere Leben als höchst bedeutsam anerkannt werden, wobei der Affektregulation durch die Fürsorgepersonen und der daraus resultierenden Qualität der Bindung als Basisgeschehen eine Schlüsselrolle zukommt. Historisch gesehen lief die unmittelbar forschende Beobachtung der Fürsorgeperson-Säugling-Beziehung zunächst relativ unabhängig von Studien der Neurowissenschaften ab. Doch erkannten sowohl die affektiven Neurowissenschaften als auch die entfaltungsorientierte Psychoanalyse im Verbund mit der Bindungsforschung maßgebliche Zusammenhänge in der neuronalen und mentalen Entwicklung. Eva Rass weist den Leser darauf hin, dass die frühen Erfahrungen die Entwicklungsmuster zwar tief beeinflussen, jedoch keine lineare Evolution zeitigen, da das menschliche System flexibel und selbst in späteren Lebenszeiten für Veränderungen offen ist.

Die Autorin beginnt die Darstellung des Lebensverlaufs mit Überlegungen zur Psychobiologie der Schwangerschaft, da schon in diesem frühen Stadium die psychologische Haltung der Eltern das Gehirn und die Psyche des sich entwickelnden Fötus beeinflussen. Sie führt in einem weiteren Abschnitt in die Elternschaft als eine herausragende Funktion des Erwachsenenselbst ein. Diese Funktion verlangt vom Erwachsenen eine Einfühlung in den Säugling und das Kind, ohne dessen Bedürfnisse mit den Notwendigkeiten der eigenen, erwachsenen Psyche zu verwechseln. Der Eltern-Säugling-Dialog wird als ein Wechselspiel von Unterbrechung und erwartbarer Wiederherstellung der Bindung dargestellt, und der erfolgreiche Verlauf dieser wechselseitigen Interaktion ermöglicht den Aufbau einer stabilen Psyche, die mit einer spezifischen Widerstandskraft gegen spätere Belastungen ausgestattet ist. Eine wichtige Entwicklungszeit ist die Loslösungs- und Individuationsphase (angelehnt an Margaret Mahler), in der sich das Kind auf Basis der zuvor erworbenen Bindungsbeziehung in das Leben hinauswagt und dabei gewahr wird, dass es sich dabei von den wichtigsten Bezugspersonen zeitweilig löst, und in diesem dramatischen Geschehen auch noch sein eigenes Geschlecht entdeckt. Die Fürsorgepersonen sind in dieser Zeit sehr gefordert, wobei die Wichtigkeit des Vaters als zweite primäre Bindungsperson betont wird. Besonders kreativ ist der Abschnitt über die Bedeutung des kindlichen Spiels, da dadurch innerseelische "Spiel-Räume" und Konfliktbewältigungssphären entstehen sowie die schöpferische Zentrierung auf das eigene Selbst stattfindet. Diese Selbst-Zentrierung ist auch für die spätere Konzentration beim schulischen Lernen von großer Wichtigkeit. In diesem Kapitel - im Verbund mit dem Abschnitt zur Entwicklung der sensorischen Wahrnehmungsorganisation - wird das Wissen der Autorin um schulische Prozesse aus ihrer langen Vorerfahrung als Lehrerin spürbar. Von Bedeutung ist die Abhandlung zu Geschwisterbeziehungen, die in entwicklungspsychologischen Büchern häufig nur am Rande thematisiert werden. Die vorausgegangenen Abschnitte erleichtern das Verstehen der umwälzenden Phase der Pubertät, die eine Schwellensituation darstellt, in der die Errungenschaften des bis dahin Entwickelten auf ihre Stimmigkeit und Stabilität "abgeklopft" werden. Der Leser wird daran erinnert, dass die Natur dieser Entwicklungsprogression sowohl durch sozioemotionale - und wie wir betonen würden - auch durch ökonomische Umstände, in denen sich das Kind befindet, beeinflusst wird.

Ein besonderes Verdienst dieses Buches liegt darin, dass das Leben in seinen verschiedenen Phasen mit den darin eingebetteten Entwicklungsaufgaben als ein Kontinuum dargestellt wird, was nicht heißt - wie anfangs erwähnt -, dass nicht auch die Möglichkeit zu Veränderung besteht. Es wird aber nachvollziehbar, dass die Wege der Lebensgestaltung im mittleren, späteren und auch sehr hohen Erwachsenenalter unmittelbar von der aktiven Ausformung bestimmt werden, und dass "nichts" - so auch das Lebensgefühl im reifen Erwachsenenalter - einfach "vom Himmel fällt". Eva Rass arbeitet sensibel heraus, dass die Generation der jetzt sehr alten Menschen durch den Zweiten Weltkrieg häufig schweren Traumatisierungen ausgesetzt war, die sich bei nicht wenigen als nicht verarbeitete und nicht heilende Wunden zu Wort melden. Im letzten Abschnitt wird das unausweichliche Lebensende mit besonderer Tiefe behandelt.

Als uns Eva Rass als "Studentin" 1996 zum ersten Mal am "International Center for Self Psychology" an der Universität in Cincinatti aufsuchte, war sie trotz aller Erfahrenheit eine "Suchende", die ihre Tätigkeit als Kindertherapeutin aus der Sicht des Kindes in seinem Familiensystem wahrnahm, und einen analytischen Weg suchte, um der Elternarbeit und den damit verbundenen Umgebungsfaktoren gerecht zu werden, da die Verantwortung für das Kind, das am Ende einer Therapie wieder auf seine sozioemotionale Umwelt zurückgeworfen wird, einen erweiterten therapeutischen Zugang verlangt. Sie schlug konsequent den Weg des Child-Centred-Family-Treatment aus der Sicht der analytischen Selbstpsychologie ein, und so gab es keine Hindernisse, die neuesten Erkenntnisse der Neurobiologie und der Bindungs- und Affektregulationsforschung zu integrieren. Seit dieser Zeit weilte sie regelmäßig ein- oder zweimal im Jahr zu Studienaufenthalten zunächst in Cincinatti und später - nachdem wir umgesiedelt waren - in Boston bei uns. Im Laufe der Jahre rieten wir ihr dringlich, dass sie ihr umfangreiches wissenschaftliches und Erfahrungswissen aus der damit verbundenen Verantwortung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen sollte. Mit diesem Buch, das nicht nur eine Synthese der neuesten Entwicklungen der Bindungs- und Affektregulationstheorie, sozialer Neurowissenschaft und entfaltungsorientierter Psychoanalyse leistet, sondern eine Sammlung evidenzbasierter wissenschaftlicher Fakten, im Verbund mit einer Reflektion über deren Bedeutung für das menschliche Selbstverständnis darstellt, kommt sie dieser Verantwortung nach. Möge das Buch die zahlreichen Leser finden, die es verdient.

Anna und Paul Ornstein Boston, April 2011 Vorwort Als ich nach einem passenden Titel für das vorliegende Buch suchte, der den gesamten Lebensverlauf umfasst, kamen mir - angelehnt an die 2008 breit angelegte Kampagne des Ministeriums Familie, Senioren, Frauen und Jugend - die Begriffe "Gipfelstürmer" und "sicherheitsgebendes Basislager" in den Sinn. Ein krabbelndes Kleinkind in Windeln saß auf den unteren Stufen einer gewaltigen, hoch hinaufragenden Treppe. Das vital wirkende Baby blickte neugierig in die Welt und erweckte den Anschein, seine Potenziale entfalten zu wollen, um dann - auf dem Höhepunkt eines Entwicklungsschrittes - stolz seine Errungenschaften zu genießen. Da in diesem Buch auch die weiteren Entwicklungsphasen bis hin ins hohe Erwachsenenalter in den Blick genommen werden sollen, und auch der erwachsene Mensch seinen letzten Gipfel zu erreichen hat, hätte das Wort "Gipfelstürmer" auch für ihn gelten können. Da die meisten Menschen beim Begriff "Gipfelstürmer" aber zunächst an Bergsteiger oder Extremsportler und nicht an ein Baby oder den sehr alten Menschen denken, wurde dieser Buchtitel verworfen und ein Begriff gewählt, der die Voraussetzung für diese zweifache Expansion heraushebt.

Es kann heute als gesichert gelten, dass sich die Lebenseinstellung und die damit einhergehende Lebensstimmung im höheren Erwachsenenalter nicht von ungefähr einstellt, sondern ganz wesentlich vom vorherigen Lebensverlauf bestimmt wird. Diese vorausgegangene Entwicklung verläuft in aufeinanderfolgenden Phasen und Stufen, und die Bewältigung des jeweiligen Abschnittes ist mit dem Kontinuum des davor Gelebten verbunden. Die menschliche Entwicklung verläuft nicht immer linear und sie geht auch nicht immer nur in eine Richtung. Sie verläuft nicht gleichmäßig bergauf oder bergab, vielmehr werden viele Einflüsse auf verschiedenen Ebenen und in Auseinandersetzung mit Umgebungsfaktoren wirksam. Die Beschäftigung mit diesem Wechselspiel verlangt Flexibilität und Offenheit, da die verschiedenen Entwicklungsfaktoren nicht getrennt voneinander betrachtet werden dürfen. Entwicklung ist unter anderem ein bio logisches, psychobiologisches und mentales Phänomen und bezieht sowohl das Körperliche als auch das Psychische mit ein.

Diese immer größer werdende Komplexität führt zu einer wachsenden Anzahl an Themenfeldern, da sich neue Perspektiven und Erkenntnisfortschritte auch in den Methoden der Forschung und der Evaluation in den Humanwissenschaften niederschlagen. Untersuchungen zur Entwicklung des Menschen müssen dessen Entwicklungsumgebung berücksichtigen, die entsprechende Entwicklungsbedürfnisse hervorruft und die Bewältigung entsprechender Entwicklungsaufgaben verlangt.

Das vorliegende Buch legt den Fokus auf spezifische Entwicklungsaspekte in unserem Lebensraum und versucht, die Entwicklungslinie von der Befruchtung eines Eis bis hin zum späten Erwachsenenalter aus der äußeren und inneren Perspektive des Menschen zu beleuchten. Die Entwicklungspsychologie präsentiert sich dabei als eine multidisziplinäre Theoriengruppe. Die Forschungsergebnisse in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen beeinflussen einander nachvollziehbar wechselseitig und so gibt es heute kaum noch einen Wissenschaftsbereich, der isoliert vor sich hin arbeiten kann. Die Phänomene des Lebens lassen sich nicht mehr nur unter einem Aspekt erklären.

Nun erlaubt der breit gefächerte Wissenszuwachs in den letzten 50-60 Jahren - und insbesondere der Zeitraum zwischen 1990 und 2000 (dieser Zeitraum wird als die "Dekade des Gehirns" bezeichnet) - strukturelle Sequenzen im Entwicklungsverlauf wahrzunehmen, mithilfe derer - quasi wie ein roter Faden - die Komplexität der menschlichen Entwicklung konzeptuell erfasst werden kann, was sachdienlich ist, um sich nicht in der Fülle des bestehenden Wissens zu verlieren. Der Neurobiologie kommt dabei die Rolle einer Leitwissenschaft zu. Viele Veröffentlichungen namhafter Wissenschaftler im Bereich der modernen Hirnforschung erscheinen fast "psychologisch", da gerade dieser Wissenschaftsbereich erfasst hat, dass sich im Bereich der neurologischen Entwicklung wenig tut, ohne dass von außen, d.h. von der sozialen Welt, Impulse in das menschliche neuronale System gesendet werden (vgl. Damasio 1994/dt. 2004; Hüther 2006a; Roth 2006). Eisenbergs (1995) Formulierung: "The Social Construction of the Human Brain" zeigt schlaglichtartig die Abhängigkeit des sich entwickelnden Gehirns (aber auch des späteren und reiferen) von den Einflüssen der äußeren Welt; somit wird die fortwährende Wechselwirkung durch Interaktionen verständlich.

"Die Zeit ist reif" - wie es Allan Schore 2003 schon formulierte -, dass die Naturwissenschaften und die humanistischen Wissenschaften aufeinander zu gehen, um mit ihren spezifischen Erkenntnissen zu einer Konzeptualisierung der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen beizutragen, die Erklärungen dafür liefert, warum frühe Ereignisse im Leben einen so nachhaltigen Einfluss auf die weitere Entwicklung haben. Daraus ergibt sich die Frage, auf welche Weise emotionale Erfahrungen mit anderen Menschen die Muster des strukturellen Wachstums beeinflussen. Das wiederum verweist auf die Notwendigkeit, Forschungsergebnisse der Neurobiologie, der affektiven Neurowissenschaften, der Bindungs- und Kleinkindforschung, der Affektregulationsforschung, der Traumaforschung und der psychodynamisch ausgerichteten Psychotherapie zu integrieren.

Damit ist das Feld umrissen, in dessen Grenzen Phänomene der menschlichen Entwicklung - begrenzt durch selektive Ausschnitte der Forschungsvorhaben und der aktuellen persönlichen Sichtweise - beleuchtet werden sollen; gleichzeitig ist damit auch die Perspektive herausgearbeitet, aus der die menschliche Entwicklung vom Mutterleib bis ins späte Erwachsenenalter in den Blick genommen werden soll. Diese Perspektive ermöglicht es auch, sich mit den Veränderungen der Formen, der Inhalte und der Verhaltensweisen und gleichzeitig mit den Prozessen fortschreitender Differenzierung bei gleichzeitiger Ausrichtung und Zentralisierung auf ein Ziel zu beschäftigen.

Inhaltsangabe

- Geleitwort 9

- Vorwort 13

- Einleitung 16

Teil A: Entwicklungspsychologische Grundlagen 19

1 Die Neurobiologie der Mutter-Kind-Beziehung 19

2 Die Entwicklung der Affektregulation 26

3 Die Gewährung von Bindungssicherheit: Eine wesentliche Funktion von Elternschaft 33

3.1 Die zentralen Aussagen der Bindungstheorie 34

3.2 Elternschaft als Funktion des Erwachsenenselbst 38

3.3 Vater-Mutter-Kind: Die Bedeutung der Triade 42

4 Die sensomotorische Wahrnehmungsorganisation 45

4.1 Die rhythmische Synchronisation 47

4.2 Kontaktaufnahme mit der Wahrnehmungswelt des Kindes 49

- Die taktil-kinästhetische Wahrnehmung 51

- Die auditive Wahrnehmung 53

- Die visuelle Wahrnehmung 56

- Die Folgen einer unzulänglichen Wahrnehmungsorganisation 57

Teil B: Entwicklungsphasen in Kindheit und Jugend 61

5 Das Leben beginnt 62

5.1 Die Mutter-Kind-Interaktion in der Schwangerschaft 62

5.2 Die Geburt und der Prozess des Bondings 65

5.3 Exkurs: Frühgeburtlichkeit 66

- Die Ätiologie der Frühgeburt 68

- Das frühgeborene Kind 70

- Das Schmerzempfinden des Frühgeborenen 72

- Die entwicklungsfördernde Pflege 73

6 Perspektiven auf die frühe Kindheit 75

6.1 Die Notwendigkeit abgestimmter und "markierender" Resonanz 75

6.2 Die Teilhabe des Kindes an der entwickelten psychischen Organisation der Bindungsperson 77

6.3 Der Ablösungs- und Individuationsprozess 78

6.4 Die Grundlagen für stabile Selbst- und Objektrepräsentanzen 80

7 Spielen als Grundform kreativen Lebens und konzentrierten Lernens 82

7.1 Der "Spielraum" als Raum der Selbstorganisation und Entwicklung 82

7.2 Bindungssicherheit als Voraussetzung des kreativen Spielens 84

7.3 Phasen der Spielentwicklung 85

- Das Nachahmungsspiel und die Entdeckung von Urheberschaft 86

- Die Bedeutung der dialogischen Abgestimmtheit 86

- Spielerisches Erkundungsverhalten 88

- Spielverhalten mit Symbolcharakter 90

- Das Symbolspiel mit anderen Kindern 92

- Das Heranführen an Regelspiele.93

7.4 Vom frühen kreativen Spiel hin zum bindungsorientierten außerfamiliären Lernen 93

- Inhaltsverzeichnis 7

8 Von Natur aus anders - geschlechterspezifische Unterschiede 96

8.1 Heldendämmerung? Der Zeitgeist und die Krise der Jungen 98

8.2 Geschlechtstypische Verhaltensweisen 100

8.3 Väterlichkeit und Mütterlichkeit: Die Bedeutung der stimmigen Differenz 104

8.4 Die Vaterbeziehung und die Persönlichkeit des Jungen 110

8.5 Andersartigkeit bei Gleichwertigkeit als Entwicklungsspielraum 116

9 Geschwistererfahrung 118

9.1 Unterscheide dich! - Der wichtige Differenzierungsprozess unter Geschwistern 120

9.2 Entwicklungspsychologische Bedeutsamkeiten 121

9.3 Die Geschwistererfahrung der Eltern 124

9.4 Die Gewährleistung von Bindungssicherheit 127

10 Das Jugend- und frühe Erwachsenenalter 128

10.1 Körperliche Veränderungen und psychische Umbauprozesse 128

10.2 Die psychischen Umbauprozesse.130

10.3 Die Abgrenzung von den Eltern 132

10.4 Die Peergroup als "Entwicklungshelfer" 134

10.5 Sinnlichkeit und psychosexuelle Identität 135

10.6Schule und beruflicher Entwurf 137

10.7 Das Erwachsenenleben ruft 139

Teil C: Zentrale Themen im Erwachsenenalter 141

11 Entwicklungslinien im Erwachsenenleben 141

11.1 Älter-Werden hat Zukunft 141

11.2 Das späte frühe und mittlere Erwachsenenalter 144

11 3 Das Überschreiten der Lebensmitte 145

- Die Paarbeziehung 146

- Die Lebensqualität einschränkende Faktoren 148

- Der Mensch zwischen zwei Generationen 149

11.4 Das Dachgeschoss im "Haus des Lebens" wird bezogen 151

12 Das Lebensende: Der Gipfel ist erreicht 155

- Literatur 159

- Indexverzeichnis 171

4 Marktplatz-Angebote für "Bindung und Sicherheit im Lebenslauf" ab EUR 23,70

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